Der Sommer ruft, und es zieht uns an das Meer, wo Sonne, Strand, Wasser, Wellen und Wind warten, um uns das tiefe Gefühl von Urlaub zu geben. Da ist es umso verlockender, die Kamera auszupacken, um diese Stimmung in großartigen Bildern festzuhalten.

Am Meer fotografieren

Was nehme ich mit?

Welche Ausrüstungsgegenstände Sie für die Strandfotografie mitnehmen sollten, hängt natürlich stark davon ab, unter welcher Prämisse Sie losziehen möchten: Wollen Sie eigentlich einen ganz normalen Urlaubstag mit Strandspaziergang oder einen Badetag am Meer verbringen, dann ist wahrscheinlich eine kleine kompakte Kamera die richtige Wahl. Sie sollte jedoch genügend Einstellungsmöglichkeiten besitzen, um die Belichtungssteuerung gezielt den Gegebenheiten am Meer anpassen zu können (siehe weiter unten). In jedem Fall sollte Ihre Kamera außerdem spritzwassergeschützt sein und auch bei Wind und Wetter noch zuverlässig rbeiten können. Auch ein einblendbares Gitternetz oder eine Wasserwaage sind sehr sinnvolle Fähigkeiten der Kamera, um den Horizont bei weitläufigen Landschaftsaufnahmen gerade zu rücken.

Für mehr Flexibilität bei der Brennweite bietet sich eine Systemkamera mit Wechselobjektiven an, die trotz des großen Vorteils der beliebigen Brennweite noch klein und handlich genug ist, um in der Jackentasche zu verschwinden. Außerdem erregen so kleine Kameras nicht so viel Aufmerksamkeit wie beispielsweise große Spiegelreflexen, sowohl im Bezug auf Menschen, die Sie vielleicht als Teil der Szenerie fotografieren möchten, als auch und ganz besonders bezogen auf Langfinger, die einen unbeobachteten Moment nutzen möchten, denn von Weitem sehen sie nicht so wertvoll aus …

Setzen Sie Ihre Priorität während Ihres Ausflugs ans Meer jedoch ganz klar auf die Fotografie, kommen Sie um eine umfangreiche Ausrüstung nicht herum. Besonders dann, wenn die Aufnahmen nicht nur für das private Fotoalbum entstehen sollen, sondern eine ambitionierte Verwendung finden sollen wie beispielsweise für Bildagenturen, Ausstellungen oder andere Veröffentlichungen. Denn diessetzt eine ganz andere Qualität voraus, die Sie mithilfe einer hochwertigen Kameraausrüstung zu Ihrer Zufriedenheit erreichenwerden.

Was die Objektivauswahl angeht, benötigen Sie für Landschafts-aufnahmen, welche die Weite der Dünenlandschaft und der Küstenlinie einfangen, ein Weitwinkelobjektiv. Für herausgelöste Details wie weiter entfernte Personen, Schiffe, Seevögel, Leuchttürme eine Telebrennweite. Für sehr nahe Aufnahmen von zum Beispiel kleinen Tieren, Muscheln am Strand oder Spuren im Sand empfiehlt sich gegebenenfalls eine Makrolinse.

Was nehme ich mit?

Die beobachtende Reportagefotografie des menschlichen Treibens am Badestrand gelingt sehr authentisch mit einer Normalbrennweite. Welches Objektiv das richtige ist, hängt also stark davon ab, welchen Abschnitt der Küste Sie besuchen werden und welche fotografischen Themen Sie interessieren. Der Generalist setzt dementsprechend auf Zoom-Objektive oder eine umfangreichere Ausrüstung, die er am besten in einem Fotorucksack unterbringt, um sie auch längere Fußmärsche durch den Sand hinweg tragen zu können. Neben Kamera und Objektiven ist es sehr sinnvoll auch folgende Ausrüstungsgegenstände dabeizuhaben: erstens Reinigungsutensilien für die Objektive, da Spritzwasser schnell unschöne Wasserflecken auf der Frontlinse verursachen und am besten immer mal wieder entfernt werden sollten. So vermeiden Sie ein böses Erwachen, wenn Sie bei der späteren Nachbearbeitung trübe Bereiche im Bild entdecken.

Zweitens immer dann ein Stativ, wenn Sie die experimentelle Fotografie mit langen Belichtungszeiten, Mehrfachbelichtungen oder schnellen Aufnahmeserien wie etwa HDR reizt. Drittens können spezielle Filter bei Aufnahmen am Meer sinnvoll eingesetzt werden, wie zum Beispiel ein Polfilter, der Reflexionen unterdrückt und die Farben satter und klarer darstellt. Ebenso ein Grauverlaufsfilter, mithilfe dessen Sie den Kontrast zwischen Himmel und Wasser beziehungsweise Strand reduzieren und damit ohne zeichnungsfrei überoder unterbelichtete Bereiche im Bild überhaupt abbildbar machen können. Auch ein Neutraldichtefilter ist eine sinnvolle Ergänzung Ihrer Ausrüstung, um auch bei hellem Licht die Belichtungszeiten deutlich verlängern zu können, was für effektvolle Aufnahmen von weich gezeichnetem Wasserauch mitten am Tag unabdingbar ist.

Anforderungen an die Belichtung

Anforderungen an die Belichtung

Wie bereits angedeutet, ist die Belichtungsmessung und auch -steuerung am Meer insbesondere bei Sonnenschein nicht immer ganz einfach. Starke Reflexe auf der Wasseroberfläche und hohe Kontraste zwischen Himmel, Meer und Strand erschweren das Finden der richtigen Belichtungswerte. Nicht selten werden Sie sich einem solchen Fall auf eine der Belichtungsautomatiken der Kamera verlassen, die jedoch unter extremeren Bedingungen schnell überfordert ist beziehungsweise zu Ergebnissen führt, die Ihnen nicht immer gefallen werden. Denn das Problem bei der Fotografie am Wasser liegt darin, dass bei heller Sonne durch die vielen Reflexionen sehr schnell zu viel Licht vorhanden ist, das die Belichtungsmessung in die Irre führt. Dies führt in einem solchen Fall dazu,dass ein höherer Lichtwert ermittelt wird, als für die Aufnahme tatsächlich zur Verfügung steht und damit eine zu dunkle Belichtungseinstellung vorgeschlagen wird. Automatiken belichten solche Aufnahmen also tendenziell zu dunkel.

Besser ist es dementsprechend, wenn Sie gezielt eine Belichtungsmessungdurchführen, welche die Besonderheitender Aufnahmesituation berücksichtigt, das heißt, Siemessen durch die mittenbetonte Integral- oder MehrfeldmessungIhr Hauptmotiv und korrigieren anschließend denermittelten Wert manuell, sollte die Aufnahme zu dunkelwerden. Kontrollieren Sie dafür ein Testbild mithilfe desHistogramms Ihrer Kamera. Ist eine Korrektur notwendig,so muss diese so erfolgen, dass Sie die Aufnahmen leichtüberbelichten.

Unabhängig davon, also eher ergänzend zu dieser Methode,mit den hellen Reflexionen im späteren Bildergebnis umzugehen,ist der Einsatz eines Polfilters. Mithilfe dessen filternSie einen Teil der Reflexionen heraus und die Farben werdensatter, die Schärfe brillanter. Um die hohen Kontraste zwischen Himmel, Meer und Strand etwas abzumildern, kann ebenfalls ein Filter zum Einsatz kommen (Grauverlaufsfilter) oder aber eine Bildbearbeitung, die den Kontrast im Nachhinein abmildert. Je nach Motiv können Sie dafür schnell eine Bracketing-Reihe von mindestens drei unterschiedlichen Bildern anfertigen, um verschiedene Belichtungsvariantenfür die spätere Neukombination zur Verfügung zu haben. Bei mehr als drei Aufnahmen benötigen Sie gegebenenfalls ein Stativ. Bei bewegten Motiven, die dies nicht zulassen, sollten Sie aber auf jeden Fall im RAW-Format fotografieren, um zumindest alle darin gespeicherten Bildinformationen nutzen zu können. Entwickeln Sie dann eine dunklere und eine hellere Variante aus ein und demselben Bild, und kombinieren Sie diese so miteinander, dass Sie den größtmöglichen Kontrastumfang erhalten.

Landschaftsmotive am Meer

Für die aufwendige, gewissenhafte Landschaftsfotografie am Meer benötigen Sie etwas Vorbereitung. Denn je nach Thema benötigen Sie eine andere Ausrüstung. Lassen Sie sich auf keinen Fall von schlechtem Wetter abschrecken, da starker Wind, Regen oder gar sturmartige Böen zu höheren Wellen, unruhigerem Wasser und damit spannenderen Motiven führt als das seichte Plätschern an einem Sonnentag. Auch die Wolkenformationen sind bei schlechtem Wetter spektakulärer und ergänzen Ihr Bild zu einem dramatischen Ganzen. Verpacken Sie also sich und Ihre Kamera wetterfest, und machen Sie sich auf den Weg zu Motiven, die vielleicht nicht so komfortabel zu fotografieren sind, aber genau deshalbauch nicht so häufig fotografiert werden.

Ganz wichtig in dieser Hinsicht ist auch Folgendes: Erkundigen ie sich bereits im Vorfeld nach den Gezeiten! Nur so treffen Sie genau so viel Meer an wie Sie möchten. Wobei die Küstenlinie sowohl bei Ebbe als auch bei Flut einen ganz eigenen und besonderen Reiz hat: Bei Ebbe zieht sich das Meer immer weiter zurück und legt das noch nasse Watt frei, an tieferen Stellen bleibt das Wasser noch eine Weile stehen, es bilden sich Flüsschen, Rinnsale und Pfützen. Unzählige Tiere bleiben auf dem Sand zurück. Insbesondere direkt vor der Wasserlinie ist der Sand glatt, unberührt, fest und dunkel, während er an weiter entfernten Stellen bereits zu trocknen beginnt. Bei Flut ist es andersherum, der trockene Strand wird von Nässe überrollt und die tiefen Furchen füllensich langsam mit Wasser.

Um dieses immer wieder grandiose Naturspektakel festzuhalten, achten Sie vor allem auf Licht und Perspektive. Gegenlicht ist ideal, um das Wechselspiel zwischen nass und trocken beziehungsweise Wasser und Sand im Watt effektvoll in Szene zu setzen. Um die Wellen spannend ins Bild zu bringen, wählen Sie auch mal Perspektiven fernab des Standardblicks„auf Augenhöhe am Strand stehend und Richtung Meer blickend“: Drehen Sie sich um und fotografieren Sie das Wasser, das nach der Welle zurück ins Meer fließt oder den Strand aus dem Blickwinkel des Meeres.

Landschaftsmotive am Meer

Halten Sie die Kamera knapp über den Sand und fotografieren Sie die Wellen, die auf Sie zukommen. Halten Sie die Kamera ruhig einmal schräg, was als Fauxpas in der Landschaftsfotografie gilt, kann je nach Motiv nämlich durchaus seinen Reiz haben.Achten Sie insgesamt auf die Richtung des Lichtes und auch auf seine Qualität. In den Randzeiten des Tages verändert es sich sehr stark und fällt in einem flacheren Winkel auf die Erde. Die Schatten werden länger, die Kontraste sinken und die Farben verändern sich über Orange-Rot-Töne bis hin zu Blau und Grau am Abend – und am Morgen in umgekehrter Reihenfolge.

Wasser als Motiv

Eine Küstenlinie mit Wellenschlag oder gar starker Brandung zu fotografieren, ermöglicht Ihnen zwei grundlegende Herangehensweisen: Entweder belichten Sie die Aufnahme so, dass die Bewegung des Wassers im Stillstand eingefroren wird, oder Sie lassen die Bewegung in Unschärfe zerfließen. Die erste Variante führt zu harten, je nach Geschwindigkeit der Bewegung surreal festgehaltenen, zu einer Formation erstarrten Wasserbildern. Dadurch werden dieDetails der Bewegung bis hin zu einzelnen Tropfen scharf fokussiert und für den Betrachter klar erkennbar – eine Sache, die in der Realität bei der Beobachtung des Wellenschlags an der Küste unmöglich ist. Dadurch bekommen diese Bilder eine besondere Faszination, wirken aber im Großen und Ganzen eher hart, distanziert und gefährlich.

Weicher, wärmer und intimer wirken Wassermotive immer dann, wenn Sie die Belichtungszeiten so lang wählen, dass die Bewegung des Wassers vollständig verschwimmt, was bei mehreren Sekunden Belichtung der Fall ist. Das heißt, die Bewegung löst sich in vollständiger Unschärfe auf und nur unbewegte Motive wie der Strand, Steine, Küsten, Klippen oder ähnliches bleiben scharf fokussiert – umspült von einer watteartigen Unschärfe, die Konturen auflöst. Auch diese Bildergebnisse wirken je nach Grad der Verwischung surreal auf den Betrachter, da das menschliche Auge und Gehirn beimBetrachten von Wasser dieses auch so niemals wahrnehmen würde. Realistisch wirken lediglich leichte Bewegungsunschärfen von vielleicht 1/15 oder 1/30 Sekunde. Da eine Welle, die mit hoher Geschwindigkeit bricht, meist als Kombination aus Schärfe und Unschärfe wahrgenommen wird.

Experimentieren Sie also unbedingt mit der Länge der möglichen Belichtungszeiten. Nutzen Sie dafür ein Stativ und weichen Sie auf die Randzeiten des Tages aus, um auch sehr lange Belichtungszeiten zur Verfügung zu haben. Alternativ und wenn Sie Gefallen an solchen Aufnahmen finden, lohnt sich die Investition in einen Neutraldichtefilter, der das Objektiv vereinfacht ausgedrückt abschattet und so längere Belichtungszeiten auch am helllichten Tag möglich macht.

Tiere fotografieren

Sobald Sie in der freien Natur fotografieren, haben Sie neben der Flora immer auch die Fauna als Motiv zur Verfügung. Gerade am Meer ist es kaum möglich, keine Tiere vor die Linse zu bekommen, und seien es nur die kreischenden Möwen, die sich beinahe überall zu tummeln scheinen. Doch auch unzählige andere Seevögelarten, Fische, Schalentiere, Muscheln, Schnecken oder Quallen werden ohne Weiteres zu Motiven für Ihre Bilder. Sobald Sie in der Lage sind, Ihre Kameraausrüstung auch unter Wasser einzusetzen und Ihnen die Kombination aus Tauchen/Schnorcheln und Fotografieren Freude macht, dann lohnen sich Fernreisen in sogenannte Taucherparadiese. Dort bieten sich noch eine ganze Reihe weiterer Motive an wie Korallenriffe und ihre farbenprächtigen Bewohner, außerdem Schildkröten und größere Meerestiere. Motive, die am heimischen Meeresstrand natürlich undenkbar sind.

Menschen fotografieren

Menschen fotografieren

Auch andere Urlauber oder Strandspaziergänger bieten sich als Motive an. Ob als sehr kleiner unscheinbarer Eyecatcher in einem Landschaftsfoto, der die Größenverhältnisse einer Kulisse deutlich macht und dem Motiv etwas mehr Lebendigkeit einhaucht, oder als Hauptmotiv in einer ganz anderen Art der Strandfotografie: Surfende, wellenreitende, schwimmende, Boot fahrende, segelnde, am Strand liegende, spielende, laufende Personen sind Motive, die festzuhalten die Genres Sport- und Streetfotografie betritt. Auch dashat seinen Reiz, stellt aber ganz andere Herausforderungen an die Fotografie als die Konzentration auf die Natur. Sie müssen Ihre Kamera blind beherrschen, um schnell und weitestgehend unbemerkt auslösen zu können. Sportaktivitäten fordern zusätzlich extrem schnelle Auslösefolgezeiten, die Sie in der Regel mithilfe der Serienbildfunktion Ihrer Kamera und schnellen Speicherkarten erreichen. Reizen Sie Szenen am Strand, dann empfiehlt sich ein Teleobjektiv und natürlich etwas Taktgefühl, da sich am Strand sicherlich auch Anblicke bieten, die nicht fotografiert gehören. Im besten Fall holen Sie sich (im Nachhinein) das Einverständnis der fotografierten Person. Nicht nur weil dies eigentlich selbstverständlich sein sollte, sondern auch weil Sie der Person wahrscheinlich eine Freude machen.

Denn welcher Hobbysurfer hat schon spektakuläre Aufnahmen von sich selbst? Haben Sie deshalb Visitenkarten dabei, und sorgen Sie gewissenhaft dafür, dass die fotografierte Person bei Interesse die entstandenen Bilder erhält. Und vergessen Sie über all den spannenden Motiven nicht, selbst ein bisschen Urlaub zu machen, wenn Sie schon am Meer sind … cb/gb