BESSER FILMEN MIT DSLR UND DSLM

Sie haben eine Systemkamera mit Videofunktion, sind aber unsicher, wie Sie dieses Feature optimal nutzen? Kein Problem! Wir haben die wichtigsten Tipps und Tricks für gelungene Filmaufnahmen zusammengestellt.

Intro

Grundeinstellungen
Das sollten Sie vor dem Filmen mit Spiegelreflex und spiegellosen Systemkameras beachten.

1. Auflösung wählen
Full-HD-Auflösungen gehören derzeit zum Standard. Viele neue Kameras bieten sogar Ultra HD (4K). Doch ist es wirklich sinnvoll, grundsätzlich mit höchster Auflösung zu filmen? Für die bestmögliche Wiedergabe am Full-HD-Fernseher kommt man an der vollen Auflösung sicherlich nicht vorbei. Für YouTube oder Facebook genügen meist 720p-Videos. Wir empfehlen, auch in dieser Auflösung zu filmen. Das braucht weniger Speicher und erspart langwieriges Komprimieren.

2. Optimaler Sound
Die internen Mikrofone der Systemkameras liefern erfahrungsgemäß nur selten zufriedenstellende Tonergebnisse. Wer auf guten Sound Wert legt, verwendet ein externes Mikrofon (Klinken-Anschluss vorausgesetzt). Außerdem ist es ratsam, den Tonpegel, sofern möglich, manuell einzustellen, um Schwankungen der Lautstärke auszuschließen.

3. ISO-Stufen
Wirken die Aufnahmen zu dunkel, lassen sich die Motive auch ohne externes Licht über eine höhere ISO-Empfindlichkeit aufhellen. Doch Vorsicht: Allzu hohe ISO-Stufen führen schnell zu störendem grießelndem Bildrauschen. Wie stark das Rauschen ausfällt, ist von Kamera zu Kamera unterschiedlich. Am besten machen Sie eine Reihe von Testaufnahmen, um den kritischen Wert Ihres Modells zu ermitteln.

4. Weißabgleich
Bei Kunstlicht produziert der automatische Weißabgleich oft unschöne Farbstiche. Abhilfe schafft ein manueller Weißabgleich über ein weißes Blatt Papier, eine Graukarte oder eine Justierung der Kelvin-Werte direkt in der Kamera. Sind wärmere oder kühlere Bilder gewünscht, kann man einen falschen Weißabgleich auch bewusst als Stilmittel nutzen.

5. Kreative Videofilter
Viele Systemkameras sind mit interessanten Filtern ausgestattet. So wirken langweilige Tageslichtaufnahmen im kontrastreichen Schwarz-Weiß- oder im satten Farbdia-Look zum Beispiel deutlich stimmungsvoller. Die Effekte sind beeindruckend und zudem schnell umgesetzt. Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Einfach den entsprechenden Effekt wählen und die Wirkung auf dem Live-View-Display überprüfen.

Videos mit DSLR und DSLM

Gestaltungsmittel

Wer vom tristen Standard abweichen möchte, kann seinen Clips mit einigen Tricks mehr Pep verleihen.

1. Geschlossene Blende
Landschaftsaufnahmen benötigen eine größtmögliche Schärfentiefe und somit eine eher geschlossene Blende. Doch wie schon in der Fotografie sollte man auch beim Filmen die Blende mit Bedacht wählen. Eine maximal geschlossene Blendenöffnung führt zu optischer Beugungsunschärfe. Ein guter Kompromiss wäre etwa Blende 8 oder 11.

2. Offene Blende
Im Gegensatz zu Landschaftsmotiven kann die Blende bei Personen und Porträts sehr weit geöffnet werden. Die damit erzeugte Hintergrundunschärfe hebt das Motiv von eventuell störenden Hintergrundelementen ab und verleiht der ganzen Aufnahme einen faszinierenden Kino-Look.

3. Kamera stabilisieren
Filmaufnahmen verwackeln sehr leicht, da sich jede noch so kleinste Erschütterung direkt auf die Cam überträgt. Eine Nachbearbeitung ist alles andere als einfach. Um etwas mehr Ruhe in die Aufnahme zu bekommen, ist ein Bildstabilisator (entweder im Objektiv oder in der Kamera) sinnvoll. Hat Ihre Kamera Objektiv-Kombination keine entsprechende Funktion, empfehlen wir ein Einbein- oder Handstativ. Damit lassen sich leichtere Erschütterungen merklich besser ausgleichen.

4. Bildausschnitt
Neben den aus der Fotografie bekannten Gestaltungsregeln, wie dem Goldenen Schnitt, gilt beim Filmen vor allem, dass man bei bewegten Motiven nicht zu nah heranzoomen sollte. Die Kinder in unserem Beispiel würden sich schnell aus dem Bild bewegen, was zu hektischen Schwenks führt. Lassen Sie also lieber mehr Platz um Ihr Hauptmotiv.

5. Einstellungsgrößen
Videos erzählen Geschichten, und damit diese nicht langweilig werden, bedienen sich Regisseur und Kameramann verschiedener Einstellungsgrößen. Sicherlich haben Sie Begriffe wie Totale, Halbtotale und Nahaufnahme schon einmal gehört. Während eine Totale den gesamten Handlungsort zeigt, rückt die Nahaufnahmen Gesichter und Emotionen in den Fokus des Betrachters.

6. Objektive
Anders als viele Camcorder haben DSLRs und DSLMs den entscheidenden Vorteil, dass sie sich – passend zum Motiv – mit spezialisiertenWechselobjektiven austatten lassen. Für Details empfiehlt sich beispielsweise eine Makro-Festbrennweite. Porträts und Interviews lassen sich gut mit lichtstarken Standardzooms oder Festbrennweiten umsetzen.

7. Spitzlicht
Bei Innenaufnahmen kann Fensterlicht als zusätzliches Spitzlicht genutzt werden, um Personen besser vom Hintergrund abzuheben. Sollte das Gesicht anschließend zu sehr im Schatten liegen, hilft ein Aufhell-LED-Licht.

Videos mit DSLR und DSLM Portrait

Nachbearbeitung

So entsteht aus rohem Bildmaterial eine sehenswerte Geschichte mit dem nötigen Spannungsbogen.

1. Mehr Pep für Ihre Videos
Selbst ein simples Geschehen, wie jetzt das Lesen des RINGFOTO-Magazins, lässt sich im Schnitt in eine interessante Szene verwandeln. Der Trick: die Abfolge verschiedener Perspektiven und Einstellungsgrößen. Beginnen Sie zum Beispiel zur Orientierung mit dem Ort der Handlung und gehen über eine Nahaufnahme bis hin zur Detailaufnahme des Artikels, den Ihr Hauptdarsteller gerade liest. Wichtig ist die gute Mischung der Videobilder (siehe auch Kasten „Der Aufbau eines Kurzfilms“).

2. Clip-Export
Der Film ist fertig gschnitten, nun muss er exportiert werden. Doch welches Format ist das richtige? Als Laie tut man sich mit der Auswahl schwer. Viele Einsteigerprogramme bieten hier zum Glück hilfreiche Assistenten, die den Export entsprechend der gewünschten Wiedergabemedien optimieren. So lassen sich Filme für die TV-Wiedergabe zum Beispiel direkt im DVD- und Blu-ray-Format brennen. Für Webpräsentationen in gängigen Videoplayern oder zur Darstellung auf YouTube eignet sich die Komprimierung mit dem H.264-Codec im MP4-Container.

3. Präsentation auf dem HD-TV
Wer den oft zeitaufwendigen Videoschnitt umgehen möchte, kann seine Filme über ein optionales HDMI-Kabel auch direkt von der Systemkamera auf dem Full-HD-Fernseher abspielen. Die Kamera wird als externe Quelle erkannt. Selbstverständlich werden die einzelnen Clips dabei in voller Länge und in der Reihenfolge abgespielt, in der Sie sie aufgenommen haben.

4. Mit Musik vertonen
Für die musikalische Untermalung bieten Hersteller wie Magix eigene Songsammlungen, die im privatem Rahmen ohne Einschränkung verwendet werden können. Schwieriger wird es bei der kommerziellen Nutzung oder der Präsentation auf öffentlichen Veranstaltungen. In diesen Fällen empfiehlt es sich, vorsichtshalber auf GEMA-freie Musik zurückzugreifen, zum Beispiel von audioagency.de. Dort finden Sie eine große Bandbreite von Liedern für unterschiedliche Zwecke. Hören Sie mal rein!

5. Effekte sparsam anwenden

Durch effektstarke Überblendungen können Sie Ihren Film kräftig aufpeppen. Allerdings wirkt das Ergebnis schnell überladen und amateurhaft. Wer einmal bei Kino- oder TV-Produktionen bewusst darauf achtet, bemerkt, dass fast nur harte Schnitte und keine Wischblenden, Fade-ins oder andere kreative Effekte zu sehen sind. Unser Tipp an ambitionierte Hobby-Filmer: Tun Sie’s den Profis gleich. Weniger ist hier definitv mehr!