Wie gestaltet man ein Bild?

Gitterlininen

Die Möglichkeiten, ein Foto zu gestalten, sind so unterschiedlich und vielfältig, wie es Motive auf dieser Welt gibt. So gesehen beginnt Bildgestaltung bereits bei der Motivwahl: Nicht alles, was Ihr Auge interessant fndet, führt am Ende zu einem sehenswerten Bild. Dies liegt daran, dass Fotografe die Wirklichkeit nicht deckungsgleich wiedergibt, sondern mit ihren eigenen Mitteln interpretiert. Sie selbst erleben beispielsweise eine Szene in einem türkischen Bazar mit allen Sinnen: Ihre Augen nehmen visuelle Reize wahr, Sie sehen Gesichter, Farben und Strukturen. Ihre Nase nimmt Gerüche auf, Ihr Ohr akustisches Beiwerk: eine fremde Sprache, bislang unbekannte Klänge. Ihr Gehirn macht daraus ein subjektives Erlebnis, das sich mit einem Foto nur unvollständig beschreiben lässt. Möglichst viel in ein Bild zu packen, wäre aus dieser Sicht genau der falsche Weg. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf das Wesentliche eines Motivs und unterstreichen Sie die Bildaussage durch adäquate formale Mittel. Welche Ihnen zur Verfügung stehen und wie man sie einsetzt, ist Thema dieser Folge in der Fotoschule.

Motivanalyse und Bildaufbau

Der erste Schritt zu einem gelungenen Bild ist die Motivanalyse. Stellen Sie sich unter anderem folgende Fragen: Was ist das Besondere an diesem Motiv? Seine Form, seine Struktur, seine Farbe? Von wo kommt das Licht? Unterstützt das vorhandene Licht die Eigenheiten des Motivs oder nicht? Sollte man das Motiv zu einer anderen Zeit, in einer anderen Lichtsituation fotografieren oder ist der jetzige Moment genau der richtige? Welchen Aufnahmestandort wähle ich, welche Perspektive? Fotografiere ich im Hoch- oder Querformat? Mit Tele oder Weitwinkel? Wie viel Raum lasse ich um das Hauptmotiv? Tipp: Verwenden Sie häufger mal das Stativ, um Ihr Bild in aller Ruhe zu komponieren und Varianten auszuprobieren.

Goldener Schnitt

Der Goldene Schnitt bezeichnet ein bestimmtes Teilungsverhältnis einer Strecke oder Fläche, bei dem das Verhältnis des Ganzen (a+b) zum größeren Teil (a) dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil (b) entspricht. Als Formel: a+b/a = a/b (Bild 1). In Prozent ausgedrückt: die größere Strecke (a) entspricht knapp 62 Prozent der Gesamtstrecke, die kleinere etwa 38 Prozent. Das abgebildete Raster (Bild 2) zeigt die Aufteilung eines Rechtecks (Bildfenster) nach dem Goldenen Schnitt. Mehr zur Defnition und Konstruktion des Goldenen Schnitts unter: de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Schnitt

Drittelregel

Anstelle des Goldenen Schnitts wird in der Fotografe häufg die einfacher defnierte Drittelregel angewandt. Dafür wird das Bildfenster horizontal wie vertikal in drei gleich große Abschnitte unterteilt. Wie bei der Grafk mit dem Goldenen Schnitt bezeichnen die roten Markierungen jene Punkte, an denen nach diesem Gestaltungsmuster das Hauptmotiv bzw. der Schwerpunkt des Hauptmotivs platziert wird.

Drittelregel

Diagonale

Diagonale

Markante Motivlinien, die das Bildfeld als Diagonale kreuzen, schaffen Spannung. Nicht immer handelt es sich dabei um eine fast genau im 45-Grad-Winkel verlaufende Linie wie beim gezeigten Bildbeispiel. Auch spitzere Winkel bis etwa 30 Grad haben dabei die Wirkung einer Diagonalen. Durch Verlagern des Aufnahmestandpunkts erreicht man, dass die beabsichtigte Diagonalwirkung klar erkennbar wird und das Ganze nicht nach purer Nachlässigkeit seitens des Fotografen aussieht.

Gesichter positionieren

Ein Gesicht exakt in der Bildmitte zu positionieren, muss kein Fehler sein: Das Formatfüllend aufgenommene Porträt vor neutralen Hintergrund (rechts) wirkt durch seine Symmetrie zugleich harmonisch und kraftvoll. Das quadratische Bildformat tut hier sein Übriges. Wird jedoch das Umfeld einbezogen, sieht es in der Regel besser aus, wenn das Gesicht aus der Mitte gerückt wird (oben). Die gedachte Bilddrittelung verläuft hier horizontal durch die Augen und vertikal entlang des Nasenrückens.

Portraits

Bilddynamik und Blickführung

Die bisher vorgestellten Basics der Bildgestaltung wie Drittelregel, Goldener Schnitt, Hoch-/Querformat oder Horizontlage sind weder absolut zu setzen, noch eignen sie sich als Garanten für die Qualität eines Fotos als Ganzes. Denn jede „goldene“ Gestaltungsregel lässt sich auf ein langweiliges Motiv ebenso anwenden wie auf ein ausdrucksstarkes. Somit kommen folgende Fragen ins Spiel: Wirkt das Foto eher statisch oder dynamisch? In welchem Zusammenhang stehen Vorder- und Hintergrund zueinander? Hat sich der Fotograf Gedanken über die Blickführung gemacht? Antworten auf diese und andere Fragen fnden Sie auf dieser Doppelseite

Quer- oder Hochformat?

Quer und Hochformat

Nicht bei jedem Motiv hat man die Wahl zwischen Quer- und Hochformat. Doch wenn es funktioniert, sind völlig unterschiedliche Bilder das Resultat. Bei der Querformataufnahme wird der Vordergrund stark in die Breite gezogen, was die Wirkung der konvergierenden Fluchtlinien unterstreicht. Das Hochformat konzentriert den Blick auf die Straße, die eine direkte Verbindung mit den nach oben strebenden Bäumen aufnimmt. Mittel- und Hintergrund spielen fast keine Rolle mehr

Wo liegt der Horizont

Ein im unteren Bilddrittel angelegter Horizont fängt durch den großen Himmelsanteil mehr Weite ein, als ein im oberen Bilddrittel angesiedelter, der den Vordergrund betont. Die meisten fotografischen Lehrbücher sind sich außerdem darin einig, dass der Horizont nicht in der Bildmitte liegen darf, weil so das Bild in zwei Teile auseinander fällt.

Horizont