Perfekte Fotos

Unabhängig davon, welche Motive Sie fotografieren – wenn Sie Ihre Fotos bewusst gestalten und diese Bildgestaltung passend zu Ihrem jeweiligen Motiv wählen, werden Ihre Bilder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Im folgenden Artikel erfahren Sie, welche Bildgestaltungsmittel Ihnen zur Verfügung stehen und wann Sie diese wie einsetzen können, um etwas zu erreichen.

Bildbearbeitung

Stürzende Linien bringen eine starke Dynamik ins Bild und lassen es dramatisch und lebendig wirken. Diese Wirkung wird hier von dem leuchtenden Rot, der besonderen Lichtsituation und dem sehr starken Bildwinkel eines 20mm-Objektives unterstützt.

Jedes Foto weist drei Ebenen auf: Die wichtigste ist sicherlich die inhaltliche Ebene, das Motiv, also das, was auf dem Bild zu sehen ist. Je spannender, ungewöhnlicher und unbekannter das Motiv für den Betrachter ist, desto eher wird er sich das Foto ansehen und desto länger wird er es betrachten. Bei bekannten und schon oft fotografierten Motiven bedarf es also etwas anderem, um die Aufmerksamkeit auf ein Bild zu lenken – nämlich einer besonderen Art, das Motiv zu präsentieren, das Bild zu gestalten. Damit ist die Bildgestaltung die zweite, die formale Ebene eines Fotos. Die dritte ist dann die der Technik, mit der das Foto gemacht und gestaltet wird.

Im Folgenden zeigen wir Ihnen einige der wichtigsten Bildgestaltungsmittel, deren Ausprägungen und die jeweiligen Wirkungen, die sie auf das Bild und seinen Betrachter haben. Dabei geht es nicht um irgendwelche Bildgestaltungsregeln, die Sie befolgen müssen, um ein gutes Bild zu machen. Denn ob ein Bild gut ist, ist eine sehr subjektive Entscheidung. Stattdessen zeigen wir Ihnen die Zusammenhänge zwischen der gewählten Bildgestaltung und ihrer Wirkung auf.

Das Motiv zurechtschneiden

Die erste Entscheidung, die Sie als Fotograf treffen ist immer: „Was ist denn überhaupt mein Motiv?“ beziehungsweise „Was darf noch mit aufs Bild und was muss draußen bleiben?“. Das klingt zwar recht einfach, ist aber die Grundlage für das, was Sie mit Ihrem Bild aussagen. Nehmen Sie alles mit ins Bild, was Ihr Motiv unterstützt und blenden Sie alles andere einfach durch den Bildausschnitt aus. Je näher Sie an Ihr Motiv herangehen, desto weniger störende Elemente wird Ihr Bild aufweisen und desto aufgeräumter und konzentrierter wird es wirken. Wenn Sie also Ihre Familie auf dem Marktplatz aufnehmen wollen, müssen zumindest deren Gesichter und einige Marktstände erkennbar sein – die Beine, den Boden, den Himmel und die Häuser im Hintergrund können Sie jedoch gegebenenfalls außen vor lassen, weil sie für das eigentliche Motiv nicht wichtig sind und eher ablenken. Achten Sie dabei vor allem auf den Hintergrund, dort übersieht man sehr schnell kleine Bildelemente, die ein großes Aufmerksamkeitspotenzial haben. Zu solchen Störenfrieden gehören vor allem Schriftzeichen und Symbole, geometrische Formen, sehr helle Flächen oder Punkte sowie leuchtende (Signal-)Farben – Straßenschilder fallen beispielsweise gleich in mehrere dieser Kategorien. Mit der richtigen Brennweite oder einem kleinen Schritt zur Seite können Sie solche Elemente entweder jenseits des Bildrandes platzieren oder sie von etwas Größerem im Vordergrund verdecken lassen. Wenn Sie da rauf achten, werden Ihre Bilder mit einem Schlag ruhiger, konzentrierter und lassen Ihr eigentliches Motiv stärker zur Geltung kommen.

Eine Besonderheit des menschlichen Gehirns ist, dass es nur teilweise abgebildete Motive dennoch erkennt und automatisch vervollständigt. Deswegen können Sie auch Bildelemente anschneiden, ohne dass deren Erkennbarkeit deswegen leiden muss. Wählen Sie dafür den Bildausschnitt einfach so, dass die charakteristischen Merkmale erhalten bleiben, große Flächen ohne Details oder mit einem einheitlichen Muster können hingegen in den meisten Fällen problemlos angeschnitten werden. Gerade bei flächendeckend fotografierten Formwiederholungen, beispielsweise einer Schütte Obst auf dem Markt, setzt das menschliche Gehirn diese immer gleichen Strukturen ohne Begrenzung fort. Wenn Sie ein Lebewesen oder einen Gegenstand vollständig abbilden, erlangt dieser eine sehr hohe Aufmerksamkeit beim Betrachter. Dementsprechend können Sie einen Anschnitt ganz gezielt einsetzen, um das optische Gewicht eines Bildelements zu reduzieren. Wenn Sie also einen Kopf vollständig fotografieren, werden Gesicht und Haare nahezu gleich wichtig auf dem Bild erscheinen. Schneiden Sie die Haare jedoch an, verschiebt sich diese Gewichtung und das Gesicht tritt deutlich als Hauptmotiv in den Vordergrund. Gleichzeitig bringen Sie den Betrachter näher an dieses Gesicht heran, die Bildwirkung wird dadurch automatisch vertrauter und intimer. Insbesondere runde Motive sollten Sie wenigstens ein bisschen anschneiden, wenn auch noch andere wichtige Elemente mit auf dem Bild sind. Denn diese geometrische Form zieht, wenn sie vollständig abgebildet ist, die Aufmerksamkeit extrem stark an und gibt sie kaum wieder her.

Mit jedem Foto legen Sie gleichzeitig auch einen Ausschnitt aus der Realität fest, den Sie dem Betrachter präsentieren. Schon das Format dieses Ausschnitts hat eine Auswirkung, wie das Bild wahrgenommen wird. Das Querformat entspricht dabei dem menschlichen Sehen und wirkt deswegen bekannt, gewohnt, wenig aufregend, ruhig und stabil. Das Hochformat hingegen begrenzt unser quer ausgelegtes Blickfeld künstlich und enthält uns so Sachen vor, die wir normalerweise sehen würden. Das erhöht die Aufmerksamkeit und wirkt spannend, aufregend, aber auch unsicher und instabil. Anders hingegen das Quadrat, das wir vor allem von alten Schwarz-Weiß-Fotos kennen – als gleichmäßige Form wirkt es edel und ruhig, aber auch etwas langweilig und vollkommen statisch. Das Panoramaformat gibt es sowohl in hoch als auch in quer, wobei die jeweils entsprechenden Wirkungen deutlich verstärkt werden. Gleichzeitig sind solche Bilder nicht mehr mit einem Blick zu erfassen, der Betrachter muss seinen Kopf bewegen und seine Augen auf dem Bild „spazieren gehen“ lassen. Das erhöht die Hürde für den Einstieg in das Bild, aktiviert den Betrachter aber stärker und behält ihn länger im Bild, wenn er sich einmal darauf eingelassen hat.

Motive komponieren

Motive komponieren

Jedes Foto lässt sich in einzelne Bildelemente unterteilen, das sind einzelne, in sich geschlossen wahrnehmbare Einheiten. Bei einer Landschaftsaufnahme kann ein einzelner Baum ein Bildelement sein, aber auch eine geschlossene Waldfläche.
Bei so einem Bild wäre ein ganzer Mensch ein Element, bei einem Gesichtsporträt hingegen bilden Augen, Nase, Mund jeweils mehrere eigene Elemente. Innerhalb der Fläche Ihres Fotos ordnen Sie als Allerdings müssen sowohl die Bildidee als auch die Gestaltung des Fotos ein hohes Maß an Kreativität und ästhetik aufweisen, um noch als künstlerisch-gekonntes Fashionfoto angesehen zu werden und nicht wie ein ungeplanter Fehler zu wirken.

Fotograf die einzelnen Bildelemente an, auch wenn Sie die Realität so vorfinden und nicht oder nur bedingt beeinflussen können. Durch Ihren Kamerastandpunkt in Relation zum Motiv, durch die Brennweite und die Entfernung bestimmen Sie die Bildkomposition – ganz gezielt oder eher zufällig. Viele ungeübte Fotografen fokussieren das Motiv mit dem mittleren Autofokus- Messfeld und lösen dann sofort aus. Das Ergebnis sind dann viel zu oft sehr langweilig und unschön komponierte Bilder, bei denen das Motiv in der Bildmitte sitzt, unten spannende Bilddetails abgeschnitten werden und oben zu viel Fläche ohne Bildinformation ablenkt. Deswegen ist der erst Schritt zu besser komponierten Bildern, sich anzugewöhnen, erst zu fokussieren, dann den Bildausschnitt zu wählen und erst danach auszulösen Wenn Ihr Bild ein einzelnes Hauptmotiv aufweist, das sich deutlich erkennbar vom Rest des Bildes abhebt, verändert allein die Platzierung des Elements die Wirkung des Fotos. In der horizontalen Bildmitte wirkt es statisch und ruhig bis an die Grenze der Langeweile, aber auch fokussiert und aufmerksamkeitshaschend. Motive in der vertikalen Mitte wirken selten anders als unentschlossen und fehlerhaft irritierend. Verschieben Sie das Hauptmotiv deswegen ruhig aus der Mitte heraus, um etwas mehr Leben in Ihre Bilder zu bekommen.

Je weiter das Motiv am Rand sitzt, desto dynamischer, spannungsreicher und aufregender wirkt das Bild. Dabei gibt es jeweils zwei Punkte auf der X- und Y-Achse eines Fotos, an dem die Platzierung eines Bildelements als besonders harmonisch und ausgeglichen empfunden wird: der sogenannte Goldene Schnitt. An diesem Punkt wird eine Linie so geteilt, dass sich die gesamte Strecke zur längeren Teilstrecke genauso verhält, wie die längere zur kürzeren Teilstrecke. Noch stärker wird diese harmonisch ausbalancierte Wirkung, wenn Sie das Hauptmotiv sowohl horizontal als auch vertikal in den Goldenen Schnitt setzen.

Etwas anderes ist es, wenn Sie zwei Hauptelemente oder ein Haupt- sowie ein klar erkennbares Nebenelement in Ihrem Bild haben – dann gibt es zwei einfache Hilfen, wie Sie diese beiden im Bild platzieren können. Wenn Sie die Bildfläch gedanklich sowohl horizontal als auch vertikal in drei gleich große Flächen unterteilen, ergeben sich vier Schnittpunkte, an denen Sie Ihr Motiv anordnen sollten, wenn Sie eine möglichst gleichmäßige und harmonische Wirkung erzielen wollen. Nach dem gleichen Prinzip gehen Sie vor, wenn Sie mehr Spannung in die Anordnung bringen wollen, nur dass Sie das Bild horizontal in vier statt drei gleiche Flächen teilen, sodass Sie auf zwölf gleich große Flächen kommen. An den jeweils äußeren Schnittpunkten angeordnet, versprühen die beiden Bildelemente spürbar mehr Spannung und Dramatik, auch wenn die beiden Elemente in beiden Fällen gleichwertig angeordnet sind und gemeinsam das Motiv bilden. So gestaltet, hat Ihr Bild eine gewisse aufgeräumte Ruhe, natürlich können Sie die beiden Elemente auch abseits dieser beiden Raster platzieren, dadurch wird das Bild lebendiger, aber auch chaotischer und eines der beiden wird dadurch stärker gewichtet, also in den Vordergrund geschoben.

Motive komponieren

Mit Linien leiten

Die Linien eines Bildes sind die Straßen und Geländer für die Augen – im Idealfall leiten sie den Blick des Betrachters von einem Bildelement zum nächsten und verhindern, dass er aus dem Bild „fällt“. Deswegen ist auch eine stimmige Linienführung sehr wichtig für die Wirkung eines Bildes, wobei insbesondere die geraden und geschwungenen – also die geometrischen – Linien sehr viel auffälliger sind und stärker wirken als die organischen Linien, die sich aus den Umrissen von unregelmäßigen Formen und Flächen ergeben. Und natürlich gibt es auch bei den Linien unterschiedlich starke und dominante Linien, sozusagen Haupt- und Nebenlinien.

Ideal für das Bild ist es immer, wenn alle Hauptlinien im Bild anfangen und enden, weil dann der Blick des Betrachters nicht aus dem Foto gelenkt wird. Dabei wirken waagerechte Linien eher ausgeglichen und stabil, senkrechte hingegen dramatisch und stoppend. Bei den Diagonalen hängt die Wirkung auch von der Richtung ab: von links nach rechts aufsteigende Linien wirken positiv, abfallende jedoch negativ, auch wenn beide Dynamik ins Bild bringen. Wenn die Linien dann auch noch eine in sich geschlossene Form ergeben, bei der eine tragende Linie zur nächsten und keine von der Form wegführt, spricht man von einer geschlossenen Blickführung, die den Betrachter im Bild hält. Linien hingegen, die in alle Richtungen durcheinanderlaufen, lassen das Bild unruhig, wirr und unaufgeräumt wirken.

Wenn es sich jedoch nicht vermeiden lässt, dass die dominanten Linien das Bild verlassen, sollten sie diese in die Ecken laufen lassen, das gibt dem Foto eine aufgeräumte Ruhe. Am stärksten wird der Blick übrigens durch Linien nach rechts aus dem Bild katapultiert, da die Bewegung von links nach rechts unserer Leserichtung entspricht. Nach unten führende Linien stören hingegen vergleichsweise wenig, sofern das Bild dort durch einen dunklen Bereich abgeschlossen wird. Natürlich gibt es immer wieder auch Linien, die ein Foto vollständig durchtrennen. Während dadurch in der Vertikalen in der Regel zwei eigenständige Bilder entstehen, was nur zu wenigen Motiven passt, wird das in der Horizontalen vom Auge schneller verziehen. Das führt dazu, dass der Betrachter die unbegrenzte Linie fast schon ins Unendliche weiterdenkt. Der prominenteste Vertreter dieser Gattung ist die Horizontlinie, die bei Landschaftsaufnahmen den Himmel von der Erde beziehungsweise vom Wasser in zwei Flächen trennt. ähnlich wie bei einem Bildelement beeinflussen Sie mit der vertikalen Platzierung dieser Linie das ganze Bild – je näher sie am Bildrand verläuft, desto spannungsreicher ist die Bildsprache und im Goldenen Schnitt wirkt das Bild ausgewogen und harmonisch. Die Horizontlinie allerdings direkt in die Mitte zu legen, wirkt sehr statisch und unentschieden. Denn mit dieser Linie legen Sie auch die Gewichtung zwischen den beiden Flächen fest – liegt sie in der unteren Hälfte, ist der Himmel größer und damit wichtiger, liegt sie in der oberen Hälfte, ist die Landschaft das Hauptmotiv.

Eine weitere Art sind Fluchtlinien, also Linien, die sich in einem Punkt innerhalb oder außerhalb des Bildes treffen. Diese erzeugen eine sehr räumliche Anmutung, so als könnte man in das Bild hineingreifen – parallel verlaufende Linien wirken hingegen plakativ und flächig. Dieselbe flache Wirkung haben übrigens auch Bilder ohne ausgeprägt sichtbare Linien.

Die Kombination machts

Die Kombination machts

Schnitt, Platzierung und Linien sind die ureigensten Mittel der Gestaltung, die Ihnen mit jeder Kamera zur Verfügung stehen – Sie brauchen nur einen Sucher und ein gutes Auge. Natürlich gibt es noch mehr Bildgestaltungsmittel, die Sie als Fotograf einsetzen können, beispielsweise Licht, Farbe, Kontraste, Schärfe und Unschärfe. Um diese jedoch gezielt einzusetzen und steuernd zu gestalten, muss Ihre Kamera jeweils bestimmte technische Funktionen und Einflussgrößen aufweisen. Für alle Bildgestaltungsmittel gilt, dass die Wirkung der jeweiligen Ausprägung immer dann am deutlichsten zu sehen ist, wenn man zwei Bilder miteinander vergleicht, die bis auf dieses eine Gestaltungsmittel identisch sind. Probieren Sie es doch ruhig einmal aus und machen Sie von einem Motiv mehrere Varianten mit je nur einem Unterschied: Hoch- und Querformat, verschiedene Bildausschnitte, vollständig abgebildet und angeschnitten, die Horizontlinie oben und unten. Sehen Sie sich diese Bilder am Rechner in groß an, so entwickeln Sie Ihr eigenes fotografisches Sehen gezielt weiter.

Außerdem ist jedes Bildgestaltungsmittel immer nur ein Teil, ein Beitrag zur gestalterischen Gesamtwirkung des Bildes, die sich aus der Kombination aller Gestaltungsmittel ergibt. Mal ist dieser Beitrag größer, mal nur gering, das hängt vom jeweiligen Motiv ab. Und erst alle Gestaltungsmerkmale zusammen ergeben die Bildwirkung. Diese sollte immer zu dem gewählten Motiv passen, es unterstützen. Denn wenn Sie beispielsweise die majestätische Ruhe eines Gebirgssees einfangen und transportieren wollen, wären Hochformat, enger Anschnitt, schräge Linien und viele kleinteilige Bildelemente im Vordergrund sicherlich nicht die richtige Wahl, um dieses sanfte, ausgeglichene Gefühl beim Betrachter hervorzurufen.

Die Wirkung von Gestaltungsmitteln ist selbstverständlich auch keine direkte und hundertprozentige 1:1-Beziehung. Denn auch der subjektive Geschmack, die Sehgewohnheiten sowie die Kultur- oder Gruppenzugehörigkeit des Betrachters spielen dabei eine Rolle. Aber bei den meisten Betrachtern lösen bestimmte Ausprägungen eines Bildgestaltungsmittels auch die gleichen Wirkungen und Gefühle aus. Wenn Sie als Fotograf diese Wirkzusammenhänge kennen und bei der Aufnahme berücksichtigen, können Sie diese gezielt einsetzen und damit sehr stark beeinflussen, wie Ihr Bild vom Betrachter aufgenommen wird und wie es bei ihm wirkt. Zusätzlich zu der Suche nach spannenden Motiven haben Sie mit der Bildgestaltung ein zweites, sehr mächtiges Instrument in der Hand, um Ihre Bilder aufregender und aussagekräftiger zu machen.