Was ist Perspektive?

Eifelturm

Frühe Formen perspektivischer Darstellung will man bereits in alten Höhlenbildern entdeckt haben, doch erst in den Bildwerken der Renaissance findet sich eine konsequent umgesetzte Zentralperspektive. Als ihr „Erfinder“ gilt gemeinhin der italienische Künstler und Architekt Filippo Brunelleschi (1377–1446).

Perspektive ändert sich

Um die Perspektive zu wechseln, muss man den Aufnahmestandort ändern. Das linke Bild wurde aus größerer Entfernung mit Telebrennweite aufgenommen. Beim rechten Bild kam ein Weitwinkel zum Einsatz, Aufnahmestandpunkt ist jetzt direkt am Fuß des Turms. Das Größenverhältnis von Basis und Spitze des Turms hat sich geändert und entspricht nicht mehr der Realität.

Fluchtpunkte führen das Auge

Für die perspektivische Darstellung von Objekten im Raum spielt die Zentral- bzw. Fluchtpunktperspektive eine entscheidende Rolle – zum Beispiel in der Architekturfotografie, nachzulesen im Beitrag auf den Seiten 16–23. Das linke Bild zeigt eine Zentralperspektive; die vom Vorder- zum Hintergrund verlaufenden Raumkanten fluchten in einem Punkt (F). Eine zweite Variante, die beim Fotografieren von Räumen oder Gebäuden häufig vorkommt, ist die Übereck-Perspektive mit zwei Fluchtpunkten.

Perspektive bleibt gleich

Wird mit unterschiedlicher Brennweite von einem festen Standort aus fotografiert, so bleibt die Aufnahmeperspektive immer die gleiche. Für eine Brennweitenserie bedeutet dies: Prinzipiell ließen sich aus der mit kürzester Brennweite entstandenen Aufnahme nachträglich alle Bildausschnitte realisieren, die mit den nachfolgenden längeren Brennweiten entstanden sind. Der Nachteil bestünde allerdings darin, dass die Bildqualität im gleichen Maß zurück ginge, wie die Ausschnitte knapper würden. Den optimalen Bildausschnitt bereits bei der Aufnahme festzulegen, macht aus Qualitätsgründen also durchaus Sinn. links: 70 mm; rechts: 300 mm.

Gemälde

Varianten der Perspektive

Perspektive kommt vom lateinischen „perspicere“ (hindurchsehen, hindurchblicken) und ist definiert durch das Abstandsverhältnis von Objekten im Raum in Bezug auf den Standort des Betrachters. Daraus lässt sich für die fotografische Praxis ableiten: Die wichtigsten Werkzeuge zum Erforschen der Perspektive sind neben Ihren Augen und dem Kamerasucher Ihre Beine: Bleiben Sie in Bewegung und experimentieren Sie mit allen Aufnahmestandpunkten, die unter den gegebenen Umständen möglich sind. Variieren Sie den Aufnahmeabstand, den Betrachtungswinkel und die Höhenposition (Augenpunkt). Und verwenden Sie die variable Brennweite Ihres Zoomobjektivs mehr zur Feineinstellung des Ausschnitts als dazu, an einem Aufnahmestandort zu verharren.

Fischaugenperspektive

Fischaugenperspektive

Fisheye-Objektive bilden gerade Linien, die nicht durch die Bildmitte verlaufen, gekrümmt ab. In der Gesamtwirkung ergibt sich dabei eine stark tonnenförmige Abbildung – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu Weitwinkel- und Superweitwinkelobjektiven, die keine entsprechende Verzeichnung aufweisen.

Panorama

Panoramabilder sind durch ihr besonderes Seitenverhältnis gekennzeichnet: Ab einem Verhältnis von 2:1 (Breite gegen Höhe) wird man ein Bild in der Regel als Panorama einstufen; ab 3:1 zeigt sich ein Panorama im Vollbild. Neben dem Seitenverhältnis definiert sich Panoramafotografie in der Regel aber auch durch große Bildwinkel. Ein extremes Weitwinkel von 14 mm Brennweite schafft an einer Vollformat-DSLR einen Bildwinkel von „nur“ 114 Grad, während bei digitalen Panoramen 180 Grad nichts Außergewöhnliches und 360-Grad-Rundumsichten möglich sind. Realisieren lässt sich dies durch Software unterstütztes Stitching (Nähen) mehrerer Einzelaufnahmen zu einem Panoramabild.

Panorama

Die Vogelperspektive

Vogelperspektive

Die Normalperspektive entspricht in etwa der eines gerade nach vorne schauenden Fußgängers. Liegt der Augenpunkt (Horizont) dagegen deutlich oberhalb des zu fotografierenden Gegenstands, spricht man von Vogelperspektive. Meistens handelt es sich dabei um Schrägsichten.

Die Froschperspektive

Die Froschperspektive ist das Gegenteil der Vogelperspektive: Der Augenpunkt liegt unterhalb des zu fotografierenden Gegenstands oder in Bodennähe. Dadurch wird der Vordergrund stark betont.

Froschspektive