Fotografieren ist „Malen mit Licht“, denn der gesamte physikalische Prozess basiert auf Licht, das in die Kamera einfällt und dort auf lichtempfindliches Material trifft. Doch nicht nur auf die Physik bezogen, sondern auch gestalterisch ist Licht das zentrale Element der Fotografie.

Lichtquellen

Ohne Licht ergäbe sich ein vollkommen schwarzes Bild, weshalb selbstverständlich bei jedem Foto auch Licht im Spiel ist. Für eine korrekte Belichtung des Bildes muss eine bestimmte Menge Licht in die Kamera gelangen. Wird darüber hinaus das Licht in seiner Helligkeit, Farbe oder Qualität im Bild sichtbar, wird es zu einer gestalterischen Größe, deren bewusster und gezielter Einsatz die Wirkung eines Bildes nachhaltig prägen kann. Licht und Schatten werden dann zu sehr vielfältigen Aspekten der Bildgestaltung oder sogar zu einem eigenständigen Motiv, das eine Aufnahme allein trägt. Es gilt also neben der Beherrschung der technischen Belichtungssteuerung, die Augen offenzuhalten nach Lichtsituationen, die für sich allein aus einer langweiligen Szenerie einen fotogenen Hingucker und damit ein spannendes Motiv machen.

Belichtung

Um ein Foto richtig belichten zu können, muss die Menge des vorhandenen Lichtes herausgefunden werden, was durch die Belichtungsmessung erfolgt. Dem dabei ermittelten Lichtwert werden eine ganze Reihe an möglichen Blendezeit- ISO-Kombinationen zugeordnet, die jede für sich zu einer stimmenden Belichtung führen würden. Welche der Kombinationen Sie für eine Aufnahme wählen – oder automatisch durch Ihre Kamera wählen lassen – ist rein physikalisch betrachtet unerheblich. Wobei nicht alle Kombinationen tatsächlich möglich oder sinnvoll sind: Der Blendenbereich des Objektivs und die kürzestmögliche Verschlusszeit machen einige Kombinationen schlicht unmöglich, während Verschlusszeiten ab einer bestimmten Länge zu (vielleicht) unerwünschten Verwacklungen führen.

Auf bildgestalterischer Ebene sollte die Entscheidung für eine Kombination jedoch auf gar keinen Fall willkürlich erfolgen, weshalb die Vollautomatik der Kamera für eine bewusste und gezielte Bildgestaltung kaum empfehlenswert ist. Denn eine weiter geöffnete Blende führt zu weniger, eine eher geschlossene zu mehr Schärfentiefe im Bild, während kürzere Belichtungszeiten Bewegungen einfrieren und längere zu Wischspuren im Bild führen.

Je mehr Licht vorhanden ist, desto mehr Kombinationsmöglichkeiten von Blende und Zeit stehen zur Verfügung und desto niedriger kann die Lichtempfindlichkeit (ISO) gewählt werden, was die Qualität der Aufnahme verbessert. Dementsprechend wichtig ist die Lichtmenge für die Belichtung:

Zu wenig Licht führt irgendwann zwangsläufig zu einer vollständig geöffneten Blende, langen Belichtungszeiten und hohen ISO-Zahlen, was den gestalterischen Spielraum einschränkt und zu deutlichem Rauschen im Bild führt. Und auch zu viel Licht kann Sie an die Grenzen Ihrer Ausrüstung führen, wenn die Blende nicht mehr weiter geschlossen und die Verschlusszeiten nicht mehr verkürzt werden können. Doch dieses Problem tritt wesentlich seltener auf – in der Regel kämpft der Fotograf damit, zu wenig Helligkeit zur Verfügung zu haben. Die Lichtmenge variiert entweder durch die Anzahl an (Kunst-)Lichtquellen oder bei Sonnenlicht durch die Tageszeit, die Jahreszeit und die Wetterlage.

Lichtquellen

Grundsätzlich werden natürliche und künstliche Lichtquellen unterschieden. Erstere ist sicherlich in erster Linie die Sonne, doch auch der Mond und Blitze geben natürliches Licht ab. Die Bandbreite der künstlichen Lichtquellen ist wesentlich umfangreicher: explizit auf die Fotografie ausgelegte Blitz- und Dauerlichtanlagen, Systemblitze, Baustrahler, Neonröhren, LED-Lampen, Halogenlampen, Glühbirnen und Kerzen. Auch Aufheller sind künstliche Lichtquellen, selbst wenn sie gerade natürliches Licht reflektieren. Im Grunde genommen kann alles für die Belichtung eines Fotos verwendet werden, was in irgendeiner Weise Helligkeit absondert.

Neben der Menge an Licht, können Lichtquellen auch nach ihrer Kontinuität und nach ihrer Farbe kategorisiert werden: Blitz- und Stroboskoplampen geben ihr Licht sehr schnell, aber nur kurz ab, während alle auerlichtlampen kontinuierliches Licht abgeben. Erstere sind in der Regel heller, Letztere hingegen leichter in die Bildgestaltung einzubinden, da Sie als Fotograf das vorhandene Licht auch tatsächlich sehen und beurteilen können. Darüber hinaus hat Licht je nach seiner Wellenlänge eine andere Farbe und diese ist nicht bei allen Lichtquellen identisch. Auch wenn das Licht für unsere Augen weiß erscheint, werden auf einem Foto diese Lichtfarben deutlich sichtbar und haben einen sehr subtilen Anteil an der Atmosphäre und emotionalen Stimmung im Bild. Gleichzeitig kann die Farbe des Lichtes zu sehr starken und auch störenden Farbstichen führen.

Lichtquellen

Die Farbe des Sonnenlichtes verändert sich im Tagesverlauf: Morgens kurz nach der Dämmerung ist das Licht blau (Blaue Stunde), bevor es sich zum Sonnenaufgang ins Gelb-Orange und dann ins glühend Rote verfärbt. Zum Mittag hin wird das Licht immer bläulich-weißer, bevor es am Abend wieder mit einem tiefen Rot- Orange-Gelb zum Sonnenuntergang zugeht. Kaum ist die Sonne untergegangen wird das Licht erneut tiefblau, bevor es mit der Dämmerung verschwindet. Nachts herrscht je nach Mondphase bleiches Mondlicht oder Dunkelheit, wobei diese hierzulande selten absolut ist – das Restlicht diverser künstlicher Lichtquellen lässt auch nachts den Eindruck vorhandenen Lichts entstehen.

Weißabgleich

Weißabgleich

Je nachdem, für welche Lichtquelle Sie sich entscheiden, sollten Sie nicht vergessen, den Weißabgleich Ihrer Kamera darauf abzustimmen. Dieses Werkzeug macht nichts anderes, als die Farbe Weiß anhand fester Parameter zu definieren und alle anderen Farbtöne entsprechend daran orientiert darzustellen – und das bei Bedarf für jedes Bild separat. In der Regel werden Ihnen dazu die gängigen Lichtquellen als Optionen vorgegeben. Auch ein automatischer Weißabgleich steht häufig zur Verfügung, der aber je nach Motiv mit Vorsicht zu genießen ist, da hier meist der hellste Bereich im Bild als Weiß definiert wird – und das auch dann, wenn dieser eigentlich eine andere Farbe hat. Wirklich sicher gehen Sie in jedem Fall mit einem manuellen Weißabgleich, der auch im Gegensatz zu den wählbaren Lichtquellen leichte Farbschwankungen berücksichtigt. Ein tatsächlich weißer Gegenstand wird fotografiert und anschließend als Weiß definiert.

natürliche Farbtöne zu erzielen, doch auch ein kreativer Umgang mit dem Weißabgleich ist möglich, um extrem künstliche Farbwelten zu erschaffen. Arbeiten Sie mit dem RAW-Aufnahmeformat, haben Sie die Möglichkeit, den Weißabgleich im Nachhinein zu verändern, anzupassen oder sogar erstmals gezielt zu wählen. Das JPEG-Format verlangt hingegen diese Einstellung schon vor der Aufnahme.

Kombinieren Sie mehr als eine Lichtquelle unterschiedlicher Farbe, entsteht eine sogenannte Mischlichtsituation, die sich dadurch äußert, dass trotz natürlicher Farbtöne zusätzlich Farbstiche im Bild vorhanden sind. Denn der Weißabgleich kann immer nur auf eine Lichtquelle ausgerichtet werden, wodurch nur ein Teil der Farben authentisch wiedergegeben werden.

Lichtqualität

Neben der Lichtmenge und der Farbe ist es für den Einsatz von Licht im Bild wichtig, welche Qualität es hat: Ist es hart oder weich? Hartes, gerichtetes Licht erzeugt scharf umrissene, deutlich sichtbare Schatten mit schwarzem Kern, die durch den hohen Kontrast außerdem sehr dunkel sind. Die Wirkung ist dramatisch, dominant, plakativ, männlich, unnahbar, böse, brutal und die grafischen Aspekte des Bildes werden besonders stark betont. Bei weichem, diffusem Licht fällt die Schattenbildung wesentlich unauffälliger aus als bei hartem Licht, da die Konturen aufgeweicht werden und nur der Kernschatten dunkel bleibt. Je weicher, heller und näher die Lichtquelle, desto weiter reicht der Grad dieser Schattenauflösung bis hin zu kaum oder gar nicht mehr sichtbaren Schatten bei extrem gestreutem Licht. Durch die sanften Schatten wirken Aufnahmen mit diffusem Licht detailreich, weiblich, ruhig, friedlich, zart und harmonisch bis hin zu märchenhaft.

Lichtrichtung

Im Gegensatz zu hartem Licht, das kaum oder gar kein Streulicht verursacht, führt das viele Streulicht bei diffusem Licht dazu, dass nur schwer der Standort der Lichtquelle erkannt werden kann – insbesondere bei mehreren Lichtquellen. Dementsprechend ist bei härterem Licht die Richtung, aus der es auf das Motiv fällt, umso wichtiger für die Bildgestaltung. Ist die Richtung des Lichtes im Bild erkennbar, so können Sie als Fotograf gezielt entscheiden, aus welcher Richtung es auf Ihr Motiv fallen soll: von vorne, von hinten, von der Seite, von oben oder von unten. Jede Lichtrichtung erzeugt eine spezifische Wirkung im Bild.

Lichtqualität

Von vorne auf das Motiv fallendes Mitlicht gewichtet die Bildelemente nicht besonders, wodurch alle Details gleich gut zu erkennen sind und die Aufnahme weniger räumlich wirkt. Sichtbare Schatten werden verhindert, da diese auf die der Kamera abgewandten Seite des Motivs fallen. Mitlicht lässt Bilder ruhig, neutral, gewohnt bis hin zu reportagehaft, dokumentarisch oder sogar

Bei Gegenlicht fällt der Schatten nach vorne, der Hintergrund ist heller als der Vordergrund und der Motivkontrast steigt. Gegenlicht bringt einer Aufnahme auf einfache Weise Dramatik und Spannung. Im Extremfall kann es wegen der hohen Kontraste auch mal zu einer flächigen Wirkung führen, doch verliert es nie die besondere Eigenschaft, Konturen zu betonen und transparente Gegenstände zum Leuchten zu bringen

Fällt das Licht von rechts oder links auf das Motiv, wird die der Lichtquelle zugewandte Seite stark hervorgehoben, während die abgewandte deutlich reduziert wird. Es bilden sich auffällige Schlagschatten aller vorstehenden Details, was den dreidimensionalen Eindruck der Aufnahme steigert und Strukturen betont.

Licht von oben ist uns vom hohen Stand der Sonne vertraut und transportiert dementsprechend keine spannungsreiche oder dramatische Wirkung, sondern lässt ein Bild ruhig, natürlich und gewohnt wirken. Die Schatten fallen direkt nach unten, was sie je nach Motiv und Aufnahmestandpunkt unterschiedlich auffallend werden lässt.

Im Gegensatz dazu ist von unten kommendes Licht sehr selten und ungewohnt, wodurch eine so gestaltete Aufnahme viel Aufmerksamkeit erregt, indem eine dramatische, diabolische und irritierende Atmosphäre erzeugt wird.

Ist in einem Bild keine erkennbare Lichtrichtung auszumachen, wirkt es, als käme das Licht von allen Seiten. Dieser Effekt ist auf mehrere Lichtquellen und/oder auf eine sehr starke Diffusion zurückzuführen. Weiches, ungerichtetes Licht ermöglicht eine schattenfreie, sehr sanfte, ausgewogene Ausleuchtung, während härteres Licht ohne erkennbare Richtung unruhiger, chaotischer und dramatischer wirkt.

Lichtführung

Durch die Verteilung von Licht und Schatten im Bild gewichten Sie als Fotograf die Bildelemente und steuern deren Wahrnehmungsreihenfolge ganz entscheidend. Beides sollte unabhängig von der verwendeten Lichtquelle, ihrer Farbe oder Qualität bewusst und gezielt eingesetzt werden. Der Blick des Betrachters wird nämlich automatisch von hellen Bildbereichen angezogen, im Schatten liegende Elemente werden durch ihre Dunkelheit hingegen optisch reduziert und erst verzögert wahrgenommen. Wichtige Bildelemente sollten dementsprechend im Licht, unwichtige im Schatten liegen. Eine gezielte Lichtführung besteht also darin, dass Sie das Licht dorthin lenken, wo das Motiv ist und Schatten dorthin, wo keines ist. Das machen Sie, indem Sie den Standpunkt entweder der Lichtquelle, des Motivs und/oder der Kamera variieren.

Beschränken sich die Schatten also auf Teile des Fotos, die nicht von großem Interesse für den Betrachter sind, so werden diese als vertraut, gewohnt und realistisch eingeordnet. Verdecken sie hingegen Bildbereiche, die wichtige Informationen enthalten, so werden sie als irritierend, oft auch als störend empfunden. Auch die Form, Größe, Tiefe und Struktur eines Schattens beeinflusst dessen Wahrnehmung: kleinere, hellere, unregelmäßig geformte oder durchbrochene Schatten fallen optisch weniger ins Gewicht als große, scharf umrissene, tief schwarze oder geometrisch geformte Flächen.

Schatten als Motiv

Schatten als Motiv

Schatten können zu spannenden, eigenständig wirkenden Motiven werden. Und wenn Sie sich einmal in dieser Form mit Schatten beschäftigt haben, werden Sie vielleicht feststellen, dass Sie immer häufiger auch den Schatten der Dinge wahrnehmen. Stellt der sich dann als fotogen heraus, lohnt es sich, ihn im Bild einzufangen – ohne oder mit dem schattenwerfenden Original. Um Ihre Entscheidung für den Schatten oder den chattenwerfenden Gegenstand selbst auch für den Betrachter sichtbar zu machen, können Sie den jeweils anderen Teil des Motivs durch einen Anschnitt reduzieren. Das führt zu klareren und entschiedeneren Bildern – und bei der Aufnahme eines Schattens als Hauptmotiv zu sehr ungewöhnlichen Ergebnissen.

Entscheiden Sie sich für einen Schatten als führendes Bildelement, bekommt die Aufnahme dadurch eine mysteriöse, geheimnisvolle Ebene, weil der Betrachter unweigerlich voller Neugier beginnt, den Schatten zu Entschlüsseln. Und wie bei jedem Bilderrätsel gilt auch hier: Geben Sie ihm eine Chance, das Rätsel zu lösen, dann wird er sich ausdauernder mit dem Bild beschäftigen. Sorgen Sie also dafür, dass der Schattenriss Rückschlüsse auf das Original zulässt oder sogar so gut zu erkennen ist, dass er für sich genommen eine Geschichte erzählt. Zu abstrakte Schatten erschöpfen sich schnell in ihrer Wirkkraft und funktionieren nicht allzu gut als bildtragendes Hauptmotiv.

Gleiches gilt für Schatten, die den darunterliegenden Untergrund nicht erkennen lassen, sondern tiefschwarz und damit zeichnungsfrei sind. Scherenschnitte wirken extrem grafisch, zweidimensional und plakativ wie Piktogramme. Der Betrachter sieht sie sich nicht lange an, außer sie bieten in ihrem Umriss viele gut erkennbare Details.