So lassen sich Atmosphäre und Stimmung authentisch in Ihrer Linse einfangen

Eventfotografie

Jede aufwendig organisierte Veranstaltung ist ein nicht wiederholbares Ereignis, und um die Erinnerung daran festzuhalten, wünschen sich Veranstalter wie Besucher gleichermaßen Bilder, welche die Atmosphäre und Stimmung authentisch einfangen.

Veranstaltungen zu fotografieren, gehört zu den Aufgaben, mit denen so gut wie jeder Fotograf irgendwann einmal konfrontiert wird. Ob im privaten Umfeld oder in Form von Aufträgen wie dem Begleiten einer Hochzeit, einer Betriebsfeier, Preisverleihung, Eröffnungsfeier oder einem Familienfest wie Taufe, Kommunion oder einem runden Geburtstag. Daher lohnt es sich im Grunde für jeden fotobegeisterten Kamerabesitzer, sich einmal etwas ausführlicher mit der Thematik zu beschäftigen und den einen oder anderen Tipp mitzunehmen.

Vorbereitung ist alles

Für jede Form der Veranstaltungsfotografie gilt gleichermaßen: Je besser Sie sich vorbereiten, desto leichter wird Ihnen die eigentliche Fotografie gelingen. Zur Vorbereitung zählt in erster Linie, sich mit den Abläufen des Events und den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen. Bitten Sie also den Veranstalter um möglichst viele Informationen über die Veranstaltung selbst: Wer sind die Hauptpersonen? Wie ist das Programm aufgebaut? Gibt es besonders wichtige Momente wie Reden, Ehrungen, Verleihungen oder ähnliches? Gibt es Phasen, in denen Ihre Fotografie stören würde, wie zum Beispiel während des Gebetes in der Kirche? Kommen wichtige Besucher oder Ehrengäste und wo werden diese sitzen? Wo dürfen Sie sich während der Veranstaltung aufhalten, wohin dürfen Sie gehen (Bühne, Zuschauerraum, Tribüne, Galerie, Altarraum, Seitenschiff oder anderes) und von welchem Standort aus sind Aufnahmen besonders erwünscht?

Im zweiten Schritt sollten Sie unbedingt im Vorfeld einmal den Veranstaltungsort besuchen. Auch das besprechen Sie am besten direkt mit dem Veranstalter, der das in der Regel möglich machen kann. Denn nur so können Sie ein Gefühl für die Veranstaltung selbst bekommen und im Kopf bereits die eine oder andere Aufnahmesituation durchspielen sowie konkrete Bildideen entwickeln. Auch die Lichtverhältnisse vor Ort können Sie dadurch einschätzen und Ihre Ausrüstung entsprechend wählen. Achten Sie deshalb darauf, dass Ihr Besuch ungefähr zur selben Tageszeit stattfindet, zu der auch die Veranstaltung ablaufen wird. Und auch vom Datum her sollte nicht zu viel Zeit zwischen Vorab-Besuch und Veranstaltung selbst liegen, da die Lichtverhältnisse sonst völlig verändert sein können oder sich bei Außenaufnahmen die Vegetation so verändert haben kann, dass manche Bilder nicht mehr so möglich sind, wie Sie es sich im Vorfeld überlegt haben.

Haben Sie die Eckdaten kennengelernt und für sich notiert, machen Sie sich am besten einen Plan, der so konkret wie möglich die fotografischen Stationen und Bildideen für Sie festhält. Im Eifer des Gefechts einer schnell getakteten Veranstaltung können Sie so immer wieder darauf zurückgreifen, übersehen nichts und vergessen kein wichtiges Motiv.

Die richtige Ausrüstung

Je besser Sie sich vorbereitet haben, desto gezielter können Sie Ihre Kameraausrüstung wählen. Denn für gute und überzeugende Eventfotos ist es keinesfalls notwendig, Ihre komplette Ausrüstung mitzuschleppen. Wählen Sie stattdessen gewissenhaft die Teile aus, die Sie wirklich benötigen:

Erstens ist das natürlich eine Kamera, die Sie gegebenenfalls durch einen Zweitbody ergänzen, um für einen eventuellen Totalausfall gerüstet zu sein. Auch wenn dieser Gedanke unwahrscheinlich erscheint, ist es durchaus möglich und auch schon vorgekommen. Gerade wenn es sich um bezahlte Auftragsarbeiten handelt, sollten Sie also ernsthaft darüber nachdenken, in eine zweite Kamera zu investieren oder sich für die entsprechende eranstaltung eine weitere Kamera zu leihen. Die Kamera selbst sollte ein möglichst geringes Rauschverhalten haben, damit Sie auch mit höheren ISOWerten noch qualitativ hochwertige Ergebnisse erzielen können. Denn bei der Veranstaltungsfotografie haben Sie in den überwiegenden Fällen mit zu wenig Licht zu kämpfen.

Die richtige Ausrüstung

Zweitens wählen Sie idealerweise Objektive, die besonders lichtstark sind, um auch in geschlossenen Räumen noch mit relativ kurzen Belichtungszeiten arbeiten zu können. Was die Brennweite angeht, können Sie entweder ein Zoom-Objektiv einsetzen oder mehrere Festbrennweiten kombinieren. Der Vorteil des Zooms ist das kleinere Gewicht und die höhere Flexibilität vor Ort. Festbrennweiten sind jedoch in der Regel lichtstärker. Möchten Sie einzelne Personen aus dem Geschehen herauslösen oder gar Porträtaufnahmen machen, sollten Sie eine Brennweite zwischen 85 und 150 (KB) dabeihaben, für übersichten ein Weitwinkel-Objektiv, das idea lerweise nicht zu stark verzerrt wie 28 oder 35 mm (KB) und bei großen Entfernungen zwischen Kamera und Motiv ein Teleobjektiv mit 200-300 mm (KB). Bedenken Sie bei Letzterem jedoch, dass Sie dieses wahrscheinlich nicht mehr verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren können.

Drittens brauchen Sie ein Stativ, wenn die Lichtsituation besonders schlecht sein wird und/oder Sie mit einer sehr langen Telebrennweite arbeiten müssen, weil Sie sonst nicht nah genug an das Geschehen herankommen. Je nachdem, was Sie besitzen und mit welcher Art Stativ Sie besser zurechtkommen, können Sie sich für eines mit einem oder mit drei Beinen entscheiden. Einbeinstative sind sehr viel flexibler einsetzbar, sichern die Kamera aber nicht so zuverlässig vor Verwacklungen wie Dreibeinstative.

Viertens sollten Sie an genügend Speicherkarten denken. Unterschätzen Sie nicht die Menge der Bilder, die im Laufe einer langen Veranstaltung entstehen können. Denn gerade schnelle Abläufe müssen Sie mitunter „metern“, um auch wirklich jeden wichtigen Augenblick festgehalten zu haben. Doch auch bei langsameren, ruhigeren Aufnahmen sammeln sich schlussendlich eine große Menge Bilder an. Idealerweise überlegen Sie sich außerdem eine Speicherungsmöglichkeit, um die bereits gefüllten Speicherkarten so schnell wie möglich zu kopieren und so die Bilder vor dem Verlust zu bewahren. Manche Kameras bieten zwei Speicherkarten- Slots und können diese parallel nutzen, was natürlich das Ideal darstellt. Alternativ gibt es mobile Speichergeräte, die eine Karte schnell und sicher kopieren.

Die richtige Ausrüstung

Fünftens sind genügend Akkus wichtig. Nichts ist peinlicher als eine Kamera, die nicht mehr einsatzbereit ist. Investieren Sie deshalb unbedingt in zusätzliche Akkus für Ihr Gerät, um gegebenenfalls wechseln zu können. Alternativ werden für die meisten Modelle Hochformatgriffe inklusive eines Batteriefaches angeboten, in dem ein zweiter Akku Platz findet und wodurch sich die Kamera nicht nur durch die teuren Litium- Ionen-Akkus, sondern auch durch handelsübliche AA-Batterien betreiben lässt. Sechstens hilft Ihnen oft ein Systemblitz, mit dem Sie kleinere Szenerien aufhellen können. Versprechen Sie sich jedoch nicht allzu viel von den kleinen Geräten, da nur die größeren, leistungsstarken Geräte auch in der Lage sind, einen ganzen, eigentlich zu dunklen Raum wesentlich heller werden zu lassen. Fotografieren Sie aber einzelne Personen, kann es hilfreich sein, diese mit etwas mehr Licht ausleuchten zu können. Eine gute Ergänzung sind Streuscheiben oder Diffusoren, die Sie vor den Blitz montieren können, um das extrem harte und gerichtete Licht weicher werden zu lassen und dadurch harte Schatten zu minimieren.

Siebtens kann es je nach Veranstaltung sinnvoll sein, eine mobile Lichtanlage dabeizuhaben, mit der Sie tatsächlich genügend Licht setzen können. Natürlich ist es nicht immer und überall möglich und gewünscht, zusätzliche Lichtquellen für den Fotografen zu installieren. Achten Sie bei der Wahl der Lichtanlage darauf, ein mobiles, stabiles System zu wählen, das zuverlässig arbeitet und gegebenenfalls sogar ohne Stromanschluss, sondern mit Generator arbeiten kann. So bleiben Sie flexibler. Ergänzt werden die Lichtköpfe durch entsprechende Lichtformer, die möglichst groß und diffus sein sollten, es bieten sich also Schirme und Softboxen an.

Motive und Bildideen

Je nach Art der Veranstaltung sind die sich bietenden Motive natürlich unterschiedlich, und trotzdem gibt es ein paar Tipps, die sich sinnvoll umsetzen lassen: Fotografieren Sie unterschiedlich! Denn eine Reportage lebt von bwechslung und dem Blick für außergewöhnliche Details, Szenen und Geschichten, die sich am Rande einer Veranstaltung abspielen. Durch Ihre Bilder lenken Sie den Blick des Betrachters auf Dinge, die im großen Ganzen der Veranstaltung schnell untergehen. Einige Motive finden Sie bei vielen Veranstaltungen, andere sind schon deutlich spezifischer.

Beim Faschingsumzug beispielsweise wollen Sie sich natürlich an die schönsten Wagen erinnern. Und die strengen Strukturen der Uniformen der usikkapellen geben ein schönes, farbiges Motiv ab. Auch einzelne Masken, das Prinzenpaar, die Verkleidungen der Zuschauer sind Standards. Lockern Sie Ihre Bilder mit Details auf: Süßigkeiten, Luftballons, Federn, Schuhe, Konfetti oder ein einzelnes Musikinstrument.

Motive und Bildideen

Noch planbarer sind die Motive bei einer Hochzeit: Ankunft der Gäste und des Brautpaars, Einzug in die Kirche, Segnung, Ringtausch, Kuss, Auszug durch das Spalier, Glückwünsche, Reiswerfen, Herz ausschneiden, Baumstamm durchsägen, Sektempfang, Ansprachen, Hochzeitsspiele, Brauttanz und Brautstraußwerfen bis hin zum Anschneiden der Hochzeitstorte – auf all diese Momente können Sie sich vorbereiten und bereits vor jedem Programmpunkt den besten Platz aussuchen. Würzen Sie diese Klassiker mit Details von Kirchen- und Tischdekoration, Buffet, Autoschmuck und Brautstrauß, Sektgläsern, den Ringen des Brautpaars in Großaufnahme, aber auch übersichten von der Kirche, dem Festsaal, dem Auto und sonstigen Räumlichkeiten.

Und wenn Sie Events wie eine Betriebsfeier, eine Messe, einen Kongress oder eine Vernissage fotografieren sollen, wird es ebenfalls einige Programmpunkte geben, die Sie in einem spannenden Bild festhalten müssen: Redner, Scheck- oder Preisübergaben, Musikdarbietungen oder feierliche Eröffnungen. Auch hier bieten neben den Räumlichkeiten vor allem Dekoration und Buffet weitere Motive. Vergessen Sie aber nicht, auch einmal das Logo des Veranstalters, die Agenda oder Hinweisschilder mit aufs Bild zu nehmen, das erleichtert die Einordnung.

Allen Events gemeinsam sind jedoch, dass es ein besonders spannendes Motiv gibt: die Menschen. Gehen Sie nah an die Menschen heran und fangen Sie deren Emotionen ein. Solche Bilder vermitteln die Stimmung immer am eindrucksvollsten. Passen Sie dafür die besonderen Momente ab, die Sie vorhersehen können. Beobachten Sie die Menschen um Sie herum aufmerksam mit schussbereiter Kamera. Und scheuen Sie sich nicht, auch einmal nach einem gestellten Foto zu fragen, gerade bei Veranstaltungen machen die Menschen oft sehr bereitwillig mit. Aber bedenken Sie, dass Sie diese Bilder nicht einfach veröffentlichen dürfen, ohne die abgebildeten Personen um Erlaubnis zu fragen.

Wie gehe ich vor

Wie gehe ich vor

Am Tag der Veranstaltung selbst, sollten Sie vor allem anderen darauf achten, pünktlich – besser eine ganze Weile früher vor Ort zu sein, um sich erstens einen schnellen überblick verschaffen zu können und zweitens auf keinen Fall zu spät zu kommen. Schließlich sind Sie als Fotograf dafür verantwortlich, die gesamte Veranstaltung – also auch den Beginn – zu erfassen.

Zuerst sollten Sie dann organisatorische Dinge erledigen und anschließend fotografieren Sie sich am besten warm, indem Sie wartende Besucher, kleine Details, die Dekoration, das Gebäude etc. aufnehmen. Diese Bilder ergänzen eine Eventreportage sehr schön, werden aber später im Eifer des Gefechts schnell vergessen. Während der Veranstaltung halten Sie sich an Ihren, mit dem Veranstalter abgestimmten Plan, das heißt: Wichtige Programmpunkte verfolgen Sie reportageartig, besondere Persönlichkeiten porträtieren Sie separat und ergänzen beides um (überblicksartige) Aufnahmen des Publikums, einzelne emotionale Szenen und herausragende Details.

Scheuen Sie sich nicht dafür, häufig, aber ruhig den Standort und damit auch die Perspektive in Ihren Bildern zu wechseln, um für mehr Abwechslung zu sorgen. Seien Sie ebenso selbstbewusst genug, einzelne Personen direkt anzusprechen und um ein Bild zu bitten, um nicht nur Aufnahmen zu machen, die außenstehend und voyeuristisch geprägt sind, sondern auch inszenierte, direkte Porträts, die Sie in jeder Hinsicht unter Kontrolle haben. Dies bezieht sich insbesondere auf Ausdruck, Pose und die Wahl des Hintergrundes.

Rein technisch gesehen, sollten Sie nicht vergessen, verschiedene Brennweiten einzusetzen, um auch hier eine gewisse Varianz in die Bilder zu bekommen. Und vor jedem wichtigen Programmpunkt empfiehlt sich ein Blick auf die Restkapazität der Speicherkarte, um gegebenenfalls noch eine neue einzulegen. Denn nichts ist unangenehmer, als den Ringtausch des Paares, die überreichung des Preises, den Auftritt der Hauptperson oder das Auspusten der Geburtstagkerzen nicht zu erwischen, weil Sie in dem Moment die Speicherkarte wechseln müssen.

Entwickeln Sie weiterhin ein Gespür für Szenen, die im folgenden Moment eintreten werden, wie zum Beispiel zwei Personen, die sich sehen und direkt aufeinanderzugehen – mit ziemlicher Sicherheit wird es zu einer persönlichen Begrüßung kommen, auf die Sie dann in Ruhe warten können. Aber auch das Aufleuchten im Kindergesicht beim Auspacken eines Geschenks ist vorhersehbar und damit planbar. Je häufiger Sie auf Veranstaltungen, Festen und Feiern fotografieren, desto schneller werden Sie bemerken, dass viele Abläufe (zwischen Menschen) sich ähneln und tatsächlich in gewisser Hinsicht vorhersehbar sind. Dadurch wird es Ihnen irgendwann leichter fallen, im richtigen Moment zu reagieren und kleine Szenen, welche die Atmosphäre einer Veranstaltung ausmachen, fotografisch einzufangen. Tauchen Sie in die Veranstaltung ein, bewegen Sie sich in ihrer Dynamik und fotografieren Sie sozusagen von innen heraus. Das wird zu authentischeren und emotionaleren Bildern führen, als wenn Sie immer die Position des stillen Beobachters einnehmen, der zwar da, aber nicht dabei ist.

Je involvierter Sie in die Veranstaltung sind, desto leichter wird Ihnen das fallen, das heißt als Hochzeitsgast, als Vater des kleinen Bühnentalents, als Schwester des Geburtstagskindes entwickeln Sie sehr viel schneller eine emotionale Bindung zu dem Geschehen. Doch auch als außenstehender, gebuchter Fotograf können Sie sich auf ein Event regelrecht einlassen. Und das gelingt Ihnen sehr gut, indem Sie im ersten Schritt beginnen, die Veranstaltung als ernst und wichtig einzuordnen: Denn es ist zwar nicht Ihr Jubiläum, aber es könnte dennoch wirklich wichtig für Sie sein. Geben Sie Ihrem Auftraggeber das Gefühl, seine Feier wäre die wichtigste in Ihrer fotografischen Laufbahn und sofort geben Sie ihr eine Priorität, die sich durch Ihre ganze Arbeit ziehen wird. Betrachten Sie einen solchen Auftrag nie nur als Projekt, für das Sie Geld bekommen, sondern immer als einen emotionalen Festakt, an dem Sie auf sehr besondere Weise teilnehmen – denn Sie erschaffen die Erinnerungen. cb/gb