Appetitlich angerichtete Lebensmittel, verführerisch präsentierte Zutaten – Bilder, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Probieren Sie sich doch auch einmal an dem geschmackvollen Genre der Foodfotografie.

Foodfotografie

Die Foodfotografie ist ein besonderes fotografisches Genre, da es im Grunde genommen zwei aufwendige und komplexe Disziplinen verbindet: erstens das Kochen und Anrichten sowie zweitens das Fotografieren der Speisen. Dementsprechend vielschichtig und umfangreich ist dieses Thema. Wenn Sie sich gerne mit Lebensmitteln beschäftigen und an der Präsentation der einzelnen Zutaten beziehungsweise der fertigen Speisen große Freude haben, dann können Sie mithilfe der folgenden Tipps ganz einfach die ersten Schritte in dieses großartige fotografische Genre unternehmen.

Lebensmittel als Motiv

Der Facettenreichtum des Themas findet seinen Ursprung natürlich zuallererst in der großen Bandbreite an Nahrungsmitteln und ihren möglichen Kombinationen in unzähligen Rezeptideen. Das heißt aus der Perspektive des Fotografens, dass sich ihm eine unüberschaubare Menge an möglichen Motiven bietet – und er sich zuallererst entscheiden muss, welches Lebensmittel oder Gericht er überhaupt in seinen Bildern umsetzen möchte. Folgen Sie dabei Ihrer Intuition, Ihrem persönlichen Geschmack und vielleicht auch dem „Schwierigkeitsgrad“ in Zubereitung, Präsentation und Fotografie. Dass sich beispielsweise ein Salat leichter arrangieren lässt als ein aufwendiges Gericht aus Fleisch, Sauce, Gemüse und Sättigungsbeilage, leuchtet ein. Ebenso die Tatsache, dass Speisen in Glasbehältern durch die Spiegelungen schwieriger auszuleuchten sind als wenn Steingutgeschirr mit matter Oberfläche zum Einsatz kommt.

Lebensmittel als Motiv

Doch mit der Auswahl des Hauptmotivs ist es in der Foodfotografie selten getan: Ganz im Gegenteil verlangt eine aufregende Foodaufnahme nach einem stimmigen Arrangement mehrerer Komponenten, nämlich der Speise selbst, des Behältnisses (Teller? Tasse? Schale? Glas?), des Unter- beziehungsweise Hintergrunds (Holztisch? Kunststoffoberfläche? Stoffset? In welcher Farbe? Form? Struktur?) sowie einer ganzen Reihe möglicher zusätzlicher Accessoires (Besteck? Gläser? Blumen? Servietten? Dekoartikel? Gewürze?).

Das bedeutet im Großen und Ganzen, dass es sich bei der Foodfotografie selten um ein schnelles Aufnehmen irgendeiner (zubereiteten) Speise handelt, sondern in der Regel um ein aufwendig vorbereitetes Projekt, bei dem jede Komponente bereits im Vorfeld aufeinander abgestimmt wird. Foodfotografie ist also zu einem überwiegenden Teil Konzeptfotografie.

Vorbereitung

Wenn Sie als Fotograf nicht das Glück haben, mit einem Koch, Foodstylisten und Dekorateur zusammenzuarbeiten, bedeutet die Vorbereitung auf ein Food-Shooting vor allem eines: das Zusammentragen aller benötigten Zutaten – und nein, damit sind nicht nur Lebensmittel gemeint. Beginnen Sie aber natürlich bei der Speise. Was genau möchten Sie als Motiv haben, und welche Lebensmittel benötigen Sie dazu? Achten Sie beim Kauf auf absolute Unversehrtheit und Perfektion gerade bei frischen Lebensmitteln. Eine Banane mit braunen Stellen ist nämlich nur halb so fotogen wie ein perfektes, sattgelbes Exemplar. Gegebenenfalls ist dafür der Supermarkt nicht immer die beste Adresse; suchen Sie sich stattdessen ein kleines Gemüse- und Obstgeschäft, mit dessen Inhaber Sie bereits im Vorfeld besprechen können, welche Zutaten Sie in welcher Zahl benötigen werden, und der Ihnen das Gewünschte in Ruhe zusammenstellt oder sogar gezielt auf dem Großmarkt einkauft. Bemessen Sie die Menge nicht zu knapp, rechnen Sie lieber damit, dass beim Zubereiten oder Arrangieren etwas schiefgeht und Sie ein Produkt noch einmal benötigen

Um das passende Drumherum für die Speise zu gestalten, findet sich erstmal alles Notwendige im heimischen Geschirrschrank, doch sobald Sie sich länger mit der Foodfotografie beschäftigen, werden Sie um eine Sammlung unterschiedlicher Teller, Schüsseln, Gläser, Bestecke, Vasen, Tischdecken und -sets nicht herumkommen. Halten Sie dafür die Augen bei jedem Einkaufsbummel offen, oder gehen Sie auf Flohmärkte und in Second-Hand-Läden, denn Sie brauchen in der Regel nur Einzelteile. Auch die gezielte Suche im Internet lohnt sich ganz besonders dann, wenn Sie eine ganz genaue Vorstellung haben, wie das gewünschte Teil aussehen soll. Achten Sie auch hier auf Unversehrtheit der Teile, insbesondere bei gebrauchten Dingen. Um eine große Varianz in den Untergrund zu bekommen, können Sie Stoff-, Lederreste sowie kleine Platten aus Holz, Stein oder Kunststoff zusammentragen, die bei einem nahen Bildausschnitt verschiedene Tischplatten, -decken und -oberflächen simulieren.

Für frische Accessoires wie Blumen oder einzelne der Zutaten im unverarbeiteten Zustand gilt natürlich wieder: je perfekter desto besser!

Setaufbau

Haben Sie alle benötigten Utensilien und Zutaten zusammen, beginnt die eigentliche Vorbereitung des Bildes: der Aufbau des Sets. Achten Sie bei der Zusammenstellung vor allem auf harmonische Farben und einen erkennbaren Stil. Greifen Sie also die Farbe der Speisen in den anderen Bildelementen wieder auf – oder arbeiten Sie ganz gezielt mit Kontrasten. Arrangieren Sie beispielsweise ein Gericht mit roten Paprikastückchen, so wiederholen Sie denselben Farbton in der Tischdecke oder dem Blumenstrauß im Hintergrund. Arbeiten Sie mit grünen Stoffen, um das Rot zum Leuchten zu bringen und die Buntheit des Bildes zu steigern. Oder verzichten Sie auf leuchtende Farben im Hintergrund, um das Rot in Form eines Bunt-unbunt-Kontrastes hervorzuheben.

Und auch der Stil der Speise sollte zu der Gesamtkomposition passen. Achten Sie dabei auf das Image der Speisen, da beispielsweise handgemachtes Sushi eine gänzlich andere Gesamtwirkung transportiert als etwa ein Rostbraten, ein Blattsalat in ein anderes Ambiente passen will als ein asiatischer Glasnudelsalat, Bruschetta nicht in derselben Form serviert werden wie ein Baguette mit Camembert. Es gilt also, alle anderen Komponenten des Bildes passend zu Thema, Herkunft und Kultur des Gerichtes auszuwählen.

Das Essen selbst

Das Essen selbst

Für die Zubereitung der Speisen gilt natürlich durchgehend, dass sie so fotogen und vorteilhaft wie möglich erfolgen sollte. Nehmen Sie sich also viel Zeit beispielsweise für das Schneiden des Gemüses, und achten Sie auf gleich große Gurkenstücke, gleich dicke Tomatenscheiben, gleichmäßig dünne Zwiebelringe und so weiter. Blanchieren Sie Gemüse, und schrecken Sie es anschließend in Eiswasser ab, um die Farben zu erhalten. Kochen Sie bei Gerichten, die wie Eintöpfe, Curries oder Suppen aus mehreren Komponenten bestehen diese separat, um sie ansprechend arrangieren zu können. Denn jeder, der schon einmal ein indisches Curry gekocht hat, weiß, dass es nach Rezept zubereitet nur halb so appetitlich aussieht wie auf den nebenstehenden Bildern. Noch deutlicher wird dieser Unterschied bei Fertiggerichten: die Bilder auf der Verpackung haben mit dem Inhalt eigentlich nichts mehr gemein, weswegen immer der warnende Hinweis Serviervorschlag daneben gedruckt ist.

Dies hat seinen Ursprung unter anderem darin, dass Sie in der Foodfotografie die Zutaten und Gerichte nicht vollständig braten, kochen oder anderweitig zubereiten sollten, damit diese ihre Form und Farbe besser behalten. Insbesondere Gemüse, Nudeln und Kartoffeln wirken halbgekocht auf dem Foto deutlich leckerer als essfertig.

Das ist leider oft in der Foodfotografie so: fotografierbar heißt sehr oft nicht essbar. Für das Curry drapieren Sie also die einzelnen Bestandteile und bedecken sie anschließend mit einer gleichmäßigen aber nur dünnen Schicht Sauce. Wenn Sie diese noch etwas verdünnen, schimmern die Zutaten deutlich erkennbarer durch. Einzelne Zutaten auf das fertige Gericht obenauf zu legen, lässt es schöner wirken.

Dekorieren Sie die fertige Speise mit unverarbeiteten Zutaten aus der Zutatenliste oder frischen Kräutern, bestreuen Sie den Teller mit Gewürzen, oder beträufeln Sie ihn mit Essigessenzen und ölen. Arrangieren Sie das Gericht sorgfältig, und scheuen Sie sich nicht davor, Pinzetten, Spritzbeutel oder anderes zur Hilfe zu nehmen, damit es perfekt wird.

Technik

Um innerhalb der Bildfläche eine kleine perfekte Welt zu erschaffen, die vor allem den Appetit anregt, sollten Sie Ihre Bilder so gestalten, dass insbesondere Farbgebung und Lichtführung genau darauf abzielen. Für eine stimmige Lichtwirkung empfiehlt sich weiches, diffuses Licht, das die gesamte Szene in sanfte Helligkeit hüllt, ohne zu starke Kontraste entstehen zu lassen. In vielen Fällen führt gerades oder leicht seitliches Gegenlicht zu einer besonders schönen Lichtwirkung im Bild, lässt transparente Motivteile leuchten, trennt das Essen optisch vom Hintergrund und betont bei warmen Gerichten den aufsteigenden Dampf.

Weiches Licht gelingt Ihnen entweder mit Tageslicht, das an einem leicht bewölkten Tag hell und weich ausfällt, oder das Sie indirekt einsetzen. So zum Beispiel, wenn Sie ein großes Nordzimmer wählen, um Ihre Speisen vor dem Fenster zu arrangieren. Möchten Sie ausschließlich mit Tageslicht arbeiten, benötigen Sie in der Regel zusätzlich einen Aufheller, um die lichtabgewandte Seite der Speise aufzuhellen und den Kontrastumfang des Motivs zu reduzieren.

Technik

Oder Sie entscheiden sich für Kunstlicht und wählen dabei streuende Lichtformer wie Softboxen oder Durchlichtschirme. Auch indirektes Kunstlicht kann gut geeignet sein, um eine Speise gleichmäßig auszuleuchten. Für einen geringen Motivkontrast sollten Sie entweder auch hier einen Reflektor einsetzen oder gleich zwei (unterschiedlich helle) Lichtquellen.

Für besonders kleine Motive oder um einzelne Lichtakzente zu setzen, können Sie auf spezielle Blitze, LEDs oder sonstige Kaltlichtleuchten zurückgreifen, die für die Makrofotografie konzipiert sind. Mit einem Ringblitz erreichen Sie beispielsweise eine sehr gleichmäßige Mitlicht-Ausleuchtung. Mit einem Makroblitzset – zwei sehr kleinen und leistungsschwachen Blitzen auf zwei beweglichen Schienen – können Sie die Blitze links und rechts vom Objektiv nah am Motiv positionieren. Außerdem gibt es die verschiedensten Formen von Punktstrahlern. Meist mit entsprechenden LEDs bestückt, liefern sie Kalt- beziehungsweise Tageslicht. Sehr sinnvoll sind die Leuchten, die jeweils am Ende eines flexiblen Armes enden, sodass Sie das Licht exakt positionieren können. Je nach Ausführung weisen die Lampen zwischen zwei und acht dieser flexiblen Arme auf.

Für appetitliche und realistische Farben ist ein korrekter, am besten manuell durchgeführter Weißabgleich selbstverständlich, denn nur authentische Farben vermitteln dem Betrachter den richtigen Eindruck von den abgebildeten Speisen.

Darüber hinaus benötigen Sie für facettenreiche Foodaufnahmen nach Möglichkeit ein Makroobjektiv. Damit erhalten Sie freie Hand bei der Wahl des Bildausschnittes und können verschiedene Aufnahmen ein und desselben Gerichts machen, die völlig unterschiedlich wirken werden. Auch ein Stativ bietet sich an, um den Aufbau des Aufnahmesets zeitlich vom Arrangement der Speisen zu entkoppeln: Sobald das Essen fertig ist, können Sie mit den Bildern beginnen, da Licht und Kamera bereits im Vorfeld fest installiert worden sind.

Los geht’s!

Los geht’s!

Nach der Lektüre des Artikels möchten Sie nun am liebsten sofort beginnen? Um sich in den vielen Möglichkeiten der Foodfotografie nicht zu verlieren und für eine Reihe interessanter Bildergebnisse, die auch den Betrachter fesseln, könnte eine der folgenden Herangehensweisen auch für Sie sinnvoll sein:

  • Foodfotografie bedeutet nicht, dass auf jeden Fall zubereitete Gerichte fotografiert werden müssen. Ganz im Gegenteil ist das stille Arrangement unverarbeiteter Lebensmittel ein guter Start in dieses Genre. Nehmen Sie sich zum Beispiel nach dem nächsten Wocheneinkauf ein Stück frisches Obst und/oder Gemüse vor, und setzen Sie es so in Szene, dass das Bild regelrecht die Lust auf das Kochen weckt.
  • Beginnen Sie mit kalten Speisen, die weniger zeitkritisch sind und auch nach längerer Shootingzeit noch appetitlich aussehen. Das setzt Sie weniger unter Druck und lässt Ihnen genügend Ruhe für das Erarbeiten der einzelnen Bilder. Ein sorgfältig belegtes Brot, ein Rohkostteller, ein Glas Konfitüre, ein Stück Kuchen oder Plätzchen können zum Beispiel genauso fotogen wirken wie ein aufwendiges Pastagericht. Machen Sie es sich für den Anfang nicht zu kompliziert.
  • Versuchen Sie sich an Ihrem Leibgericht, das Sie gut und routiniert zubereiten können und das Sie wiederholt auf möglichst unterschiedliche Weise arrangieren und fotografieren. Experimentieren Sie darüber hinaus mit verschiedenen Hintergründen, Accessoires, Lichtsituationen und Bildausschnitten. Sie werden dabei feststellen, wie unzählig viele Möglichkeiten es für ein und dieselbe Speise gibt, indem Sie nicht das Gericht selbst, sondern allein die Rahmenbedingungen variieren.
  • Konzentrieren Sie sich auf eine einzelne Zutat wie eine Frucht, ein Gewürz oder ähnliches, die Sie dann erst für sich allein und später in verschiedenen Rezepten umsetzen. Variieren Sie dabei durchaus kalte und warme Zubereitungsmethoden, und machen Sie die gewählte Zutat zu einemverbindenden Element für letztendlich sehr verschiedene Aufnahmen. So werden Sie verhindern, sich in der vielfältigen Welt der Lebensmittel zu verzetteln und trotzdem genügend Motive zur Verfügung haben.
  • Erarbeiten Sie sich eine Lichtsituation, die eine Speise appetitlich untermalt, wie beispielsweise das vorhandene Tageslicht an einem der Fenster Ihrer Wohnung kombiniert mit Aufhellern oder ein ganz bestimmter Kunstlicht- Lampenaufbau. Fotografieren Sie dann verschiedene Lebensmittel oder Gerichte in genau diesem Licht. Dieses Vorgehen hilft, sich in Ruhe auf die Präsentation der Speisen konzentrieren zu können.
  • Kochen Sie aufwendige Gerichte für das Fotoshooting nicht zum ersten Mal, sondern probieren Sie in Ruhe aus, wie Sie das Beste, Schönste und Fotogenste aus einem Rezept herausholen können.
  • Machen Sie sich einen guten Plan für Ihr Fotoshooting. Beginnen Sie nicht mit dem Zubereiten aufwendigerer Gerichte, bevor nicht alles andere für das Foto notwendige feststeht und ausprobiert ist. Das heißt, arrangieren Sie Hintergrund, Geschirr, Besteck und Dekoration so, dass lediglich die fertige Speise fehlt. Stellen Sie stattdessen einen ähnlich großen, ähnlich farbigen Gegenstand (oder das Ergebnis des Probekochens) an die entsprechende Stelle. Setzen Sie anschließend das Licht und machen Sie Probeaufnahmen, um die Wirkung des Arrangements beurteilen zu können. Beginnen Sie erst dann mit der eigentlichen Zubereitung.
  • Bleiben Sie trotzdem spontan und flexibel: Wenn Ihnen ein Gericht besonders fotogen gelingt, schieben Sie vor dem Servieren ein kleines Shooting ein. Mit etwas übung gelingen Ihnen auch dann ganz besondere Bilder, wenn Sie eigentlich gar nicht vorhatten zur Kamera zu greifen.
  • Suchen Sie sich Unterstützung, wenn Sie das Thema Essen fotografisch reizt, Sie aber feststellen, dass Sie an Ihre Grenzen kommen. Das kann ein Assistent sein, der Ihnen beim Arrangieren der Speisen hilft, oder jemand mit einem besonderen Händchen für Dekoration, oder ein Koch, der das zubereitet, was Sie fotografieren möchten. cb/gb