Lassen Sie sich von traditionellen Effekten inspirieren. Mit etwas Kreativität und der Software Photoshop schaffen Sie so ganz eigene Kunstwerke.

Intro

Trotz riesiger Fortschritte in der Digitalfotografie ist die Erinnerung an traditionelle Dunkelkammertechniken noch sehr lebendig. Zwar machen sich nur wenige Enthusiasten heute die Mühe, Filme zu entwickeln, dennoch genießen analoge Fotografen aus ästhetischen Gesichtspunkten bei vielen immernoch großes Ansehen. Auf jeden Fall können sich nur wenige dem eigenwilligen Charme der Ergebnisse ausgetüftelter chemischer Entwicklungsprozessse nur schwer entziehen. Anstatt nun aber wieder mit Entwicklerbad und Co. zu hantieren, können Sie die traditionellen Effekte einfach mit einer digitalen Rezeptur simulieren. Mit Photoshop werden Ihre Bilder zum Hingucker. Verwandeln Sie Ihre Aufnahmen in zeitloses Schwarz-Weiß oder arbeiten Sie zum Beispiel mit Splittonung, Filmkörnung oder Sepia. Wie das im Einzelnen geht, lesen Sie hier!

Tipps für Tonungen

1. Filmkörnung
Füllen Sie eine neue leere Ebene über das Bearbeiten-Menü mit ’50 % Grau‘, stellen Sie als Füllmethode ‚Ineinander kopieren‘ ein und laden Sie dann den Filter’Rauschen hinzufügen‘. Aktivieren Sie nun noch ‚Monochromatisch‘ und dosieren Sie die Körnung mit ‚Stärke‘.

2. Splittonung
Um Blau den Schatten und Gelb den Lichtern zuzuordnen, stellen Sie auf einer ‚Gradationskurven- Einstellungsebene‘ ‚Blau‘ ein und ziehen die Kurve in eine umgekehrte S-Form. Der Effekt lässt sich auch mit der Palette ‚Teiltonung‘ in Camera Raw gestalten. Es lohnt sich: Das Bild wirkt dynamischerund reicher.

3. Duoton
Führen Sie auf einer Einstellungsebene Filmkörnung ‚Gradationskurven‘ einen Doppelklick auf die Schwarzpunkt-Pipette aus, wählen Sie eine Farbe und klicken Sie auf ein dunkles Pixel im Bild. In diesem Beispiel ist den Tiefen Rot und den Lichtern Gelb zugeordnet. Der Effekt ordnet die Lichter und die Tiefen frei wählbaren Farben zu.

4. Handgemalt
Setzen Sie in einer neuen Ebene den Modus auf ‚Farbe‘. Stellen Sie eine Vordergrundfarbe ein und tragen Sie diese mit dem ‚Pinsel‘ auf, ehe Sie für jede Farbe eine eigene Ebene anlegen. Die Intensität regeln Sie mittels Ebenen-‚Deckkraft‘. Sie werden sehen, es macht richtig Spaß, sich zur Abwechslung als Maler zu betätigen.

5. Kontrastreich
Wählen Sie auf einer Einstellungssebene eine der kontrastreichen Voreinstellungen: ‚Schwarz-Weiß‘. Um diesen Effekt zu verstärken, ziehen Sie auf einer weiteren Anpassungsebene ‚Gradationkurven‘ die Kurve in eine S-Form. Schwarz-Weiß-Bilder vertragen viel mehr Kontrast als Farbbilder und sie wirken dabei sehr edel.

6 Sepia
Auf einer Einstellungsebene ‚Fotofilter‘ wählen Sie ‚Sepia‘ aus der Liste. Variieren Sie die Intensität der Farbe mit dem Regler ‚Dichte‘. Mit diesem Trick bekommen Sie warme Effekte ins Bild. Diese wirken zeitlos. Darüber hinaus scheinen derart bearbeitete Bilder älter, als sie sind. Sepia versetzt das Foto um 100 Jahre zurück.

Abwedeln und nachbelichten

Wir stellen die beiden Werkzeuge vor, mit denen sich die Helligkeit von einzelnen Bildbereichen gezielt ändern lässt.

HafenSchon immer wollten Fotografen einzelne Bereiche eines Bildes selektiv ändern. Die Techniken erlauben, etwa Augen in Porträts stärker hervorzuheben oder den Himmel abzudunkeln. Wer mit herkömmlichen Dunkelkammerwerkzeugen vertraut ist, hat vielleicht schon die eine oder andere Ähnlichkeit zu Photoshop-Werkzeugen bemerkt. Auffällige Beispiele dafür sind ‚Abwedler‘ und ‚Nachbelichter‘. Bei Letzterem formen Fotografen in der Dunkelkammer unter dem Vergrößerer mit der Hand eine Art Spotlight, das sich auf dem Abzug hin-und her-bewegen lässt, um einige Stellen zusätzlich zubelichten, was dann letztendlich einen abdunkelnden Effekt hat. Deshalb ist das Symbol für die Nachbelichtung in Photoshop eine Hand.

1 Werkzeuge einstellen
‚Abwedler‘ und ‚Nachbelichter‘ bieten die selben Optionen: Sie können die Belichtungsstärke einstellen. Dabei gilt allerdings: Setzen Sie nicht mehr als 20 Prozent ein, sonst entstehen schnell Artefakte im Bild. Die will nun wirklich niemand. Auch können Sie hier festlegen, ob Sie ‚*Lichter‘, ‚Mitteltöne‘ oder ‚Tiefen‘ bearbeiten möchten.

2. Tonwerte schützen
Diese praktische Option gibt es in Photoshop seit der Version CreativeSuite 4 für das ‚Abwedler-‚ und das ‚Nachbelichter‘-Tool. ‚Tonwerteschützen‘ ist standardmäßig aktiviert, da es sonst schnell passieren kann, dass die Werkzeuge Pixel zur einem Schwarz oder zu reinem Weiß reduzieren, wo durch Details verloren gehen.

3. Mehr Dynamik am Himmel
Dunkeln Sie zunächst den Himmel ab, indem Sie auf einer Einstellungsebene »Gradationskurven« die Kurve nach unten ziehen. Mit [D] stellen Sie Vordergrund- und Hintergrundfarbe auf Schwarz und Weiß. Klicken Sie anschließend in die Maske, halten Sie und ziehen Sie einen linearen Verlauf vom Himmel oben in Richtung Horizont auf.

4. Kosmetik mit Masken
Einstellungsebenen wie »Tonwertkorrektur« oder »Gradationskurven« bringen eine Maske mit, über die sich Tonwerte gezielt ändern lassen. Beispielsweise hellen Sie erst das Bild insgesamt auf und kehren dann die Maske mit [Strg]+[I] um, so dass sie alles abdeckt. Malen Sie mit weißem Pinsel auf der schwarzen Maske, um die Korrektur aufzudecken.

5. Eigene Ebene anlegen
»Abwedler« und »Nachbelichter« gibt es nicht als Einstellungsebene. Halten Sie daher [Alt] und klicken Sie unten in der Ebenenpalette auf das Symbol »Neue Ebene erstellen«. Wählen Sie anschließend »Modus: Ineinander kopieren« und aktivieren »Mit neutraler Farbe …füllen (50 %Grau)«. Wenden Sie »Nachbelichter«/ »Abwedler« auf der neuen Ebene an.

6. Vignette einfügen
Sind die Bildecken abgedunkelt, bleibt die Aufmerksamkeit in der Bildmitte. Fusionieren Sie zunächst mit [Strg]+[]+[Alt]+[E] alle Ebenenauf einer neuen Ebene. Rufen Sie dann den Filter »Objektivkorrektur« auf. Klicken Sie anschließend auf den Reiter ‚Benutzerdefiniert‘ und ziehen Sie den Regler »Stärke« nach links herüber.

Verlaufsumsetzung

Die meisten Schwarz-Weiß- und Tonungseffekte lassen sich mit ‚Verlaufsumsetzung‘ erstellen –dies geht ganz einfach.

Frau VerlaufIn Photoshop gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um einen bestimmten Effekt zu erzielen. Das gilt auch für Dunkelkammertechniken. Ob Sie nun die schon vorgestellten Effekte etwa Duoton und Splittonung –oder die feinen Nuancen einer Selen-Farbverschiebung nachstellen wollen: Die »Verlaufsumsetzung« ist zu diesem Zweck eine durchaus lohnende Alternative. Wieder Name schon sagt, basiert die Funktion auf einem Verlauf. Dabei werden den Farben bestimmte Tonwerte zugeordnet und dann überblendet. Beispielsweise ordnet ein zweifarbiger Verlauf mit Dunkelblau in den Schatten und Hellblau in den Lichtern genau diese Farben auch den Tonwerten im Bild zu und bringt auf diese Weise einen Duoton hervor. Die Funktion ‚Verlaufsumsetzung‘ lässt sich übrigens auch als Einstellungsebene verwenden, wodurch das Originalbild unberührt bleibt und Sie den Effekt jederzeit neu anpassen können.

Schwarz-Weiß

Photoshop zeigt zahlreiche Wege auf, um Farbfotos in Schwarz-Weiß umzuwandeln. Hier sind die besten.

SchwarzweissZu Anfang war die Fotowelt schwarz-weiß. Kein Wunder, denn noch vorgut 100 Jahren wartechnisch nichts anderes möglich. Aber selbst heute –nach dem Siegeszug der Farbfotos erfreuen sich monochrome Abzüge großer Beliebtheit. Knallige Fotos wirken häufig überladen. Und bei Porträts beispielsweise können Farben vom eigentlichen Bildinhalt ablenken. Außerdem kommen Strukturen, Linien und Kontraste mit einer Reduktion auf Graustufen besser zur Geltung als bei bunten Tönungen. Während es in der Analogfotografie spezielle Filme gibt, müssen digitale Fotos erst per Bildbearbeitung in Schwarz-Weiß umgewandelt werden.

HSL/Graustufen
CameraRaw bietet zwei komfortable Methoden für die Schwarz-Weiß-Konvertierung. Wählen Sie nach Rechtsklick auf ein Bild in Bridge aus dem Kontextmenü Öffnen in CameraRaw. Erste Tonwertkorrekturen nehmen Sie im Bereich »Grundeinstellungen« über »Belichtung« oder Kontrast vor. Dann wechseln Sie zum Bereich »HSL/Graustufen«. Aktivieren Sie die Option »In Graustufenkonvertieren« und passen Sie die Schwarz-Weiß-Umsetzung mit den Reglern für die Farben an. Um etwa einen Himmel dramatisch zu gestalten, regeln Sie Blautöne und »Aquamarintöne« herunter und ziehen dagegen »Rottöne« und »Gelbtöne« nach oben. Sind Sie sich bei einem Motiv nicht sicher, welche Regler Sie nutzen sollen, ziehen Sie die »Selektive Anpassung« aus der Werkzeugleiste zu rate. Damit können Sie einfach ins Bild klicken und die Maus hin- und herbewegen, um die Farben zu beeinflussen.

Photoshop: »Schwarz-Weiß«
Eine Einstellungsebene »Schwarz-Weiß« in Photoshop lässt sich ähnlich bedienen wie »HSL/Graustufen« in CameraRaw. Mit den sechs Reglern stellen Sie die Helligkeit der Farbbereiche ein. Auch hier können Sie die Grautöne direkt im Bildändern. Klicken Sie dazu auf das Handsymbol unter »Vorgabe« und dann ins Bild. Wenn Sie jetzt die Maus nach rechts bzw. links bewegen, dunkeln Sie den entsprechenden Farbton ab oder hellen ihn auf. Mit der Option »Farbtonung« färben Sie das Bildmonochrome in. Im »Vorgaben« -Drop-down-Menü finden Sie Voreinstellungen wie »Blaufilter«, »Infrarot« u.a. Diese sind ein guter Ausgangspunkt. Häufig wirken die Monochrom-Konvertierungen etwas flach. Um den Kontrast anzuheben, ziehen Sie auf einer Anpassungsebene »Gradationskurven« die Kurve in eine leichte S-Form

Einstellungsebene Kanalmixer
»Schwarz-Weiß« ist noch gar nicht solange Bestandteil von Photoshop. Vorher war der »Kanalmixer« das Mittel der Wahl für die Schwarz-Weiß-Konvertierung. Und noch immer können dessen einfachere Einstellungen von Vorteil sein. Fügen Sie dem Bild eine Einstellungsebene »Kanalmixer« hinzu und aktivieren Sie die Option »Monochrom«. Lassen Sie die Konvertierung über die Regler »Rot«, »Grün« und »Blau« an das Motiv an. Generell gilt dafür: Die Helligkeitswerte sollten zusammen immer »+100« ergeben, beispielsweise »Rot: -60%«,»Grün: +30%« und »Blau: +130%«. Auch der »Kanalmixer« enthält ein paar Vorlagen, die den Effekt von Glasfiltern vor dem Objektiv simulieren. Tipp: Erstellen Sie Ihre eigene Schwarz-Weiß-Umsetzung und klicken im Palettenmenü auf »Kanalmixer-vorgabe speichern«. Dann wird Ihre eigene Rezeptur ebenfalls unter »Vorgabe« angezeigt.