Die neue Fotoschule bietet Ihnen kompaktes Know-how in Sachen Fotopraxis: Basiswissen, Kamerafunktionen, Aufnahmetechniken, Lichtführung und Bildgestaltung werden leicht verständlich anhand von Bildbeispielen erklärt. In der siebten Folge geht es um Blitzsteuerung, Aufhellblitze, Blitzprobleme und Lösungsvorschläge.

Fototipps für den Urlaub

Fotoschule

Fast alle Kompaktkameras und die meisten Spiegelreflexkameras besitzen ein eingebautes Blitzgerät. Dieses ist, wenn es die Rolle der Hauptlichtquelle spielen soll, häufig jedoch zu schwach und in seinen Möglichkeiten begrenzt. Aus diesem Grund bieten Kamera- und Fremdhersteller externe Blitzgeräte an, die auf dem Blitzschuh der Kamera oder „entfesselt“ verwendet werden. Blitzaufnahmen lassen sich grob in zwei Gruppen unterteilen – in jene, bei denen das Blitzlicht die vorherrschende Lichtquelle darstellt, und in solche, bei denen der Blitz das vorhandene Licht unterstützt. Im zweiten Fall spricht man vom Aufhellblitz, der eine möglichst gute Kooperation zwischen Kamera und Blitzgerät voraussetzt. In dieser Folge der Fotoschule erfahren Sie, wie Sie in verschiedenen Aufnahmesituationen die Wirkung Ihrer Blitzaufnahmen verbessern können. In der nächsten Folge geht es dann um komplexere Blitztechniken wie die Kombination mehrerer Blitzgeräte im Drahtlosverbund – um „entfesseltes Blitzen“ und die damit verbundenen Möglichkeiten.

TT L-Blitzmessung

Kinder und alte Menschen

Die in Digitalkameras eingebauten Blitzgeräte und externe Systemblitzgeräte arbeiten mit TTL-Blitzmessung (TTL = Through The Lens). Zu Analogzeiten verstand man darunter eine Messung des von der Filmoberfläche reflektierten Blitzlichts; heute senden die Geräte unmittelbar vor dem Hauptblitz Messblitze aus, die vom Objekt reflektiert und vom Belichtungsrechner der Kamera ausgewertet werden. Diese Art der Vorblitzmessung heißt bei Nikon i-TTL, bei Canon E-TTL II, bei Sony ADI.

Dabei gehen zum Teil auch Abstandsinformationen von den aktiven AF-Sensoren in die Messung mit ein. Die Vorblitzsteuerung erlaubt auch die Kombination mehrerer Blitzgeräte in einem Drahtlosverbund.

Kurze Geschichte des Blitzens

Kinder und alte Menschen

Zum Fotografieren wurde Blitzlicht etwa ab den 1860er-Jahren verwendet, zunächst als reines Magnesiumlicht, später als Blitzlichtpulver, bestehend aus Magnesium und diversen Beimischungen wie Kaliumpermanganat. Ziel war – bereits damals – das Erreichen einer möglichst großen Helligkeit bei relativ kurzer Abbrennzeit. Eine erhebliche Rauchentwicklung, nicht selten auch Unfälle, waren die unerwünschten Nebenwirkungen. Über „Blitzbirne“ und „Blitzwürfel“ führte der Weg dann zum modernen Elektronen- bzw. Systemblitzgerät mit xenongefüllter Blitzröhre. Für eine kurze und helle Gasentladung sorgt ein zuvor auf mehrere 100 Volt aufgeladener Kondensator. So lassen sich Blitze mit einer Abbrenndauer zwischen etwa 1/300 und 1/40 000 s erzeugen.

Sehen Sie rot?

Der in Digitalkameras eingebaute Blitz ist relativ leistungsschwach und hat den Nachteil, dass er nicht besonders weit von der optischen Achse entfernt ist; ganz besonders gilt dies für Kompaktkameras. Das führt häufig zu roten Augen bei Porträts (Bild oben), die man mittels Bildbearbeitung aber gut korrigieren kann (Bild unten). Die entsprechende Funktion in Photoshop Elements erlaubt dabei die Einstellungen Pupillengröße (hier 10 %) und Verdunkelungsbetrag (hier 15 %). Ein weiteres Problem sind Abschattungen bei Weitwinkelobjektiven, die sich zum Teil dadurch verhindern lassen, dass man die Sonnenblende abnimmt.

Die richtige Tageszeit

Blitzsynchronisation

Ein Schlitzverschluss, wie er heute meist in Digitalkameras verwendet wird, gibt das Bildfenster nur bis zu einer bestimmten Verschlusszeit komplett frei. Dies nennt man die (kürzestmögliche) Blitzsynchronzeit, heute im besten Fall um 1/250 s. Bei kürzeren Verschlusszeiten bewegt sich ein aus 1. und 2. Verschlussvorhang gebildeter Schlitz über das Bildfenster; beim Blitzen kommt es dann zu Teilabschattungen. Bild 1: Geblitzt mit Blitzsynchronzeit (Nikon D90, 1/200 s); Bild 2: 1/320 s; Bild 3: 1/500 s. Mit FP-Kurzzeitsynchronisation – mehr dazu auf der letzten Doppelseite – ist das Blitzen auch bei kürzeren Zeiten als der Blitzsynchronzeit möglich.

Blitzlicht korrigieren

Konzentrieren Sie sich auf die Details

Die meisten Kameras erlauben das Korrigieren des Blitzlichts unabhängig von der Hauptbelichtung. Am weitesten verbreitet ist die Blitzbelichtungskorrektur, die über den entsprechenden Menüpunkt oder mittels Funktionstaste und Drehrad eingestellt werden kann (Bild oben). Ein anderer Weg zu optimal belichteten Blitzaufnahmen führt über automatische Belichtungsreihen. Beispiel Nikon D7100: Die Kamera lässt dem Anwender die Wahl, ob er bei einer Reihenaufnahme nur das Blitzlicht, Belichtung und Blitz oder nur die Belichtung einbeziehen will (Bild unten).

Möglichkeit Nummer 3 ist die FE-Blitzlichtspeicherung: Sie visieren das Motiv an und lösen einen Messblitz manuell aus. Bei der anschließenden Aufnahme blitzt die Kamera mit den gemessenen Werten; nicht jede Kamera besitzt allerdings diese Funktion.Ist der Blitz die Hauptlichtquelle bei einer Aufnahme, muss man mit dem Popup-Blitz der Kamera Kompromisse eingehen, was Leistung und Ausleuchtung anbelangt. Deutlich mehr Möglichkeiten bietet ein Systemblitzgerät mit Vorblitzmessung, da sich dieses wesentlich flexibler verwenden lässt und mehr Möglichkeiten bietet, die Abstrahlcharakteristik zu beeinflussen. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, den Blitzreflektor nach oben zu schwenken und indirekt über die Decke zu blitzen. Durch die Reflexion des Lichts an Decken und Wänden verwandelt sich das Zimmer in eine riesige Softbox, und das Motiv gewinnt durch weiches flächiges Licht. Dazu gibt es weitere Tricks und Zubehörteile, um dem Blitzlicht einen angenehmeren Charakter zu verleihen.

Wie trifft der Blitz auf das Motiv?

Wie trifft der Blitz auf das Motiv?

Wer ohne viel Aufwand Produkte für Internet-Auktionen fotografieren will, wird dafür vielleicht gerne das eingebaute Blitzgerät der Kamera verwenden. Als Problem erweist sich dabei oft die frontale Abstrahlrichtung des Blitzlichts. Beispiel: Steht die Wanduhr parallel zur Kamera, kommt es zu unschönen Reflexen an der lackierten Oberfläche. Dreht man die Uhr dagegen ein wenig zur Seite, bleiben die Reflexe aus, und die Farben kommen zur Geltung. Zudem lässt sich hier die Form des Gegenstands besser beurteilen.

Blitzlicht optimieren für Porträts

Ist der Blitz das Hauptlicht bei einem Porträt, kommt es darauf an, die Abstrahlfläche zu vergrößern und das Blitzlicht zu soften, um einen schönen Teint zu erzielen und störende Schatten zu vermeiden. Bild 1 wurde mit dem Ausklappblitz einer Canon EOS 450D fotografiert; die Ausleuchtung ist passabel, der Schatten rechts hinter dem Kopf ausgeprägt. Bild 2: Verwendet wurde ein Systemblitz (Speedlite 430EX II) auf der Kamera; die Ausleuchtung wirkt eine Spur plastischer, der Schatten bleibt. Bild 3: Blitz indirekt gegen die Decke, weiße Reflektorscheibe ausgezogen, um Spitzlichter in die Augen zu zaubern. Von oben nach unten ergibt sich ein Helligkeitsverlauf, der Schatten an der Wand ist abgemildert. Bild 4/5: Gary Fong Lightsphere Collapsible auf dem 430EX II; die Beleuchtung wirkt zugleich plastisch und weich; der Schatten an der Wand ist fast verschwunden.

Die schönsten Blitzaufnahmen sind meist jene, bei denen der Blitz auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen ist: Die Rede ist vom Aufhellblitzen. Bei Vollautomatik und beim Motivprogramm „Porträt“ aktiviert die Kamera den eingebauten Blitz in der Regel von selbst, wenn das Hauptmotiv im Vergleich zum Hintergrund zu dunkel ist. Besser ist es freilich, wenn Sie auch beim Aufhellblitzen steuernd eingreifen. Stellen Sie die Kamera auf Matrixmessung und korrigieren Sie die Blitzintensität manuell. Auch beim Ausleuchten von Räumen und in vielen anderen Situationen spielt der Aufhellblitz eine wichtige Rolle. Auf dieser Doppelseite erfahren Sie, wie Sie mit dem eingebauten Blitz oder einem Systemblitzgerät auf der Kamera Ihre Bildergebnisse optimieren können.

Porträt im Gegenlicht

Die richtige Tageszeit

Im Gegenlicht fotografierte Porträts sind äußerst reizvoll. Einziger Nachteil: Das Gesicht kommt meistens zu dunkel. Mit einem Aufhellblitz lässt sich dieses Problem aber leicht lösen. Achten Sie darauf, dass das Gesicht nicht überblitzt wird, das sieht unnatürlich aus. Faustregel: Beim Aufhellen von Porträts ist eine Belichtungskorrektur zwischen minus 0,7 und 1 Blende meist ein guter Anfangswert. Bild 1: Aufnahme ohne Blitzaufhellung mit Nikon D90. Bilder 2/3: Blitzaufhellung mit Speedlight SB-700 plus mitgelieferter Softbox, minus 0,7 Blenden korrigiert. Zum Aufhellen von Porträts reicht häufig auch der in die Kamera eingebaute Blitz.