Schwarz-Weiß ist mehr als nur der Verzicht auf Farben. Oft erschafft diese ursprüngliche Fotografie-Technik eine ungeahnte Klarheit.

Intro

Die monochrome Fotografie ist längst in der digitalen Welt angekommen. Wir verraten, welche Motive sich für ausdrucksstarke Schwarz-Weiß-Fotos am besten eignen und wie Sie den Charakter von legendären Schwarz-Weiß-Filmen imitieren können.
Wer heutzutage in Schwarz-Weiß fotografieren möchte, profitiert von der digitalen Technik. Während man sich in analogen Zeiten für einen bestimmten Film entscheiden musste und die Bildanmutung schon bei der Aufnahme durch einen Farbfilter beeinflusst hat, kann man heute bequem am PC experimentieren –ohne Rotlicht und Entwicklerflüssigkeit.

Wie zu analogen Zeiten
Schwarz-Weiß-Fotografen sollten schon bei der Aufnahme insbesondere auf Kontraste und Strukturen des Motivs achten, und diese mit dem richtigen Ausschnitt betonen. Da Schwarz-Weiß-Fotos nur aus monochromen Tonwerten bestehen, kommt der Belichtung ein noch größerer Stellenwert zu als ohne hin schon in der Digitalfotografie. Um den Retro-Charakter der Fotos noch zu verstärken, kann das Programm Silver Efex Pro zum Einsatz kommen. Neben der perfekten Umwandlung von Farbaufnahmen in Schwarz-Weiß-Bilder können Sie mit speziellen Vorlagen Eigenschaften von klassischen Negativfilmen in Ihre Bilder rechnen.

Korn imitieren
Die Wahl eines bestimmten analogen Filmmaterials diente früher auch der Verstärkung der Bildaussage: So kam bei Porträts ein weicher, feinkörniger Film zum Einsatz, für Reportage-Aufnahmen dagegen ein harter mit grobem Korn. Diese unterschiedlichen Eigenschaften der Filme halfen Stimmungen zu transportieren, die in der digitalen Welt oft auf der Strecke bleiben. Perfektion, absolute Farbtreue, beste Durchzeichnung von Schatten und Lichtern, die möglichst haargenaue Abbildung der Realität führen nicht zwingend zum besseren Bild. Die Rauheit groben Filmkorns kann die Aussage unterstützen und sogar verbessern. Letztendlich gilt es, Empfindungen und Stimmungen ein zufangen und in Bildern zu transportieren.

Die 10 besten Tipps für Schwarz-Weiss-Fotos

Bild1

Tipp 1: Motiv mit Strukturen
Schalten Sie bei der Aufnahme Ihre Sinne auf Schwarz-Weiß: Suchen Sie nach Motiven mit Strukturen, denn davon lebt jedes monochrome Foto. Gut geeignet sind etwa Landschaften, Skylines und Brücken, dramatische Himmel, Detail-oder Makrofotos. Interessant sind auch Portraitfotos oder People Motive mit möglichst zeitlosem Reportage Charakter.

Tipp 2: Spitzlichter beobachten
Wird eine Farbaufnahme zum Schwarz-Weiß-Bild umgewandelt, verschieben sich die Tonwerte. Je nach Gewichtung der Farben können vormals mittlere Bereiche plötzlich sehr hell oder auch sehr dunkel erscheinen – und im schlimmsten Fall alle Zeichnung verlieren. Behalten Sie unbedingt nicht nur beim Fotografieren, sondern auch beim Bearbeiten am PC wichtige Motivbereiche im Auge.

Tipp 3: Starke Kontraste
Monochrome Fotos bestehen letzt endlich aus Tonwert-Kontrasten. Ideal ist es, wenn schon das Motiv deutliche Helligkeits-Unterschiede zeigt. Sie müssen dann beider Konvertierung diese gegebenen falls nur noch leicht verstärken. Achtung: Ein hoher Kontrast wirkt immer relativ hart und passt deshalb eher zu unbelebten Strukturen wie zum Beispiel Gebäuden.

Bild2

Tipp 4: Kanäle zur Hilfestellung
Ein alter Trick, der immernoch funktioniert: Um sich einen Eindruck über den Einfluss der Grundfarben Rot, Grün, Blau bei der Umwandlung zuverschaffen, rufen Sie am besten die Kanäle-Palette auf. Klicken Sie auf die einzelnen Farbanteile und beurteilen Sie, welcher der wichtigste ist, sprich den besten Effekt zeigt. Damit wissen Sie, welchen Kanal Sie am stärksten berücksichtigen müssen.

Tipp 5: Körnung simulieren
Dem Korn kommt in der analogen Fotografie einige Bedeutung zu. Jeder Film hat seine ganz eigene Charakteristik, die nicht zuletzt von der Größe des fotografischen Korns und der Anzahl der Schichten abhängt. Filter wie Nik Silver Efex rechnen eine „Störung“ ins Bild, welche den Vorbildern aufs Korn gleicht.

Bild3

Tipp 6: Details abwedeln
Viele Schwarz-Weiß-Bilder profitieren von einer nachträglichen Tonwertkorrektur, bei der bestimmte Bereiche weiter aufgehellt oder abgedunkelt wurden. Das entspricht dem klassischen „Abwedeln“ und „Nachbelichten“ in der Dunkelkammer. In Photoshop benutzen Sie dazu am besten eine Ebenenmaske, in Nik Silver Efex Pro stehen Ihnen die praktischen Kontrollpunkte zur Verfügung.

Tipp 7: Kanäle zur Hilfestellung
Ein alter Trick, der immernoch funktioniert: Um sich einen Eindruck über den Einfluss der Grundfarben Rot, Grün, Blau bei der Umwandlung zuverschaffen, rufen Sie am besten die Kanäle-Palette auf. Klicken Sie auf die einzelnen Farbanteile und beurteilen Sie, welcher der wichtigste ist, sprich den besten Effekt zeigt. Damit wissen Sie, welchen Kanal Sie am stärksten berücksichtigen müssen.

Tipp 8: Ausschnitte suchen
Für die Bildkomposition von Schwarz-Weiß-Fotos sind klare Strukturen wichtig. Oft hilft es schon, das Motiv auf das Wesentliche zu reduzieren. Wie bei der Brücke oben kann ein Panoama-Ausschnitt interessanter wirken als ein regulärer 2:3-Ausschnitt. Durch das langgezogene Format wird die Struktur der Stahlkonstruktion betont.

Brücke

Nemo

Tipp 9: Vignettierung
Manche Fotografen betrachten abgedunkelte Bildecken als störende Artefakte, die es unbedingt zu retuschieren gilt. Andere sehen sie als künstlerischen Rahmen an. Beliebt ist die Vignette bei Porträtfotografen, doch dezent eingesetzt, verleiht sie auch Landschaftsmotiven eine besondere Anmutung. Bei Schwarz-Weiß-Bildern verstärkt eine Vignette den Retro-Charakter, da dieses Artefakt in den ersten Jahrzehnten der Fotografie weit verbreitet war.

Tipp 10: Filter verwenden
In der analogen Schwarz-Weiß-Fotografie arbeitete man noch mit farbigen Filtervorsätzen, um die Tonwerte der Aufnahme zu beeinflussen. Diese Möglichkeit hat man natürlich auch am PC: Die gängigen Bildbearbeitungs-Programme bieten fertige Voreinstellungen, die Farbfilter simulieren.