Der Lichterglanz der Nacht

In der Dunkelheit wirken Städte völlig anders als bei Tag. So fangen Sie den großen Dynamikumfang und die Lichter mit der Kamera optimal ein.

1. Schlechtwetterfront

Grauer Himmel und tief hängende Wolken – so wirken Aufnahmen trist. In manchen Situationen, etwa bei Fern- oder Städtereisen, haben Sie nicht die Möglichkeit, mehrere Stunden oder Tage auf besseres Wetter zu warten. Um dennoch tolle Bilder zu erhalten, machen Sie Ihre Aufnahmen nachts. Nebel wirkt dann plötzlich mystisch und nicht mehr trostlos. Bei Tag bummeln Sie einfach durch die Gassen, markieren sich im Stadtplan, welche Motive für Sie infrage kommen, und überlegen sich die Perspektive. Sobald es dunkel wird, steht der eigentlichen Aufnahme nichts mehr im Weg und Lichtstimmungen, die es tagsüber kaum gibt, sind garantiert.

2. Mit ISO 6.400 aus der Hand

Wenn es mal schnell gehen muss, können Nachtaufnahmen auch ohne Stativ gelingen. Je nach Kameramodell können Sie sehr hohe ISO-Werte einstellen. Damit erhalten Sie eine kurze Belichtungszeit, die es Ihnen erlaubt, das Foto aus der Hand zu schießen. Allerdings sollten Sie das Rauschverhalten Ihrer Kamera vorab testen, um zu erkennen, ab wann es zunimmt. Aber auch das Ausgabeformat spielt eine Rolle: Werden die Aufnahmen später nicht vergrößert oder bei weniger als 100 Prozent ausbelichtet, fällt das Rauschen nicht ganz so stark auf. Wollen Sie allerdings möglichst scharfe Konturen erhalten, sollten Sie auf sehr hohe ISO-Einstellungen verzichten und lieber mit Stativ fotografieren.

3. Belichtungsoptionen

Wie unsere Beispiele zeigen, gibt es nicht nur eine Belichtungsmöglichkeit, sondern meist mehrere Varianten. Als Erstes gilt es, die Perspektive für das Hauptmotiv zu finden, und die Kamera entsprechend aufzubauen. Danach beziehen Sie in Ihre Überlegungen den Verkehr mit ein. Für den Anfang ist es am einfachsten, sich an den Ampelintervallen zu orientieren. Diese haben einen gleichmäßigen Rhythmus – das ist ideal, wenn man gezielt Lichtspuren der Verkehrsteilnehmer einfangen möchte. Wird mit einer kurzen Brennweite fotografiert, also weitwinklig, muss man den Verkehr sehr nah an die Kamera herankommen lassen und darf erst dann auslösen.

4. Drehbelichtung

Wer möchte, kann sogar starre Motive wie Straßenlampen, Leuchtreklamen oder die erhellten Fenster von Gebäuden für Fotos mit Lichtspuren nutzen. Dazu muss die Kamera gleichmäßig auf einem Stativ gedreht werden. Das setzt voraus, dass der Stativkopf so befestigt ist, dass er gut sitzt, es aber noch möglich ist, ihn zu drehen. Um Unschärfen durch Verwacklungen zu vermeiden, stellen Sie bei der Kamera den Selbstauslöser ein. Bei einer Belichtungszeit von 15 Sekunden gelten die ersten zehn Sekunden dem Hauptmotiv – in unserem Beispiel dem Wolkenkratzer. So wird dieser scharf abgebildet. Die restlichen fünf Sekunden dreht man den Stativkopf dann gleichmäßig in eine Richtung.

Das gehört in Ihre Fototasche

Wer in der Nacht tolle Fotos schießen möchte, braucht eine gewisse Grundausstattung. Mit diesen Utensilien gelingen spektakuläre Bilder.

Kameratasche

1. DSLR oder DSLM
Nachtfotos erfordern Belichtungszeiten von mehreren Sekunden. Bei Langzeitbelichtungen kommt es aber oft zu unschönem Bildrauschen. Hier sind DSLR- und DSLMKameras von Vorteil. Sie haben größere Sensoren und daher in der Regel auch eine geringere Pixeldichte, was dann qualitativ bessere Bildergebnisse ermöglicht.

2. Objektive mit Weitwinkel
Ein spezielles Weitwinkelobjektiv hat gegenüber Zooms den Vorteil, dass es geringere Abbildungsfehler aufweist. Gerade dann, wenn man etwa bei Nacht das Lichtermeer einer Stadt auf den Sensor bannen will, verhilft der extraweite Bildwinkel zu besonders beeindruckenden Aufnahmen.

3. Fernauslöser statt Selbstauslöser
Bei sehr langen Verschlusszeiten, zum Beispiel in der »Bulb«-Einstellung, hilft ein Fernauslöser enorm: Der Auslöser kann gedrückt bleiben, ohne dass dies Verwacklungen der Kamera zur Folge hat. So gelingen absolut scharfe Aufnahmen.

4. Taschenlampe statt Blindbedienung
Einstellungen an der Kamera lassen sich bei Licht leichter vornehmen. Eine kleine Taschenlampe gehört daher in jede Fototasche. So finden Sie im Dunkeln stets den richtigen Weg und jeder Handgriff sitzt.

5. Stativ gegen Verwackler
Ohne Stativ geht es nicht. Die längeren Belichtungszeiten bei Nachtaufnahmen erfordern eine absolut ruhige Kamerahaltung. Ein stabiles Dreibein und ein Fernauslöser sind dafür die beste Lösung.

Praxis-Tipps für starke Nachtmotive

Bei unzureichendem Licht sieht unser Auge überwiegend in Grautönen. Die Kamera hingegen kann mit der richtigen Einstellung faszinierende Fotos produzieren.

1. Mond im Fokus

Um den Erdtrabanten möglichst groß aufzunehmen, ist eine Telebrennweite Pflicht. Ist der Mond nur ein Teil des Bildes, sollten Sie darauf achten, dass er nicht überbelichtet wird, sonst haben Sie nur eine strukturlose weiße Scheibe im Bild. Achtung: Bei mehr als 20 Sekunden Belichtungszeit führt die Eigenbewegung des Mondes dazu, dass er verwischt und unscharf abgebildet wird.

2. Erhöhter Standpunkt

Städte sind nicht von ungefähr beliebte Motive bei Nacht. Was tagsüber oft unspektakulär erscheint, erstrahlt im Dunkeln in ganz neuem Glanz. Das Geheimnis eindrucksvoller Stadtaufnahmen ist der Standpunkt. Machen Sie sich die Aussichtsplattformen öffentlicher Gebäude zunutze. Suchen Sie sich einen Standort, an dem Sie Ihr Equipment ungestört aufbauen können. Bedenken Sie, dass dort, wo sich die Massen tummeln, über das Stativ Erschütterungen auf die Kamera übertragen können. Verwacklungsgefahr!

3. Anschnitt mit Pfiff

Jahrmarktrubel bedeutet lautes Treiben und viele Lichter. Durch eine lange Verschlusszeit werden die Lämpchen an dem Fahrgeschäft zu einer Art Leuchtstrudel. Wäre dieser zu präsent im Bild, würde es schnell langweilig wirken. Hier hat die Aufnahme trotz des eng gewählten Anschnitts dank ins Auge fallender Details einen hohen Wiedererkennungswert: Durch den sichtbaren Teil der Mittelsäule und des Geländers ist ganz klar zu erkennen, wo das Bild aufgenommen wurde.

4. Gewitter

Für gute Unwetterfotos sind ein Stativ und ein Fernauslöser ein Muss – und auch ein paar Überlegungen zu einem sicheren Standort. Halten Sie sich daher nicht unmittelbar im Freien auf. Fotografieren Sie im »Bulb«-Modus und mit Fernauslöser, den Sie beim ersten Blitz drücken und kurz nach dem zweiten Blitz wieder loslassen. Auf Anhieb wird das selten klappen. Mit viel Geduld und beharrlichem Ausprobieren kommen Sie aber ans Ziel.

5. Lichtspuren

Kein besonderer Trick, sondern nur eine Einstellungssache. Die Länge der Belichtungszeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Autoverkehr oder auch vorbeilaufende Menschen erzeugen dabei großartige Bewegungslinien. Um hier eindrucksvolle Lichtspuren einzufangen, braucht es eine Langzeitbelichtung. Je länger die Belichtungszeit, desto länger die Lichtspur und desto ausgewaschener wirkt sie. Je nach Kamera sind die Verschlusszeiten begrenzt. Im manuellen Modus (»M«) ist es mit der bei sehr vielen Kameras zu findenden Einstellung »Bulb« möglich, auch länger als 30 Sekunden zu belichten. Der Auslöser muss aber während der gesamten Belichtungszeit gedrückt bleiben. Um Verwacklungen vorzubeugen, sollten Sie einen Fernauslöser verwenden.

6. Lichtstimmung

Nachtaufnahmen einer Stadt haben den Vorteil, dass die Erwartungen an die ichtstimmung nicht eindeutig sind. Wer mit ihr ähnlich frei umgehen möchte wie in den beiden Beispielbildern, sollte im RAW-Format fotografieren. Zum einen ist es dadurch im Nachhinein möglich, die Stimmung durch Beeinflussen der Farbtemperatur (Weißabgleich)zu ändern. Zum anderen ermöglichen RAW-Bilder ein nahezu verlustfreies Aufhellen der Belichtung.

7. Wasserspiele

Nicht nur Gebäude oder Monumente werden des Nachts beleuchtet, sondern auch Brunnen. Die Gelegenheit, großartige Aufnahmen mit weichem Wasserfluss zu machen. Tagsüber benötigen Sie für solch eine Aufnahme einen Neutraldichtefilter, um das Wasserspiel derartig einzufangen. Der ND-Filter reduziert die durch das Objektiv einfallende Lichtmenge und Sie brauchen eine längere Verschlusszeit. In der Nacht bekommt das herabfallende Wasser durch die ohnehin erforderliche lange Belichtung (Empfehlung hier: eine Sekunde oder länger) seinen seidigen Effekt auch ohne zusätzlichen Filter.

8. Tiefe Perspektive

Eine gewöhnliche Gasse kann durch einen einfachen Perspektivwechsel zum Hingucker werden. Der Blick verläuft entlang des Kopfsteinpflasters. Mit der nicht alltäglichen Sicht und dem schräg gewählten Anschnitt fällt die Aufnahme gleich auf. Die lange Verschlusszeit bringt durch die vorbeilaufende Person auch Bewegung ins Bild.

HDR Fotos

Einen außergewöhnlichen Touch haben HDR-Bilder. Die Abkürzung steht für High Dynamik Range – Aufnahmen, die einen besonders hohen Dynamikumfang widerspiegeln: Dabei sind sowohl in den Tiefen also auch in den Lichtern viele Details erkennbar – ein Effekt, der mit einer Einzelaufnahme nicht möglich wäre. Wir erklären die wichtigsten Begriffe:

Dynamikumfang
Bei hohen Kontrasten stößt die Kameratechnik an Grenzen: Bei sehr kontrastreichen Motivszenen ist es beispielsweise schwierig bis unmöglich, die Details gleichzeitig in einem besonders hellen und in einem sehr dunklen Bereich wiederzugeben. Der Bildsensor kann einen solch hohen Kontrastumfang nicht umfassend abbilden.
Tone-Mapping
Mit dieser Technik bearbeiten Sie die Tonwertwiedergabe in einem HDR-Bild. Je nach Einstellung wirkt das Ergebnis mehr oder weniger natürlich. Am einfachsten geht das in speziellen Bildbearbeitungsprogrammen (z. B. Photomatix Pro), aber auch mit Photoshop Elements können Sie aus RAWDateien spektakuläre HDR-Bilder erstellen.