Technik erklärt: Einstellrad

Wofür stehen die Buchstaben auf dem oberen Einstellrad Ihrer Kamera? Nehmen Sie sich kurz Zeit, um die Kürzel komplett zu verstehen

Einstellrad erklärt

1. Programmautomatik
Sowohl Verschlusszeit als auch Blende werden im Modus »P« automatisch gewählt, das Verhältnis dieser beiden Werte kann sich aber ändern.

2. Verschlusszeitautomatik
Sie bestimmen die Tiefenschärfe, die Verschlusszeit erfolgt automatisch. Große Blenden (z. B. f 2,8) sorgen für unscharfen Hintergrund, kleine bilden alles scharf ab.

3. Blendenautomatik
Sie legen die Dauer der Verschlusszeit fest, die Blende erfolgt automatisch. Kurze Belichtungszeiten frieren Bewegungen ein, lange lassen sie verschwimmen.

4. Manuelle Belichtung
Sie wählen sowohl die Blende als auch die Verschlusszeit komplett manuell. Der Belichtungsmesser der Kamera zeigt Ihnen die korrekte Belichtung an.

Programmautomatik

Bevor Sie sich an den manuellen Modus wagen, sollten Sie die Programmautomatik verstehen. Das hilft Ihnen, Blende und Belichtungszeit besser einzustellen.

Die Programmautomatik »P« könnte man als Option für Schnappschüsse abhaken, da die Kamera sowohl Blende als auch Verschlusszeit bestimmt. Wenn Sie sich also keine Gedanken über Blendenöffnung und Belichtungszeit machen wollen, ist diese Automatik genau richtig für Sie. Doch dieser Modus hat mehr zu bieten. Der Vorteil der Programmautomatik gegenüber dem (grünen) Automatikmodus besteht darin, dass sich eine manuelle Belichtungskorrektur durchführen lässt. Der Belichtungsmesser der Kamera wird bei hellen oder dunklen Motiven leicht in die Irre geführt und muss daher von Hand korrigiert werden. Außerdem haben Sie im »P«-Modus Zugriff auf verschiedene Schlüsselfunktionen wie Blitz oder Weißabgleich.

+ Für Situationen, in denen keine Gelegenheit ist, Blende und Zeit manuell einzustellen. Ideal für Schnappschüsse
Weniger gut geeignet für den gezielten Einsatz von Schärfentiefe. Der Fotograf hat hier keine vollständige Kontrolle über Blende und Verschlusszeit

Verschlusszeitautomatik

Mit der Wahl der Verschlusszeitautomatik gehen Sie den nächsten Schritt in Richtung manuelle Belichtung: Sie erhalten volle Kontrolle über die Schärfentiefe.

Für viele Motive und Situationen ist die Zeitautomatik das vermutlich anwenderfreundlichste und auch bequemste Belichtungsprogramm. Indem Sie die Blende manuell einstellen, bestimmen Sie den Grad der Tiefenschärfe – die Kamera wählt dazu ganz automatisch die passende Verschlusszeit. Das heißt aber nicht, dass Sie die Verschlusszeit vollständig ignorieren sollen, auch wenn die Kamera diese Einstellung für Sie vornimmt. Achten Sie darauf, dass die Belichtungszeit nicht zu lange ausfällt, um aus der Hand noch verwacklungsfrei zu fotografieren. In diesem Fall können Sie den ISO-Wert erhöhen, um bei der gleichen Blende eine kürzere Verschlusszeit zu wählen. Alternativ verwenden Sie bei der Aufnahme ein Stativ, um ohne Verwacklungsunschärfe länger belichten zu können. Besonders in sehr hellen oder dunklen Situationen müssen Sie die Belichtungszeit im Auge behalten. Bei extrem hellen Motiven kann die angezeigte Verschlusszeit blinken. Oder die Kamera zeigt »HI«, um zu signalisieren, dass selbst die kürzeste Belichtungszeit für eine korrekte Belichtung immer noch nicht kurz genug ist. In diesem Fall müssen Sie eine kleinere Blende (mehr Schärfentiefe) wählen oder einen Graufilter anbringen. Andersherum blinkt die Verschlusszeit oder zeigt »Lo«, wenn keine Belichtungszeit zur Verfügung steht, die bei der gewählten Blende lang genug für eine korrekte Belichtung ausfällt. Wählen Sie in diesem Fall eine größere Blende (weniger Tiefenschärfe) oder erhöhen Sie die ISO-Empfindlichkeit, bis auf dem Display wieder eine Verschlusszeit angezeigt wird. Der eigentliche Vorteil der Zeitautomatik besteht aber darin, dass Sie sich auf die Blende und die Schärfentiefe konzentrieren können, ohne auf die Zeit achten zu müssen.

Verschlusszeitautomatik in der Praxis

1. Blende wählen
Stellen Sie das Wahlrad auf »A« oder »Av« und wählen Sie mit dem primären Einstellrad die gewünschte Blende. Prüfen Sie, ob die Kamera eine passende Verschlusszeit zuordnen kann, da die Blende ja konstant bleibt.
2. Belichtungskorrektur
Obwohl der Belichtungsmesser der Kamera automatisch die richtige Verschlusszeit wählt, kann eine manuelle Belichtungskorrektur nötig werden. Diese Berichtigung wirkt sich nur auf die Verschlusszeit aus, nicht auf die Blende.

+ Mit dem »A/Av«-Modus kontrollieren Sie die Schärfentiefe. Gut geeignet für Porträts, Nahaufnahmen und Makros
Für Motive, die eine ganz bestimmte Verschlusszeit erfordern, ist dieser Modus allerdings weniger gut geeignet

Blendenautomatik

Jetzt wird es Zeit, die Kontrolle über die Verschlusszeit zu übernehmen, um Bewegungen einzufrieren oder fließen zu lassen.

Bei der Blendenautomatik handelt es sich um das Gegenteil der Zeitautomatik. Anstatt die Blende manuell zu bestimmen, wählen Sie in diesem Modus eine Belichtungszeit. Für bewegte Motive ist dieser Modus besonders geeignet. Vor allem bei schnellen Sportarten und bei der Tierfotografie haben Sie oft keine Zeit, die Blende manuell einzustellen. Um die rasante Bewegung von fliegenden Vögeln oder vorbeirauschenden Rennwagen einzufrieren, brauchen Sie eine Verschlusszeit von 1/1.000 Sekunde oder kürzer. Bei schlechten Lichtverhältnissen kann es vorkommen, dass Sie den ISO-Wert erhöhen müssen, um eine solch kurze Belichtungszeit zu ermöglichen. Alternativ können Sie auch eine längere Verschlusszeit wählen und dem Motiv bei der Belichtung mit der Kamera folgen. Durch solche Schwenktechniken – auch Mitzieher genannt – entstehen scharfe Objekte vor verschwommenem Hintergrund. Versuchen Sie 1/125 Sekunde bei schnellen Motiven wie Motorrädern oder Autos und 1/30 Sekunde bei langsameren Objekten. Mit der Blendenautomatik können Sie auch lange Verschlusszeiten vorgeben, um fließendes Wasser verschwimmen zu lassen. Dazu wählen Sie eine Belichtungszeit von 1/4 Sekunde oder länger. Sie müssen die Kamera aber auf einem Stativ befestigen und einen Fernauslöser verwenden, damit das Bild nicht verwackelt.

Blendenautomatik in der Praxis

1. Zu kurze Verschlusszeiten
Wenn Ihre Kamera eine Unterbelichtung signalisiert, indem die Blende blinkt oder »Lo« angezeigt wird, müssen Sie den ISO-Wert manuell erhöhen oder eine längere Verschlusszeit wählen.
2. Zu lange Verschlusszeiten
Achten Sie auf mögliche Überbelichtung. Wählen Sie in einem solchen Fall einen niedrigeren ISO-Wert, eine kürzere Zeit oder verwenden Sie einen Graufilter.

+ Ideal für Sportfotos, bei denen mit kurzen Belichtungszeiten gearbeitet werden muss
Weniger geeignet für die meisten Landschaftsbilder und Motive, die eine präzise Schärfentiefe erfordern

Manuelle Belichtung

Jetzt sind Sie bereit für die ultimative Herausforderung: Im manuellen Belichtungsmodus sind Sie der Alleinherrscher über Blende und Belichtungszeit.

enn Sie wissen, wie Sie Blende und Verschlusszeit bestimmen, da Sie sowohl mit der Blendenautomatik als auch mit der Zeitautomatik gearbeitet haben, ist es an der Zeit, den letzten Schritt zu wagen. Der manuelle Modus gibt Ihnen die volle Kontrolle über die Kameraeinstellungen. Natürlich können Sie keine beliebigen Werte einstellen, denn nur die richtigen Kombinationen aus Verschlusszeit und Blende ergeben eine korrekte Belichtung. Ihre Kamera besitzt einen Belichtungsmesser mit einer Skala von negativen bis zu positiven Werten. Befindet sich die Markierung in der Mitte, ist die Belichtung richtig eingestellt. Der große Vorteil des manuellen Programms besteht darin, dass die Einstellungen, die Sie gewählt haben, erhalten bleiben – im Gegensatz zu allen anderen Programmen. Ideal ist der »M«-Modus für alle Situationen, in denen Sie genug Zeit haben, sich über Blende und Verschlusszeit Gedanken zu machen, zum Beispiel Landschaftsaufnahmen. Auch für Motive, bei denen ein wechselhafter Hintergrund die automatische Belichtungsmessung trotz konstanter Motivbeleuchtung verwirren würde, ist der manuelle Modus in den meisten Fällen die bessere Wahl. Des Weiteren erlaubt die manuelle Belichtungssteuerung die Verwendung von extrem langen Verschlusszeiten. Im »Bulb«-Modus etwa bleibt der Verschluss so lange offen, wie der Auslöser gedrückt wird. Diese Technik eignet sich für Nachtaufnahmen, Sternspuren, Landschaften im Mondschein und Aufnahmen von Feuerwerken. Um Verwacklungen zu vermeiden, brauchen Sie einen Fernauslöser mit Verriegelung. Die Belichtungsskala wird in dieser Einstellung nicht angezeigt, deshalb müssen Sie einige Testfotos schießen, um die optimale Belichtung herauszufinden.

Manuelle Belichtung in der Praxis

1. Die wichtigsten Einstellungen vornehmen
Auf unserem Bild wollen wir die Bewegung einfrieren, deshalb wählen wir eine kurze Verschlusszeit von 1/1.000 Sekunde. Beginnen Sie mit einem ISO-Wert von 400.
2. Belichtungsmesser
Jetzt verändern wir die Blende, bis die Anzeige unter dem Belichtungsmesser genau auf Null steht. Wenn sie selbst bei der größten Blende nicht aus dem negativen Bereich kommt, erhöhen Sie den ISO-Wert.
3. Feintuning der Belichtung
Schießen Sie ein Testbild, um die Belichtung mithilfe des Histogramms zu prüfen. Nehmen Sie eine kleinere Blende, wenn das Histogramm eine Überbelichtung anzeigt – und eine größere Blende bei Unterbelichtung.

+ Konstantes Licht auf dem Motiv, aber wechselhafte Beleuchtung im Hintergrund
Bei Motiven und Situationen ohne viel Zeit für langwierige Einstellungen