Grundlagen der Belichtung

Grundlagen Belichten

Lassen Sie uns mit den Grundlagen beginnen: Beim Fotografieren wird das Licht des Motivs vom Sensor Ihrer Kamera erfasst. Sie benötigen eine bestimmte Menge an Licht, um die Szene richtig zu belichten. Bei zu wenig Licht wird das Bild zu dunkel oder unterbelichtet. Zu viel Licht bewirkt Überbelichtungen. Die Lichtmenge, die den Sensor erreicht, wird von drei wesentlichen Komponenten gesteuert: Blende, Verschlusszeit und ISO-Einstellung. Die Blende steuert, wie viel Licht auf den Sensor trifft: Eine große Blendenöffnung lässt mehr Licht durch als eine kleine Blendenöffnung. Die Verschlusszeit bestimmt die Länge der Zeit, in der das Licht auf den Sensor trifft – eine lange Verschlusszeit lässt also mehr Licht auf den Sensor als eine kurze Verschlusszeit. Blende und Verschlusszeit sind voneinander abhängig. Passen Sie die eine Einstellung an, müssen Sie die andere ebenso angleichen: Verkürzen Sie die Belichtungszeit, müssen Sie im Gegenzug die Blende weiter öffnen, um die gleiche Belichtung zu erhalten.

Belichtung verstehen

Um Blende und Verschlusszeit bei einem bestimmten ISO-Wert richtig zu bestimmen, misst die Kamera die Menge des vom Motiv reflektierten Lichts über einen eingebauten Belichtungsmesser. Das Schlüsselwort lautet „reflektiert“. Der Belichtungsmesser geht davon aus, dass das Motiv die gesamte Palette an Helligkeitsabstufungen enthält, und versucht so, korrekt zu belichten. Bestimmte Lichtverhältnisse können den Sensor jedoch verwirren: Dunkle Motive werden schnell überbelichtet, da er versucht, die dunklen Bereiche in Mitteltöne zu verwandeln. Helle Szenen werden schnell unterbelichtet, weil die Kamera auch die hellen Bereiche als Mitteltöne darstellen möchte.

Ausgeglichene Motive

Ausgewogene Szenen – wie diese – mit einer Mischung aus tiefen Tönen, Mitteltönen und hellen Tönen bereiten dem Kamerasensor selten Probleme. Die Belichtung umfasst alle Tonwerte.

Dunkle Motive

Wird der Sensor mit dunklen Schatten konfrontiert, kalkuliert er mehr Licht, als für die korrekte Belichtung benötigt wird. So entsteht eine Überbelichtung, das Motiv sieht verwaschen aus.

Helle Motive

Szenen, in denen helle Farbtöne dominieren, erscheinen unterbelichtet. Der Sensor errechnet eine geringere Belichtung, als für die Aufnahme benötigt wird. Deshalb sieht der Schnee auf Fotos häufig grau aus.

Belichten wie ein Profi

Lernen Sie richtig zu belichten und sparen Sie sich die Belichtungskorrektur in Photoshop.

Mehrzonenmessung
Sie wird auch als Matrixmessung, Mehrfeldmessung oder Multisegmentmessung bezeichnet. Es ist die Standardeinstellung aller Kameras. In diesem Modus teilt die Kamera das Motiv in mehrere Abschnitte und nimmt in jedem dieser Segmente eine Messung vor, um die korrekte Belichtung zu ermitteln.

Mittenbetonte Messung
Auch diese Methode misst die Belichtung des gesamten Motivs, konzentriert sich bei der Berechnung aber vor allem auf die mittleren 60 Prozent des Bildes. Sie ist praktisch bei Porträts, bei denen das Model im Zentrum steht, kann aber in sehr hellen oder dunklen Bereichen schnell falsche Ergebnisse liefern.

Spotmessung
Dies ist die genaueste Messmethode, weil sie Ihnen ermöglicht, eine Messung an einer präzisen Stelle im Motiv vorzunehmen. Allerdings erfordert es ein wenig Übung, um zu beurteilen, an welcher Stelle Sie messen sollten. Zur Vereinfachung lesen einige Fotografen die Belichtung von einer Graukarte ab.

Technik erklärt – Histogramm lesen

Sie können sich das Histogramm anzeigen lassen, um die Tonverteilung Ihrer Aufnahmen zu bewerten. Die horizontale Achse zeigt die Helligkeit, angefangen mit reinem Schwarz links bis hin zu reinem Weiß rechts. Die vertikale Achse zeigt die Anzahl von Pixeln bei dieser bestimmten Helligkeit.

Unterbelichtet

Unterbelichtet
Wenn zu wenig Licht den Sensor erreicht, ist entweder die Verschlusszeit zu gering oder die Blendenöffnung nicht groß genug. Das Histogramm dieser Aufnahme ist nach links verschoben, man spricht von „Clipping“. In der Bildausgabe erscheinen die beschnittenen Bereiche komplett schwarz, die Detailzeichnung in den Tiefen fehlt.

Korrekte Belichtung

Korrekte Belichtung
Das Histogramm zeigt die Helligkeitsverteilung des Motivs. Eine dunkle Szene sollte im Histogramm eine Glockenform auf der linken Seite vorweisen, eine helle Szene auf der rechten Seite. Versuchen Sie bei Tageslichtfotos, den „Histogramm-Berg“ so weit wie möglich nach rechts zu verlagern, allerdings ohne „Clipping“ in den Lichtern.

Überbelichtet

Überbelichtet
Diese Aufnahme ist überbelichtet, weil zu viel Licht auf den Sensor traf. Das Histogramm zeigt, dass die Tonverteilung komplett nach rechts verschoben ist, weshalb die Lichter beschnitten sind. Bei der Bildausgabe für den Monitor oder Druck wird die Detailzeichnung in den hellen Bereichen fehlen.

Besser belichten im M-Modus

So lesen Sie den Belichtungsmesser richtig und korrigieren die Einstellungen entsprechend der Aufnahmesituation manuell.

Obwohl Sie in der Nachbearbeitung kleinere Belichtungsfehler korrigieren können, wenn Sie im RAW-Modus aufnehmen, sind komplett unterbelichtete Aufnahmen mit sehr dunklen Tiefen nicht mehr zu retten. Genauso wenig können Sie vollständig überbelichtete Höhen ausgleichen, die nur noch als weiße Flecken vom Sensor wahrgenommen werden. Deshalb sollten Sie Wert darauf legen, die korrekte Belichtung bereits in der Kamera vorzunehmen

Besser belichten im M-Modus

Belichtungskorrektur
Die einfachste Art, die Belichtung in der Kamera zu korrigieren, ist die Belichtungskorrektur-Taste (+/-). Unterbelichtete Aufnahmen erfordern Korrektur nach oben, überbelichtete Bilder nach unten. Wählen Sie als Richtwert ein bis zwei Stufen nach oben für dunkle Objekte, ein bis zwei Stufen nach unten für helle Motive oder Hintergründe, während Gegenlichtaufnahmen bis drei Stufen nach unten korrigiert werden sollten. In Abhängigkeit vom gewählten Belichtungsmodus ändert die Kamera Verschlusszeit und/oder Blende.

Belichtungssperre
Wenn sich Ihr Motiv nicht in der Bildmitte befindet oder einen sehr hellen oder sehr dunklen Hintergrund aufweist, kann der Belichtungsmesser falsche Ergebnisse liefern. Denn er versucht, das komplette Bild auszuwerten. Die „Auto Exposure Lock“-Taste (AE-L) kann hier helfen. Richten Sie Ihre Kamera zunächst so aus, dass Ihr Motiv das Bild ausfüllt. Tippen Sie die Auslösetaste, um die Belichtung des Motivs zu messen, und halten Sie dann die AEL-Taste gedrückt. Kehren Sie anschließend zu Ihrer gewünschten Bildkomposition zurück und lösen Sie aus. (Je nach Voreinstellung können Sie die Tastenabfolgen variieren.) Diese Technik ist effektiv bei gleichmäßig beleuchteten Motiven. AE-L kann allerdings auch zu Komplikationen führen, wenn die Taste zusätzlich noch mit der Fokussperre belegt ist. Schauen Sie für Einzelheiten in Ihre Anleitung.

Belichtungsreihen
Bei wichtigen Aufnahmen kann „Bracketing“ nützlich sein. Sie können solche Belichtungsreihen mit der Belichtungskorrektur erstellen (siehe oben). Oder Sie verwenden alternativ die Bracketing-Funktion der Kamera. Probieren Sie Aufnahmen mit +/- 0,3 EV, 0,7 EV und 1 EV (EV = Blendenstufe) über und unter der gemessenen Belichtung. „Bracketing“ bietet im Grunde die Sicherheit der richtigen Belichtung und ist sinnvoll, wenn Sie einen hohen Kontrast im Motiv vorfinden, den Sie später durch Überblenden von mehreren Aufnahmen in Photoshop korrigieren wollen. Die Aufnahme dauert allerdings länger und verbraucht zudem mehr Platz auf der Speicherkarte.

Manueller Modus
Im M-Modus ist die Belichtung sehr einfach zu korrigieren. Wenn das Bild zu dunkel ist, wählen Sie eine längere Verschlusszeit oder eine größere Blende. Bei vielen Kameras können Sie Blende und Verschlusszeit in Schritten von 1/3 EV einstellen. Es ist nicht schwierig, Sie müssen sich nur trauen!

Anzeige der Belichtungsmessung

Wählen Sie einen der kreativen Belichtungsmodi (»P«, »S/Tv«, »A/Av« oder »M«) und sehen Sie durch Ihren Sucher. Sie erkennen nun einige Zahlen und den Belichtungsanzeiger – eine gepunktete Linie mit Markierungen bei -2, -1, +1 und +2.

In der Mitte der Belichtungsanzeige sehen Sie den Standardbelichtungsindex. Wenn die Belichtungsanzeige diese Markierung erreicht, nehmen Sie eine Standardbelichtung vor, wie sie vom Belichtungsmesser errechnet wurde.

Falls Sie eine Belichtungskorrektur eingestellt haben, sehen Sie außerdem das entsprechende Symbol. Wenn Sie im manuellen Modus arbeiten, weisen die Balken auf eine Unter- oder Überbelichtung hin. Neben der Belichtungsanzeige werden auch die Einstellungen für Verschlusszeit, Blende und (bei einigen Kameras) den ISOWert eingeblendet. Sie können die Belichtungsanzeige und andere Infos auch auf dem rückseitigen Display anzeigen lassen.

In der oberen Abbildung sehen Sie eine Verschlusszeit von 1/50 Sekunde, die das Bild überbelichtet. In der unteren Abbildung wird mit 1/200 Sekunde das Bild um eine Blendenstufe unterbelichtet.

BelichtungsmessungBelichtungsmessung

Fokus-Modi kennen und anwenden

Den Einstellungen des Fokus wird oft zu wenig Beachtung geschenkt. Wer sie beherrscht, ist indes für schwierige Situationen bestens gewappnet.

Schauen Sie durch den Sucher Ihrer Kamera und drücken Sie den Auslöser halb durch: Die Autofokus-Punkte blinken, wenn das Bild scharf gestellt ist. Je nach Kamerahersteller und -modell ist vielleicht auch ein Piepton zu hören. Diese Signale dienen als Hilfe zum Aufnehmen scharfer Fotos. Wenn Sie allerdings in einem der einfachen Modi fotografieren (»Porträt«, »Landschaft«, »Sport« und so weiter), wählen die meisten DSLRs oder DSLMs den AF-Punkt automatisch aus. Scharf gestellt wird, was die Kamera für das Hauptmotiv hält. Meist handelt es sich dabei um den Vordergrund des Bildes, ob dies Ihre Absicht ist oder nicht!

Einer der vielen Vorteile von modernen SLR- und Systemkameras ist, dass Sie kontrollieren können, was die Kamera scharf stellt, indem Sie den AF-Punkt manuell auswählen. Wenn Sie zum Beispiel Porträts aufnehmen, können Sie auf ein Auge fokussieren, auch wenn es sich nicht in der Bildmitte befindet. Die Anzahl der Fokuspunkte ist je nach Kameramodell unterschiedlich. Die neue Nikon D5500 zum Beispiel hat 39 AF-Punkte, die Fujifilm X-T1 hat 49. Die Canon EOS 7D Mark II hat 65 und die Sony Alpha 7R besitzt 117. Im Live-View-Modus verlangsamt sich der Autofokus erheblich, Sie müssen also Motivbewegungen vorausahnen.

Aufnahmearten

Kontinuierliche Aufnahme, Serienaufnahme und kontinuierlicher Autofokus sind Begriffe, die man durcheinanderbringen kann. Die Serienaufnahme ist eine Aufnahmebetriebsart, mit der Sie eine Reihe von schnell aufeinanderfolgenden Bildern machen können. Den kontinuierlichen Autofokus erläutern wir Ihnen im Kasten auf der rechten Seite.

Einzelaufnahme

Die Kamera nimmt ein einzelnes Bild auf, und zwar jedes Mal, wenn Sie den Auslöser durchdrücken. Der Modus eignet sich für ruhige Motive wie Landschaften oder Porträts, bei denen Sie nicht einen flüchtigen Moment einfangen möchten.

Selbstauslöser

Im Selbstauslöser-Modus können Verzögerung auslösen, wenn Ihre Kamera auf einem Stativ befestigt ist. Sie können also den Auslöser drücken und haben dann Zeit, sich selbst im Bild zu positionieren.

Serienaufnahme

In diesem Modus macht die Kamera Fotos mit ihrer maximalen Bildrate, solange Sie den Auslöser drücken – die perfekte Wahl für Sportfotos. Längere Aufnahmereihen erfordern Speicherkarten mit schneller Schreibgeschwindigkeit.

Experten-Tipp: Aufnahmeschärfe bestimmen

Experten-Tipp: Aufnahmeschärfe bestimmen

Um einzelne Autofokus-Punkte manuell auszuwählen, drücken Sie den AF-Punkt-Auswahlknopf Ihrer Kamera und schauen durch den Sucher. Wechseln Sie mit dem Wählrad, dem Fadenkreuz-Button oder dem Joystick durch die AF-Punkte, bis der Punkt, der scharf sein soll, ausgewählt ist. Drücken Sie den Auslöser zum Fokussieren halb durch. Und drücken Sie ihn dann durch, um ein Foto zu schießen.

Die AF-Punkte liegen auf (unsichtbaren) vertikalen und horizontalen Linien, die das Sucherbild unterteilen. Praktisch also, wenn Sie eine Bildkomposition zum Beispiel anhand der Drittelregel aufbauen möchten. Beachten Sie: Wenn alle AF-Punkte gleichzeitig aufleuchten, ist die Option Auto-AF-Punkt ausgewählt.

Messfeldsteuerung

Einzelfeld

Diese Einstellung eignet sich am besten für ruhige Motive wie Porträts oder Landschaften. Sie wählen einen Fokuspunkt aus. Standardmäßig wird das mittlere Feld (das genaueste) zum Fokussieren genutzt, Sie können aber auch andere Punkte wählen.

Dynamisch

Dieser Modus ist perfekt für sich bewegende Motive. Einige Kameras haben bis zu 50 AF-Punkte. Sie wählen einen aus, und wenn das Objekt sich davon entfernt, hält die Kamera es mit den angrenzenden Punkten weiter scharf.

Top-Tipp: Fokus

Bei Porträtbildern bietet es sich an, einen Fokuspunkt nah am Auge zu wählen. So verlieren Sie beim Ändern der Bildkomposition den Fokus nicht so schnell, da Sie die Kamera nicht weit bewegen müssen. Falls das Gesicht im Winkel zur Kamera steht, fokussieren Sie am besten auf das nähere der beiden Augen.

Kurz erklärt: Fokus-Modi

1. Einzel-Autofokus
Dies ist der gängigste Autofokus-Modus. Richten Sie die Kamera einfach auf das Motiv und drücken Sie den Auslöser halb durch – das Objektiv fokussiert. Der Fokuspunkt bleibt so lange festgestellt, wie Sie den Auslöser halb durchdrücken. Sie können die Bildkomposition also ändern – die ausgewählte Stelle bleibt weiterhin scharf. Häufig wird der mittlere Punkt im Sucher zum Fokussieren genutzt, aber alle DSLRs und DSLMs haben mehrere Fokuspunkte, zwischen denen Sie wechseln und den passenden auswählen können. Standardmäßig können Sie erst ein Foto machen, wenn der Fokus festgestellt ist, aber dies lässt sich meist im Kameramenü ändern.

2. Kontinuierlicher Autofokus
Dieser Modus eignet sich für Bewegungen, zum Beispiel Sport- oder Wildlife-Motive. Der Hauptunterschied zwischen diesem und dem Einzel-Autofokus ist, dass das Objekt kontinuierlich fokussiert wird, selbst wenn es sich bewegt. Das Autofokus-System folgt dem Objekt, sodass es stets scharf gestellt wird. In diesem Modus lässt sich jederzeit ein Foto machen, auch wenn nicht fokussiert ist. Es gibt Einschränkungen, zum Beispiel im Motorsport, wenn ein Auto schnell auf Sie zukommt und der Autofokus nicht mithalten kann. In solchen Fällen fokussiert man am besten vorher im Einzel-Modus und drückt den Auslöser dann im richtigen Moment durch, wenn das Auto im Fokus ist.

3. Automatische Fokuswahl
In diesem „intelligenten“ Autofokus-Modus erkennt die Kamera automatisch, ob ein Motiv statisch ist oder sich bewegt. Sie wechselt dann entsprechend zwischen Einzel- und kontinuierlichem Modus.

4. Manuell
Bei schlechten Lichtverhältnissen, Motiven mit feinen Details und Aufnahmen durch Glas haben selbst die teuersten Objektive oft Probleme mit dem Fokussieren. Wenn es mit dem Autofokus nicht klappt, wechseln Sie einfach zum manuellen Fokus und drehen zum Scharfstellen am Fokusring.