Nicht alle Objektive sind gleich gut

Die Welt der Objektive

Einer der größten Vorteile von DSLRs und Systemkameras ist die Möglichkeit, die Objektive wechseln zu können. Erfahren Sie hier, worauf Sie beim Linsenkauf besonders achten sollten.

Die meisten Fotografen starten mit einem günstigen Zoom-Objektiv für den alltäglichen Gebrauch. Die mit den Kameras gelieferten Kit-Linsen sind vielseitig einsetzbar, besitzen einen umfangreichen Brennweitenbereich und eignen sich somit für die meisten Fotosituationen. Wenn Sie sich allerdings irgendwann einmal mehr kreative Möglichkeiten wünschen, lohnt sich der Kauf weiterer Objektive. Deren Auswahl ist eine der wichtigsten kreativen Entscheidungen, die Sie als Fotograf treffen können, denn Brennweite, Lichtstärke und Objektivgüte haben großen Einfluss auf die Bildqualität. Hier die wichtigsten Aspekte, die Sie beachten sollten.

Effektive Brennweite
Die Größe des Kamerasensors beeinflusst den Bildwinkel Ihres Objektivs – je kleiner der Sensor, desto länger die effektive Brennweite. Ein Vollformatsensor, wie er etwa in der Canon EOS 5D Mark III sitzt, hat dieselben physischen Abmessungen wie das aus Analogzeiten bekannte Kleinbild- Filmformat. Kleinere APS-C-Sensoren, die beim Großteil der Einsteiger- und Mittelklasse-DSLRs im Einsatz sind, nehmen nur einen kleinen Teil des Motivs auf. Das hat zur Folge, dass sich die effektive Brennweite um den Faktor 1,5 oder 1,6 (je nach Hersteller) verlängert. Ein 50-mm- Objektiv auf einer Kamera mit APS-CSensor bietet effektiv den Bildwinkel eines 75-mm- oder 80-mm-Objektivs an einem Vollformat-Sensor. Die Kombination ist damit gut geeignet für Wildlife- oder Sportaufnahmen, da ein 400-mm-Objektiv effektiv zu 600 oder 640 mm wird. Allerdings bedeutet das auch, dass Sie für echte Weitwinkel-Aufnahmen am APS-CSensor ein Ultra-Weitwinkel-Objektiv benötigen, etwa ein 10-20-mm-Zoom.

Hohe Lichtstärke
Lichtstarke Objektive, zum Beispiel mit einer Anfangsöffnung von f 2,8 lassen mehr Licht einfallen als Objektive mit maximalen Blendenöffnungen von f 4 oder f 5,6. Sie können also kürzere Verschlusszeiten verwenden, ohne die ISO-Empfindlichkeit zu erhöhen. Der Nachteil: Die Lichtriesen sind schwerer und teurer. Herkömmliche Objektive sind günstiger, aber bei wenig Licht müssen Sie den ISO-Wert erhöhen. Eine große Anfangsöffnung ermöglicht zudem eine geringere Schärfentiefe – toll für Porträts, da das Objekt dank unscharfem Hintergrund schön hervorsticht. Achtung: Bei einigen Zoom-Objektiven nimmt die Lichtstärke bei höheren Brennweiten ab, und die Verwacklungsgefahr erhöht.

Objektive aller Klassen

Das wichtigste Klassifizierungsmerkmal eines Foto-Objektivs ist seine Brennweite. Bei einem Zoom ist sie variabel, bei einer Festbrennweite starr.

Tele-Zoom
Als Tele-Zoom-Objektiv gilt alles mit einer Brennweite von mehr als 70 mm. „Tele“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „fern“. Mit einer Tele-Brennweite fotografiert, erscheinen weit entfernte Motive näher als sie es sind.

Festbrennweite
Festbrennweiten weisen – wie der Name schon sagt – eine feste Brennweite auf. Das heißt, dass man mit ihnen nicht zoomen kann. Sie haben meist eine große Anfangsöffnung mit hoher Lichtstärke und sind generell von besserer optischer Qualität. Sie können dementsprechend allerdings auch einen höheren Preis haben.

Standard-Objektiv
Standard-Zoom-Objektive bieten in der Regel ein großes Spektrum an Brennweiten (zum Beispiel 18-200 mm). Die Nachteile sind eine meist langsamere“ Blende und eine schlechtere optische Qualität.

Weitwinkel
Alles im Bereich von 10 bis 28 mm gilt als Weitwinkel-Objektiv (bei Kameras ohne Vollformat-Sensor). Sie sind die erste Wahl für Landschafts- und Innenaufnahmen.

Makro-Objektiv
Makro-Objektive ermöglichen Nahaufnahmen im Maßstab 1:1, das heißt, das Motiv wird lebensgroß auf dem Sensor abgebildet. Selbst kleine, nur wenige Zentimeter große Objekte, wie Käfer oder Blüten, können also die gesamte Bildfläche ausfüllen.

Technik: Die Brennweite

Bei Brennweiten ist oft die Rede von „lang“ (zum Beispiel 300 mm) oder „kurz“ (etwa 24 mm). Die Millimeter-Angabe bezieht sich dabei auf die Länge des optischen Systems. Tele-Objektive sind erheblich länger als Weitwinkel-Objektive.

Brennweite

Normale Brennweite
In diese Kategorie fallen Objektive mit einer Brennweite zwischen 40 und 60 Millimetern. Ihr Bildwinkel beträgt etwa 60 bis 40 Grad.

Weitwinkel
Typische Weitwinkel-Brennweiten reichen von 20 bis 35 Millimetern. Der Bildwinkel ist mit 60 bis 120 Grad sehr groß.

Teleobjektiv
Das „Tele“ erfasst einen kleinen Bildausschnitt. Der Bildwinkel reicht je nach Brennweite von 40 bis 4 Grad (etwa 80 bis 600 mm). In diese Kategorie fallen Objektive mit einer Brennweite zwischen 40 und 60 Millimetern. Ihr Bildwinkel beträgt etwa 60 bis 40 Grad.

Die Blende im Detail

Mit der Blende regulieren Sie die Öffnungsgröße des Objektivs und damit die Lichtmenge.

Katze

Im Prinzip ist die Blende nicht mehr als ein Loch im Objektiv – eine verstellbare Öffnung, die Sie vergrößern oder verkleinern können, um mehr oder weniger Licht auf den Sensor zu lassen. Einstellen lässt sich die Blendenöffnung meist über ein Wahlrad an der Kamera. Alternativ können Sie das auch dem Automatik-Modus der Kamera überlassen. Die Blendenzahl wird in Blendenstufen eingeteilt, zum Beispiel f/4, f/5,6, f/8, f/11, f/16 und f/22. Mit jeder Stufe wird die Lichtmenge, die den Sensor erreicht, halbiert: f 4 ist also doppelt so groß wie f 5,6, f 8 doppelt so groß wie f 11 und so weiter. Die zur Verfügung stehenden Blendenzahlen hängen vom verwendeten Objektiv ab. Im Allgemeinen liegt die größte Blendenöffnung zwischen f 2,8 und f 5,6, die kleinste etwa bei f 22 oder f 32. Objektive mit f 2,8 oder kleinerem Blendenwert gelten als besonders lichtstark. Mit ihnen kann selbst bei wenig Licht noch gut ohne Stativ fotografiert werden.

Tipp: Wann benutzt man welche Blende?

Eine kleine Blende
• erhöht die Schärfentiefe des gesamten Motivs – so wird von vorne bis hinten (fast) alles im Bild scharf abgebildet.
• liefert dank der durchgehenden Schärfe eine optimale Detailwiedergabe. Ideal für Nahaufnahmen und Landschaften.
• ermöglicht lange Verschlusszeiten. Optimal für effektvolle Bewegungsunschärfe.
• erlaubt längere Verschlusszeiten auch an sehr hellen und sonnigen Tagen.

Eine große Blende
• verringert die Schärfentiefe. Der Fokus liegt nur auf dem Motiv – der Hintergrund verschwimmt in Unschärfe (Bokeh-Effekt).
• setzt das Hauptmotiv vom Rest des Bildes ab. Ablenkende Elemente im Hinter- oder Vordergrund werden „ausgeblendet“.
• erlaubt abstrakte Aufnahmen mit einem nur wenige Millimeter großen Schärfebereich.
• ermöglicht kürzere Verschlusszeiten, um Bewegungsunschärfen vorzubeugen.

Was bedeutet Schärfentiefe?

BlendeneinstellungBlume

Die Wahl der Blende wirkt sich nicht nur auf die Belichtung, sondern auch auf die Schärfentiefe (oder Tiefenschärfe) aus. Sie bestimmt, welche Bereiche des Fotos scharf erscheinen. Wenn Sie die Blendenöffnung verkleinern, werden auch die Bereiche vor und hinter dem Fokuspunkt (also der Entfernung, auf die Sie das Objektiv scharfstellen) zunehmend schärfer wiedergegeben.
Kreative Unschärfe nutzen
Je weiter ein Element vor oder hinter dem Fokuspunkt steht, desto deutlicher tritt die Schärfentiefe in Erscheinung. Eine große Blende von f 2,8 sorgt für eine sehr geringe Schärfentiefe: Alles, was vor oder hinter dem Fokuspunkt liegt, wird unscharf abgebildet– oft gesehen bei Porträtaufnahmen. Auf der anderen Seite führt eine kleine Blende von f 22 zu einer großen Schärfetiefe, was zum Beispiel ideal für die meisten Landschaftsaufnahmen ist.

Einfluss der Brennweite
Die Schärfentiefe ist nicht nur abhängig von der Blendenöffnung, sondern auch von zwei anderen Faktoren: (a) der Brennweite des Objektivs und (b) der Entfernung zum Motiv. Je länger die Brennweite und je geringer die Aufnahmedistanz, desto weniger Schärfentiefe erhalten Sie.

Verschlusszeiten perfekt einsetzen

Verwenden Sie perfekt einsetzen unterschiedliche Belichtungszeiten, um bewegte Motive effektvoll in Szene zu setzen. Sie können etwa eine Bewegung einfrieren oder das Objekt verwischen lassen.

Die Verschlusszeit gibt an, wie lang der Verschluss bei der Aufnahme geöffnet bleibt. Das wiederum hat Auswirkungen darauf, wie Aufnahmen mit bewegter Kamera oder bewegten Motiven erscheinen: Kurze Verschlusszeiten frieren die Bewegung ein. Sie erhalten gestochen scharfe Bilder, egal wie schnell sich das Motiv bewegt oder wie instabil Ihre Kamerahaltung ist. Lange Verschlusszeiten sorgen hingegen für Bewegungsunschärfe und werden meist für kreative Effekte eingesetzt. Allgemein gilt: Je länger die Verschlusszeit, desto höher der Grad der Bewegungsunschärfe. Die Skala verwendet Bruchteile einer Sekunde. Allerdings werden die Zahlen vereinfacht: Eine 1/125-Sekunde wird als „125“ bezeichnet, eine 1/15-Sekunde als „15“. Das kann zu Verwirrung führen, da „15“ auch 15 Sekunden bedeuten könnte. Deshalb werden Verschlusszeiten von einer Sekunde oder länger in der Form „1″“, „2″“ etc. angegeben.

Motorcross Bild 1

Tipp: Serienbild-Modus

Um effektive Mitzieher zu gestalten, schalten Sie den Serienbild- beziehungsweise den kontinuierlichen Aufnahme-Modus ein. Jetzt macht die Kamera solange Bilder, bis Sie den Auslöser loslassen. Diese Betriebsart ist vor allem bei sich schnell bewegenden Motiven ideal. Aus der fertigen Bildserie können Sie dann später in Ruhe das beste Motiv auswählen.

Technik erklärt: Blendenstufen

Bei der Belichtung arbeiten Blende und Verschlusszeit zusammen. Für die korrekte Belichtung gibt es allerdings nicht nur eine feste Kombination, sondern gleich mehrere Möglichkeiten:Sie können eine lange Verschlusszeit und eine kleine Blende wählen –oder eine kurze Verschlusszeit und eine große Blende.So wird zum Beispiel bei den folgenden drei Einstellungen stets die gleiche Menge an Licht zum Sensor der Kamera durchgelassen:
• 1/125 Sekunde bei Blende f5,6
• 1/60 Sekunde bei Blende f8
• 1/30 Sekunde bei Blende f11 Der Schritt zwischen zwei aufeinander folgenden Blendenzahlen wird als Blendenstufe bezeichnet. Mit jeder Stufe verdoppelt oder halbiert sich die Lichtmenge Wenn Sie die Blendenöffnung um eine Stufe verkleinern (und so wenigerLicht durchlassen), brauchen Sie im Gegenzug eine um eine Stufe längere Verschlusszeit, damit das Licht doppelt so lange auf den Sensor trifft.Im Automatik-Modus müssen Sie sich darüber allerdings keine Gedanken machen:Hier übernimmt die Kamera die Regelung der Lichtmenge

Blendenstufen