Landschaften fotografieren

Mit unseren Kurz-Tipps heben Sie Ihre Landschaftsaufnahmen im Nu auf ein neues Niveau und können die Natur genießen, ohne sich über Kameratechnik den Kopf zu zerbrechen.

Mit Stativ fotografieren

Tipps für die richtige Aufnahmeposition und Kameratechnik

Holen Sie das Optimum aus Ihrem Motiv

Bergbild

1. Locations auf der Karte finden
Ohne eine detaillierte Wanderkarte sollten Sie sich nicht in unbekannte Gegenden wagen. Vergleichen Sie verschiedene Karten, um herauszufinden, mit welcher Sie am besten klarkommen. Sie sollten, bevor Sie wirklich losziehen, das Zielgebiet anhand der Karte erkunden. Gutes Kartenmaterial ist von unschätzbarem Wert, um vorab Routen zu planen sowie Höhenlagen, Berggipfel, Seen und Aussichtspunkte auszumachen. So können Sie genau abschätzen, wie lange es dauern wird, das Ziel zu erreichen. Vor Ort müssen Sie dann nur noch den geplanten Weg einhalten und sich Gedanken darüber machen, wie Sie das Motiv gekonnt in Szene setzen. Dank der Vorbereitung wird Ihr Trip viel entspannter.

2. Standpunkt wählen
Gehen Sie bei der Vorbereitung verschiedene Perspektiven im Kopf durch und überlegen Sie sich, wo der beste Punkt für eine großartige Aufnahme sein könnte. Klären Sie, wo die Sonne auf- und untergeht und wie diese zum Motiv steht. So können Sie vorausplanen und sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

3. Landschaften lesen
Vor dem Fotografieren sollten Sie die Landschaft möglichst genau analysieren. Suchen Sie sich die optimale Aufnahmeposition bezogen auf den Sonnenstand. Finden Sie zudem einen Blickfang, der die Aufmerksamkeit auf sich lenkt und das Bild auflockert, etwa einen Bauernhof, eine Baumreihe oder einen Felsen im Vordergrund.

Gebirgsbach

4. Gut zu Fuß
Sie kennen das sicher: Ein Auto hält an einem Parkplatz, die Leute steigen aus, schießen ein paar Fotos aus der Hand – und schon sind sie wieder weg. Gehen Sie besser ein paar Schritte! Nur so gelangen Sie direkt an das Ufer eines Sees, an den Fuß oder gar auf die Spitze eines Berges zum Beispiel. Auf diese Weise entdecken Sie, anders als von der Straße aus, wirklich außergewöhnliche Perspektiven – Ihre Bildgestaltung wird davon profitieren.

5. Die goldenen Stunden
Bei Sonnenauf- und -untergang lassen sich wunderschöne Lichtstimmungen mit einem phantastischen Himmel einfangen. Denn ein klarer Himmel mit dezenten Wolkenformationen wird von der auf- oder untergehenden Sonne meist am farbenprächtigsten beleuchtet. Seien Sie früh genug vor Ort und bleiben Sie etwas länger: Das Licht verändert sich rasend schnell. Achten Sie allerdings auf die Wettervorhersage – an grau bedeckten Tagen können Sie etwas anderes unternehmen.

6. In RAW aufnehmen
Amateurfotografen bevorzugen meist Bilder in JPEG. Doch gerade beim Fotografieren von Landschaften empfiehlt sich das RAW-Format, bei dem deutlich mehr Bildinformationen gespeichert werden. So haben Sie bei der Nachbearbeitung viel mehr Spielraum bei Belichtungsanpassung und Tonwertkorrektur. Zudem profitieren Sie von der eindeutig präziseren Detailwiedergabe.

7. Stativ verwenden
Bei wenig Licht und dementsprechend langen Belichtungszeiten (manchmal bis zu 30 Sekunden) ist es ziemlich schwierig oder sogar unmöglich, nicht verwackelte Bilder aus der Hand zu schießen. Der Einsatz eines Stativs ist dann unverzichtbar.

8. Spiegelvorauslösung
Schon die Vibration, die beim Hochklappen des Spiegels in einer DSLR entsteht, kann ausreichen, um eine lange Belichtung zu verwackeln. Aktivieren Sie die Spiegelvorauslösung (meist in den »Custom«-Funktionen zu finden), um auf Nummer sicher zu gehen.

9. Optimale Perspektive wählen
Malen Sie sich schon vor dem Aufbau Ihres Stativs aus, wie das Ergebnis aussehen soll. Nehmen Sie gegebenenfalls einige Testfotos aus der Hand auf und wählen Sie für eine bessere Perspektive einen neuen Standpunkt. Mit diesem Ausprobieren tasten Sie sich an die optimale Bildkomposition aus Vorder- und Hintergrund heran. Erst dann bauen Sie das Stativ an der gefundenen Position auf.

Display Weißabgleich

10. Weißabgleich für perfekte Farbe
Bei den meisten modernen DSLRs leistet der automatische Weißabgleich bei Landschaftsaufnahmen sehr gute Dienste: In 99 von 100 Fällen lassen sich damit unschöne Farbstiche vermeiden. Manchmal entsteht aber durch einen bewusst falschen Weißabgleich, eine stimmungsvollere oder dramatischere Aufnahme. Tipp: Fotografieren, Sie in RAW, lässt sich der Weißabgleich in Programmen wie Adobe Camera Raw auch nachträglich noch ändern. Mit dem »Farbtemperatur«-Regler steuern Sie den Kelvin-Wert. Ein geringerer Wert als 4.000 K verleiht dem Bild eine kühlere Anmutung (blau), ein Wert über 6.000 K hingegen eine wärmere (gelb-orange).

11. Schärfentiefe maximieren
Bei Landschaftsaufnahmen sollte die gesamte Szene von vorne bis hinten scharf erscheinen. Dafür gilt es, eine kleine Blendenöffnung von f 16 oder f 22 zu wählen. Fokussieren Sie in etwa auf mittlere Distanz eher auf einen näheren Punkt als auf einen entfernten. Überprüfen Sie die Schärfe im Live-View-Modus, indem Sie in das Motiv hineinzoomen.

12. Schärfere Aufnahmen
Bei Landschaften bietet es sich an, Autofokuspunkte manuell zu wählen. Überlassen Sie die Wahl Ihrer Kamera, tendiert diese dazu, nur die vorderen Bereiche anstelle der ganzen Szene scharf wiederzugeben – das ist für Landschaftsaufnahmen wenig ideal. Falls Sie bei der Wahl unsicher sind, entscheiden Sie sich für den zentralen Punkt. Kippen Sie die Kamera leicht nach vorn, fokussieren, sperren den Fokus und bewegen Sie die Kamera dann wieder in die Ausgangsposition.

Blendenvorauswahl

13. Blendenvorwahl
Mit der Blendenvorwahl (»A« oder »Av«) behalten Sie die Kontrolle über die Blende. Eine weit geöffente Blende wie f 2,8 bedeutet eine geringe Schärfentiefe, eine geschlossene Blende wie f 22 dagegen eine große Schärfentiefe. Letztere ist meist von Vorteil, doch manchmal lohnt es sich, zu experimentieren.

14. Weitwinkelobjektive
Standardzooms mit 18–55 oder 24–70 Millimeter Brennweite erlauben, wenn man Sie in Weitwinkelstellung einsetzt, ansehnliche Aufnahmen. Doch wenn das Fotografieren von Landschaften es Ihnen wirklich angetan hat, lohnt es sich, in ein echtes Weitwinkelobjektiv zu investieren. Ein Zoom mit 10–20 Millimeter erlaubt das Einfangen eines noch größeren Ausschnitts. Bei Amateur-DSLRs beträgt der Cropfaktor 1,5 oder 1,6, sodass sich die Brennweite auf etwa 16–35 Millimeter verlängert.

15. Niedriger ISO-Wert
Wenn Sie mit einem Stativ fotografieren, sind Sie nicht auf kurze Belichtungszeiten angewiesen. Deshalb sollten Sie auf jeden Fall die niedrigste ISO-Einstellung (meist ISO 100) verwenden. So vermeiden Sie unerwünschtes Bildrauschen in Ihren Aufnahmen.

16. Kabellose Fernauslöser
Bei langen Belichtungszeiten, wie sie in der Landschaftsfotografie oft eingesetzt werden, zählt ein Fernauslöser zum Pflichtzubehör. Denn selbst wenn Sie den Kamera-Auslöser sehr vorsichtig drücken, kommt es unweigerlich zu kleinsten Erschütterungen und Vibrationen, die oft schon ausreichen, die Schärfe Ihres Bildes zu mindern. Kabellose Fernauslöser verschaffen einem viel Bewegungsfreiraum, da man sich nicht ständig direkt neben der Kamera aufhalten muss. Wenn Ihnen ein geringer Abstand zur Kamera ausreicht, können Sie logischerweise auch einen (günstigeren) Auslöser mit Kabel verwenden.

Baum

17. Bildkomposition
Hier gilt: Was im Sucher schon nicht gut aussieht, wird auch nie auf dem Monitor oder auf Papier gut ausschauen. Deshalb ist die Bildkomposition so wichtig. Achten Sie auf die Drittelregel: Unterteilen Sie das Bild im Geiste mit zwei horizontalen und zwei vertikalen Linien oder aktivieren Sie einfach die zuschaltbaren Hilfslinien der Kamera. Dann überlegen Sie sich, auf welchem der vier Schnittpunkte Sie den Bildschwerpunkt platzieren, und richten anschließend die übrige Bildgestaltung danach aus.

18. Langweiligen Himmel aufpeppen
Nicht selten ist man auf Fototouren mit einem eintönigen, grauen Himmel konfrontiert. Machen Sie aus der Not eine Tugend: Der Grauverlaufsfilter hilft Ihnen hier aus der Patsche. Belichten Sie auf die Landschaft, auf die aufgrund der dichten Bewölkung keine Sonne fällt, und nutzen Sie den Filter, um den Himmel abzudunkeln. Der positive Nebeneffekt dabei: Der Himmel wird durch die Wolkenstruktur aufgepeppt und kann damit sogar als Blickfang dienen. Besonders dramatisch wirken Sturmwolken, die sich dank hoher Windgeschwindigkeiten schnell bewegen und bei langen Belichtungszeiten verwischen und tolle Muster an den Himmel malen.

19. Bilder mit Polfiter aufpolieren
Mit zirkularen Polarisationsfilter können Sie störende Reflexionen auf Wasser und Laub verschwinden lassen. Sie erhöhen aber auch den Kontrast von Himmel und Wolken. Den Effekt heben Sie auf, indem Sie direkt gegen das Licht oder mit der Sonne im Rücken fotografieren. Am besten ist eine Aufnahmerichtung im Winkel von 45 bis 90 Grad zur Sonne.

Einstellfenster

20. Kompositionsregeln
Viele erfolgreiche Bilder sind nach mindestens eine dieser drei Grundregeln aufgebaut: Drittelregel, Goldener Schnitt oder Goldene Spirale. Die beliebteste ist die Drittelregel, bei der die Szene in neun gleichgroße Vierecke unterteilt wird. Auf vier zentralen Berührungspunkten werden dann die wichtigsten Objekte platziert, sodass eine harmonische Balance im Bild entsteht. Beim Goldenen Schnitt wird das Bild ebenfalls mit Linien horizontal wie vertikal unterteilt. Jede Linie besteht aus einer längeren (a) und einer kürzeren (b) Teilstrecke. Die kürzere verhält sich dabei zur längeren wie diese zur ganzen Strecke („a zu b“ entspricht also „a+b zu a“). Die daraus resultierende Aufteilung entspricht annähernd der Drittelregel. Die Goldene Spirale ist ein unendlicher Bogen, der sich wie das Muster eines Schneckenhauses durch das Bild windet. Platziert man zum Beispiel die optischen Linien von Blütenblättern, Hecken oder Flusswindungen auf dem Linienverlauf, verleiht das entstehende Muster der Aufnahme Tiefe und macht sie optisch sehr ansprechend.

Collage

21. Perfekte Wasserfotos
Das Festhalten von Bewegungen ist schwierig – das gilt auch für fließendes Wasser. Dabei spielt die Technik eine untergeordnete Rolle, viel schwieriger gestaltet sich das Finden einer geeigneten Szene. Soll das strömende Wasser das Bild dominieren? Oder soll es nur als Beiwerk erkennbar sein? Je länger belichtet wird, desto weicher wirkt das Wasser.

22. Szenen erkennen
Auf der Suche nach ausdrucksstarken Landschaftsaufnahmen sollte man nach klaren Formen und Linien Ausschau halten, an denen sich die Komposition aufbauen lässt. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und betrachten Sie die Szene eingehend. Bevor Sie das Stativ voreilig aufbauen, sollten Sie verschiedene Perspektiven und Bildausschnitte testen. Ein Telezoom kann hierbei hilfreich sein.

23. Verwenden Sie das Histogramm
Vertrauen Sie nicht ausschließlich der Bildwiedergabe auf dem Monitor der Kamera, um die Belichtung zu beurteilen. Rufen Sie immer auch das Histogramm auf. Dieses Diagramm zeigt die Tonverteilung im jeweiligen Bild. Die Tiefen (dunkle Töne) befinden sich auf der linken Seite und die Lichter (helle Töne) rechts. Wenn die Balken links bis an den Rand reichen, dann ist das Bild möglicherweise unterbelichtet. Stößt der Pixelhaufen an der rechten Seite an, ist die Aufnahme eventuell überbelichtet. Sind der linke oder rechte Rand des Pixelbergs abgeschnitten, deutet dies auf fehlende Details in Tiefen oder Lichtern hin. Korrigieren Sie die Belichtung entsprechend nach oben oder unten. Schießen Sie erneut ein Foto und vergleichen Sie.

24. Vorschau der Bilder
Sofern Sie nicht gerade auf der Jagd nach Schnappschüssen sind, gibt es keinen Grund, Belichtung und Bildaufbau nicht sorgfältig zu kontrollieren. Beurteilen Sie das Bild direkt nach der Aufnahme. Ihre beiden wichtigsten Werkzeuge dafür sind das LC-Display und das Histogramm der Kamera. Damit können Sie den Bildausschnitt, den Bildaufbau, die Bildschärfe und die Farben kontrollieren. Nehmen Sie sich die Zeit, das Bild direkt nach der Aufnahme ausgiebig zu begutachten. Tipp: Ziehen Sie sich bei hellem Sonnenlicht ein dunkles (Hand-)Tuch über den Kopf.

Berg-Panorama

Unverzichtbare Ausrüstung auf Fototouren

Sechs Dinge, die Landschaftsfotografen unbedingt dabeihaben sollten:

1. Kamerarucksack

Bei der Suche nach dem besten Standort ist ein Fotorucksack unverzichtbar. Vor allem, wenn es über Stock und Stein geht. Selbst bei kleineren Touren ist er gegenüber einer unhandlichen Schultertasche immer die bessere und angenehmere Wahl.

2. Wasserfeste Kleidung

Ob man schon bei Regen loszieht oder davon überrascht wird – schlechtes Wetter muss einem die Fototour nicht verderben: Stecken Sie sich selbst und Ihre Kamera in regenfeste Kleidung. Fragen Sie Ihren Fotohändler nach Schutzbezügen für Kameras und Objektive. Mit der richtigen Ausrüstung können Sie selbst bei einem kräftigen Schauer weiterfotografieren.

3. Fernauslöser mit oder ohne Kabel

Es gibt nichts Frustrierenderes, als nach Hause zu kommen und festzustellen, dass die Aufnahmen nicht richtig scharf sind. Anfänger übersehen oft, dass bei langer Belichtung schon das Auslösen zu Verwacklungen führen kann. Neben dem obligaten Stativ ist ein Fernauslöser daher eine Garantie für knackscharfe Aufnahmen.

4. Kamera-Wasserwaage

Eine im Stativ integrierte Wasserwaage bringt wenig, wenn Sie das Dreibein auf unebenem Grund aufbauen. Mit einer auf dem Blitzschuh der Kamera angebrachten Richtwaage stellen Sie sicher, dass die Kamera parallel zum Horizont ausgerichtet ist – ein kleines, aber wirksames Accessoire.

5. Sonnenkompass

Egal zu welcher Jahreszeit – als Landschaftsfotograf sollten Sie wissen, wo die Sonne auf- und untergeht, um zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein. Die besten Fotos gelingen Ihnen, wenn Sie bereits vorher alle nötigen Vorbereitungen getroffen haben. Eine Sonnenstands- App für Smartphones hilft zu kalkulieren, wann man vor Ort sein sollte, um von spannenden Lichtsituationen zu profitieren.