Fotografieren auf Reisen

Urlaub mit der Familie

Es muss ja nicht gleich eine teure Safari sein – auch im Familienurlaub können atemberaubende Bilder entstehen. Hier erfahren Sie, wie’s geht

1. Nehmen Sie sich nicht zu viel vor
Schrauben Sie Ihre Erwartungen runter. Wenn Sie alle mit schleifen und stundenlang warten lassen, endet das in Tränen. Zeigen Sie sich flexibel, schließlich ist es nicht nur Ihr Urlaub.

2. Stehen Sie früh auf
Es lohnt sich, zumindest an einem Tag den Wecker früher zu stellen und bereits in der Dämmerung loszuziehen. Ihre Familie schläft noch friedlich, und Sie können im schönsten Licht und ohne Touristenandrang fotografieren.

3. Beschäftigung für die Kinder
Noch mehr als zu posieren, lieben Kinder es, selbst Fotos zu machen. Geben Sie Ihnen eine einfache, robuste (Outdoor-)Kompaktkamera, mit der sie herumspielen können.

4. Der richtige Moment
Im gemeinsamen Urlaub sollte jeder auf seine Kosten kommen. Wenn Ihre Familie zum Beispiel nach einem langen Tag relaxen möchte, können Sie noch einmal mit der Kamera losziehen.

5. Viel Spaß!
Lassen Sie einfach mal die DSLR zu Hause und experimentieren Sie nur mit der Kompakten. Besorgen Sie ein wasserdichtes Gehäuse für Ihre Kamera,um am Strand fotografieren zu können.

Planen Sie Ihre Reise

Machen Sie Ihre Hausaufgaben, bevor Sie auf eine Fotoreise gehen – es lohnt sich! Je mehr Informationen und Einblicke Sie vor Ihrer Abreise sammeln, desto besser vorbereitet sind Sie, um sich ganz auf das Fotografieren konzentrieren zu können. Fangen Sie im Internet an. Die Webseiten von Fremdenverkehrsämtern sind oft gute Quellen für Tipps und Empfehlungen, während beliebte Stock-Fotografie-Seiten wie Istock.com einen Überblick über mögliche Fotomotive bieten. Geben Sie Ihr Reiseziel einfach in die Suchmaske des Katalogs ein, dann werden oft Hunderte Fotos angezeigt. Besuchen Sie Fotocommunitys für Tipps und Ratschläge von anderen Fotografen. Stellen Sie spezifische Fragen zu Ihrem Reiseziel, etwa welche Objektive Sie benötigen, wann die besten Zeiten zum Fotografieren sind oder wo es die besten Aussichtspunkte gibt. Dann erhalten Sie in der Regel nützliche Antworten. Aber auch Reiseführer oder Bildbände über bestimmte Regionen sind verlässliche Quellen, hier gibt’s geballte Informationen über Sehenswürdigkeiten, Anreise, Unterkünfte, Gepflogenheiten und Essen. Recherchieren Sie außerdem, ob vielleicht kulturelle Veranstaltungen an Ihrem Reiseziel bevorstehen, schließlich wollen Sie ja die besten Fotogelegenheiten nicht verpassen.

Stadt und Land – so geht’s

Städtetrips bieten ideale Motive für Aufnahmen von Architektur, Menschen und lebhaften Straßenszenen

Colloseum

Die Regeln für Landschaftsaufnahmen gelten ebenso für die Fotografie in der Stadt. Regel Nummer eins: Für das beste Licht müssen Sie früh aufstehen. Die meisten Touristen sind bis etwa zehn Uhr nicht besonders aktiv. Stellen Sie sich also Ihren Wecker und ziehen Sie möglichst schon in der Morgendämmerung los. Falls Sie für Ihr Foto Zugang zu einem bestimmten Gebäude oder Monument brauchen, müssen Sie bis zu den Öffnungszeiten warten, aber vielerlei berühmte Aussichtsplattformen sind jederzeit erreichbar. Oder Sie kommen in der Abenddämmerung wieder. Auch jetzt werden Ihnen wieder weniger Leute im Weg sein, und das Licht kann eine fantastische Stimmung erzeugen. Vergewissern Sie sich zudem stets, dass Sie Ihre Kamera auf nichts richten, was aus militärischer oder politischer Sicht problematisch sein könnte. Vermeiden Sie es, Fotos von militärischen Einrichtungen und Polizeiwachen zu schießen, um keinen Ärger zu bekommen.

Verhaftet für das Fotografieren eines Gebäudes
Sollten Sie tatsächlich für Fotografieren in einem Hochsicherheitsbereich verhaftet werden, bestehen Sie darauf, dass eine Ihre Sprache sprechende Person anwesend ist und dass die deutsche Botschaft kontaktiert wird. Am besten ist natürlich, Sie informieren sich vorher genau, was Sie fotografieren.

Perfekte Landschaft

Morgenstund hat Gold im Mund: Der frühe Vormittag eignet sich besonders gut, um mit der Kamera auf Tour zu gehen. Machen Sie sich die Mühe und stehen Sie in der Morgendämmerung auf, es lohnt sich. Denn nicht nur das Licht in den ersten Stunden des Tages ist reizvoll, es sind auch so gut wie keine Touristen unterwegs – Sie treffen höchstens auf ein paar andere Fotografen. Zudem bewegt sich die Luft weniger als sonst – eine prima Gelegenheit, um zum Beispiel Spiegelungen im Wasser aufzunehmen.

Venedig

Ins rechte Licht gerückt
Im Sommer steht die Sonne um neun Uhr morgens schon hoch am Himmel und scheint sehr grell. Dies bleibt in der Regel so bis 16 Uhr oder später. Diese Zeitspanne ist bei der Landschaftsfotografie allerdings problematisch, da das Licht hart aussieht und die Schatten kräftig ausfallen. Das heißt jedoch nicht, dass Sie dann gar nicht fotografieren können. Architekturaufnahmen, Abstraktes und Details können vom kräftigen Sonnenlicht durchaus profitieren, vor allem vor einem satten blauen Himmel. Am Mittelmeer können Sie mittags wunderschöne Fotos der typischen weiß getünchten Häuser machen. Diese Zeit bietet sich auch für Strandmotive an, denn selbst knallharte Sonnenanbeter verlassen irgendwann die Hitze zum Mittagessen oder für einen kühlen Drink. Und das Meer sieht mit hochstehender Sonne absolut fantastisch aus.

Kreativität für besondere Bilder

Sie besuchen weltberühmte Sehenswürdigkeiten? Heben Sie sich mit kreativen Kompositionen von bekannten Fotos ab

Sobald Sie an einem Ort ankommen, werden Sie mit neuen Eindrücken überhäuft. Viele Fotografen knipsen dann munter darauflos – und haben so am Ende vermutlich nicht mehr als ein paar Schnappschüsse. Zwar kommt es bei der Reisefotografie oft auf ein schnelles und souveränes Arbeiten an, aber vor dem Drücken des Auslösers sollten Sie sich dennoch immer dieselben Fragen stellen wie zu Hause: Lenkt der Hintergrund vom Hauptmotiv ab? Funktioniert das Motiv besser im Hoch- oder Querformat? Wirkt das Bild besser, wenn Sie mit einem Weitwinkelobjektiv nah herangehen? Oder sich etwas entfernen und dann heranzoomen?
Begutachten Sie Ihr Motiv
Auch der schönste Schauplatz rettet ein schlecht komponiertes Bild nicht. Überlegen Sie immer sorgfältig, was im Bild sein soll und was Sie lieber weglassen. In einigen Situationen funktioniert es gut, das Motiv in der Mitte des Bildes zu platzieren, wenn Sie beispielsweise eine Person direkt ansieht. Allerdings ist die Drittelregel, nach der das Subjekt nicht mittig platziert werden soll, oftmals ein guter Anhaltspunkt für eine interessantere Komposition. Wo die Reise auch hingeht: Sie stoßen sicher auf mindestens ein berühmtes Motiv. Aber Vorsicht: Fallen Sie jetzt nicht in den Touristenmodus zurück. Schließlich möchten Sie nicht mit Fotos wiederkommen, die Sie schon etliche Male vorher gesehen haben. Beim Reisen geht es doch vor allem darum, Neues zu erleben – und ebenso abenteuerlustig sollten Sie auch Ihre Fotos schießen.

Mann Felsen

Menschen porträtieren

Porträts, auf die Sie stolz sein können – dank einfacher Tipps und Techniken. Dame

Beim Gedanken daran, auf ihren Reisen Aufnahmen von Menschen zu machen, läuft es vielen Fotografen kalt den Rücken herunter. Völlig fremde Menschen anzusprechen, kostet meist Überwindung. Aber da müssen Sie durch, schließlich sind es auch die Leute, die einen Ort ausmachen – und ein paar Porträts von Einheimischen bereichern jedes Portfolio. Die meisten Personen werden Ihnen den Gefallen tun, einige fühlen sich sogar geschmeichelt. Manchmal genügt eine freundliche Geste mit der Kamera und ein Lächeln, um die erhoffte Reaktion zu erhalten. Wenn eine Sprachbarriere besteht, stellt dies meist die einzige Option dar. Es zahlt sich immer aus, freundlich zu potenziellen Porträtmodellen zu sein. Knipsen Sie nicht einfach los, sondern nehmen Sie sich etwas mehr Zeit. Kommen Sie am besten erst einmal ins Gespräch. Reden Sie über das Reiseland und wie schön es ist. Haben Sie auch keine Angst davor, etwas über sich selbst und Ihre Heimat zu erzählen. Sich ein wenig zu unterhalten, bricht das Eis. Wenn Ihr Modell wohlwollend erscheint, fragen Sie höflich, ob Sie ein Foto machen dürfen – als sei Ihnen dies gerade eben erst eingefallen. Erläutern Sie dann, wo und welche Pose Sie aufnehmen möchten und so weiter.
Seien Sie gut vorbereitet
Fangen Sie jetzt nicht an, Ihr Kameramenü zu durchforsten und an den Einstellungen herumzufummeln. Analysieren Sie die Situation, bevor Sie die Person ansprechen und nehmen Sie die nötigen Einstellungen an Ihrer Kamera vor. Verwenden Sie einen niedrigen ISOWert und eine weite Blendenöffnung, sodass die Verschlusszeit kurz ist und Sie kein Stativ benötigen. Schalten Sie den Einzel-Autofokus ein und stellen Sie auf die Augen der Person scharf. Verwenden Sie den Serienbildmodus, damit Sie schnell hintereinander mehrere Aufnahmen machen können und den besten Moment nicht verpassen. Es soll zwar flott gehen, aber nehmen Sie sich trotzdem Zeit für die Details. 60 Sekunden zum Organisieren der Aufnahme werden mit unendlich besseren Bildern belohnt.

Haben Sie Respekt
In einigen Ländern haben die Menschen festgestellt, dass sich mit dem Posieren für Touristen Geld verdienen lässt. Oft ist dies offensichtlich, dann wird vor dem Fotografieren verhandelt. Manchmal zeigt dies aber auch ein dezentes Reiben von Daumen und Zeigefinger. Ob Sie es richtig finden, für die Fotos zu zahlen, ist allein Ihre Entscheidung. Machen Sie keine, wenn Sie nicht zahlen wollen. Vielleicht kaufen Sie etwas von einem Händler als Gegenleistung. Lassen Sie sich auf keinen Fall zwingen, ein kleines Vermögen zu bezahlen. Am wichtigsten bleibt aber, dass Sie Ihr Gegenüber stets mit Würde und Respekt behandeln

Lustige Dame

Profi-Schnappschüsse

Wenn Sie niemanden bitten möchten zu posieren, bleiben ungestellte Bilder als einzige Möglichkeit.

Bilder als einzige Möglichkeit. Wenn viel los ist auf Märkten, Plätzen oder Festivals, können hervorragende Porträtfotos entstehen – die Leute sind meist entspannter, wenn sie Sie und Ihre Kamera nicht bemerken. SpielenSie mit Kameraeinstellungen herum oder sorgen sich zu sehr, ertappt zu werden, verpassen Sie die besten Gesichtsausdrücke und fallen erst recht auf. Ein längeres Teleobjektiv (von 200 bis 300 mm) eignet sich ideal, da damit bildfüllende Aufnahmen von weiter weg gelingen. Fotografieren Sie mit offener Blende, um für geringe Tiefenschärfe zu sorgen und chaotische Hintergründe verschwimmen zu lassen. Bei Aufnahmen in Menschenmengen können Sie mit einem Weitwinkelobjektiv im Nahbereich fotografieren. Dank des weiten Blickfelds bekommen Sie so Menschen mit aufs Bild, ohne dass diese es bemerken. Denn es sieht so aus, als richteten Sie die Kamera woanders hin. Live-View oder der Blick aufs Display eröffnet weitere Möglichkeiten, unbemerkt zu fotografieren. Agieren Sie selbstbewusst, dann fallen Sie nicht auf.

So ist Erfolg garantiert

1. Seien Sie feinfühlig
Seien Sie sich über die allgemeine soziale Einstellung zur Fotografie im Klaren. Mancherorts ist es etwa tabu, Fotos von Frauen zu machen. Die meisten Reiseführer haben ein Kapitel zu diesem Thema, das sie wichtigsten Aspekte abdecken sollte.

2. Setzen Sie ein Tele ein
Ein kurzes Telezoom-Objektiv mit einer Brennweite zwischen 85 und 135 Millimeter ist ideal für Kopf-bis-Schulter-Porträts. Denken Sie daran, eine weite Blendenöffnung zu verwenden, zum Beispiel f4, um eventuell ablenkende Details im Hintergrund verschwimmen zu lassen.

3. Weitwinkel nicht vergessen
Wenn die Umgebung Ihres Motivs interessant ist, wechseln Sie zum Weitwinkel-Objektiv. Achten Sie bei unter 28 Millimeter Brennweite darauf, dass sich keine Person am Rande des Bildes befindet, denn diese sieht schrecklich verzerrt aus.

4. Beachten Sie das Licht
Nutzen Sie das warme, weiche Licht am frühen Morgen oder späten Nachmittag zum Fotografieren von Menschen. Nehmen Sie einen kleinen und faltbaren Reflektor mit, um Licht aufs Gesicht strahlen zu können. Zur Not tut es auch eine Zeitung.

5. Vorsicht, Blendenfleck!
Beim Fotografieren in der Sonne kann es passieren, dass Ihre Fotos diesig und kontrastarm aussehen, wenn Sonnenstrahlen von vorne schräg auf die Linse fallen. Bringen Sie eine Gegenlichtblende an oder schirmen Sie die Frontlinse mit der Hand ab.

6. Ins Gespräch kommen
Vermeiden Sie verkrampfte Posen wie das klischeehafte Hochstrecken beider Daumen, begleitet von einem übertriebenen Grinsen. Verbringen Sie etwas Zeit mit der anderen Person, damit sich diese entspannen kann. Schlagen Sie vor, wie die Person posieren könnte, zeigen Sie einige der Fotos und bieten Sie auch an, Abzüge per Post zu schicken.