Makro-Fotografie

Erste Einstellungen

Stopp! Bitte nicht gleich losknipsen, auch wenn der Finger bereits zuckt. Nehmen Sie erst in Ruhe die Grundeinstellungen vor, dann klappt’s auch mit tollen Fotos.

1. Motive manuell belichten

1. Motive manuell belichten
Die Belichtung beeinflussen Sie am besten über die manuelle Einstellung von Blende und Belichtungszeit. Wird die Blende um eine Stufe von f 8 auf f 5,6 geöffnet, fällt doppelt so viel Licht auf den Sensor, zugleich verringert sich die Schärfentiefe. Alternativ können Sie auch die Zeitautomatik (A/Av) einstellen.

Fokusmethode wählen

2. Fokusmethode wählen
Bei Nahaufnahmen kann der Autofokus schnell zum Ärgernis werden. Das Hauptproblem: Geringe Kontraste oder detailarme Motive überfordern das Autofokussystem. Auch bei schlechten Lichtverhältnissen kann es zu Komplikationen kommen. Stellen Sie Ihr Motiv doch einfach mal manuell scharf.

Schärfentiefe beeinflussen

3. Schärfentiefe beeinflussen
Eine große Schärfentiefe erreichen Sie mit hohen Blendenwerten. Dadurch verlängert sich die Verschlusszeit – ein Stativ wird unverzichtbar. Wenn Sie erreichen wollen, dass sich das eigentliche Motiv vom unscharfen Hintergrund abhebt, wählen Sie einen Blendenwert zwischen f 4 und f 8.

Unterbelichtet

4. Schärfe kontrollieren
Gerade im Nahbereich kann die Schärfe schnell danebenliegen. Kontrollieren Sie die Aufnahmen also auf dem Display – am besten in vergrößerter Darstellung.

Unterbelichtet

5. Spiegelvorauslösung für scharfe Bilder
Bei der Spiegelvorauslösung klappt der Spiegel beim Drücken des Auslösers hoch. Die Aufnahme wird aber erst belichtet, wenn Sie ein zweites Mal drücken.

Hilfsmittel: Licht und Gestaltung

Drauflosknipsen kann jeder. Wer sich im Vorfeld aber Gedanken über Details, Bildaufbau und Gestaltung macht, erntet kreativere Bilder mit höherem Wiedererkennungswert.

Im Weitwinkel fotografieren

Klassische Nahaufnahmen entstehen mit normalen bis langen Brennweiten – man will ja möglichst nahe ran. Aber auch ein Weitwinkel- Objektiv hat bei Naturaufnahmen seine Berechtigung. Die ganze Umgebung kommt mit aufs Bild, die Weite der Blumenwiese wird deutlich. Und Sie genießen noch einen weiteren Vorteil: Die Kombination von kurzer Brennweite und geschlossener Blende sorgt für einen großen Schärfenbereich.

Tischleuchte umfunktionieren

Ein hartes Licht, wie es die hier verwendete Halogenleuchte ausstrahlt, erzeugt harte Schlagschatten. Diese stärkeren Schatten sind dann von Vorteil, wenn sich unterschiedliche Bildbereiche gut voneinander abheben sollen. Der entstehende Hell-Dunkel-Kontrast verstärkt die Struktur des Motivs. Um die Beschaffenheit einer Blume mit ihren vielen Blütenblättern herauszuarbeiten, muss die Lampe (wie in unserem Beispiel) leicht seitlich stehen, damit das Licht die Blume streift.

Perfekte Unschärfe

Ein unscharfer Hintergrund muss sein, aber bitte nicht zu unscharf! Wer immer mit weit aufgerissener Blende fotografiert, hat am Ende manchmal nur noch grünen Brei im Hintergrund. Achten Sie darauf, dass man noch Formen erahnen kann. Tipp: Fangen Sie mit Blende f 4 an und tasten Sie sich heran.

Mehr Durchsicht mit Durchlicht

Sie besitzen noch aus Analogzeiten einen Leuchtkasten? Dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, ihn wieder in Betrieb zu nehmen. Sein Einsatz als kleiner Leuchttisch ermöglicht gelungene Durchlichtaufnahmen. Umwickeln Sie den Leuchtkasten einfach mit Frischhaltefolie. Nun schneiden Sie mit einem scharfen Messer dünne Erdbeer- oder Kiwischeiben zurecht, die Sie auf den Kasten legen. Da das Licht nicht nur durch die Scheibe leuchtet, sondern auch an den Rändern, legen Sie so nah wie möglich schwarze Pappe an Ihr Motiv. So überstrahlen die Ränder nicht und das Foto erhält mehr Kontrast. Sie haben zwar keinen Leuchtkasten, dafür aber einen digitalen Bilderrahmen? Fotografieren Sie mit Ihrer Kamera ein weißes Blatt Papier. Spielen Sie nun die Datei auf den Bilderrahmen auf und lassen diese anzeigen – fertig ist Ihr Leuchtkasten!

Sommerstimmung verstärken

Ein übereifrig neutraler (meist automatischer) Weißabgleich würde die Stimmung dieses Fotos schnell zerstören: Erst durch die sehr warmen Farben entfaltet es seine volle Wirkung. Wer in RAW fotografiert, kann die Farbtemperatur natürlich auch im Nachhinein verlustfrei verändern. Aber selbst ein JPEG bietet in der Regel noch ausreichend Spielraum.

Malen mit Licht

Dunkler Raum, lange Belichtungszeit, geschlossene Blende – eine eigentlich recht einfache Belichtungsmethode. Das Knifflige dabei: Man muss wissen, wie lange man wohin leuchten muss. Der schnellste Weg, um das herauszufinden, liegt im Ausprobieren. Bevor Sie das Licht abschalten, bringen Sie das Motiv in Position. Anschließend stellen Sie die Schärfe und einen möglichst niedrigen ISO-Wert ein. Wer den Autofokus verwendet, muss dann auf manuellen Fokus umstellen. Damit das Licht nicht ungewollt reflektiert wird, haben wir in unserem Beispiel eine schwarze Pappe als Hintergrund verwendet. Sobald die Vorbereitungen abgeschlossen sind, nehmen Sie die Taschenlampe, löschen das Licht und lösen aus – am besten mit einem Fernauslöser oder auch per Selbstauslöser- Funktion. Während der Belichtung fahren Sie mit der LED-Leuchte das Motiv nach und zählen dabei die Sekunden. So lässt sich die Belichtungsdauer besser kontrollieren und Sie können eventuell notwendige Änderungen leichter vornehmen.

Mit Creme und Pinsel

Eine bewusste Gestaltung des Motivs, hier der diagonale Verlauf der Blattmitte, ist ein wichtiger Teil des Aufnahmeprozesses. Schon kleine Tricks bringen Leben in eine Aufnahme: Damit die Oberfläche des Blattes schön glänzt, haben wir es mit gewöhnlicher Hautcreme eingerieben. Dazu cremen Sie die Hände ein und fahren mit den Fingern leicht über das Blatt. Danach sollten Sie Ihre Hände waschen, um Fettspuren an der Kamera zu vermeiden. Beginnen Sie mit einer Standardbelichtung. Aus dieser Einstellung fangen Sie an, Ihr Bild zu variieren. Um es aufzuhellen, verdoppeln Sie einfach die Belichtungszeit. Durch das Öffnen der Blende wird Ihre Aufnahme zwar auch heller, aber Sie verändern damit den Schärfebereich: Die Schärfentiefe nimmt ab. Sobald die Grundeinstellungen stimmen, nehmen Sie ein Glas Wasser und einen spitzen Pinsel. Damit lassen sich Wassertropfen gezielt auf das Blatt setzen. Geht etwas daneben, hilft ein Wattestäbchen dabei, die Tropfen zu entfernen. Nach dem Auftragen warten Sie einen Moment mit dem Auslösen, um Verwacklungen zu vermeiden.

Blüte am Fenster fotografieren

1. Hintergrund auswählen
Für farbenfrohe Hingucker empfiehlt sich ein farbiger Karton als Hintergrund. Um einen wirkungsvollen Effekt zu erzielen, haben wir im Versuchsaufbau die Farbe Blau als Kontrast zur roten Blüte gewählt.
2. Kamera-Einstellungen
Benutzen Sie ein Stativ und fokussieren Sie manuell auf die Staubbeutel. Stellen Sie dann im manuellen Belichtungsmodus die Blende auf f 8, um für genug Schärfentiefe und scharfe Blütenblätter zu sorgen.
3. Reflektor hinzufügen
Um das Licht mittig zurück auf die Alstroemeria- Blüte zu lenken, haben wir einen weißen Reflektor links neben der Blüte platziert. Ein silberner Reflektor würde das Blüteninnere zu stark erleuchten.