Bei einer Reise ans Meer liegen aufregende Motive nur Flossenschläge entfernt. Um der Unterwasserwelt alle Geheimnisse zu entlocken, ist außer einer Kamera nur etwas Know-how und Zubehör nötig.

Intro

Wer die Unterwasserwelt erkunden will, muss nicht in tiefste Tiefen abtauchen: In tropischen Gewässern oder im Roten Meer reichen Korallenblöcke bis an die Oberfläche, so dass man schon beim Schnorcheln Fauna und Flora mit natürlichem Licht einfangen kann. Als Zubehör für Kompaktkameras genügen Plastikgehäuse. Wer mit seiner Spiegelreflexkamera auf Fisch-und Fotopirsch gehen möchte, kann sich auch einen Unterwasserbeutel zulegen. Eine andere Lösung sind wasserdichte Kameras, die aufgrund ihrer Robustheit auch gut für andere Outdoor-Sportarten geeignet sind. Wer dagegen mit Atemgerät tauchen will, muss auch seiner Kamera eine Unterwassermontur verpassen. Spezielle Gehäuse von Kameraherstellern oder Drittanbietern sind bis zu 40 Meter oder mehr wasserdicht sowie druckbeständig– und kosten meist mehr als die Kamera selber. Mit etwas Glück lassen sich dann dem Deep Blue eine Menge Geheimnisse entlocken. Denn auch aus fotografischer Sicht beginnt unter Wasser eine andere Welt. Licht, Farben und Größenverhältnisse gehorchen im Wasser anderen Gesetzen als an Land, wo das Element Luft vorherrscht. Damit die Aufnahmen von Haien, Schildkrötenund Muränen trotzdem gelingen, haben wir die wichtigsten Tipps zusammengestellt.

Unterwasser Tipps

Taucherin

Tipp 1: Der richtige Zeitpunkt – die Mittagssonne nutzen:
Unter Wasser ist die alte Fotografenregel, dass besonders schöne Bilder am Morgen oder am späten Nachmittag gelingen, außer Kraft gesetzt. Im Gegenteil: Die beste Fotozeit für Fsche und Co. ist gegen Mittag. Zwischen elf und 14 Uhr steht die Sonne hoch am Himmel und die Sonnenstrahlen dringen –zumindest am Mittelmeer und in tropischen Gewässern –auch in größere Tiefen vor. Unter Wasser kommt es auf jedes Quäntchen Lichtan, wenn man nicht mit Blitz und Lampe unterwegs sein will. Um möglichst viel natürliches Licht einzufangen, fotografieren Sie am besten von unten nach oben oder kippen, sofern möglich, die Kamera leicht nachoben.

Tipp 2: Rot versiegt, Blau nimmt zu: Unterwasser-Farbenlehre
Mit zunehmender Tiefe verschwinden Licht und Farben. So absorbiert das Wasser schon ab fünf Meter den Rotanteil des Lichts. Auf zwanzig Meter ist auch Gelb kaum noch zu erkennen. Danach verschwindet der Grünanteil und ab etwa 40 Meter beginnt „The Deep Blue“. In 100 Meter Tiefe kann es dann schon recht duster sein. Aber solche Tiefen sind den sogenannten technischen Tauchern vorbehalten, die mit speziellen Luftgemischen auf Fotojagd gehen – und entspreche ndem Zusatz-Equipment. Übrigens gilt die kleine Farbenlehre der Unterwasserwelt auch für Süßwasser. Jedoch ist der Untergrund in den heimischen Gewässern meist dunkel oder schlammig, sodass das Wasser grün oder braun wirkt.

Nemo

Tipp 3: Mehr Schärfe mit Weitwinkel und mittlerer Blende
Natürlich benötigt man nicht für jedes Unterwasserfoto eine Fischauge-Linse. Und doch sind kurze Brennweiten eine gute Wahl, dabei Weitwinkel-Aufnahmen mehr Licht auf den Sensor trifft. Das mindert, verglichen mit Tele-Einstellungen, die Verwacklungsgefahr deutlich. Um den Effekt noch zu verstärken, stellen Sie am besten eine mittlere bis kleine Blendenzahl ein. Auf diese Weise nutzen Sie das geringe Lichtangebot unter Wasser optimal. Allerdings verringert sich dadurch die Schärfentiefe, doch wenn man mit Weitwinkel fotografiert, ist das meist weniger problematisch. Ein weiterer Vorteil von Brennweiten unter 28 Millimeter (KB-Äquivalent): Man bekommt schlicht mehr aufs Bild. Solassen sich Fischschwärme oder eine Korallenlandschaft abbilden. Viele Fotografen oder Filmer verwenden bei ihren Tauchgängen einen schraubbaren Weitwinkel-Vorsatz unter Wasser fallen die starken Verzeichnungen der Fischauge-Linsen ohnehin weniger stark auf.

Tipp 4: So dicht ran wie irgend möglich
Welche Brennweite Sie auch immer verwenden –nähern Sie sich dem Motiv unter Wasser so weit wie möglich. Ein Grund dafür ist, dass im Wasser Farbanteile des Lichts nicht nur vertikal, also mit zunehmendem Abstand zur Oberfläche absorbiert werden, sondern auch horizontal. Wer im Flachbereich fünf Meter vom Motiv entfernt ist, bekommt ohne Zusatzlicht keine Rottöne mehr aufs Bild. Und selbst scheinbar klares Wasser enthält jede Menge Schwebteilchen, die sich bei größerer Entfernung erstrecht unangenehm bemerkbar machen. Dafür ist die Unterwasserwelt voller Makro-Motive. Korallen oder Muscheln lassen sich mit dem Makro-Modus prima einfangen. Gerade Kompaktkameras mit ihren kleinen Sensoren sind dabei im Vorteil, da sie im Gegensatz zu Spiegelreflexkameras beispielsweise einen Clownfisch in einer Seeanemone mit einer deutlich größeren Schärfentiefe ablichten können.

Insel

Tipp 5: Ein sensitives Ökosystem: Unter Wasser nichts berühren!
Berühren Sie unter Wasser nichts. So schützen Sie nicht nur die empfindliche Flora und Fauna, sondern auch sich selbst. Wer sich für die Aufnahme an einem Riffblock festhält, darf sich nicht wundern, wenn sich die Muräne in ihrer Höhle bedroht fühlt und zuschnappt. Und in einem scheinbar harmlosen Sandboden verbergen sich etwa im Roten Meer und im Pazifik gerne Blaupunktrochen, die mit ihren Giftstacheln ihr Revier verteidigen. Besser ist es für filmende und fotografierende Taucher, sich in aller Ruhe auszutarieren und stets einen Sicherheitsabstand zum Grund und zu den Riffblöcken einzuhalten. Das erfordert zwar gerade mit einer größeren Kamera etwas Übung, aber dafür wirbelt man auch kein Sediment auf und behält immer klare Sicht.

Tipp 6: Unterwassermotive scharf und wackelfrei aufnehmen“
An Land ist es schon schwierig genug, scharfe Tierfotos zu schießen. Unter Wasserwackeln nicht nur die Tiere, sondern aufgrund der Strömung auch der Fotograf. Um zu scharfen Fotos zu kommen, gilt es, sich vor dem Tauchgang mit der richtigen Menge Bleigewichten zuversorgen; einige Tarierübungen mit der Kamera können ebenfalls nicht schaden. Doch wenn sich beim Tauchgang tatsächlich ein gigantischer Mantarochen die Ehre gibt, kann man trotzdem schon mal nach Luft schnappen. Bei hastigem Einatmen steigen Sie jedoch unweigerlich auf. Halten Sie in einem solchen Fall die Kamera ansonsten möglichst gerade, atmen Sie leicht aus und bleiben Sie beim Auslösen ausgeatmet. Dann erschrecken die Luftblasen auch keine Fische. Außerdem wichtig bei starker Strömung: Achten Sie auf kurze Belichtungszeiten, setzen Sie notfalls die ISO-Zahl hoch und filtern Sie das Bildrauschen später mit einer Software heraus.

Tipp 7: Geduld und Ruhe bei der Jagd
Fische sind beeindruckende Fotomodelle, aber leider auch unberechenbar. Ein Hecht, der an der Spitze der Nahrungskette steht, bleibt häufig gelassen auf der Stelle, wenn sich Taucher nähern. Haie dagegen sind – obwohl ebenfalls Jäger –sehr scheu. Generell gilt: Jeder Fisch macht sich aus dem Staub, wenn ein Taucher oder Schnorchler mit wildem Armrudern und in einer Wolkeaus Luftblasen auf ihn zu schwimmt. Bewegen Sie sich möglichst wenig und atmen Sie langsam. Versuchen Sie niemals, die schnellen Meeresbewohner zu verfolgen. Besser ist es, zu warten, bis Ihr Motiv sich von selbst wieder nähert– auch Fische sind bis weilen neugierig. Dabei sollten Sie auch die Kameraeinstellungen vorher erledigt haben, damit Sie gleich auslösen können.

Tipp 8: Tauchpartner zum Größenvergleich nutzen
Mantas, Haie und Seekühe beeindrucken durch ihre Größe. Wenn möglich, bilden Sie zum Vergleich einen Taucher mit ab. Das Gleiche gilt, wenn Sie Bilder von einem Wrack schießen. Schwebt ein Taucher über der Reling, werden die Dimensionen des versunkenen Schiffs erst richtig deutlich.

Tipp 9: Auf Motivsuche: Quallen, Sonnenstrahlen und Buddys
Wenn partout kein Fisch Modell stehen will, versuchen Sie sich einfach mal an Lichteffekten. Einfallende Sonnenstrahlen werden durch das Wasser abgelenkt, auf einen Sandboden im Flachwasser malen sie außerdem schöne Motive. Auch die Luftblasen von Tauchern ergeben, schräg gegen die Wasseroberfläche fotografiert, interessante Muster. Experimentieren Sie mit Belichtungsreihen, um die Effekte auszuprobieren. Weitere gute Motive zum Üben sind Quallen– sie schwimmen nicht so schnell weg –sowie der Buddy, der Tauch- oder Schnorchelpartner für Unterwasserporträts.

Tipp 10: Spannende Splitt Shots – zwei Welten im Bild Bei Split-Shots oder sogenannten Halb-Halb-Aufnahmen befindet sich das Objektiv genau auf der Linie der Wasseroberfläche. Da unter Wasser alle Objekte etwas größer und näher erscheinen als in der Luft, ergeben sich so Verzerrungseffekte. Gerade Split-Shots im Flachwasserbereich führen zu interessanten Aufnahmen, beispielsweise wenn sich die Uferlandschaft unter Wasser fortsetzt. Allerdings gibt es an der Oberflächemeist mehr Dünung als in fünf Meter Tiefe– deshalb muss man hier ein wenig experimentieren. Und ein wenig Spucke hilft, die Linse über Wasser frei von Tropfen zu halten.

Tipp 11: Unterwasser-Aufnahmen bei Dämmerung und bei Nacht
Katzen mögen nachts alle grau sein, Fische sind es aber nicht. Nachtaktive Tiere wie Rotfeuerfische entwickeln erst in der Dunkelheit ihre ganze Pracht. Schnorchler benötigen als Ausrüstung eigentlich nur eine Lampe und vielleicht noch einen Neoprenanzug gegen die Kälte. Achten Sie aber darauf, dass Sie den Tieren nicht genau in die Augen leuchten. Für Tauchgänge bei Nacht lohnt sich wegen der Anforderungen bezüglich Orientierung und Verständigung ein Spezialkurs. Wer nachts nicht ins Wasser möchte, kann auch die späten Abend- oder Morgenstunden nutzen.

Tipp 12: Farben verstärken: Buddy und Extra-Lampe statt Blitz“
Da Wasser Farbanteile absorbiert, kommt man bei Unterwasserfotos kaum ohne Zusatzlicht aus. Den kamerainternen Blitz sollte man jedoch nur mit Vorsicht einsetzen. Denn zum einen wirkt er rechthart. Damit er das Motiv etwas weicher ausleuchtet, ist an vielen Unterwassergehäusen eine Streuscheibe angebracht. Zum anderen werden häufig nur die Schwebteilchen zwischen Motiv und Fotograf angeblitzt. Nicht selten entsteht so ein Foto, auf dem es zu schneien scheint. Alternativ kann der Tauchpartner das Motiv mit einer Lampe von der Seite anleuchten. Allerdings ist der Lichtkegel auf dem Foto meist deutlich zu sehen. Die beste Lösung für Zusatzlichtsind zwei externe Unterwasserblitze, die sich mit der Kamera synchronisieren lassen, so dass das Licht jeweils seitlich und mit der gleichen Farbtemperatur kommt. Es empfielt sich, eine solche Ausrüstung vorab zu testen.

Tipp 13: RAW-Format nutzen: Mehr Freiheiten beim Weißabgleich
Unterwasserfotos haben aufgrund des Farbanteilschwundes fast immer einen Blau- oder Grünstich. Theoretisch könnte man mit einer Unterwasser-Graukarte den Weißabgleich manuell einstellen. Praktisch müsste er jedoch für jede Tiefe und jede Motiventfernung neu ermittelt werden. Deshalb ist die bessere Lösung, die Bilder als RAW-Dateien zu speichern. Dann können Sie den Weißabgleich am Rechner vornehmen, ohne einen Verlust der Bildqualität befürchten zu müssen. Wasserdichte Kompaktkameras bieten meist einen Unterwasser-Modus, der je nach Hersteller und Modellden Rotanteil verstärkt oder die ISO-Zahl erhöht. Da die Stärke der notwendigen Filterungvon der Wassertiefe und den Breitengraden abhängt, sind die Ergebnisse meist nicht wirklich befriedigend. Das RAW-Formatist auch hier die bessere Alternative.