Diese beiden Begriffe beschreiben ganz besondere Lichtsituationen und Tonwertverteilungen in einem Bild. Vielfach der Schwarz-Weiß-Fotografie vorbehalten, spielt diese besondere ästhetik mit einem sehr großen Kontrast zwischen Lichtern und Schatten. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, wie Sie Ihre High- und Low-Keys gestalten.

HIGH-KEY & LOW-KEY

Um zu verstehen, was genau ein High- beziehungsweise Low-Key ausmacht, ist es wichtig zu wissen, was es mit der Tonwertverteilung im Bild auf sich hat. Denn es handelt sich nicht um eine über- beziehungsweise Unterbelichtung, sondern eine ganz spezielle, stark gewichtete Verteilung von hellen und dunklen Tönen im Bild. Um High- und Low-Key-Aufnahmen erstellen zu können, empfiehlt es sich daher, das Histogramm lesen und verstehen zu können und die Raffinessen der Belichtungssteuerung zu beherrschen.

Grundlagen

Unabhängig davon, ob Sie ein High- oder ein Low-Key gestalten wollen, können Sie auf zwei Arten Ihr gewünschtes Bildergebnis erreichen. Entweder Sie probieren einfach aus und überprüfen die Bildwirkung mithilfe von Testbildern und einer visuellen Kontrolle auf dem Monitor. Oder Sie gehen genauer und gezielter vor und achten bereits bei der Aufnahme auf eine sinnvolle Belichtungsmessung und überprüfen dies am Histogramm.

Im Hinblick auf die Belichtungsmessung ist es wichtig zu wissen, dass der interne Belichtungsmesser das vom Motiv reflektierte Licht misst, das für die Aufnahme zur Verfügung steht. Mit einem externen Belichtungsmesser können Sie jedoch auch direkt das vorhandene Licht anmessen. In beiden Fällen ergeben sich daraus ISO-Blende- Zeit-Kombinationen, die Sie gegeneinander verschieben können. Angestrebt wird dabei rein technisch immer eine auf die Mitte ausgerichtete Belichtung, die einen möglichst großen Kontrastumfang einfängt. Dabei sind sämtliche Belichtungsmesser auf Neutralgrau geeicht, das heißt, Sie gehen davon aus, dass Ihr Motiv lediglich 17% des einfallenden Lichtes reflektiert. Für sehr viele Farben und Motive ist dies auch ein sehr praktikabler Näherungswert, bei High- und Low-Key-Aufnahmen führt das jedoch regelmäßig zu Fehlbelichtungen. Denn bei solchen Bildern sind die Motive nun einmal überwiegend Weiß oder Schwarz, beziehungsweise hell oder dunkel.

Grundlagen

Wenn Sie der Belichtungsmessung folgen und die von Ihrer Kamera vorgeschlagenen ISO-Blende-Zeit-Werte einfach übernehmen, erhalten Sie auch entsprechend neutralgraue Bilder, aber eben kein Schwarz und kein Weiß. Dies sollten Sie wissen und bei der Aufnahme bedenken und die vom Belichtungsmesser ermittelten Werte entsprechend anpassen. Grundsätzlich gilt dabei: High-Key-Aufnahmen sollten Sie leicht überbelichten; Low-Key-Aufnahmen sollten Sie leicht unterbelichten!

Jeder Punkt im Bild erhält abhängig von den gewählten Belichtungseinstellungen eine ganz bestimmte Helligkeit. Dies gilt für Farb- und Graustufenbilder gleichermaßen, lässt sich aber anhand eines Graustufenbildes leichter nachvollziehen, da darin tatsächlich nur genau die Helligkeitswerte angezeigt werden, so, wie sie auch im Histogramm erfasst werden. Bei Farbbildern erfolgt dies je Farbkanal separat, anschließend werden die einzelnen Farbhelligkeiten dann zu einer Gesamthelligkeit verrechnet.

Die im Bild vorhandenen Helligkeitswerte (=Tonwerte) werden von der Kamera automatisch ausgezählt und in einer Grafik, einem Balkendiagramm, dargestellt. DiesesHistogramm ist folgendermaßen aufgebaut: In der Waagerechten verläuft eine Skala von Schwarz (Tiefen, links) über Grau (Mitteltöne) bis hin zu Weiß (Lichter, rechts). In der Senkrechten wird die Menge der jeweils im Bild vorhandenen Tonwerte in Form einer schmalen Linie erfasst. Häufiges Auftreten ein und desselben Helligkeitswertes entspricht einer hoch aufsteigenden Linie. Kommt der Wert hingegen selten vor, ist die Linie kurz. Die Anzeige in diesem Balkendiagramm ist nicht maßstabsgetreu, sondern immer verhältnismäßig, weshalb ein Abschneiden an der Oberkante unwichtig ist. Es handelt sich lediglich um ein Problem der Darstellung, wenn ein bestimmter Helligkeitswert unverhältnismäßig oft vorkommt.

Aus den einzelnen Linien entsteht ein Kurvenverlauf, aus dem sich die Helligkeitsverteilung im Bild und der sich daraus ergebene Kontrast ablesen lässt. Idealerweise verläuft diese Kurve innerhalb der beiden Außenkanten, da dies bedeutet, dass weder zu helle noch zu dunkle Bereiche im Bild entstanden sind. Durch Fehlbelichtungen bei der Aufnahme oder einen zu hohen Motivkontrast, der den Dynamikumfang, also den größtmöglichen aufzuzeichnenden Kontrast des Sensors übersteigt, kann es hingegen zu Tonwertabrissen kommen, also einem Kurvenverlauf der über eine oder beide Seitenränder hinausragt. Praktisch bedeutet dies, dass wesentliche Teile des Bildes rein Schwarz oder rein Weiß werden und keine Zeichnung mehr aufweisen würden. Wenn Sie sich bis heute noch nicht oder nur wenig mit Histogrammen auseinandergesetzt haben, lohnt es sich unbedingt, dies nachzuholen. Insbesondere dann, wenn Sie als Nächstes High-Key- oder Low-Key-Aufnahmen fotografieren möchten.

High-Key

High-Key

Bei einem High-Key handelt es sich im Grunde genommen schlicht um eine sehr hell gestaltete Aufnahme, die ein helles Motiv vor ebenfalls hellem Hintergrund zeigt. Im Unterschied zu einer überbelichtung ist es dabei aber so, dassdas Motiv selbst noch Zeichnung aufweist und der gesamte Tonwertumfang im Bild vorhanden ist. Das heißt, auch alle dunkleren Grauabstufungen sowie reines Schwarz finden sich im Bild – jedoch in wesentlich geringerer Anzahl als die hellen und sehr hellen Graustufen sowie Weiß.

Im Histogramm wird diese Tonwertverteilung folgendermaßen erkennbar: Die Kurve verläuft in den Tiefen und Mitteltönen sehr niedrig und steigt dann in den Lichtern sehr schnell sehr stark an. Je nach Motiv kann es sein, dass der Kurvenverlauf zum Reinweiß hin wieder deutlich absinkt, also nur wenig oder gar keine überbelichtungen im Bild zu finden sind. Oder aber die Kurve scheint über den Rand des Histogramms hinwegzulaufen, was bedeutet, dass Tonwerte beschnitten wurden und überbelichtungen, also zeichnungslos weiße Flächen im Bild entstanden sind. Viele High-Key-Fotografen arbeiten beispielsweise mit einem gezielt überbelichteten, reinweißen Hintergrund und streben lediglich Zeichnung im Hauptmotiv selbst an. Für das Bildergebnis und seine Wirkung bedeutet diese Tonwertverteilung, dass die hellen Töne deutlich überwiegen und die Aufnahme eine sehr leichte, positive, beinahe schwebende Wirkung entfalten kann.

Aufnahme- und Lichtsituation
Für ein High-Key-Bild benötigen Sie vor allem eines: viel, viel Licht! Je mehr, desto besser. Achten Sie bei der Ausleuchtung Ihres Motivs darauf, keine harten Kontrastedurch störende Schatten zu erzeugen, indem Sie diffuse, weiche Lichtquellen einsetzen. Das kann helles, durch eine dünne Wolkendecke gestreutes Sonnenlicht sein, oder aber in einer Studiosituation der Einsatz von mehreren Lichtköpfen und streuenden Lichtformern wie Softboxen oderDurchlichtschirmen. Je größer die Softbox oder der Schirm, desto gleichmäßiger wird die Ausleuchtung erfolgen und desto einfacher gestalten Sie ein High-Key.

Darüber hinaus benötigen Sie einen möglichst hellen,idealerweise weißen Hintergrund, den Sie ebenfalls gezielt ausleuchten. Achten Sie dabei darauf, dass der Hintergrund etwas heller wird als Ihr Motiv, da dieses sich dann trotz des vielen Lichtes noch vom Hintergrund abheben wird. Sollte es Ihnen schwerfallen, das Motiv vom Hintergrund abzuheben, kann es sinnvoll sein, die Konturen gezielt mithilfe von Lichtschluckern abzudunkeln. Platzieren Sie diese schwarzen Flächen dafür seitlich des Motivs, sodass eine dunkle Kontur entsteht, die Lichtschlucker selbst aber selbstverständlich nicht im Bild zu sehen sind.

Um das am Motiv vorhandene Licht richtig einschätzen zu können, empfiehlt sich bei High-Key-Aufnahmen eine Lichtmessung mit einem externen Belichtungsmesser, den Sie vor das Motiv in Richtung Lichtquelle(n) halten. Der interne Belichtungsmesser Ihrer Kamera wird Ihnen hingegen nicht verlässlich richtige Werte ermitteln, wobei es Ihnen natürlich freisteht, mithilfe von Testbildern und deren überprüfung am Monitor und hinsichtlich ihres Histogramms zu arbeiten. Auch dieser Weg führt ans Ziel.

Da Belichtungsmesser auf Neutralgrau, das heißt auf ein Grau, das 17% des einfallenden Lichtes reflektiert, geeicht sind, werden Sie in jedem Fall eine leichte überbelichtung herbeiführen müssen, um im Bildergebnis wirklich weiße Flächen zu erhalten. Ohne diese leichte Fehlbelichtung werden die sehr hellen und weißen Bildteile eben wie Neutralgrau belichtet werden und einen dunklen Grauschleier haben.

Typische Motive
Ein wirklich stimmiges High-Key lässt sich ausschließlich mit hellen Motiven umsetzen, das heißt vereinfacht: alles, was (nahezu) Weiß ist, ist ein Motiv – und sobald Sie es vor einem hellen Hintergrund platzieren, ist es als High-Key inszenierbar.Ganz klassisch wird die High-Key-ästhetik in der Porträtfotografie eingesetzt und da sind Studioaufnahmen von hellhäutigen, blonden Modellen sehr beliebt. Achten Sie darauf, dass das Modell sich dafür auch hell kleidet. Der Vorteil, den diese Aufnahmeästhetik mit sich bringt, ist ein makelloses, glattes Hautbild – und das ohne Bearbeitung. Aus diesem Grund passen High-Keys gut in die glorifizierenden Genres der Menschenfotografie wie etwa Beauty, Fashion und Werbung. Doch auch die Aktfotografie ist ein beliebtes Genre für High-Keys, wenn Sie hellhäutige Modelle unbekleidet fotografieren, da auch hier das schöne Hautbild und die sanfte Gesamtwirkung sehr schmeichelnd wirken kann.

Typische Motive

Und auch fernab der Menschenfotografie finden sich Motive, die passen können: In der Natur- und Landschaftsfotografie ist häufig Schnee mit von der Partie, um ein stimmiges Weiß ins Bild zu bringen. In der Objektfotografie hingegen sind Sie genauso frei wie bei Studioaufnahmen von Menschen:
Inszenieren Sie einen weißen Gegenstand vor weißem Hintergrund, und es entsteht genau die Wirkung, die das Motiv geradezu glorifiziert, schweben lässt und den wenigen dunklen Bereichen im Bild einen ganz besonderen Stellenwert verleiht.

Low-Key

Eine Low-Key-Aufnahme bildet das genaue Gegenteil zu einem High-Key: Das Bild ist überwiegend dunkel gestaltet, das Motiv ist dunkel oder schwarz, der Hintergrund idealerweise schwarz. Die Tiefen sind besonders dominant im Bild und wenige Lichter bilden einen reizvollen Kontrast dazu. Dementsprechend verläuft das Histogramm spiegelverkehrt: Der „Berg“ befindet sich bei Schwarz und dunklem Grau und die Kurve sinkt dann schnell zu wenig hellen Grautönen und Weiß. Die Mitteltöne und Lichter sind also unterdurchschnittlich wenig im Bild vertreten.

Auch hier kann im Grunde unterschieden werden, ob die Aufnahme korrekt belichtet nur einen ganz kleinen Teil reines Schwarz aufweist, oder ob große Flächen zeichnungsfrei bleiben und bei Schwarz ein Tonwertbeschnitt entsteht. Letzteres ist häufiger der Fall, weil auch hierin der Regel mit einem Hintergrund gearbeitet wird, der zeichnungsfrei bleibt, also im Fall des Low-Key reines Schwarz zeigt. Von diesem Hintergrund soll sich dann das Motiv erkennbar abheben.

Die Wirkung einer so überwiegend schwarzen und dunkelgrauen Aufnahme ist sehr düster und bedrohlich, aber auch sehr geheimnisvoll und kann je nach Motiv eine enorme Eleganz und Anmut ausstrahlen.

Weiter ist eine übersicht nötig, die dem Betrachter die verschiedenen Akteure, den Ort und deren Beziehungen zueinander aufzeigt. Dazu gehören Entfernungen genauso wie die Richtungen der einzelnen Elemente. Mit solchenBildern verschafft sich der Betrachter einen überblick, der ihm dabei hilft, die weiteren Fotos inhaltlich passend einzuordnen.

Aufnahme- und Lichtsituation
Aufnahme- und Lichtsituation

Da es auch beim Low-Key darum geht, mit einem sehr starken Kontrast zwischen (viel) Schwarz und (wenig) Weiß zu spielen, ist es eine Herausforderung an die Lichtführung und Belichtungs-steuerung, genau die richtigen Teile des Motivs durch Licht zu betonen und alles andere als unwichtig zu definieren und im Dunkel verschwinden zu lassen. Es lohnt sich also, eine Low-Key-Aufnahme genau zu planen und sich schon im Vorfeld Gedanken über den Lichtaufbau, insbesondere über Position und Ausrichtung der Lichtquellen zu machen.

Je nachdem, um was für ein Motiv es sich handelt und wie stark der Low-Key-Effekt ausfallen soll, kann es sinnvoll sein, gegenüber der Lichtquelle – also von der anderen Seite des Motivs – einen starken Reflektor zu positionieren, um dem Motiv an sich etwas mehr Zeichnung zu geben. Dieser sollte aber dezent und tendenziell unter der bewussten Wahrnehmungsgrenze wirken.

Messen Sie im nächsten Schritt die Belichtung, auch hier idealerweise mit einer Lichtmessung durch einen externen Belichtungsmesser. Haben Sie keinen, empfiehlt sich eine Spotmessung auf die Lichter, die keinesfalls ins Zeichnungsfreie ausbrechen sollten. Stattdessen wird bei einem zu hohen Kontrastumfang ein Tonwertabriss bei Schwarz in Kauf genommen. Haben Sie die richtige Belichtungermittelt, kann es daher auch sinnvoll sein, diese leicht zu unterschreiten, das Bild also gezielt unterzubelichten. Dies führt zu satten Schwarztönen.

Typische Motive
Das dunkle Pendant zum High-Key verlangt dementsprechend nach dunklen Motiven. Je dunkler, desto besser, platziert vor einem dunklen Hintergrund. Auch die Low-Key-Fotografie findet ihren Einsatz vorwiegend in der Menschenfotografie,wo möglichst dunkel gekleidete, dunkelhaarige und im Idealfall auch dunkelhäutige Modelle vor einem schwarzen Studiohintergrund inszeniert werden. Die Lichter im Bild betonen Konturen des Gesichtes und das Weiße der Augen oder der Zähne. Da Low-Keys die Konturen so stark hervorheben, sind beliebte Motive auch unbekleidete Personen in Aktaufnahmen. Sogenannte „Body Landscapes“ (Körperlandschaften) sind häufig Low-Keys, welche die Formen, den Schwung, die Linien eines nackten Körpers inszenieren und alles andere kaschierend im Dunkel verschwinden lassen. Der Grad der Anonymisierung einer Low-Key-Aufnahme ist nämlich sehr hoch.

Doch auch hier sind dunkle Gegenstände, die in Form von Stillleben oder Tabletop-Aufnahmen arrangiert werden, schöne Alternative für Low-Key-Bilder, wenn Sie nicht oder nicht nur mit Modellen arbeiten möchten. Auch outdoor ist das Genre der Nachtfotografie in mancherlei Hinsicht und abhängig vom konkreten Motiv nicht weit entfernt von der Low-Key-Fotografie.