Der Kontrast spielt eine bedeutende Rolle in der Fotografie und ist zudem sehr vielschichtig.

Kontraste in der Fotografie

Der Begriff „Kontrast“ taucht in der Fotografie immer wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen auf. Im Folgenden zeigen wir Ihnen, was sich hinter diesem vielfältigen Begriff alles verbirgt und inwieweit Sie Kontraste bei Ihrer Fotografie berücksichtigen müssen und gezielt einsetzen können, um damit Ihre Fotos noch spannungsreicher zu gestalten.

Ob bei der Aufnahmetechnik, bei der Bildgestaltung, der Motivsuche oder der Nachbearbeitung – überall gilt es, auf Kontraste zu achten, denn sie spielen eine bedeutende Rolle in der Fotografie. Doch Kontrast ist nicht gleich Kontrast: Bei der Aufnahme ist der Motivkontrast sowie der Kontrast- beziehungsweise Dynamikumfang des Kamerasensors relevant; in der Bildgestaltung können Sie hohe oder niedrige Kontraste gezielt einsetzen, um eine bestimmte Wirkung zu erzeugen; bei der Suche nach dem richtigen Motiv berücksichtigen Sie den Motivkontrast sowie inhaltliche Kontraste, die sich durch Gegensätze oder ähnliches ergeben; und im Zuge der Nachbearbeitung machen Sie es sich schlussendlich zum Ziel, die saubersten und schönsten Kontraste herauszuarbeiten, die Ihr Bildmaterial hergibt.

Motivkontrast und Kontrastumfang

Rein aufnahmetechnisch betrachtet, ist das Ziel einer jeden Fotografie die richtige Belichtung, das heißt eine Kombination von ISO-Wert, Blende und Verschlusszeit, die zu einem Bildergebnis führt, das weder zu hell noch zu dunkel ist. Neben den drei entsprechenden Einstellungsmöglichkeiten ist dabei aber auch die Helligkeitsverteilung innerhalb des Motivs relevant beziehungsweise der Unterschied zwischen der hellsten und der dunkelsten Stelle – sprich: der Hell-Dunkel-Kontrastumfang des Motivs oder der sogenannte Motivkontrast. Um die Größe des Motivkontrastes feststellen zu können, nutzen Sie am besten die Spotmessung Ihrer Kamera und messen den Lichtwert für den hellsten und den dunkelsten Bereich innerhalb des Motivs unabhängig voneinander. über die Differenz der vorgeschlagenen Belichtungseinstellungen können Sie den Motivkontrast in Blendenstufen errechnen.

Einfacher, wenn auch ungenauer, ist es, ein Testbild zu machen und sich dessen Histogramm anzusehen. Durch einen Blick auf den Kurvenverlauf direkt an den Seiten des Histogramms können Sie feststellen, ob Sie alle Details eingefangen haben oder ob der Kontrastumfang des Motivs den Ihrer Kamera übersteigt. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie genügend Zeit für die Aufnahme und ein geduldiges Motiv haben.

Dieser wird dann in Hinblick auf den Kontrastumfang des Kamerasensors wichtig für die korrekte Belichtung eines Motivs. Der sogenannte Dynamikumfang eines Sensors ist nämlich technisch bedingt begrenzt, kann also nur eine ganz bestimmte Bandbreite zwischen hellster und dunkelster Stelle abbilden. Diese Bandbreite liegt bei aktuellen DSLR-Kameras um die 9 bis 10 Blendenstufen, was einem Kontrast von ca. 1:500 bis 1:1.000 entspricht. Ziel der Belichtung ist es dementsprechend, den Motivkontrast möglichst umfassend in den Kontrastumfang des Kamerasensors einzupassen. Sofern der Motivkontrast kleiner oder gleich dem der Kamera ist, müssen Sie das Bild nur richtig belichten und erhalten so alle Bildinformationen und Details in Ihrer Bilddatei.

Sobald Ihr Motiv aber einen höheren Helligkeitskontrast aufweist als der Kamerasensor verarbeiten kann, müssen Sie sich entscheiden: Entweder Sie passen den Motivkontrast durch eine gezielte Lichtführung an, indem Sie die hellen Motivteile abdunkeln und/oder die dunklen aufhellen. Oder Sie entscheiden sich für das in Kauf nehmen von fehlender Detailzeichnung in den hellen und/oder den dunklen Bildbereichen – die Folge sind dann „ausgefressene“ oder „abgesoffene“ Bereiche. Die meisten Kameras zeigen beim fertigen Bild genau diese zeichnungslos rein weißen oder tief schwarzen Bildteile durch Blinken an, um Ihnen die Bewertung Ihrer Bilder zu erleichtern. So sehen Sie, ob Ihnen Zeichnung in wichtigen Bildelementen fehlt.

Eine dritte Möglichkeit ist – bei unbewegten Motiven – das Erstellen einer Belichtungsreihe und das anschließende Kombinieren mehrerer Bilder zu einem HDR- oder Pseudo-HDR-Bild (DRI). In beiden Fällen werden die jeweils richtig belichteten Bildbereiche übernommen und zu einem vollständig durchgezeichneten Bild kombiniert. Dabei müssen Sie nicht zwangsläufig so weit gehen, eine künstliche HDR-ästhetik zu erschaffen, schon die Montage aus zwei verschieden belichteten Bildern kann zu einem ordentlichen und sehr glaubwürdigen Ergebnis führen.

Für welche der Varianten Sie sich entscheiden, sollten Sie hauptsächlich vwevon den Gegebenheiten vor Ort und den Eigenschaften des Motivs abhängig machen sowie von der Bildidee und Wirkung, die Sie verfolgen.

Bildgestalterische Kontraste

Auf formaler Ebene gibt es im Grunde genommen vier Arten von Kontrasten, die Sie im Bild gezielt einsetzen können, um einzelne Bildelemente zu gewichten: Helligkeitskontraste, Farbkontraste, Strukturkontraste und Größenkontraste. Alle vier wirken gleichzeitig, können aber unterschiedlich stark inszeniert werden und damit zu einem vordergründig wirkenden oder aber auch zu einem eher unauffälligen Gestaltungsmittel werden. Grundsätzlich gilt, je höher ein Kontrast ausfällt, desto dominanter wird er wahrgenommen und desto lauter und auffälliger wirkt das Gesamtbild. Kombinieren Sie eine der Kontrastformen als starken Kontrast mit den anderen, die kaum ins Gewicht fallen, wirkt das Gesamtbild weniger dominant, als wenn Sie alle vier Formen gleichermaßen stark einsetzen.

Helligkeitskontraste

Der wichtigste bildgestalterische Kontrast in der Fotografie ist der Helligkeitskontrast, der sich aus den Unterschieden zwischen hellen und dunklen Bildbereichen ergibt. Er ist deshalb so relevant, da er sich erstens aufnahmetechnisch zwangsläufig ergibt, zweitens häufig ausschließlich unter dem Begriff Kontrast verstanden wird und drittens der Kontrast ist, den der Mensch am stärksten wahrnimmt.

Bildgestalterische Kontraste

Von einem niedrigen Kontrast wird hier gesprochen, wenn sich überwiegend mittlere Helligkeiten im Bild befinden; von einem hohen Kontrast ist hingegen die Rede, wenn viele sehr helle und viele viele sehr dunkle Bildbereiche kombiniert werden. Noch einmal gesteigert werden kann der Kontrast dadurch, dass zusätzlich wenig bis kaum mittlere Helligkeiten im Bild vorhanden sind.

Ein geringer Helligkeitskontrast führt – unabhängig von anderen Kontrasten – zu einer ruhigen, sanften, harmonischen und ausgeglichenen Bildwirkung. Die größtmögliche Menge an Details wird sichtbar und selbst feinste Strukturen gehen nicht verloren. Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird auf eine stärker inhaltlich orientierte Art gefesselt. Die Wirkung, die durch einen hohen Helligkeitskontrast vermittelt wird, ist eher dramatisch, spannungsgeladen, aufregend, dynamisch und unruhig. In dieser Art gestaltete Bilder weisen weniger Details auf, wecken aber schneller die Aufmerksamkeit des Betrachters – wenn Sie auch nicht immer in der Lage sind, diese für einen längeren Zeitraum zu fesseln. Den Extremfall bilden hier Scherenschnitte oder sogar reine Schwarz-Weiß-Bilder ohne Helligkeitsabstufungen dazwischen, bei denen lediglich der Umriss des Motivs erkennbar ist, während alle Strukturen und Details verschwinden. Solche Bilder haben zwar einen hohen Aufmerksamkeitswert, bieten aber zu wenig Details, um das Auge zu fesseln, weswegen der Betrachter schnell wieder wegsieht.

Farbkontraste

Sobald zwei oder mehr Farben in einem Bild zusammenkommen, treten diese zwangsläufig zueinander in einen Kontrast. Je unterschiedlicher die Farben sind, desto deutlicher tritt der Farbkontrast zutage und in den Vordergrund der Wahrnehmung. Gerade bei komplementären Farbenpaaren, die sich im Farbkreis gegenüberliegen (Rot und Grün; Blau und Orange; Gelb und Violett) oder Dreiklängen, die einem gleichseitigen Dreieck im Farbkreis entsprechen (Rot, Gelb und Blau; Orange, Grün und Violett) kann das so weit gehen, dass die Farbwirkung zum stärksten und damit bildbestimmenden Gestaltungsmittel wird. Je größer der Farbkontrast und je satter die Einzelfarben, desto deutlicher wird Wirkung und Leuchtkraft der Farben verstärkt. Ein Zusammenspiel von gesättigten und leuchtenden Farben hingegen wirkt gegenüber stumpfen, trüben und gebrochenen Farben sehr plastisch. Die gesättigte Farbe wird in ihrer Buntheit betont – insbesondere dann, wenn die entsättigte Farbe aus derselben oder der komplementären Farbfamilie kommt. Ein kräftiges Blau lässt sich also gut mit sanfteren Blautönen oder mit entsättigten Orangetönen kombinieren.

Im Gegensatz dazu wirken Bilder mit einem geringen Farbkontrast oder sogar monochrome Fotos immer ruhiger, sanfter, gradliniger und eindimensionaler. Die einzelne Farbe kann dabei ihre Wirkung ganz allein entfalten.

Strukturkontraste

Muster und Strukturen bestehen letztendlich aus vielen kleinen Linien, die in (un-)regelmäßigen Formen verlaufen. Wenn diese Linien die Richtung wechseln, wird das von uns als neue Struktur interpretiert und kann von anderen Bildbereichen abgegrenzt werden. Sehr regelmäßige, feine Strukturen werden allerdings schnell als homogene Flächen wahrgenommen. Je größer, grober und geometrischer ein Muster ist, desto stärker ist sein Aufmerksamkeitspotenzial und desto stärker hebt es sich von feineren Bereichen ab. Der Strukturkontrast ist dementsprechend groß. Vor allem gleichmäßige und geometrische Muster, wie gerade Linien, Drei- oder Vierecke und Kreise, überdecken sehr leicht die Wirkung von organischen Strukturen.

Grössenkontraste

Grössenkontraste

Bei der Aufnahme steuern Sie als Fotograf durch Entfernung, Perspektive und Objektiv die Größe, die jedes einzelne Bildelement auf der Bildfläche einnimmt. Gleich große Elemente wirken – sofern sie einander in Struktur, Farbe und Helligkeit ähneln – gleichberechtigt und optisch gleich dominant. Durch die formale Wahl unterschiedlicher Größen können Sie ganz gezielt eine inhaltliche Gewichtung ins Bild bringen und das kleinere Bildelement als unwichtiger und machtloser, eben zweitrangig charakterisieren. Möchten Sie ganz bewusst das Spiel mit der Fläche für Ihre Bilder umsetzen, dann achten Sie auf einen starken Punkt-Flächen-Kontrast.

Dieser besagt, dass ein einzelnes, kleines Bildelement allein durch seine Farbe, seine Helligkeit oder viele Details als Hauptmotiv optisch gleichwertig mit einer ansonsten ruhigen Fläche sein kann. Ein solcher Bildaufbau ist ungewöhnlich und erhöht die Spannung des Bildes. Wichtig ist dabei, dass auch die inhaltliche Bildaussage diese Alleinstellung des Hauptmotivs unterstützt. Ansonsten wirkt das Element einfach nur erschlagen und zu klein. Entsteht ein hoher Punkt-Flächen-Kontrast ungewollt in einem anders ausgelegten Bild, ist die Dominanz dieselbe, nur eben so, dass sie vom eigentlichen Motiv ablenkt und damit das Bild stört.

Kontrastbearbeitung

In der Bildbearbeitung führt kaum ein Weg an der Anpassung des Kontrastes vorbei. Im Wortsinn ist damit jedoch ausschließlich eine Veränderung oder Optimierung des Helligkeitskontrastes im Bild gemeint. Dieser Kontrast innerhalb eines Fotos ergibt sich aus den unterschiedlichen Verteilungen der Helligkeit im Bild, das heißt, aus den jeweiligen Anteilen an hellen (bis hin zu weißen), mittleren und dunklen (bis hin zu schwarzen) Bereichen. überwiegen die Mitteltöne, sprechen wir umgangssprachlich von einem Bild mit niedrigem Kontrast, überwiegen dagegen die Extreme, also die sehr hellen und sehr dunklen Töne, wird das Bild als sehr kontrastreich bezeichnet.

Bei Graustufenbildern sind die Abstufungen zwischen Weiß und Schwarz alle Facetten an Grautönen, weshalb die Assoziation mit hell und dunkel sehr einfach ist. Bei RGB-Bildern liegt dagegen je Farbkanal eine solche Helligkeitsabstufung vor, wobei die Abstufungen keine Grautöne, sondern Rot-, Grün- oder Blautöne sind. Diese einzelnen Farbabstufungen liegen dann als drei Kanäle übereinander. Sie können in den Histogrammen Ihrer Kamera oder Ihres Bildbearbeitungsprogramms einzeln oder für das ganze Bild als Gesamtkontrast beurteilt werden.

Kontrastbearbeitung

Eine Bearbeitung beziehungsweise in der Regel eine gezielte Anhebung des Helligkeitskontrastes per Bildbearbeitungswerkzeug ist deshalb so wichtig für die digitale Nachbearbeitung, da mit einem höheren Gesamtkontrast ein gesteigerter Schärfeeindruck einhergeht. Oder andersherum: Das gezielte Nachschärfen einer Aufnahme für die Ausgabe am Monitor oder für den Druck ist nichts anderes als eine partielle Kontrasterhöhung, bei der Helligkeitsunterschiede nebeneinanderliegender Pixel verstärkt werden.

Gegensätze im Bild

Ein besonders reizvoller Bereich des Kontrastes in der Fotografie liegt auf der inhaltlichen Ebene und wird leider allzu oft vernachlässigt: Miteinander kontrastierende Bildelemente beziehungsweise anders ausgedrückt: Gegensätze oder Widersprüche symbolisierende Bildelemente, die Sie gezielt und bewusst in einem Bild kombinieren, führen zu spannungsreichen und inhaltlich sehr interessanten Aufnahmen. Je stärker Sie sich dabei bekannter Klischees bedienen, desto deutlicher wird der Kontrast auch für den Betrachter transportiert. Das kann zum Beispiel die Kombination von „alt“ und „neu“ sein, wenn Sie einen nagelneuen Sportwagen vor einer verfallenen Hausfassade fotografieren. Oder wenn in Ihrer Blumenvase nur noch eine frische Blüte zwischen einer ganzen Reihe vertrockneter Exemplare steht. Auch Gegensätze wie hübsch-hässlich, fröhlich-traurig, männlich-weiblich oder die gezielte Kombinationen von verschiedenen architektonischen, modischen oder künstlerischen Stilepochen sowie verschiedenen Emotionen lassen sich in einem Bild einfangen.

Wichtig ist dafür nur, dass Sie die Augen offenhalten nach Motiven, die irgendwie gar nicht so recht in ihre Umgebung passen wollen. Eine Alternative ist die gezielte und bewusste Inszenierung von inhaltlichen Kontrasten, indem Sie Bildelemente wählen, die nicht zueinanderpassen, die Sie aber durch eine geschickte Bildgestaltung dennoch in einer harmonischen Aufnahme verbinden.

Zu viel ist zu viel

Zu viel ist zu viel

Achten Sie bei der Arbeit mit Kontrasten darauf, es nicht zu übertreiben. Ziel einer guten Fotografie ist in der Regel ein stimmiges Gesamtbild, das Sie durch zu viele Disharmonien und Unterschiede empfindlich stören können. Möchten Sie also einen inhaltlichen Kontrast einfangen, sollten Sie nicht noch zusätzlich alle bildgestalterischen Kontrastwerkzeuge auffahren, da das Bild sonst mitunter optisch regelrecht „auseinanderfällt“. Wählen Sie natürlich die nötigen gestalterischen Mittel, um Ihre Bildidee zu unterstreichen, doch genügen da meist bereits wenige kontrastierende Formen, um einen inhaltlichen Gegensatz auch gestalterisch zu unterstützen.

Dasselbe gilt andersherum: Starke bildgestalterische Kontraste verlangen nicht immer nach einem kontrastierenden Motiv, da das zusätzliche Unruhe ins Bild bringen kann. Schließlich möchten Sie wahrscheinlich nicht, dass der Betrachter Ihr Bildergebnis nur als chaotisch und unentschieden empfindet. Die Kombination von Kontrast und Harmonie ist ideal, führt beides zusammen doch zu interessanten und spannenden Aufnahmen, die den Betrachter nicht nur schnell aktivieren, sondern auch für eine Weile fesseln können. cb/gb