Lautes Lachen, strahlende Gesichter, positive Emotionen, pure Lebensfreude – so etwas in Bildern einzufangen, ist das erklärte Ziel des fotografischen Genres der Lifestylefotografie, das sich einer ganz besonders fröhlichen Bildsprache bedient.

Lifestyle-Fotografie

Bei der Lifestylefotografie geht es vor allem darum, ein ganz bestimmtes Lebensgefühl glaubhaft einzufangen und auszudrücken. Allerdings geht es nicht um einzelne Gefühle wie Trauer oder Angst, sondern um ganze Gefühlswelten, die jeweils mit einer bestimmten Situation verbunden sind, wie der ruhige Genuss eines Sonntagmorgens oder die Begeisterung der Fußballfans nach dem Tor.

Ob für Imagekampagnen, die Werbung oder im Rahmen einer freien Arbeit – Lifestyle ist ein Bereich der Menschen fotografie, der aufwändige Inszenierungen mit dem Ziel einer hohen Glaubwürdigkeit verknüpft. Denn das Ergebnis soll authentisch, natürlich und so wirken, wie mitten aus dem echten Leben. Dafür bedienen Sie sich in der Regel aus der Palette der positiven Emo tionen, denn ein fröhliches Bild hebt auch die Stimmung des Betrachters.

Eine Story entwickeln

Lifestylebilder sind kleine, wohldurchdachte Szenen, die dem Betrachter präsentiert werden, um ganz gezielt positive Emotionen bei ihm auszulösen. Dies gelingt durch das Einfangen positiver Gefühle, die Sie als Fotograf wiederum bei Ihrem Modell hervorlocken müssen, um sie authentisch wirken zu lassen. Lifestylebilder spielen dabei sehr stark mit Klischees und typischen, bekannten, alltäglichen Situationen. Welche das im konkreten Fall sind, bleibt der Idee des Fotografen überlassen, und sie zu einem umsetzbaren Shootingkonzept auszuarbeiten, gehört ebenso zu seinen Aufgaben.

Beginnen Sie dafür mit dem Entwickeln einer Story. Fragen Sie sich: Wo spielt das Bild? Worum geht es? Welches Lebensgefühl möchte ich dafür einfangen? Wie sieht dieses Lebensgefühl aus? Welche Handlung passiert dabei? Die Bandbreite an Möglichkeiten ist im Grunde genommen unerschöpflich, weshalb Sie sich wahrscheinlich in der Regel von irgendeinem Element inspirieren lassen. Das kann ein besonderes Accessoire oder Kleidungsstück sein, eine ungewöhnliche Location, ein Modell mit einer bezaubernden Persönlichkeit oder aber auch ein Lifestylebild, das Sie irgendwo gesehen haben und das Sie zu einer eigenen Serie motiviert.
Klassische Lifestylethemen sind Alltagssituationen mit Freunden wie Kaffeetrinken, Kochen, Eis essen, Musik hören, Ballspielen im Park, Picknicken, Schwimmen gehen, Inlineskaten, Tanzen, Spaß haben, Lachen, fröhlich sein.

Das passende Modell

Als Nächstes benötigen Sie ein passendes Modell. Sicherlich gibt es auch die Fälle, wo Sie das Lifestylethema passend zu einer Person entwickeln, doch mindestens genauso häufig haben Sie erst eine Idee und machen sich dann auf die Suche nach Menschen, die diese im Bild rüberbringen können. Unabhängig von der Reihenfolge sollten Modell und Thema nämlich zusammenpassen. Dabei kommt es vor allem auf das äußere an, die Haare, die Haut, die Gesichtsform und die Figur. ähnlich wie beim Schreiben eines Drehbuches oder eines Storybords haben Sie sicherlich schon während der Ideenentwicklung eine Vorstellung von der Person: Ist es eine Frau oder ein Mann? Jünger oder älter, schlank oder mollig? Blond, dunkelhaarig, rothaarig oder schwarzhaarig? Westeuropäisch, asiatisch, afrikanisch, südländisch, nordisch, osteuropäisch etc.? Und welcher Typ Mensch ist es: modern, sportlich, kindlich, natürlich, schön, leger, chic, alternativ, hipp, trendy, extravagant, konservativ, klassisch oder mondän?
Je präziser Ihre Vorstellung ist, desto mehr Zeit und Mühe sollten Sie in die Modellsuche investieren.

Das passende Modell

Unabhängig von den äußerlichkeiten, die natürlich zu Idee und Bildkonzept passen müssen, ist gerade bei Lifestylebildern auch das schauspielerischer Talent des Modells ausgesprochen wichtig. Denn das Modell muss sich in eine emotionale Lage versetzen und diese glaubwürdig transportieren können. Das setzt Körperbeherrschung, Ausdrucksstärke und Posingsicherheit voraus. Je mehr die jeweils gewünschte Situation auch dem persönlichen Naturell des Modells entspricht, desto leichter wird ihm dies fallen und desto weniger muss es schauspielern.

Der Mensch wird bei Lifestyle-Aufnahmenein Mittel zum Zweck, lediglich derTyp muss gut in die Szene passen. So sindeinige Menschentypen – genauso wie einigeKleidungsstücke, Farben oder Accessoires- untrennbar mit bestimmtenLebenssituationen verbunden. Eine düstereGothic-Stimmung wird nun mal besservon einer schlanken, schwarzhaarigen,jungen Frau mit blasser Haut und dunklerKleidung transportiert. Um brasilianischeLebensfreude zu vermitteln, passen goldbrauneHaut und bunte, knappe Kleidungeinfach besser als rote Haare, helle Haut und viele Sommersprossen.

Um das richtige Modell zu finden, könnenSie auf Agenturen oder Modellplattformenzurückgreifen. Wo Sie beiErsterem sicher sein können, gegen einentsprechendes Honorar mit wirklich professionellenund talentierten Menschenzusammenarbeiten zu können, könnenSie bei Amateur- oder semiprofessionellenModellen großes Glück oder großesPech haben. Empfehlenswert sind deshalbpersönliche Vortreffen, im Zuge dererSie Ihre Ideen besprechen und einenEindruck von Ihrem Gegenüber gewinnenkönnen.

Location, Accessoires & Co.

Um Ihre Geschichte glaubwürdig erzählen zu können, benötigen Sie in der Regel mindestens ein typisches Accessoire, Kleidungsstück oder eine Umgebung, die dem Betrachter einen Hinweis geben, worum es gehen soll. Das heißt, neben dem Aussehen und dem Ausdruck des Modells rücken auch die Kleidung, das Make-up und die eingesetzten Accessoires sowie die Umgebung in den Vordergrund und verdienen dementsprechend ein besonderes Augenmerk bei der Vorbereitung. Und auch hier gilt, je authentischer, desto besser. Jede noch so kleine Unstimmigkeit lässt bei einem Lifestylebild das Gesamtgefüge kippen und die Aufnahme künstlich und gestellt erscheinen. Gerade weil es ein so hochemotionales Genre ist, bemerkt der Betrachter jeden unnatürlichen Ausdruck, jede schlecht gespielte Stimmung sofort. Deswegen ist es am besten, Lifestyle an Originalschauplätzen zu fotografieren und Dinge ins Bild zu integrieren, die realistisch und passend wirken.

Halten Sie am besten zu jeder Zeit Ausschau nach fotogenen Gegenständen, die typisch für eine bestimmte Epoche, Tätigkeit, Berufsbranche etc. sind. Auf Flohmärkten, in Second-Hand- oder Trödelläden werden Sie sicherlich wesentlich preisgünstiger fündig als bei einem gezielten Kauf unter Zeitdruck. Außerdem weisen diese Gegenstände dann bereits glaubhafte Gebrauchsspuren auf – ein Handwerker mit neuem Werkzeug oder ein Sportler mit ungebrauchtem Sportgerät beispielsweise wirken gestellt und unglaubwürdig. Auf Dauer bauen Sie sich so einen Fundus auf, den Sie beliebig in Ihren Bildern einsetzen können. Achten Sie jedoch darauf, zu extravagante Dinge nicht allzu oft einzusetzen, da ihr Wiedererkennungswert häufig sehr hoch ist. Setzen Sie beim Sammeln eher einen Schwerpunkt auf relativ gewöhnliche, alltägliche Dinge, die aber dennoch typisch sind.

Fragen Sie auch das Modell und die Stylistin/Visagistin sowie alle am Shooting beteiligten Assistenten gezielt nach Gegenständen, die Sie für Ihr Bild noch brauchen, bevor Sie zusätzlich einkaufen gehen. Je nach Thema kommen so manchmal wahre Schätze zutage.

Location, Accessoires & Co.

Ebenso sollten Sie auf der Suche nacheinem Aufnahmeort vorgehen. HaltenSie immer und überall die Augen offenund merken Sie sich besondere Locations.Eventuell hilft eine fotografischeNotiz mit der Handykamera, sich gegebenenfalls zu erinnern.

Je nachdem, um was für eine Location es sich handelt, müssen Sie jedoch bedenken, dass Sie dort nicht ungefragt fotografieren dürfen. Erfragen Sie sich den jeweiligen Ansprechpartner und scheuen Sie nicht, diesen auch zu kontaktieren.

Häufig genug ist es ohne größere Probleme möglich, eine Erlaubnis zu bekommen, mitunter kostet es einen bestimmten Betrag, den Sie je nach Shootingaufwand vielleicht sogar gern bezahlen möchten, um den Aufnahmen noch etwas Unverwechselbares hinzuzufügen. Manchmal braucht es allerdings für die echte Atmosphäre nur ein paar unscharfe Gegenstände im Hintergrund. Dann kann auch Ihre Wohnung oder die von Freunden oder des Modells vollkommen ausreichen, um nicht die Sterilität eines Studios im Bild zu haben.

Emotionen erzeugen

Damit ein Modell eine Emotion überzeugend ausdrücken kann, muss es sich in die Gefühlswelt einer Situation einfühlen können. Und das hat gar nicht so viel mit schauspielerischem Talent zu tun, denn auch einem wahren Ausdruckskünstler fällt es leichter, wenn er genügend Raum und Anregung bekommt, sich in eine Stimmung hineinzuversetzen. Aus diesem Grund sollten Sie auch hier gewisse Vorbereitungen treffen, um dem Modell in der Aufnahmesituation schildern zu können, welche Emotionen Sie dargestellt haben möchten.

Denken Sie sich eine Geschichte aus, Situationen, Erlebnisse, die zu dieser Emotion führen. Werden Sie außerdem zum Animateur und bringen Sie Ihre Modelle genau in die Stimmung, die Sie für Ihre Bilder brauchen. Das Gefühl von unbeschwerter Urlaubslaune soll in Ihr Bild? Dann vermeiden Sie Stress und Hektik beim Fotografieren, stellen Sie Musik an, beginnen Sie das Shooting mit einem Snack und einem Getränk, lockern Sie die Atmosphäre durch Witze und lustige Anekdoten auf und bringen Sie alle Beteiligten – selbstverständlich auf Ihre Kosten – zum Lachen. Sorgen Sie für genügend Abwechslung, Pausen und ruhige Phasen, die sich mit den lauteren, unruhigeren die Waage halten. So hat Ihr Modell das Gefühl, genügend Zeit zu bekommen, sich immer wieder in neue Stimmungen hineinversetzen zu können und sich von den durchaus anstrengenden Shootingsequenzen kurz erholen zu können.

Emotionen erzeugen

Ein solches Vorgehen wird unter dem Strich zwar länger dauern, aber durch die Bank zu besseren Ergebnissen führen, als wenn Sie das Modell und sich selbst stressen, überanstrengen und alle nur noch gegen Müdigkeit und vielleicht Lustlosigkeit ankämpfen müssen.

In fröhlicher Atmosphäre gelingt es dann zum Beispiel, ein echtes Lachen im Foto einzufangen. Und dieses Bild ist daraufhin in der Lage, diese positive, fröhliche Emotion auch beim Betrachter auszulösen. Das gelingt durch die sogenannten Spiegelneuronen, die im Gehirn aktiviert werden, wenn der Mensch eine Emotion in einer anderen Person erkennt. Er fühlt mit, wodurch Lifestylebilder ihre besondere Kraft und Stärke bekommen. Deswegen sind übertreibung, überhöhung, Satire, Ironie oder Witz in diesem Genre auch nicht gefragt.

Technische Herausforderung

Technische Herausforderung

Emotionale Menschenfotografie ist eine sehr schnelle Form der Fotografie. Denn die Gesichtsausdrücke ändern sich innerhalb von Sekundenbruchteilen und was eben noch ein wunderbar stimmiger Ausdruck war, wird im eingefrorenen Zustand schnell zu einer verzerrten Grimasse. Deshalb hilft es, eine Kamera mit kurzer Auslöseverzögerung und schneller Auslösefolge einzusetzen, wenn es um Bewegungen oder eine exakte Mimik geht.

Liegt der Schwerpunkt auf dem Gesicht, sind normale Porträtbrennweiten (50 bis 105 mm) ideal, bei Bildern, in denen die Umgebung eine tragende Rolle spielt, dürfen durchaus auch Weitwinkelobjektive zum Einsatz kommen. Insgesamt darf die Bildsprache zwar kreativ, aber nicht unglaubwürdig gestaltet sein, das heißt, die Technik sollte nicht zu stark in den Vordergrund treten. Setzen Sie daher nicht mehr als eine sichtbare Lichtquelle ein, da dies – gegebenenfalls ergänzt durch Reflektoren – besonders realistisch wirkt. Etwas anderes ist es natürlich, wenn im Bild mehrere Lampen als Lichtquellen zu sehen sind. Lichtstarke (Fest-)Brennweiten und Kameras mit einem niedrigen Rauschverhalten ermöglichen sogar die Arbeit mit natürlichem, in Innenräumen vorhandenem Licht, was besonders glaubwürdige Ergebnisse bringt.

Sollen die Aufnahmen einen regelrechten Schnappschusscharakter bekommen, genügt mitunter sogar eine kleine Kompaktkamera, die manuelle Belichtungseinstellungen erlaubt. So können Sie die Lichtsituation gezielt berücksichtigen und gleichzeitig unbemerkt und wie zufällig auslösen. Lediglich die Auslöseverzögerung müssen Sie dabei kompensieren und bereits etwas früher auslösen. Verlassen Sie sich bei bewegten Motiven und Schüssen aus der Hüfte ruhig auf den Automatik-Modus des Autofokus Ihrer Kamera und wählen Sie eine etwas größere Schärfentiefe, um zu verhindern, dass sich das Motiv aus der Schärfeebene bewegt.

Bildgestaltung

Die Wahl der Schärfentiefe hängt bei Lifestylebildern stark davon ab, ob die Umgebung ein inhaltlich elementarer Teil des Motivs ist, oder ob der Hintergrund eher einen atmosphärisch-unterstützenden Charakter hat. Im ersten Fall sollten deutlich mehr Details im Hintergrund erkennbar sein, weswegen eine kleine Blendenöffnung und kleinere Brennweiten hier ihre Verwendung finden. Der zweite Fall tritt oft dann ein, wenn das Modell einen charakterisierenden Gegenstand in den Händen hält und dieser ausreicht, die Szene zu beschreiben. Daneben gibt es noch eine Menge weiterer Gestaltungsmerkmale, die beim Thema Lifestyle besonders häufig eingesetzt werden, weil sie Fröhlichkeit, Dynamik und Lebendigkeit vermitteln. Dazu gehören beispielsweise satte und leuchtende Farben, schräge Linien, hohe Kontraste sowie helle Flächen und viel Licht.

Nachbearbeitung

Wirklich kreativ können Sie bei der Lifestylefotografie in Sachen Nachbearbeitung werden. Denn wenn der Ausdruck des Modells stimmt, das Bild gestalterisch überzeugt und insgesamt eine glaubwürdige Geschichte erzählt, haben Sie eine große Vielfalt an Möglichkeiten der Bearbeitung zur Verfügung: Sie können die Authentizität des Bildes durch eine ebenso unverfälschte Bearbeitung unterstreichen. Das würde dann natür liche Farben und sanfte Tonwerte erfordern.

Oder Sie setzen hier ganz gezielt einendeutlichen Kontrast und bringen durchverfremdete Farben, harte Tonwerte undeine erhöhte Sättigung eine künstlicheund künstlerische Ebene ins Bild.

Oder Sie setzen auf Schwarz-Weiß odermonochrome Tonungen, die das Motivzwar nicht unrealistisch verfremden,aber dem Bild dennoch eine Spur Außergewöhnlichkeit,Hochwertigkeit undreportagehaften Realismus mitgeben.Denn gute Lifestylebilder in Schwarz-Weiß sind selten.

Vermeiden Sie auf jeden Fall Bearbeitungstechniken,die im Bereich Beautyund Fashion angewandt werden, wiedas Glätten der Haut, das „Verbessern“ der Figur oder ähnliches, da Sie damitim Bereich Lifestyle vor allem eines erreichen:sinkende Glaubwürdigkeit. Unddas sollte in keinem Fall Ihr Ziel sein,schließlich geht es um die Inszenierungeiner realen, nachfühlbaren Emotion impassenden Umfeld aus Kleidung, Accessoiresund Umgebung. cb/gb