Welches Objektiv Sie einsetzen, ist nicht egal! Ganz im Gegenteil, Sie beeinflussen damit ganz wesentlich das Aussehen und den Charakter des Bildes. Mit dem Objektiv entscheiden Sie sich nämlich für einen ganz bestimmten Ausschnitt aus der Realität – und gleichzeitig für spezielle Abbildungseigenschaften.

Objektive richtig einsetzenObjektive werden verschieden klassifiziert: Je nachdem, welche Brennweite sie haben, zählen sie zu den Weitwinkel-, den Normal- oder den Teleobjektiven. Das Normalobjektiv wird dabei abhängig von der Sensorgröße definiert (siehe unten), die Weitwinkelobjektive haben darauf bezogen eine kürzere und die Teleobjektive eine längere Brennweite. Jede Brennweitengruppe bringt andere, typische Abbildungseigenschaften mit sich, die Sie als Fotograf bewusst und gezielt in Ihren Bildern einsetzen können und sollten.

Darüber hinaus werden Zoomobjektive und Festbrennweiten unterschieden, wobei Erstere mehrere Brennweiten stufenlos miteinander vereinen und Festbrennweiten nur eine einzige Brennweite aufweisen. Neben der Brennweite wird bei einem Objektiv auch die Lichtstärke angegeben, um etwas über die Qualität beziehungsweise die Einsatzmöglichkeiten des Objektivs auszusagen. Je lichtstärker, desto weiter lässt sich die Blende maximal öffnen und desto mehr Licht kann einfallen. Das bedeutet einerseits, dass auch bei wenig Licht noch fotografiert werden kann, und andererseits auch, dass eine sehr geringe Schärfentiefe im Bild möglich ist. Die Lichtstärke ist also sowohl im technischen Sinne als auch im gestalterischen relevant und wichtig. Lichtstarke Objektive sind teurer in der Herstellung und damit auch in der Anschaffung.

Festbrennweite oder Zoom?

Verschiedene Argumente können beim Kauf zur Grundlage für die Entscheidung für ein Zoomobjektiv oder eine Festbrennweite werden. Für ein Zoomobjektiv spricht immer die höhere Flexibilität durch mehrere Brennweiten in einem und der im Verhältnis niedrigere Anschaffungspreis. Sie bekommen einfach mehr Brennweite für dasselbe Geld. Leider gehen damit im Vergleich zu Festbrennweiten eine niedrigere Lichtstärke und schlechtere Abbildungseigenschaften einher. Denn eine Festbrennweite ist im Gegensatz zu Zoomobjektiven ein Spezialist in genau der einen Brennweite; sie bildet die höchstmögliche Qualität und das technische Optimum, denn sie muss nicht flexibel konstruiert werden.

Damit werden Festbrennweiten vor allem dort eingesetzt, wo sehr hohe Qualitätsansprüche an die Bildergebnisse gestellt werden oder eine sehr geringe Schärfentiefe im Bild erzeugt werden soll, Flexibilität und Schnelligkeit sowie kleine und leichte Ausrüstung hingegen eine untergeordnete Rolle spielen. Das ist beispielsweise in der Stilllife-, Tabletop- und Produktfotografie der Fall; genauso auch in der Fashion-, Beauty- und Glamourfotografie oder bei Werbebildern, die für Poster extrem vergrößert werden.

Festbrennweite oder Zoom?

Zoomobjektive sind hingegen prädestiniert für die Reise-, Dokumentar- und Reportagefotografie. Hier sind eine leichte Ausrüstung und schnelle Auslösezeiten wichtig und (leichte) Mängel in der Abbildungsqualität und der Lichtstärke des Objektivs können in Kauf genommen werden. Mit einem Zoomobjektiv haben Sie ein Allround-Talent an der Hand, mit dem Sie komfortabel und schnell fotografieren können, ohne lästige Objektivwechsel. Gerade bei der ersten Kameraausrüstung ist ein Zoomobjektiv häufig Teil der Anschaffung (sogenannte Kits), was die Ausrüstung klein hält und den Geldbeutel schont.

Nicht zuletzt ist die Frage nach Festbrennweite oder Zoom aber natürlich immer auch eine Art Glaubens- oder Gewohnheitssache. Mancher Fotograf setzt auf Zoomobjektive, weil er es gewohnt ist, den Ausschnitt durch Drehen des Zoomrades anzupassen, und nicht ständig Objektive wechseln möchte. Auch Zoomobjektive sind in qualitativ hochwertiger Form zu bekommen und je nach Preis bieten sie sogar eine durchgehend gleichhohe Lichtstärke für alle Brennweiten, also auch im Telebereich. Gerade wenn Sie keine Ultrazooms, sondern kleinere Brennweitenbereiche wählen, sind die Einschränkungen in der Abbildungsleistung zu vernachlässigen oder auf jeden Fall gut zu verschmerzen, denn je größer der integrierte Brennweitenbereich, desto stärker fallen die Mängel ins Gewicht.

Fans der Festbrennweite hingegen möchten überhaupt keine Abstriche in der Qualität machen, höhere Lichtstärken als 2,8 (das Maximum bei Zoomobjektiven) nutzen können und auch in der Fotografie selbst flexibel bleiben, indem Sie den Ausschnitt durch Bewegen verändern. Des Weiteren haben viele Fotografen ihre Lieblingsbrennweite, die sie so gut kennen, dass sie den Bildwinkel und die spezifischen Abbildungseigenschaften für ihr Motiv einschätzen können, ohne groß durch den Sucher sehen zu können.

Wenn Sie sich noch unsicher sind, lohnt es sich in jedem Fall, beides einmal auszuprobieren, und für die gewünschte konkrete Brennweite unterschiedliche (Fremd-)Hersteller und ihre Objektivangebote zu sichten beziehungsweise wenn möglich sogar an Ihrer eigenen Kamera zu testen. Sicher ist natürlich, dass Festbrennweiten in jedem Fall teurer sind, Sie aber dafür mehr Lichtstärke bekommen und ein besseres Gefühl für die einzelnen Bildwinkel entwickeln werden. Vielleicht nutzen Sie bereits ein Zoomobjektiv, möchten sich aber der Herausforderung stellen, sich einmal für eine Brennweiteneinstellung zu entscheiden und diese für ein Shooting unverändert so zu lassen?

Dadurch werden Sie feststellen, wie anders Sie zu sehen beginnen, wenn Sie sich für einen neuen Bildausschnitt bewegen müssen. Auch wird sich Ihr Blick schnell verändern und Sie werden von vorneherein erkennen, ob ein Motiv zu dieser Brennweite passt.

Normalbrennweite

Normalbrennweite

Als Normalbrennweite wird die definiert, die in etwa der Länge der Sensordiagonalen entspricht. Wir möchten an dieser Stelle von einem Vollformatsensor ausgehen, da dieser nach wie vor, begründet durch das analoge Kleinbildformat, den Standard bildet. Bei einem Vollformatsensor beträgt diese Diagonale 43 Millimeter und das einfach zu konstruierende 50-Millimeter-Objektiv gilt als das Normalobjektiv. Dies ist auch deshalb der Fall, weil der Bildwinkel dieser Objektiv-Sensor-Kombination 46 Grad beträgt und damit dem Blickfeld des menschlichen Auges nahekommt. Der Bildausschnitt wirkt also gewohnt, vertraut und normal.

Aufnahmen mit dieser Brennweite weisen sehr wenig Verzeichnung auf und wirken dadurch sachlicher und nicht so subjektiv wie kürzere respektive längere Brennweiten. Dadurch ist das Normalobjektiv bestens geeignet, wenn es darum geht, Authentizität zu vermitteln, wie es in der Reportage-, Presse- und Dokumentarfotografie der Fall ist. Auch reproduzierende Abbildungen und sachliche Produktaufnahmen werden häufig mit dieser Brennweite aufgenommen. Das Normalobjektiv gilt als eine gute Einsteigerbrennweite – ob nun als Festbrennweite, die auch bei hoher Lichtstärke noch für relativ kleines Geld zu bekommen ist, oderauch als Teil eines Standardzooms, das sich rund um die 50 Millimeter von einem leichten Weitwinkel bis zu einem leichten Tele bewegt.

Weitwinkelobjektive

Ausgehend von der Normalbrennweite gelten alle Brennweiten, die kürzer als 50 Millimeter sind, als Weitwinkel. Sie eröffnen einen größeren Bildwinkel, als das menschliche Auge erfassen kann und bringt dadurch mehr ins Bild, als wir gewohnt sind. Weitwinkel reichen von moderaten, noch relativ vertrauten Ausschnitten (35 bis 50 Millimeter), über deutlich verzeichnende Brennweiten (20 bis 35 Millimetern) bis hin zu den extremen Weitwinkeln oder Fischaugen (8 bis 20 Millimetern). Letztere können einen Bildwinkel von bis zu 180 Grad erfassen und kreisrund abbilden (Teilformat-Fischaugen).

Je kürzer die Brennweite, desto deutlicher treten die Eigenschaften der Weitwinkelgruppe im Bild auf: erstens die zunehmende Schärfentiefe und zweitens die zunehmende Verzeichnung zu den Bildrändern hin. Die Motivteile, die sich in größerem Abstand zum Objektiv befinden, werden nämlich überproportional klein und nahe Elemente (stark) vergrößert abgebildet. Gerade Linien werden tonnenförmig, also nach außen gewölbt verzeichnet. Im Ergebnis wirken Weitwinkelaufnahmen daher sehr dreidimensional und dynamisch, sie gewichten die verschiedenen Motivteile oder Bildelemente sehr stark und erzeugen einen subjektiven, künstlichen oder künstlerischen Charakter. Setzen Sie diese Objektive daher am besten für die effektvolle Fotografie ein, die einen subjektiven Blick auf die Realität vermitteln möchte. Und immer dann, wenn Sie ein klar alssolches erkennbares Hauptmotiv zu viel Umgebung in Beziehung setzen möchten.Das kann im Grunde genommen in jedem Genre der Fall sein, aber ganz besonders häufig werden Weitwinkel in der Architektur-, der Innenraum-, der Natur- und Detailfotografie eingesetzt. In der Menschenfotografie gelten kurze

Brennweiten als verpönt, doch auch hier ist es möglich, diese Objektive stimmig und überzeugend einzusetzen. Gerade bei mehreren Personen und Ganzkörperaufnahmen können leichte Weitwinkel sehr einfach eingesetzt werden. Bei stärkeren Weitwinkeln ist es wichtig, den passenden Abstand zum Modell zu wählen, um keine unschönen und unvorteilhaftenVerzeichnungen zu erzeugen. Bei Gesichtsporträts, also sehr nahen Aufnahmen von Menschen (oder Tieren) kann es schnell passieren, dass eine übergroße Nase in Kombination mit sehr kleinen Ohren im Bild eher an eine Karikatur erinnert als an ein Porträt. Grundsätzlich verzeichnet ein Weitwinkel zu den Rändern hin stärker als in der Bildmitte, was es bei der Platzierung der Bildelemente auf der Bildflächesowie bei dem gewählten Abstand zwischen Kamera und Motiv zu beachten gilt.

Nehmen Sie einen größeren Abstand zum Motiv ein, wirkt die Verzeichnungscharakteristik nicht so stark, da sich alle Elemente gleich weit beziehungsweise sehr weit vom Objektiv entfernt befinden. So geben Weitwinkel einen guten überblick über alle im Motiv vorhandenen Elemente. Ausdiesem Grund sind Weitwinkel auch sehr gut für die Landschaftsfotografie (auch Stadtlandschaften) geeignet. Kurze Brennweiten können einem Bild also durchaus auch eine sachliche, monotone oder gar langweilige Note geben und jegliche Subjektivität und Dynamik vermissen lassen, wenn sie dem Betrachter eine schlichte übersicht ermöglichen.

Teleobjektive

Ebenfalls von der Normalbrennweite ausgehend, werden alle längeren Brennweiten als Telebereich definiert. Der erzeugte Bildwinkel ist kleiner als unser Blickfeld und wirkt, als würden wir durch ein Fernrohr sehen. Das heißt, es wirkt, als wäre ein weiter entferntes Motiv plötzlich näher gekommen, was aber nur darauf zurückzuführen ist, dass umliegende Elemente nicht mehr mit abgebildet werden. Gleichzeitig ist dem Betrachter – je nach Motiv mehr oder weniger stark – bewusst, dass die Entfernung nicht tatsächlich überbrückt worden ist. Das führt dazu, dass Telebrennweiten durchaus auch eine Distanz vermitteln, die zum Beispiel bei wilden Tieren eine besondere Faszination auslösen können. Die große Stärke eines Teleobjektivs liegt also in den fotografischen Genres, in denen Distanzen überbrückt werden müssen, wie zum Beispiel in besagter (Wildlife-)Tierfotografie, da hier ganz leicht die Fluchtdistanz der Tiere eingehalten werden kann.

Teleobjektive

Der kleine Bildwinkel eines Teleobjektivs lässt die Aufnahme kissenförmig (also nach innen) verzeichnen; dies ganz besonders bei sehr langen Brennweiten. Die Bildelemente wirken gestaucht, weil ihre Abstände zueinander verkürzt dargestellt werden, und das Bildergebnis wird sehr flächig bis hin zu einer geradezu unnatürlichen Wirkung. Statt eines realistischen, dreidimensionalen Eindrucks wirken die Aufnahmen plakativer, grafischer und je nach Motiv auch abstrakter. Bei leichten Teleobjektiven fällt diese Charakteristik noch kaum ins Gewicht, weshalb sich der Brennweitenbereich von 70 bis 135 Millimetern sehr gut für die Menschenfotografie eignet.

Unabhängig von allen anderen die Schärfentiefe beeinflussenden Parametern führen Teleobjektive grundsätzlich dazu, die Schärfentiefe im Bild zu verkleinern. Auch das spricht dafür, diesen Brennweitenbereich im Porträtgenre einzusetzen, um die fotografierte Person vor einem unscharfen Hintergrund freizustellen. Je länger die Brennweite, desto stärker fällt dieser Effekt aus, weshalb in vielen Werbe- und Modeaufnahmen sehr lange Brennweiten zum Einsatz kommen, um das Modell deutlich inmitten einer unscharfen Umgebung durch Schärfe hervorzuheben.

Spezialobjektive

Unabhängig von der eigentlichen Brennweite gibt es zwei Objektivarten, die ganz besondere Einsatzgebiete haben: erstens Makroobjektive und zweitens Tilt-Shift-Objektive. Erstere sind sehr weit verbreitete Spezialisten, die es in verschiedenen Brennweiten (50 bis 200 Millimeter) gibt und die sich dadurch auszeichnen, dass ihre Naheinstellgrenze sehr viel geringer ist als bei anderen Objektiven. Je nach Brennweite weisen sie die jeweils üblichen Abbildungseigenschaften auf, sind aber in der Regel so hochwertig produziert, dass Abbildungsfehler stärker korrigiert werden und kaum mehr ins Gewicht fallen. Ein Makroobjektiv ermöglicht es dem Fotografen, extrem nah an das Motiv heranzugehen und selbst sehr kleine Motive formatfüllend abzubilden. Das Ergebnis können Aufnahmen sein, die allein schon durch das in Wahrheit winzige Motiv faszinieren.

Darüber hinaus erzeugen Makroaufnahmen bei einem sehr geringen Abstand zum Motiv einen sehr kleinen Schärfentiefebereich, was ganz zwangsläufig zu einer starken Schärfe-Unschärfe-Gewichtung im Bild führt. Dieses Phänomen kompensiert die Tatsache, dass Makroobjektive eine Lichtstärke von maximal 2,8 haben können.

Die völlige Herauslösung eines winzigen Details aus dem Gesamtzusammenhang, die Möglichkeit, nah an sehr kleine Elemente heranzukommen, und die abstrahierende Schärfeverteilung ermöglichen Bilder mit einer künstlichen und künstlerischen Wirkung, die inhaltlich, formal und technisch viel Aufmerksamkeit erzielen können und bei denen Farbe und Struktur eine deutlich stärker wirkende Rolle einnehmen.

Spezialobjektive

Tilt-Shift-Objektive sind ebenso brennweitenunabhängig wie Makroobjektive, aber sehr selten und sehr teuer. Wenn Sie aber einmal die Möglichkeit haben, mit einem solchen Objektiv arbeiten zu können, sollten Sie die Gelegenheit unbedingt ergreifen. Tilt-Shift-Objektive verbinden erstens die Funktion, die optische Achse verschieben zu können (Shift), und zweitens die Möglichkeit, die Schärfeebene so zu verschwenken, dass sie nicht mehr parallel zur Sensorebene liegt (Tilt) – und natürlich lassen sie die Kombination beider Funktionen im Bild zu. Die Shift-Funktion ermöglicht es, die stürzenden Linien in der Architekturfotografie auszugleichen, um der Aufnahme einen sachlichen, reportagehaften Stil zu verleihen. Natürlich lassen sich diese stürzenden Linien umgekehrt auch verstärken, um einem Bild noch mehr Dynamik zu verleihen. Die Tilt-Funktion führt zu einer irritierenden, da völlig neuen und ungewohnten Schärfeverteilung im Bild. Diese kann den räumlichen Eindruck verstärken und den Blick des Betrachters sehr gezielt auf einen bestimmten Punkt lenken. Kombiniert wirkt eine Tilt-Shift-Aufnahme schnell wie eine Miniatur, die den Betrachter fasziniert und gerade bei vielen Details zum Verweilen einlädt. Gerade die Werbefotografie macht sich diesen Umstand gerne zunutze.

Eine preisgünstige Alternative zu Tilt-Shift-Objektiven sind Lensbabys, die auf eine spielerische und technisch unperfekte Weise das völlig freie Verschieben der Schärfeebene zulassen. Damit aufgenommene Bilder wirken künstlerisch und sehr experimentell, sollten aber unbedingt mit einem spannenden Motiv kombiniert werden, um den Betrachter über den bloßen Effekt hinaus zu faszinieren. Aber dieser Umstand gilt ja im Grunde genommen für jede Brennweite und jedes Objektiv: Für sich allein macht es noch keine fesselnde Aufnahme. Dazu braucht es mehr. Und zwar vor allem eine stimmige Kombination aus Motiv, Bildgestaltung und dem dafür notwendigen Equipment! cb/gb