Der Sommer lockt nach draußen! Auch viele Fotografen, die den Winter über hauptsächlich im Studio arbeiten, reizt das schöne Wetter zu Outdoor-Porträts. Und sollten Sie gar kein Fotostudio zur Verfügung haben, ist die warme Jahreszeit genau die richtige für Porträts, da Sie dann draußen genau das finden, was Sie für ein gutes Porträt brauchen: genügend Licht.

Outdoor- Porträts

Die Natur als Kulisse, die Sonne als Lichtquelle – unter einem Outdoor- Shooting soll hier nicht die große Inszenierung mit mobilen Blitzanlagen oder Ähnlichem verstanden werden, sondern eine ganz puristische, minimalistische Form der Porträtfotografie. Sie lebt von der Kombination aus Modell, Fotograf, natürlicher Umgebung, guter Vorbereitung und spontaner Improvisation. Ein solches Shooting in der freien Natur zu organisieren und auch durchzuführen, ist wesentlich aufwendiger als beispielsweise Aufnahmen im vertrauten Studio, doch dafür werden Sie auch mit lebendigen und authentischen Bildern belohnt. Ein Ausflug mit Modell und Kamera lohnt sich also in jedem Fall.

Draußen ja, aber wo?

Sobald Sie sich für ein Outdoor-Shooting entschieden haben, entstehen wahrscheinlich Bilder in Ihrem Kopf: romantische Waldstücke, ein kleiner Bachlauf, hochgewachsene Wiesen, knorrige Bäume, ein Wasserfall, ein See, eine Blumenwiese… Möglichkeiten gibt es unendlich viele und die Schwierigkeit besteht nicht darin, sich zu entscheiden oder passende Bildideen zu entwickeln, sondern eine wirklich schöne, fotogene und für ein ganzes Shooting geeignete Location überhaupt zu finden. Denn eine landschaftlich schöne Ecke ist nicht gleichbedeutend mit einer guten Fotolocation und gute Locations werden unter Fotografen gehandelt wie Staatsgeheimnisse. Mitunter haben Sie das Glück, von einem anderen Fotografen einen Hinweis zu bekommen, doch wahrscheinlich geht es Ihnen wie den meisten – Sie erfahren nichts.

Also liegt es an Ihnen selbst, sich auf die Suche zu machen und eine Location zu finden. Das kann durch Zufall passieren, wenn Sie im Alltag auf dem Weg zur Arbeit oder bei einem Spaziergang über eine Gegend stolpern, die zu Ihren Bildideen passen könnte. Doch wahrscheinlicher ist es, dass Sie sich gezielt und bewusst auf die Suche machen müssen. Was anstrengend klingt, können Sie ganz entspannt mit einem sommerlichen Familienausflug, einer Wanderung oder einer Radtour verbinden. Nehmen Sie sich einfach etwas Zeit, halten Sie die Augen offen und bereiten Sie sich gut vor:

  1. Investieren Sie in einen Satz Landkarten in unterschiedlichem Maßstab von der Wunschregion. Wanderkarten oder -führer sind darüber hinaus besonders zu empfehlen, weil Sie einen Schwerpunkt auf unbefestigte und auch unbefahrbare Straßen legen und auch kleinere Wege, Sehenswürdigkeiten sowie beschauliche Rastplätze erfassen, die in Straßenkarten nicht vorkommen würden. Topographi sche Karten geben Ihnen Auskunft über die Anhöhen, Hochplateaus, Hügellandschaften oder Ähnliches, die für ein Shooting gut geeignet sein können.
  2. Suchen Sie in den Karten außerdem gezielt nach Seen, Waldstücken, Bächen, Ruinen, Schlössern, Burgen und so weiter, die sich rein theoretisch als Kulissen eignen könnten. Markieren Sie alle interessanten Orte in den Karten, um den Ãœberblick nicht zu verlieren.
  3. Alternativ recherchieren Sie im Internet und nutzen die Möglichkeiten von google.maps und google.earth, um einen ersten Eindruck der Gegebenheiten zu bekommen. Drucken Sie interessante Regionen aus.
Draußen ja, aber wo?
  1. Machen Sie sich dann auf den Weg. Indem Sie aus nah beieinander liegenden Orten kleine Touren zusammenstellen, können Sie im Rahmen eines Ausflugs mehrere potenzielle Locations auf einmal besichtigen. Machen Sie sich diese Mühe auf jeden Fall, denn eine Location ausschließlich über Kartenmaterial, das Internet oder auch nur über einen Hinweis anderer Fotografen zu erschließen, kann am Shootingtag zu bösen Ãœberraschungen führen. Sich einen eigenen Eindruck vor Ort zu machen, ist geradezu obligatorisch – insbesondere deshalb, weil Sie nie wissen können, ob die Gegebenheiten (noch) genauso sind, wie Sie es sich vorstellen oder es Ihnen geschildert worden ist.
  2. Nehmen Sie eine Kamera mit, um verschiedene Hintergründe, fotogene Details und mögliche Aufnahmeperspektiven festzuhalten.
  3. Achten Sie vor Ort außerdem auf folgende Punkte: Wie komme ich am besten zu der Location, wenn ich meine gesamte Ausrüstung tragen muss? Kann ich irgendwo mit dem Auto möglichst nah heranfahren? Woher kommt das Licht um welche Uhrzeit? Wie würde die Gegend und vor allem die Vegetation zu einer anderen Jahreszeit aussehen? Um welche Uhrzeit sind dort wie viele Menschen unterwegs? Gibt es in der Nähe Strom und sanitäre Anlagen? Handelt es sich um eine frei zugängliche, öffentliche Gegend oder handelt es sich um Privatbesitz, der wiederum eine Shootingerlaubnis des Eigentümers voraussetzt? Wie komme ich an die Kontaktdaten heran, um diese einzuholen? Machen Sie sich Notizen und Bilder als Gedächtnisstütze.
  4. Haben Sie eine fotogene Location gefunden und vielleicht mit etwas Zeit in der freien Natur einen Menschen zu porträtieren, muss nicht zwangsläufig bedeuten, der Kulisse eine nennenswerte Rolle im Bild einzuräumen. Ganz im Gegenteil können Sie auch hier einen nahen Ausschnitt wählen und die Umgebung durch Weglassen und Unschärfe in ihrer Dominanz reduzieren. chem Abstand ein Shooting organisiert, nehmen Sie sich wenige Tage vorher noch einmal die Zeit, die Location erneut aufzusuchen. Denn gerade im Sommer können bereits wenige Wochen ausreichen, um eine Gegend durch Pflanzenwuchs komplett zu verändern: Wo bei Ihrem ersten Besuch noch romantische Lichtstrahlen durch die Baumkrone fielen, sind die Blätter jetzt vielleicht größer und unter dem Baum ist es beinahe dunkel. Konnten Sie damals noch bequem zu Fuß gehen, müssen Sie sich jetzt durch Dornenranken kämpfen. War der See beim ersten Mal friedlich, wird er nun von Mückenschwärmen umlagert, was das Arbeiten bestimmt nicht angenehmer machen wird.
Shootingvorbereitung

Shootingvorbereitung

Durch die Aufnahmen, die Sie vor Ort gemacht haben, wird es ein Leichtes sein, das eigentliche Shooting vorzubereiten und auch dem Modell Ihre Bildideen bereits im Vorfeld zu erläutern. Bedenken Sie bei der eigentlichen Shootingvorbereitung, wie viele verschiedene Kulissen die gewählte Location Ihnen bietet oder ob Sie für einen langen Shootingtag nicht eine zweite, in der Nähe liegende Location mit ins Boot holen.

Entwickeln Sie dann möglichst konkrete Bildideen, welche die Atmosphäre vor Ort berücksichtigen oder gar in den Vordergrund stellen. Besprechen Sie also mit dem Modell die inhaltlich passenden Outfits, das Make-up und überlegen Sie, ob Sie bestimmte Accessoires benötigen.

Für ein stimmiges Ganzes wird so zum Beispiel ein leichtes Sommerkleid, offene Haare und ein frisch gepflückter Wiesenblumenstrauß besser zu der romantischen Stimmung auf dem Holzsteg eines Sees passen als Jeans und T-Shirt. Je mehr Zeit Sie in diese inhaltliche Vorbereitung stecken, desto leichter und flüssiger wird Ihnen das eigentliche Shooting von der Hand gehen. Mal ganz davon abgesehen, dass eine gute Vorbereitung eventuell aufkommende Unsicherheiten im Keim erstickt, wenn Sie immer mal wieder einen Blick auf Ihre Bildideenliste werfen können, sollten Ihnen im Eifer des Gefechtes einmal die Ideen ausgehen. Und glauben Sie nicht, Sie würden dadurch Ihre Kreativität während des Shootings einschränken, denn Sie können sich sicher sein: Genügend Raum für Improvisation und spontane Ideen angesichts der Gegebenheiten vor Ort bleiben auf jeden Fall. Und es wäre ja auch nicht schlimm, wenn das Shooting am Ende in eine ganz andere Richtung geht und Sie Ihre Liste quasi unbenutzt wieder mit nach Hause nehmen. Vorbereitet waren Sie dennoch und das gibt Sicherheit.

Shootingvorbereitung

Überlegen Sie weiterhin, ob Sie das Shooting mit dem Modell alleine durchführen möchten oder ob Sie sich einen Assistenten dazuholen. Bei Ersterem ist es besonders wichtig, dass das Modell darüber Bescheid weiß, denn sich mit einem Fotografen allein in einem Fotostudio zu treffen, ist das eine, mit ihm allein im Wald zu arbeiten, steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt. Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken, dass eine (vielleicht auch vom Modell gewünschte und organisierte) Begleitperson stören könnte – ganz im Gegenteil werden Sie wahrscheinlich eher von ihr profitieren. Denn bei Outdoor-Shootings muss die Ausrüstung transportiert und nicht selten ein Aufheller oder Diffusor gehalten werden.

Stellen Sie dann im letzten Schritt der Vorbereitung Ihre eigentliche Ausrüstung zusammen. Da Sie bei einem Outdoor- Shooting selten die Möglichkeit haben, mit dem Auto direkt hinzufahren, sollten Sie alles darauf ausrichten, dass Sie die Sachen gut tragen können, zur Not auch über etwas längere Strecken. Das heißt, nehmen Sie nur das mit, was Sie wirklich brauchen: Ihre Kameraausrüstung mit der Brennweiten, die für die Location geeignet und sinnvoll sind, mobile Speichergeräte, genügend Akkus, leichte, mobile Aufheller, Diffusoren und Lichtschlucker. Hier ist es besonders gut, wenn Sie einen Reflektor besitzen, der auf einer Seite schwarz ist oder sogar noch die Funktion eines Diffusors integriert. Ohnen Assistenten macht ein stabiles Stativ mit einem Greifarm und einem Aufhellerhalter Sinn, damit Sie diesen exakt positionieren können.

Shootingvorbereitung

Zusätzlich benötigen Sie außerdem noch ein paar Dinge fern der Kameraausrüstung wie eine Decke zum Ablegen der Kleider und zum Draufsetzen, genügend zu essen und zu trinken (besonders bei hohen Temperaturen), einen Spiegel für das Modell, Feuchtreinigungstücher zum Händewaschen, ein Handtuch, Sonnencreme und je nach angekündigter Wetterlage einen Schirm und wasserdichte Behältnisse für alles, was Sie dabeihaben.

Je aufwendiger das Shooting und je mehr Personen dabei sind, desto umfangreicher wird das zu transportierende Gut. Rucksäcke erleichtern den Transport oder Sie weichen auf einen Trolly, einen Bollerwagen oder eine Sackkarre aus, wenn die Gegebenheiten vor Ort das zulassen.

Das Wetter

Neben Locationrecherche und Shootingvorbereitung gehört auch das Beobachten des Wetterberichtes zu den Dingen, die Sie im Vorfeld nicht vernachlässigen sollten. Je nachdem wie flexibel Ihr Modell ist, können Sie das für den ausgemachten Shootingtermin angekündigte Wetter in Ihre Planung integrieren. So kann bei warmen Temperaturen auch ein leichter Regen oder sogar ein regelrechtes Sommergewitter zu besonderen Bildern führen, setzt aber voraus, dass Ihr Modell und auch Sie selbst nichts gegen nasse Füße haben. An dieser Stelle sei der Hinweis erlaubt, dass Sie für ein Regenshooting auf jeden Fall einen Assistenten benötigen werden, der mit einem weißen oder durchsichtigen Regenschirm dafür sorgt, dass zumindest die Kamera trocken bleibt.

Möchten Sie hingegen ausschließlich bei schönem Wetter fotografieren, werden Sie das Shooting gegebenenfalls verschieben müssen. Outdoor-Shootings müssen wegen des Wetters immer mal wieder abgesagt werden, wenn es plötzlich zu regnen beginnt. Auch zu wenig Licht durch einen stark bewölkten Himmel kann dem geplanten Shooting einen Strich durch die Rechnung machen. Und auch bei zu viel Licht, also greller, direkter Sonne und zu hohen Temperaturen, kann es gut sein, dass Sie Ihre Shootingpläne anpassen müssen. Weichen Sie in den Schatten aus oder nutzen Sie Lichtschlucker oder Diffusoren, um das harte Sonnenlicht zu streuen.

Mit Tageslicht arbeiten

Sobald Sie outdoor fotografieren, sind Sie abhängig vom Wetter und vom natürlich vorhandenen Licht. Dieses kann eine Szenerie sehr unterschiedlich wirken lassen, da die Sonne mal gerichtet, mal diffus, mal sanft oder sehr hart vom Himmel scheint. Innerhalb von Minuten kann sich die Lichtstimmung radikal ändern, wenn beispielsweise ziehende Wolken die Sonne immer wieder verbergen. Manchmal lohnt es sich, eine Weile auf das richtige Licht zu warten.

Fotografisch ist bei natürlichem Licht einiges zu beachten: So verändert sich im Tagesverlauf die Farbtemperatur des Lichtes und die unterschiedlichen Färbungen werden in Ihren Bildergebnissen sichtbar. Bei Sonnenauf- und -untergang führt das Licht zu einer roten und um die Mittagszeit zu einer bläulichen Verfärbung, gewöhnen Sie sich also an, regelmäßig einen manuellen Weißabgleich zu machen.

Genauso ist das Licht abends und morgens bei längeren Schatten wesentlich weicher und mittags härter und gerichteter. Das bedeutet, dass im Sommer die besten Tageszeiten für die Outdoor-Fotografie morgens und abends sind, wenn auch die Temperaturen noch wesentlich angenehmer sind.

Auch der Gedanke, ein besonders sonnigerTag wäre ideal für ein Outdoor-Shooting, ist ein weit verbreiteter Irrtum.Wirklich ideal ist eine helle, aberdurch eine dünne, geschlossene Wolkendeckesehr diffuse Lichtstimmung.Die Wolken werden zu einer übergroßenSoftbox für die Sonne und Sie habendie Möglichkeit, vollkommen flexibelzu arbeiten, da aus keiner Richtungstörende Schatten entstehen oder dasModell geblendet wird.

Natürliche Porträts

Der große Vorteil der Outdoor-Fotografieist die Umgebung, die Ihnen -und auch dem Modell – ganz von alleineeinen Hinweis auf die möglicheBildstimmung gibt. Während die neutraleStudioatmosphäre nichts anderesals eine Projektionsfläche für jedwedeIdee ist, die Sie oder das Modellhaben, werden Sie eine reale Kulisseganz von allein in Ihre Bilder integrieren.Das heißt zum Beispiel für einShooting an einem See, dass es für dasModell leicht ist, natürliche Posen einzunehmen,wenn es auf dem Steg mitden Beinen baumelt, auf dem Rückenliegend die Wolken vorbeiziehen siehtoder kleine Steine ins Wasser wirft. Aufeiner Blumenwiese kann es zwangloseinen Strauß pflücken. Einen Bachlaufüberquert es von einem Stein auf denanderen hüpfend und an einen Baumgelehnt, versetzt es sich ganz leicht indie ruhige, gelöste Stimmung eineswarmen Ferientags.

Machen Sie dem Modell Mut, sich genausonatürlich zu verhalten, wie esdie Kulisse vorgibt und regen Sie seineFantasie durch kleine Geschichten undemotionale Anekdoten an. Machen Siesich dann die Mühe, das Posing zu prüfenund gegebenenfalls durch einfacheAnweisungen zu optimieren, bevor Sieauslösen. Lassen Sie sich nicht aus derRuhe bringen und besprechen Sie IhreBildideen so mit dem Modell, dass es siegut umsetzen kann. Und verfolgen Siediese Idee bis Sie ein Bild eingefangenhaben, das Ihren Vorstellungen wirklichgerecht wird. Ein gutes Modell wird nichtungeduldig reagieren, schließilich möchtees selbst ebenfalls in allererster Liniegute Bilder von sich.

Je schöner die Location, desto eher bietetes sich auch an, diese in den Bildernauch relativ viel Raum zu geben. KombinierenSie dann Ganzkörperaufnahmen,die viel Umgebung einschließen,mit Nahaufnahmen, bei denen das Modelloder sein Gesicht einen Großteil der Bildfläche einnimmt und die Umgebunglediglich zu einem unauffälligen Hintergrundwird. cb/gb