Blumen gehören zu den am häufigsten fotografierten Motiven überhaupt. Trotzdem sind viele Blumenbilder schlecht. Diese Praxistipps helfen Ihnen, dafür eine eigene Bildersprache zu entwickeln.

Fototipps für den Urlaub

Lasst Blumen sprechen

Blumen gehören zu den dankbarsten Motiven überhaupt. Viele bestechen mit wunderschönen Blüten und sie sind fast überall zu finden: Parkanlagen, Gärten und auf Balkonen, natürlich aber auch in jedem Blumenladen. Sie laufen nicht weg, lassen sich arrangieren und dekorieren und in jedes Licht tauchen. Mit der richtigen Ausrüstung (mehr darüber im Kasten auf Seite 16) kann sich also bei jedem Spaziergang um die Ecke die Gelegenheit für ein Blumenshooting ergeben. Aber statt gleich loszuschießen sollten Sie sich dann zuerst fragen: Was möchte ich wie fotografieren und wie soll das Ergebnis aussehen? Erfahrenen Blumenfotografen wie Cora und Georg Banek, die Autoren des Buchs Blumenfotografie aus dem dpunkt-Verlag (mehr darüber auf Seite 17) haben dazu einen klaren Ratschlag: Lassen Sie sich Zeit für die Entwicklung einer Bildidee und wechseln Sie dabei immer wieder zwischen den beiden grundsätzlichen Ansätzen „erst die Blume“ und „erst die Idee“.

Accessoires unterstützen das Bild

Kinder und alte Menschen

Neben der Blume benötigen Sie noch einige Dinge mehr, um genau das Blumenbild einzufangen, das Ihrem Motiv wirklich gerecht wird. Denn sobald Sie nicht nur kleine Details der Blüte, sondern vielleicht die ganze Blüte, Blume oder gar ein Arrangement verschiedener Sorten ins Bild bringen möchten, wird die Umgebung wichtig für die Bildaussage. Draußen ist diese durch den Ort, an dem die Pflanze wächst, vorgegeben, doch bei der inszenierenden Blumenfotografie wählen Sie alle Komponenten selbst aus. Das heißt, Sie benötigen gegebenenfalls Hintergründe, Vasen und beliebige Accessoires.

Ein stimmiger Hintergrund für ein Blumenmotiv kann natürlich erst einmal alles sein, doch je häufiger Sie sich diesem Thema widmen, desto eher werden Sie ein Portfolio an unterschiedlichen Farben und Mustern sinnvoll finden. Beginnen Sie also zu sammeln: erstens unterschiedliche Materialien wie festes oder transparentes Papier, Karton, Folie, Holz- und Metallstücke, Fliesen, Stoff- und Lederreste, Glasplatten und Milchglasscheiben, zweitens unterschiedliche Farben von sanften Pastelltönen bis hin zu den bunten Grundfarben und drittens unterschiedliche Muster und Strukturen. Nur so können Sie von Bild zu Bild die passende Kombination aus Blume und Hintergrund auswählen. Ebenso wichtig ist eine Sammlung verschiedenster Vasen, Flaschen, Schüsseln und Behältnisse, in die Sie die Blumen legen oder stellen können. Hier empfehlen sich Flohmärkte, Second-Hand- oder Trödel-Läden, um für wenig Geld eine ganze Reihe möglichst fotogener Vasen zu erhalten. Achten Sie beim Fotografieren darauf, dass die Behältnisse sauber und frei von Fingerabdrücken, Wasserflecken und Fusseln sind. Haben Sie am besten immer eine Flasche Glasreiniger und Poliertücher parat, um alle störenden Unreinheiten zu entfernen. Um so wenig Wasserspuren wie möglich neu zu erzeugen, empfiehlt sich destilliertes statt Leitungswasser.

Wenn Sie das Blumenmotiv inhaltlich durch weitere Bildelemente ergänzen möchten, sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Jedes beliebige Accessoire kann mit ins Bild. Doch behalten Sie beim Arrangement verschiedenster Gegenstände immer Ihr Hauptmotiv im Auge, da allzu auffällige und Aufmerksamkeit auf sich ziehende Dinge schnell wichtiger werden als die Blume selbst. Dann wird die Blume selbst zum Accessoire und Sie verlassen das Genre der Blumenfotografie.

Natürliche Blumenbilder

Um eine natürliche Bildstimmung zu erzeugen, verzichten Sie am besten auf alle Gestaltungsmittel der Verfremdung und Manipulation. Das Motiv sollte vielmehr so im Bild umgesetzt werden, wie es der Betrachter auch erwarten würde. Das beginnt bereits mit dem Aufnahmeort, den Sie am besten draußen in der freien Natur wählen, bezieht sich aber auch sehr stark auf die Farben sowie auf die Wahl der Perspektive und des Bildausschnitts. Durch echte, wahrheitsgetreue Farben, eine gewohnte Perspektive auf Augenhöhe oder leicht von oben und einen Ausschnitt, der die Blüte vollständig zeigt beziehungsweise maximal sehr dezent anschneidet, bringen Sie bereits eine Menge Natürlichkeit ins Bild. Verwenden Sie keine extremen, also sehr kurzen oder sehr langen Brennweiten, sondern bewegen Sie sich im Mittelfeld. Setzen Sie auch die Schärfeverteilung so ein, dass der Betrachter nicht irritiert wird, wenn ein Bildbereich scharf ist, den er eigentlich unscharf erwarten würde – und umgekehrt. Verzichten Sie auf raffinierte Linienführungen und ungewöhnliche Kompositionen. Eine Positionierung des wichtigsten Bildelements, der Blüte, im Goldenen Schnitt steigert die Harmonie des Bildes.

Die richtige Tageszeit

Auch die Lichtgestaltung hat großen Einfluss auf die natürliche Wirkung des Bildes: Wählen Sie ein sanftes, weiches Licht und eine gleichmäßige, frontale oder halbseitliche Ausleuchtung ohne störende, harte, zu dunkle Schatten, die Details verschlucken. Belichten Sie sauber und vermeiden Sie Über- und Unterbelichtungen im Bild. Die natürliche Blumenfotografie orientiert sich im Jahresverlauf an den Blütezeiten der verschiedenen heimischen Arten. Für unsere Breitengrade bedeutet das, dass Sie im Frühling und Sommer fotografische Hochsaison haben und sich Ausflüge mit der Kamera immer wieder lohnen, da ständig neue Arten in voller Blüte stehen. In den Wintermonaten bieten sich Ihnen hingegen kaum Motive, weshalb Sie in Tropen-, Palmen- oder Schmetterlingsgärten ausweichen können, welche als Sehenswürdigkeit die Flora und Fauna anderer Klimazonen nachbilden. Oder Sie machen eine Reise in eine andere Klimazone und nutzen Ihren Urlaub für die Blumenfotografie.

Künstlerische Blumenbilder

Sie können natürlich auch einen eher modernen, künstlerischen Ansatz wählen, der Bildgestaltungsmittel wie Verfremdung, Künstlichkeit und Irritation des Betrachters nutzt. Je ausgefallener die Bildidee, desto besser. Wichtig ist es also, eine solche Idee möglichst bereits im Vorfeld [ In der Praxis ] Hardwaretipp Nikon D800 !

Natürliche Blumenfotografie orientiert sich an der Vegetationsperiode. Sie haben im Frühjahr und Sommer also deutlich mehr zu tun als in den Wintermonaten. Natürliches Licht, unterstützt durch einen Aufheller, sorgt dabei in der Regel für die besten Bildergebnisse. © Maria Timofeeva, Roxana Bashykova, fotozick – shutterstock.com, 15 der Aufnahme zu entwickeln und in einer klaren, stimmigen, eindeutigen Bildsprache umzusetzen.

Technisch setzt diese Herangehensweise eventuell eine ungewöhnlichere Ausrüstung voraus, wie besondere Objektive oder Filter. Doch auch auf rein gestalterischer Ebene ist es problemlos möglich, eine Blume völlig neu und höchst ungewöhnlich abzubilden. Wählen Sie dazu ungewohnte Kamerastandpunkte wie eine extreme Untersicht, eine irritierende Verteilung von Schärfe und Unschärfe, die etwa den Fokuspunkt auf den Stängel statt auf die Blüte legt, oder extreme Anschnitte, die dominante Teile der Blume deutlich reduzieren und andere hervorheben. Wählen Sie also Ihr Hauptmotiv durchaus auch mal abseits der sich aufdrängenden Blüte und setzen Sie beispielsweise ein Blatt oder eine Knospe so in Szene, dass die Blüte höchstens als unterstützendes, leicht angedeutetes Nebenelement fungiert.

Auch die gestalterischen Möglichkeiten der nachträglichen Bildbearbeitung sind ein adäquates Mittel der modernen Bildsprache, die gerade im Bereich der Farbwirkung des Bildes ansetzt, sich aber natürlich im Grunde genommen auf jeden Einzelaspekt bis hin zu aufwändigen Neukompositionen mehrerer Bilder erstreckt. Bereits ein aus künstlerischem Interesse fehlerhaft gewählter Weißabgleich verändert die Farben des Bildes so, dass der Betrachter irritiert wird. Machen Sie sich aber die Mühe, die Farben separat und gezielt zu manipulieren, die Kontraste sauber auszuarbeiten und die Aufnahme beliebig zu retuschieren, werden Sie feststellen, dass Ihrer Fantasie wirklich keine Grenzen gesetzt werden.

Sobald Sie das Blumenmotiv so fotografieren, dass es in nicht mehr erkennbar ist, bewegen Sie sich in der abstrakten Blumenfotografie. Der Betrachter kann dann nicht mehr erfassen, um welche Pflanzenart es sich handelt. Um das Motiv auf künstlerische Weise zu abstrahieren, haben Sie verschiedene Möglichkeiten, die entweder einzeln zum Ziel führen oder auch kombiniert werden können.

Wählen Sie zum Beispiel einen sehr engen Bildausschnitt und gehen Sie so nah wie möglich an die Blume heran. Die Umgebung wird genauso ausgeblendet wie all die charakteristischen Details, die eine Pflanze klar erkennbar machen.

Eine andere Methode ist der gezielte Einsatz von viel Unschärfe und entsprechend wenig Schärfe. Erzeugen Sie dazu einen entsprechend kleinen Schärfentiefebereich, damit möglichst viel Motiv in Unschärfe verschwimmt. Bei viel Unschärfe im Bild wird das Bokeh des Objektivs sehr wichtig für die Bildwirkung – die Form der Streuungskreise in unscharfen Bildteilen. Auch Über- und Unterbelichtung sowie der gezielte Einsatz von Licht und Schatten helfen, das Motiv zu abstrahieren und grafische Aspekte stärker hervorzuheben. KombinieKombinieren Sie hier noch eine Umwandlung in Graustufen dazu, wird Ihnen eine Abstraktion der nächsten Blüte sehr einfach gelingen.

Inszenierte Blumenbilder

Konzentrieren Sie sich auf die Details

Von inszenierten Aufnahmen spricht man, wenn Sie Blumen verwenden, um eine ganz konkrete Atmosphäre zu erzeugen. Die Blume wird also Teil eines größeren Ganzen. Bei solchen Inszenierungen werden mithilfe spezifischer Accessoires Szenerien erschaffen. Eine solche Inszenierung setzt unbedingt voraus, als Erstes eine konkrete Bildidee zu entwickeln, zweitens eine passende Blume zu wählen und drittens alle Gestaltungsmittel auf das Thema auszurichten. Die „Nebenschauplätze“ wie Hintergründe, Vasen oder Behältnisse und Accessoires in jeder Form sind hier wichtiger als bei Aufnahmen, in denen die Blume allein im Mittelpunkt steht.

Trotzdem ist es entscheidend für die Bildwirkung, die Blume zwar durch Accessoires zu ergänzen, aber nicht in den Hintergrund zu drängen. Sie sollte nicht schmückendes Beiwerk werden, sondern nach wie vor Hauptmotiv bleiben. Achten Sie also darauf, auffällige Sorten und leuchtende Farben zu wählen, um sie von der Umgebung abzuheben. Auch die schiere Menge vieler Blüten ist in der Lage, auffällig genug zu werden. Oder Sie setzen Perspektive, Bildausschnitt und Schärfeverteilung so ein, dass die Accessoires in ihrer Dominanz deutlich reduziert werden.