Oft genug steht man vor der Aufgabe, auf die Schnelle Bilder von Dingen zu machen, um sie anschließend ins Internet zu stellen. Nicht zuletzt, wenn es darum geht, diese Produkte zu verkaufen. Mit etwas Wissen und Geschick werden aus solchen Schnappschüssen richtige Werbebilder – was sich durchaus auch positiv auf den Preis niederschlagen kann…

Produkte für das Internet fotografieren

Die professionelle Produktfotografie für Anzeigen, Werbekataloge oder Imagekampagnen verlangt nach einer detailliert geplanten, sehr aufwendigen, perfekt ausgearbeiteten Inszenierung des Produktes – kurz: nach allerhöchster Qualität und einer Menge Arbeit. Wenn Sie jedoch etwas über das Internet verkaufen wollen, lohnt sich solch ein Aufwand natürlich nicht. Aber dennoch können Sie mit nur wenigen kleinen Tricks Ihre Produktbilder deutlich spannender und hochwertiger gestalten und so Ihre Verkäufe stärker von der Konkurrenz abheben.

Bilder für das Internet

Im Zeitalter von eBay und Co. benötigt so gut wie jeder irgendwann aussagekräftige Bilder eines Gegenstandes. Wenn sich der Zweck der Produktaufnahmen ausschließlich auf solche Online-Shops und -Verkaufsplattformen beschränkt, so erfordert das eine ganz andere Qualität als wenn Sie die Aufnahmen auch für einen hochwertigen Druck benötigen, zum Beispiel als Flyer oder Katalog. An Veröffentlichungen, die ausschließlich im Internet und noch dazu in einem relativ kleinen Format erfolgen, werden keine besonders hohen technischen Anforderungen bezüglich Auflösung und Bildgröße gestellt. Denn der Monitor kann sowieso nur eine vergleichsweise geringe Auflösung von 72 Pixeln pro Inch wiedergeben.

Wichtig sind hier andere Parameter, die entscheiden, ob solch eine Produktaufnahme gelungen oder weniger gut geeignet ist: Der Gegenstand sollte in allererster Linie gut erkennbar sein, ebenso seine Details wie Struktur und Materialbeschaffenheit. Denn genau auf die Details achten die Kunden – unterbewusst – ganz besonders. Weil wir Bildern immer mehr Glauben schenken als Worten, tragen sowohl die technische als auch die gestalterische Qualität Ihrer Produktfotos maßgeblich dazu bei, wie hochwertig der potenzielle Käufer Ihr Angebot beurteilt. Mit mehreren sauber ausgeleuchteten und ansprechend drapierten Fotos behaupten Sie beispielsweise nicht nur, dass Ihr Artikel keine Gebrauchsspuren aufweist, Sie zeigen es ganz einfach. Im Folgenden gehen wir auf die Aspekte ein, auf die Sie achten sollten, um genau dies zu erreichen.

Technische Ausrüstung

Um aussagekräftige Produktaufnahmen zu machen, die einen potenziellen Käufer im Internet überzeugen, bedarf es kaum einer besonderen technischen Ausrüstung. Viele digitale (Kompakt-)Kameras sind dazu in der Lage. Wichtig ist nur, dass Sie die Belichtung manuell steuern und eine Makroeinstellung anwählen können, wenn es sich um kleinere Objekte handelt, die Sie fotografieren möchten. Für eine Spiegelreflexkamera benötigen Sie dementsprechend ein Makroobjektiv.

Darüber hinaus benötigen Sie auf jeden Fall ein Stativ, um auch bei längeren Verschlusszeiten noch fotografieren zu können, ohne Verwacklungsunschärfen zu riskieren. Gerade in geschlossenen Räumen werden Sie kaum Zeiten erzielen, die nicht zu lang werden, denn für gute Produktaufnahmen sollten Sie einen möglichst niedrigen ISO-Wert anstreben (idealerweise 100-200), um kein störendes Rauschen ins Bild zu bekommen. Und auch die Blende sollten Sie nicht ganz öffnen, sondern im Gegenteil lieber relativ weit schließen, um genügend Schärfentiefe für ein durchgehend scharf dargestelltes Objekt zu erhalten.

Technische Ausrüstung

Eine sinnvolle und empfehlenswerte Ergänzung zu der Arbeit mit einem stabilen Stativ ist – gerade bei der Verwendung einer kleinen, leichten Kamera – ein Funk- oder Fernauslöser, da bereits das Betätigen des Auslöseknopfes das gesamte Bild verwackeln kann. Alternativ dazu nutzen Sie am besten den Zeitauslöser, den so gut wie jede Kamera bietet und der im Idealfall auch auf eine Dauer von zwei Sekunden verkürzt werden kann, was die Wartezeit auf jedes Auslösen etwas angenehmer gestaltet.

Aufnahmeort

Ein Aspekt, den Sie auf keinen Fall vernachlässigen sollten, ist die Wahl eines passenden Aufnahmeortes für Ihr Objekt. Je nachdem, wie groß der Gegenstand ist, desto variabler können Sie auf die Suche nach einem geeigneten Hintergrund für ein Foto gehen. Grundsätzlich sind zwei Umgebungen zu unterscheiden: erstens der neutrale Hintergrund, der an ein Studio erinnert; zweitens der inhaltlich passende Hintergrund, der das Produkt in einen Kontext setzt. Je nach Einsatzzweck ist der eine besser geeignet als der andere, wobei Sie bedenken sollten, dass eine inhaltlich passende Umgebung zwar zu einem stimmigen Ganzen führen, aber genauso schnell auch ablenkend und irritierend auf den potenziellen Käufer des Produktes wirken kann. Dementsprechend ist es auch hier wichtig, eine ruhige Umgebung zu schaffen, aus der das Objekt deutlich als bildwichtigstes Element hervorsticht.

Aufnahmeort

Das kann zum Beispiel ein strukturierter Hintergrund sein, wie der Fliesenspiegel in der Küche bei allen Produkten, die dorthin passen – wie etwa Lebensmittel oder Küchengeräte. Ebenso neutral, aber dennoch inhaltlich einzuordnen sind Hintergründe wie Holzoder Teppichböden, Tapete, Gras, eine Tischplatte etc. In jedem Haushalt finden sich genügend ruhige Untergründe, die bestens geeignet sein können. Für eine gleichmäßige, neutrale und beinahe klinische Umgebung wie sie in einem Fotostudio möglich wäre, benötigen Sie hingegen eine Hohlkehle, das heißt einen Hintergrund, der in einem sanften Bogen in den Untergrund übergeht und dadurch Aufnahmen ermöglicht, die keine Kante beim Übergang zwischen Boden und Wand aufweisen. Aufnahmetische sind in allen denkbaren Größen – und Preisklassen – im Handel erhältlich und bestehen oftmals aus nicht viel mehr als genau so einer Kunststoff- Hohlkehle. Doch für Bastler ist auch das Selbstbauen kein großes Problem: Sie benötigen eigentlich nichts weiter als einen großen Bogen festes Papier oder eine dünne Plexiglasscheibe, die Sie an einem geeigneten Standort zu einem Bogen montieren. Für welche Hintergrundfarbe Sie sich entscheiden, bleibt im Grunde genommen Ihnen überlassen – jede ist geeignet, ein Produkt in Szene zu setzen. Im Zweifel ist ein heller Hintergrund jedoch ideal wie Weiß, Hellgrau oder Beige, da er Ihnen die Ausleuchtung wesentlich erleichtert und nicht durch allzu bunte Farbigkeit vom Produkt ablenkt.

Eine Alternative zu einer simplen Hohlkehle sind Lösungen, die sich von unten, hinten oder sogar allen Seiten beleuchten lassen. Manche Aufnahmetische integrieren dafür Leuchtmittel hinter der Hohlkehle. Eine noch flexibler auszuleuchtende Variante sind jedoch Lichtzelte, die aus einem transparenten Stoff bestehen und im Grunde genommen Hohlkehle und Diffusor kombinieren. Auf dieses je nach Menge, Art und Größe der zu fotografierenden Produkte durchaus sinnvolle Werkzeug kommen wir noch einmal später zu sprechen.

Natürliches Aufnahmelicht

Insbesondere dann, wenn Sie nicht regelmäßig Gegenstände fotografieren, bietet sich die Arbeit mit natürlichem Licht an. Doch auch bei häufigeren Fotosessions kann es sinnvoll sein, auf künstliches Licht zu verzichten und sich in Ihren Räumlichkeiten einen Standort zu suchen, der bei genügend Tageslicht hell und gleichmäßig ausgeleuchtet ist. Da Sie bei Produktaufnahmen vor allem eine ganze Menge Licht benötigen, sollte sich dieser Standort möglichst nah an einem Fenster befinden, denn bereits wenige Meter in den Raum hinein ist die Lichtausbeute nur noch ein Bruchteil von dem, was Sie nahe der Scheibe erzielen können. Das am besten geeignete Tageslicht ist diffuses, helles Sonnenlicht, das bei einer dünnen, aber geschlossenen Wolkendecke entsteht und zu einer schattenfreien Ausleuchtung Ihres Produktes führen wird. Um direktes, hartes Sonnenlicht zu streuen, setzen Sie am besten einen Diffusor ein, also einen weißen, teildurchlässigen Stoff, den Sie zwischen Fensterscheibe und Produkt setzen und der nicht vorhandene Wolken simuliert. An einem düsteren trüben Tag, der nicht genügend Licht bietet, müssen Sie entweder das Fotoshooting verschieben, das Tageslicht durch einen starken Aufheller (Silber oder Weiß) reflektieren oder durch eine zweite künstliche Lichtquelle ergänzen.

Natürliches Aufnahmelicht

Der Vorteil von natürlichem Licht als einziger Lichtquelle liegt auf der Hand: Auch das Bildergebnis wird natürlich wirken und vor allem farbecht ausfallen, wenn Sie einen entsprechenden Weißabgleich in der Kamera wählen. Sobald jedoch eine zweite Lichtquelle ins Spiel kommt – und sei es nur die Deckenbeleuchtung im Innenraum – kommt es zu einer Mischlichtsituation, die auch auf den Bildern durch leichte Farbverschiebungen sichtbar wird und so die Produkteigenschaften verfälscht wiedergibt.

Künstliches Aufnahmelicht

Künstliches Aufnahmelicht

Ebenso wie bei der Verwendung von natürlichem Licht, sollten Sie auch bei künstlichem Licht darauf achten, eine Mischlichtsituation zu vermeiden. Denn sobald zwei – oder mehr – unterschiedlich gefärbte Lichtquellen zusammenkommen, ist es nicht mehr möglich, einen exakten Weißabgleich durchzuführen. Ganz im Gegenteil kann sich dieser immer nur auf eine der eingesetzten Farbtemperaturen beziehen und so führen andere Lichtquellen zwangsläufig zu Farbstichen im Bild. Was bei manchen fotografischen Genres als künstlerisches Stilelement durchaus bewusst eingesetzt werden kann, sollte in der Produktfotografie, die dazu dient, einen Gegenstand für den Kauf anzupreisen, nicht vorkommen. Denn je naturgetreuer die Abbildung ausfällt, desto weniger wird der Käufer sich getäuscht fühlen.

Beschränken Sie sich also bei der Entscheidung für künstliche Lichtquellen entweder auf eine einzige oder kombinieren Sie identische Leuchtmittel miteinander.

Dabei kann es sich um simple, dem Haushalt entnommene Lichtquellen handeln, wie Halogenlampen, Leuchtstoffröhren etc. oder aber um professionelleres Equipment wie Dauerlicht- oder Blitzlichtlampen. Sollten Sie häufiger Produkte fotografieren, lohnt sich die Investition in eine kleine kompakte Lichtanlage mit ein bis zwei Blitzköpfen. Unterschätzen Sie nicht die Leuchtkraft von Blitzanlagen: Wenn Sie in kleinen geschlossenen Räumen arbeiten, benötigen Sie keine 500- oder gar 1000-Watt-Köpfe, sondern maximal 200 oder 250 Watt. Ergänzt werden diese am besten durch Lichtformer, die das Licht weich streuen wie kleine Softboxen, Striplights oder Durchlichtschirme mit geringem Durchmesser.

Eine Alternative dazu sind besagte Lichtzelte, in die Sie das Produkt stellen und die Sie von außen mit einer beliebigen Lichtquelle beleuchten. Der Vorteil dabei ist, dass sich innen ein weicher, gleichmäßig und sehr hell ausgeleuchteter Raum bildet, in dem Sie das Produkt schattenfrei fotografieren können. Ein Nachteil dieser Zelte ist die oftmals eher geringe Größe und die Schwierigkeit, das Produkt durch ein Loch hindurch arrangieren zu müssen.

Komfortabler arbeiten Sie mit Aufnahmetischen, die mit einer teiltransparenten Plexiglasscheibe ebenfalls das Beleuchten von allen Seiten ermöglichen, oder mit Tellern, die Sie auf Lampenstativen installieren, und auf denen das Produkt frei im Raum zu schweben scheint. Auch hier ist eine Beleuchtung mit beliebigen Lichtmitteln sehr flexibel möglich.

Bildgestaltung

Haben Sie sich für einen Aufnahmeort und die entsprechenden Lichtquellen entschieden, dann geht es an die eigentliche Gestaltung der Aufnahme. Wichtig ist hier, den Zweck und die Funktion des Bildes nicht aus den Augen zu verlieren – Sie möchten das Produkt im Internet verkaufen und je aussagekräftiger das Bild wird und auf den Betrachter wirkt, desto eher wird Ihnen das auch gelingen. Alle ildgestaltungsmittel sollten demnach darauf ausgerichtet sein, den Gegenstand authentisch und sachlichneutral wiederzugeben:

  • Wählen Sie einen relativ formatfüllenden Ausschnitt und eine mittige oder maximal bis in den Goldenen Schnitt seitlich verschobene Position. Verzichten Sie auf einen Anschnitt des Produktes, schließlich wollen Sie nicht die Assoziation erzeugen, Sie hätten etwas zu verbergen.
  • Richten Sie die Kamera auf „Augenhöhe“ mit dem Produkt frontal aus und entscheiden Sie sich eher für eine leichte Untersicht als für eine Aufsicht, da schon ein minimales Herabsehen auf das Produkt dieses entwertet, während ein leichter Blick Nach Oben zu einer Aufwertung führt. Wobei es sich hier tatsächlich nur um ganz minimale Verschiebungen der Perspektive handeln sollte, da alles andere zu Verzerrungen führt und einer zu offensichtlichen Manipulation gleichkommt.
  • Streben Sie eine schattenfreie, gleichmäßige Ausleuchtung an, die alle Facetten des Produktes einfängt, wie Oberflächenstruktur und Materialbeschaffenheit.
  • Wählen Sie eine gleichmäßige frontale, vielleicht leicht seitliche Ausleuchtung. Verzichten Sie auf Gegenlicht als Hauptlichtquelle, da dieses die Optik des Produktes durch die betonten Konturen stark verändert.
  • Wählen Sie eine so weit geschlossene Blende, dass das gesamte Produkt scharf wiedergegeben wird. Starke Unschärfen wirken zu künstlerisch und als sollte etwas verborgen werden.
  • Achten Sie auf natürliche und realistische Farben. Bilder mit kreativen Farbspielen oder gar Graustufen verzerren den realistischen Eindruck und machen keine klare und glaubwürdige Aussage über das Produkt.

Verfolgen Sie also insgesamt eineneutrale und ruhige Bildsprache – verzichtenSie also auf alles, was Dramatikins Bild bringt wie schräge Linien,harte Schatten, Gegen- oder starkesSeitenlicht, Anschnitte, ungewohnteBildausschnitte oder Perspektiven sowiekünstliche Farben. Denn in diesemFall geht es nicht um künstlerisch wertvolleBilder, sondern darum, ein Produktehrlich, glaubhaft, realistisch undvollständig zu präsentieren. So überzeugenSie den Interessenten und erwird Ihnen Ihr Produkt gerne abkaufen- im tatsächlichen wie im übertragenen Sinne. cb/gb