Ferne Länder, fremde Orte, berühmte Städte, Sehenswürdigkeiten, andersartige Kulturen, Menschen, Gebäude, Straßenszenen, Naturschauspiele – die Reisefotografie an sich ist so vielfältig wie kaum ein anderes fotografisches Genre.

Mit der Kamera im Gepäck auf Reisen zu gehen, bedeutet nicht zwangsläufig, die Heimat weit hinter sich zu lassen, schon die nahe Großstadt können Sie als Tourist besuchen. Sobald Sie sich genügend Zeit nehmen, einen unbekannten Ort durch die Kamera und dadurch auch durch neue Blickwinkel kennenzulernen, entstehen Reisebilder. Ferne, fremde Länder haben da noch einmal einen ganz besonderen Reiz, da dort selbst alltägliche Gegenstände anders und neu und damit ausgesprochen fotogen sind. Wenn Sie ein paar Tipps und Tricks beachten, dann bringen Sie von Ihrem nächsten Urlaub, Ihrer nächsten Kurzreise, dem Städtetripp oder Tagesausflug Bilder mit, die nicht nur den Daheimgebliebenen das Gefühl geben werden, sie wären beim ansehen (noch einmal) dort.

Reisefotografie

Reiseplanung

Egal, wohin die Reise geht, kaum sind Sie angekommen, erwarten Sie unzählige Motive. Sie sollten schon vorher zu Hause eine Auswahl treffen, um die Urlaubstage richtig nutzen zu können. Es ist sinnvoll, den Ablauf schon zu Hause anhand eines Reiseführers zu planen. Einzelne Fototouren entlang der für Sie wichtigsten Sehenswürdigkeiten und ein großzügig bemessener Zeitplan bieten Ihnen die Möglichkeit, sich vor Ort auf die schönen Dinge und die Fotografie zu konzentrieren. Achten Sie bei der Tagesplanung auf die Himmelsrichtung, da sich die Fassade einer Kathedrale in der Abendsonne vielleicht besonders beeindruckend zeigt, sich für Innenaufnahmen allerdings die schräg in den Altarraum einfallende Morgensonne besser eignen würde. Genauso sollten Sie die Zeit für die eine oder andere Auszeit nicht vergessen: Parkanlagen, Strände, Spazierwege, kleine Straßencafés und Restaurants sind ideale Orte für Verschnaufpausen. Schließlich soll Ihre Reise ja erholsam bleiben und nicht in einen hektischen Fotomarathon ausarten.

Ausrüstung

Um eine Reise auch fotografisch zu einem erfolgreichen Erlebnis zu machen, muss die Kamera-Ausrüstung den Gegebenheiten angepasst werden. Ein Abenteuer-Urlaub, eine Safari oder der Besuch eines Regenwaldes stellt andere Ansprüche an Ihre Kamera- Ausrüstung als ein All-inclusive-Tripp an die spanische Küste oder eine Städte reise. Beschäftigen Sie sich deshalb im Vorfeld mit dem, was Sie vor Ort erwartet: Ihre Kamera sollte den Witterungsbedingungen standhalten können, also in den Tropen die hohe Luftfeuchtigkeit vertragen oder in Wüstenregionen den trockenen Staub. Ist Ihre Urlaubsregion eher einsam, brauchen Sie sich nicht so viele Gedanken um Diebstahl zu machen als bei einer Reise an stark belebte, von Touristen hochfrequentierte Orte, wo Sie Ihre Kamera-Ausrüstung keine Sekunde aus den Augen lassen und sie möglichst unauffällig und nah am Körper tragen sollten. Sind Sie viel zu Fuß unterwegs, bietet sich ein Rucksack an, der Ihnen den Transport der schweren Kamera-Ausrüstung erleichtert. Bei Autoreisen erfüllt auch eine geräumige Kameratasche ihren Zweck.

Und auch die Motive, die Sie fotografieren möchten, entscheiden über Art und Umfang der Kamera-Ausrüstung: Die Architektur einer Großstadt, Menschen und Straßenszenen als Motiv verlangen nach einer ganz anderen Objektivpalette im Gepäck als das Fotografieren von wilden Tieren in ihrem Lebensraum. Wo Sie bei Ersterem mit einer handlichen Kamera flexibel bleiben, werden Sie Wildlife-Fotos kaum ohne lange Telebrennweiten und ein festes Stativ aufnehmen können. Unabhängig davon halten Sie grundsätzlich mit lichtstarken Zoom-Objektiven unterwegs Ihr Gepäck kleiner und leichter als wenn Sie entsprechend mehr Festbrennweiten einpacken.

Gerade bei einmaligen Reisen sollten Sie sich jedoch nicht zu stark limitieren, da Sie nie wissen können, was für ein Motiv Ihnen vor die Linse läuft – in die Kameratasche gehören also mindestens ein Weitwinkel, eine Normal- oder leichte Telebrennweite, ein längeres Teleobjektiv und ein Makroobjektiv.
Für Städtereisen, bei denen sich die Gegebenheiten schnell ändern, sind Sie mit Zoom-Objektiven natürlich flexibler und schneller, doch je häufiger Sie mit Festbrennweiten arbeiten, desto schneller werden Sie auch beim ständigen Wechsel der Objektive. Alternativ haben Sie vielleicht auch die Möglichkeit, zwei Kamera gehäuse einzupacken, was sich bei nicht wiederholbaren Reisezielen sowieso anbietet, und bestücken sie mit jeweils anderen Brennweiten für andere Motivbereiche.

Ausrüstung

Weiter sollten Sie davon ausgehen, dass Sie immer mehr Bilder machen werden als geplant und dementsprechend mehr Speicherkarten benötigen als Sie denken. Speichern sie die digitalen Bilder täglich auf eine mobile Festplatte oder ihrem Laptop, damit die Aufnahmen gesichert sind. Vielleicht bietet Ihre Kamera auch die Möglichkeiten, zwei Speicherkarten gleichzeitig zu bespielen, oder Sie können die Aufnahmen online auf einen FTP-Server laden, um sie gegen Diebstahl oder Verlust zu schützen.

Eigentlich sollten die Akkus der Kamera einen ganzen Tag selbst bei häufiger Benutzung des Blitzes und kühleren Temperaturen problemlos durchhalten, packen Sie sicherheitshalber aber auch Ersatzakkus mit ein. Ein Hochformatgriff bietet in der Regel die Möglichkeit, auch normale AA-Batterien einzusetzen, die Sie in jedem Land relativ problemlos kaufen können.
Sind Sie mit einer Kompakt- oder Bridge- Kamera unterwegs, stellen sich die Fragen nach Objektiven und Batterien nicht. Schaffen Sie sich dann aber in jedem Fall einen zweiten Akku an, den Sie immer voll geladen in der Tasche haben. Den größten Vorteil haben kleine Kameras in ihrer Größe und ihrem Gewicht, sie nehmen nicht viel Platz weg und beschweren Ihr Gepäck nicht. Doch gleichzeitig haben sie den großen Nachteil, dass sie häufig mit Auslöseverzögerungen kämpfen und deshalb nicht ideal geeignet sind für Menschenbilder, Streetaufnahmen und sich schnell verändernde Situationen. Bei unbewegten Motiven hingegen sind sie oft ein idealer Reisebegleiter.

Da viele Situationen in dem Moment verschwinden, in dem die Kamera gesehen wird, sind hier Teleobjektive und schwenkbare Monitore der Digitalkameras gut geeignet, um auch mal unbemerkt auszulösen.

Fremde Menschen

Fremde Menschen

Egal, ob Sie zu Hause oder in anderen Ländern fremde Menschen fotografieren – in beiden Fällen müssen Sie das Element des Zufälligen und des Unvorhersehbaren spontan beherrschen lernen. Motive für solche Aufnahmen werden nicht durch den Fotografen inszeniert, sondern geschehen einfach und müssen von ihm (vorher) gesehen, erkannt und ohne zu überlegen umgesetzt werden. Schnelligkeit, der richtige Instinkt für die Situation und eine offene Art, mit fremden Menschen umzugehen, sind dabei wichtige Voraussetzungen für gute Bilder.
Wichtig ist die Geschwindigkeit nicht nur, weil die Aufnahmesituationen flüchtig sind, sondern auch, weil die Menschen sich normalerweise sofort anders verhalten, wenn sie eine Kamera bemerken. Sie fühlen sich beobachtet, werden misstrauisch und reagieren ablehnend. Starke Teleobjektive machen eine unbemerkte Aufnahme vielleicht einfacher möglich, doch haben sie auch schnell den fahlen Beigeschmack eines »gestohlenen« Paparazzi-Fotos.

Entweder Sie machen Ihre Aufnahme und gehen dann auf die Person(en) zu, indem Sie sie ansprechen, sich erklären, die gemachten Fotos zeigen und fragen, ob es in Ordnung ist, noch weitere Aufnahmen zu machen. Oder – noch besser – Sie heben schon vorher kurz die Kamera und setzen einen fragenden Blick auf. Viele Menschen reagieren positiv, lächeln und machen weiter. Sie können dann stehen bleiben und die Szenerie beobachten, bis Sie nicht mehr wirklich bemerkt werden und die Gesichtszüge des Modells sich wieder entspannen.

Wenn Sie in fremde Länder fahren, werden bereits alltägliche Szenen durch das Element der Andersartigkeit zu inhaltlich spannenden und interessanten Motiven. Das können Straßenszenen sein, Menschen, die am Bahnhof warten oder einfach auf der Parkbank sitzen. Hierbei ist es wichtig, takt- und respektvoll mit den Einheimischen umzugehen. Das fängt bereits damit an, dass Sie sich vor dem Urlaub intensiv über Land, Kultur, Sitten und Gebräuche informieren. Dazu gehört besonders, ob die Menschen sich – zum Beispiel aus religiösen Gründen – nicht gerne fotografieren lassen. Und vor Ort gilt es, ein Einfühlungsvermögen für die Menschen und die Kultur zu entwickeln. Es hilft, in den ersten Tagen nur zu beobachten und mit Menschen zu reden und nicht sofort mit dem Fotografieren zu beginnen. In ärmeren Ländern haben die fotografierenden Touristen dazu geführt, dass die Armen Geld für ein Bild von sich verlangen. Ob Sie dies mitmachen und zahlen oder lieber auf die Aufnahmen verzichten, müssen Sie selbst entscheiden. Grundsätzlich sollten Sie aber vor jedem Foto ein Einverständnis einzuholen.

Reisebilder gestalten

Reisebilder gestalten

Neben Menschen und Situationen sind Sehenswürdigkeiten, Plätze und Bauwerke wichtige Motive für einen Reisefotografen. Dabei können ungewöhnliche Perspektiven mit einem extremen Weitwinkel direkt am Gebäude hoch oder die Reduzierung des Ganzen auf aussagekräftige Ausschnitte zu spannenden Bildern führen. Um ein Gebäude in voller Größe einzufangen, ist es sinnvoll, mit etwas Abstand die gesamte Szenerie aufzunehmen und den Vordergrund mit einzubeziehen. So können ein geparktes Auto, ein Straßenverkäufer, ein Kiosk oder ein U-Bahn-Schild einen besonderen Bezug zu der Gegend oder der Stadt herstellen. Spezifische Details wie beispielsweise Straßen- oder Hinweisschilder, lockern das Bild auf und erleichtern die Orientierung.

Es lohnt sich, bei viel fotografierten Sehenswürdigkeiten der Fantasie keine Grenzen zu setzen und mit Blickwinkeln, Positionen, Schärfe und Unschärfe zu spielen. Das Bauwerk selbst muss nicht unbedingt das dominanteste Bildelement sein, da häufig allein seine Umrisse oder unscharfen Schemen ausreichen, um deutlich zu zeigen, wo das Bild aufgenommen worden ist. Bei Architekturaufnahmen mit einem Weitwinkelobjektiv ist vor allem auf die stürzenden Linien zu achten, die ungewollt einen schiefen und verzerrten Eindruck verursachen. Sie können leicht durch gerade Kamerahaltung und einen erhöhten Standpunkt gemindert werden. Digitale Kameras mit Zusschwenkbarem Display ermöglichen es, den Ausschnitt mit ausgestreckten Armen zu wählen – häufig sind das die entscheidenden Zentimeter.

Weitere spannende Motive liefern die kulinarischen Spezialitäten des Landes oder der Region. Auf Wochenmärkten oder in Supermärkten fallen gerade die Speisen ins Auge, die unbekannt oder ungewohnt sind. Vor dem Essen zu einem Foto arrangiert, tragen diese Bilder viel von dem besonderen Flair eines Landes. Darüber hinaus sind es häufig die kleinen Dinge, die in fremden Ländern anders aussehen als bei uns. Detailaufnahmen von Briefkästen, Telefonzellen, Verkehrsschildern, Blumen, Süßigkeiten, Fahrkarten oder Briefmarken sind vielleicht ungewöhnliche Motive auf einer Reise, können aber zu spannenden und besonderen Erinnerungsfotos werden.

Auch bei schlechtem Wetter bedeutet das nicht zwangsläufig, dass Sie keine Fotos machen können, da auch verregnete Sehenswürdigkeiten ihren eigenen Reiz haben. Dabei sollte allerdings die Kamera vor dem Wasser geschützt und der verhangene und graue Himmel nicht mit aufs Bild genommen werden.

Genauso führt extreme Mittagssonne zu harten Schatten und Kontrasten, die aber dennoch kein Grund sein müssen, die Kamera liegen zu lassen. Gegenlicht oder harte Lichtverhältnisse geben der Szenerie einen dramatischen Anstrich und sind für sich selbst stehend oft Motiv genug.

Um ein interessantes und stimmiges Bild- Portfolio einer Reise mit nach Hause zu bringen, sollte vor allem auf eine abwechslungsreiche Auswahl von Motiven und eingesetzter Technik geachtet werden. Das betrifft sowohl die Entscheidung für Hochoder Querformat bzw. für Farbe oder Schwarz-Weiß als auch für die gewählten Brennweiten. Ein und dasselbe Motiv in unterschiedlichsten Weisen aufzunehmen, führt zu einem ungewöhnlichen Gesamteindruck der Szenerie: Eine übersicht, in der das Motiv in seine Umgebung eingeordnet wird, neben einer Großaufnahme, auf der Einzelheiten erkennbar sind und einzelne Details, die vielleicht sogar als Makro besonders hervorgehoben werden.

Praxistipps

Bei Erinnerungsbildern an Ihre Reise geht es um den Inhalt, darum, den Moment noch einmal erleben zu können, und selten um künstlerische Fotos. Das eine schließt das andere aber nicht aus: Auch ein hochemotionales Erinnerungsfoto kann wirken, als hätte der Fotograf nicht einfach nur ausgelöst. Natürlich brauchen Erinnerungsfotos das Unperfekte, um das zu sein, was sie sind, sie brauchen eine gute Portion Spontaneität, Lebensfreude, Natürlichkeit, Albernheit und Zufall. Dennoch helfen bereits wenige Tricks, um die Bildergebnisse ein bisschen besser zu gestalten:

  1. Entscheiden Sie sich für Ihr Hauptmotiv, konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche und machen Sie lieber mehrere Einzelbilder als eine Aufnahme von allem, was Ihnen gleichzeitig gefällt.
  2. Gewichten Sie das, was Ihnen am wichtigsten ist, auch entsprechend – bilden Sie es groß und scharf ab.
  3. Setzen Sie Ihr Hauptmotiv ins richtige Licht. Harte und unschöne Schatten stören und es ist kein großer Aufwand, einmal um das Motiv herumzugehen und zu schauen, aus welcher Richtung das Licht am besten fällt. Und haben Sie keine Angst vor Gegenlicht, oft ist es der Schlüssel zu spannenderen Bildern.
Praxistipps
  1. Achten Sie vor allem auf den Hintergrund. Fotografieren Sie nicht einfach irgendetwas, sondern schauen Sie, dass keine unruhigen Flächen das Bild stören, keine Passanten durchs Bild laufen oder ihr Hauptmotiv sich von der Umgebung abhebt. Gerade in der Stadt drängen sich im Hintergrund auch gerne Straßenschilder, leuchtende Licht- oder Farbflächen sowie Schriftzüge dominant und überdeutlich ins Bild. Eine andere Perspektive oder eine große Blendenöffnung schafft da Abhilfe.
  2. Ein Zoomobjektiv ist nicht einfach nur dazu da, den Abstand zum Motiv zu verändern. Denn sobald Sie dabei in den Weitwinkelbereich Ihres Objektivs geraten und einen Menschen fotografieren, wird er fürchterlich verzerrt mit großer Nase abgebildet. Ist Ihr Motiv zu nah dran oder passt nicht alles aufs Bild, gehen Sie ein paar Schritte nach hinten.
  3. Und denken Sie daran: Fokussieren Sie zuerst und wählen Sie dann gezielt den richtigen Bildausschnitt!

Wieder zu Hause

Früher wurden nach der Rückkehr so schnell wie möglich alle Filme zum Entwickeln gegeben und die Abzüge mit großer Spannung erwartet. Heute haben Sie sicherlich schon unterwegs einen Blick auf Ihre „Beute“ geworfen und haben ein Gefühl für die Menge der (guten) Bilder, die Sie im Gepäck nach Hause bringen. Nehmen Sie sich auf jeden Fall die Zeit und trennen Sie die Spreu vom Weizen und beschreiben Sie die aufhebenswerten Aufnahmen, solange Sie sich noch wirklich gut erinnern können: Wo sind sie entstanden? Was ist zu sehen? Gibt es Anekdoten rund um dieses Bild, diesen Ort oder diesen Tag der Reise?

Um Ihnen diese Arbeit zu erleichtern, lohnt es sich vielleicht schon unterwegs, die Routen des Tages mit unterschiedlichen Farben auf einer Karte zu markieren, um die einzelnen Aufnahmen dann leichter zuordnen zu können. Besitzen Sie eine Kamera mit GPS-Funktion, übernimmt diese das für Sie, indem sie in die Metadaten jedes Bildes schreibt, wo auf der Welt es entstanden ist. Auch Google Earth hat schon das eine oder andere Mal gute Dienste getan, wenn es darum ging, einen Aufnahmeort exakt zu rekonstruieren.

Vielleicht entwickeln Sie im Zuge des Sichtens, Aussortierens und Beschreibens der Bilder auch gleich eine Präsentation oder erstellen ein Fotobuch, um gemeinsam mit Ihren Freunden und Bekannten jederzeit noch einmal auf die Reise gehen zu können.