Elegant und hochwertig, grafisch und kontrastreich kommt sie daher – die Schwarz-Weiß-Fotografie. In den Köpfen der Betrachter war, ist und bleibt eine Schwarz-Weiß-Aufnahme etwas Besonderes, was ahrscheinlich auf die weltberühmten Aufnahmen der Fotogrößen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zurückzuführen ist.

Schwarz-Weiss-Fotografie

Die Ursprünge der Schwarz- Weiß-Fotografie finden sich in den Anfängen der Fotografie, wo es rein technisch nicht möglich war, die farbige Realität ebenso farbig abzubilden. Was damals normal war, wurde über die Jahrzehnte zu einem Stilmittel dieser Zeit, da schon in den 1930er-Jahren die Farbfotografie zwar aufkam, den Schwarz- Weiß-Bildern ihren Reiz aber nie genommen hat – bis heute nicht. Auch im digitalen Zeitalter erfreut sich das Weglassen von Farben weiterhin großer Beliebtheit. Ganz besonders unter den Fotografen, die entweder eine reine, puristische Fotografie anstreben, oder die sich dem Fine-Art verschrieben haben: der mühsamen und detailverliebten Ausarbeitung eines Schwarz- Weiß- Bildes von der Aufnahme bis zum Druck im Sinne analoger Vorbilder wie beispielsweise Ansel Adams und unter Zuhilfenahme digitaler ”Dunkelkammer- techniken”, die nichts anderes zum Ziel haben, als den analogen Entwicklungsprozess nachzuempfinden.

Schwarz-Weiss-Wirkung

Durch den Verzicht auf Farben im Bild reduzieren Sie als Fotograf die Realität um eine Komponente, die auf den Betrachter ausgesprochen nachhaltig wirkt: die Farben. Durch Farben werden wir unmittelbar und hochemotional angesprochen, die lösen Gefühle aus und wirken sehr vielschichtig auf unterschiedlichen kulturellen, gesellschaftlichen und assoziativen Ebenen.
Stattdessen wird in einer Schwarz-Weiß-Aufnahme alles in reinen Helligkeitsabstufungen abgebildet, was das Bild nicht mehr vordergründig emotional, sondern in erster Linie grafisch wirken lässt. Die Konturen, Formen und Strukturen des Motivs werden betont, und die Komposition der Bildelemente zu einer stimmigen Linienführung funktioniert stärker auf Basis grafischer Aspekte und der Hell-Dunkel-Verteilung im Bild. Denn die beiden „Farbextreme“ Schwarz und Weiß treten in einen besonders starken Kontrast zueinander, was die gezielte Gewichtung von hellen und dunklen Bildbereichen wichtiger werden lässt, als es bei Farbaufnahmen der Fall ist. Die Linienführung und der Bildaufbau treten also deutlich stärker in den Vordergrund, wodurch das Motiv auf der einen Seite verfremdet, auf der anderen Seite aber auch auf eine ganz besondere Weise hervorgehoben wird, da es in einer Art neutralem Rahmen gezeigt wird. Um ein Schwarz-Weiß-Foto zu entschlüsseln, wird mehr geistige Kapazität benötigt, weshalb sich der Betrachter stärker auf das Bild konzentrieren muss.

Schwarz-Weiss-Wirkung

Darüber hinaus gewinnen Graustufenbilder an besagtem ästhetischem Stil, was zum einen auf die Zeitlosigkeit einer Schwarz-Weiß-Aufnahme zurückzuführen ist, und zum anderen auf die „künstlerische Komponente“, die dem Weglassen von Farbe bewusst oder unbewusst zugesprochen wird. Dies geht auf unser Bildergedächtnis zurück, was lange Zeit von außergewöhnlichen Fotogrößen wie Henri Cartier-Bresson, Ansel Adams,Otto Steinert, Elliott Erwitt, Walter Schels und Peter Lindbergh mit Schwarz-Weiß-Bildern gefüttert wurde und diesem Gestaltungsmittel nach wie vor eine unverfälschte und originale Wirkung verleihen kann. Waren die Graustufenbilder der frühen Fotografie unangefochten ”wahr” und ”echt”, blieb dieser Eindruck bis heute, auch wenn eine Farbaufnahme eigentlich realer wirken müsste.
Diese Schwarz-Weiß-Wirkung ist erst einmal unabhängig von dem Motiv oder der weiteren formalen Gestaltung des Bildes und lebt allein durch die Reduzierung auf Grautöne, die das Bild unaufgeregt, ruhig und auf die Grafik reduziert erscheinen lässt.

Schwarz-Weiss fotografieren

Im Gegensatz zu der analogen Fotografie müssen Sie sich im digitalen Zeitalter nicht mehr vor der Aufnahme durch die Wahl eines bestimmten Schwarz-Weiß- Filmes mit feinerem oder groberem Korn für oder gegen die Schwarz-Weißästhetik entscheiden. Ganz im Gegenteil können Sie diese besonders nachhaltig wirkende Entscheidung für oder gegen Schwarz-Weiß bis zur späteren Nachbearbeitung aufschieben.

Je nachdem, welche Einstellungsmöglichkeiten Ihnen Ihre Kamera bietet, wählen Sie idealerweise das RAW-Format, um für die Nachbearbeitung flexibel zu bleiben, und gleichzeitig den Graustufenmodus, der Ihnen das Vorschaubild in Schwarz-Weiß anzeigt. Denn auch wenn Ihnen alle Möglichkeiten der Beeinflussung später noch bleiben, entsteht gute Schwarz-Weiß-Fotografie zuallererst im Sucher Ihrer Kamera und erst im letzten Schritt bei der Nachbearbeitung am Rechner. Und da hilft es ungemein, die Schwarz-Weiß-Wirkung des Bildes schon beim Fotografieren zu sehen. So wie sich die Wirkung eines Bildes durch die Umwandlung in Graustufen verändert, so gezielt sollten Sie nach dazu passenden Motiven suchen und diese durch eine gezielte Bildgestaltung bestmöglich wirken lassen. Denn eine emotionale Wirkung müssen Sie bei Schwarz-Weiß-Bildern auf anderem Wege erzeugen als durch den ”schnell und einfach wirkenden Hauptemotionsträger Farbe: Gefühle werden stärker durch das Motiv selbst sowie durch Schärfeverteilung, Schnitt und Bildaufbau transportiert.

Unterschätzen Sie bei der Bildgestaltung im Sucher nicht, wie stark Sie während des Fotografierens von Farben abgelenkt und beeinflusst werden und wie schwer es ist, die Helligkeitswerte der Farben richtig einzuschätzen. Denn wo Grün und Rot sehr unterschiedlich wirken, ergeben sie in Schwarz-Weiß umgewandelt nahezu denselben Grauton. Die Qualität der einzelnen Grautöne schon bei der Gestaltung einer Aufnahme berücksichtigen zu können, macht die Hochwertigkeit eines guten Schwarz-Weiß-Bildes aus. Es geht dabei darum, die Farben Ihres Motivs und wie diese es wirken lassen, vollständig zu ignorieren und stattdessen einschätzen zu können, ob die Reduzierung auf grafische Bildelemente und Hell-Dunkel-Kontraste Ihr Bild überhaupt tragen kann.

Von Farbe zu Schwarz-Weiss

Doch Schwarz-Weiß zu fotografieren wird nicht nur schwieriger, sondern vereinfacht auch so manche Aspekte: Wie viele verschiedene Lichtquellen Sie zu einer Mischlichtsituation kombinieren, wird genauso irrelevant wie manche störenden Elemente oder Farbkombinationen, die ein Farbfoto ruinieren würden. Da viele Farben eine ähnliche Helligkeit haben, ähneln sich ihre Töne, wenn man sie in Graustufen umwandelt. Dadurch können störende Elemente ganz einfach in ihrer Dominanz reduziert werden.

Von Farbe zu Schwarz-Weiss

Wenn Sie ein Schwarz-Weiß-Bild machen möchten, haben Sie erst einmal zwei Möglichkeiten: Entweder wählen Sie in Ihrer Kamera einen Aufnahmemodus, der Ihnen ein Graustufenbild erstellt oder Sie fotografieren in Farbe und wandeln das Bild später im Bildbearbeitungsprogramm in Graustufen um. Beides hat Vor- und Nachteile: Das direkte, unmittelbare Schwarz-Weiß- Fotografieren ist vergleichbar mit der Wahl eines Schwarz-Weiß-Films zu analogen Zeiten – je häufiger Sie sich darauf beschränken, desto schneller werden Sie ein Gefühl für Graustufen entwickeln und Ihre Aufnahmen bewusster und überzeugender auf diese ästhetik ausgerichtet gestalten.

Gleichzeitig verlieren Sie natürlich die Möglichkeit, dasselbe Bild später auch in Farbe zur Verfügung zu haben, und diese Flexibilität zu erhalten, erweitert die Möglichkeiten der Nachbearbeitung – auch für das Schwarz-Weiß-Bild – enorm. Andererseits hat es auch einen sehr starken Reiz, sich schon bei der Aufnahme auf ein Ergebnis festzulegen. Aber bedenken Sie eines: Farbinformationen schon bei der Aufnahme zu verschenken ist vor allem eines: destruktiv. Wer eine nicht destruktive Fotografie und Bildbearbeitung anstrebt, wird in jedem Fall in Farbe fotografieren und später in Graustufen umwandeln.

Schritt 1: Umwandlung

Möchten Sie eine Farbaufnahme in Schwarz-Weiß umwandeln, stehen Ihnen verschiedene Wege zur Verfügung, die zwar je nach eingesetztem Bildbearbeitungsprogramm mitunter anders bezeichnet werden, aber im Grunde genommen übertragbar sind. Voraussetzung für ein gutes Schwarz-Weiß-Bild ist ebenso gutes Ausgangsmaterial, das heißt, schon beim Fotografieren gilt es, darauf zu achten, einen möglichst großen Tonwertreichtum im Bild zu sichern. Das bedeutet, dass keine zu hellen oder zu dunklen, zeichnungsfreien Bereiche das Bild dominieren und möglichst viel Detailzeichnung in den wichtigen Teilen des Bildes zu finden ist. Je ausgewogener die Helligkeitsverteilung im Farbbild, desto mehr Möglichkeiten der Schwarz-Weiß-Interpretation bleiben Ihnen bei der Umwandlung.

1. Möglichkeit – Automatische Umwandlung

Ob nun über eine automatische Schaltfläche, die Ihr Bearbeitungsprogramm Ihnen anbietet oder die Konvertierung des RGB-Farbraums in einen Graustufenfarbraum, die Nachteile dieser Methode bleiben dieselben: Sie haben keinen Einfluss darauf, was bei der Umwandlung geschieht, da immer gleiche Parameter angewandt werden.

2. Möglichkeit – Entsättigen

So gut wie jedes Bearbeitungsprogramm bietet ein Werkzeug zur Veränderung der Farbsättigung. Diese auf Null zu setzen führt zu einem Ergebnis, das zwar schwarz-weiß ist, aber wiederum ohne Ihren gezielten Einfluss erstellt wurde. Auch diese Methode ist daher nicht zu empfehlen.

3. Möglichkeit – Farben oder Farbkanäle separat umwandeln

Was kompliziert klingt, ist es im Vergleich zu den ersten beiden Methoden zwar auch, wird aber durch entsprechende Werkzeuge vereinfacht. Ob nun der Kanalmixer oder ein Schwarz-Weiß-Umwandler herangezogen wird, das Grundprinzip ist immer gleich: Für jeden der drei Farbkanäle Rot, Grün und Blau beziehungsweise jede Primärund Sekundärfarbe (Rot, Orange, Gelb, Grün, Türkis, Blau, Violett, Magenta) definieren Sie selbst den jeweiligen Helligkeitswert, in den diese Farbe übersetzt werden soll. Dadurch erhalten Sie sich alle Möglichkeiten der Schwarz-Weiß- Interpretation für Ihr Bild und können im Prinzip sehr verschiedene Ergebnisse ein und desselben Bildes herausarbeiten. Um diese Methode etwas zu vereinfachen, bieten Ihnen diese Werkzeuge in der Regel Vorschläge in Form von Filtern oder Voreinstellungen, die Sie nutzen können – eventuell ergänzt durch leichte manuelle Nachbesserungen.

Schritt 1: Umwandlung

Schritt 2: Kontrast

Im Anschluss an die reine Umwandlung muss in den meisten eine Kontrastbearbeitung erfolgen, die Sie mit den gängigen Werkzeugen Tonwertkorrektur, Gradationskurve, Kontrast etc. durchführen können. Achten Sie dabei darauf, keine zeichnungsfreien weißen oder schwarzen Flächen zu erzeugen, sondern ausschließlich den Unterschied zwischen den helleren und den dunkleren Grauwerten zu erhöhen, was den Bildkontrast ansteigen lässt.

Um den Kontrast des Bildes beurteilen zu können, bietet die digitale Fotografie schon in der Kamera die Möglichkeit, das Histogramm auszulesen. Um dieses zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass die waagerechte Achse die Tonwertabstufungen von Schwarz (in der Regel links) bis Weiß (in der Regel rechts) zeigt. In der Senkrechten wird jeweils die im Bild vorhandene Menge der einzelnen Tonwerte angezeigt – je höher die Linie, desto häufiger kommt der entsprechende Grauwert vor. Die sich bildende Kurvenlinie kann sehr verschiedene Verläufe nehmen, sollte aber in jedem Fall sanft zu den Außenrändern hin auslaufen, was für einen möglichst großen Tonwertreichtum ohne zeichnungsfreie Bereiche im Bild sprechen würde.

Im Gegensatz zu aufwendigen Zonenmessungen, die ein Analogfotograf durchführen musste, ist die Kontraststeuerung heutzutage also wesentlich komfortabler.

Welches Schwarz-weiss?

Obwohl das Prinzip des Schwarz-Weiß klar sein dürfte – Farben werden auf ihre Helligkeit reduziert und in einen Helligkeits- bzw. Grauwert übersetzt – sind Graustufen nicht gleich Graustufen. Das heißt, es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten, ein und dasselbe Motiv in Graustufen umzuwandeln. Das Ergebnis kann von einem ganz sanften Schwarz-Weiß über eine ausgewogene, kontrastreiche ästhetik bis hin zu einem harten, beinahe grellen Nebeneinander von sehr hellen und sehr dunklen Grautönen reichen.
Diese Wirkungen sind ausschließlich auf die Gewichtung der helleren gegenüber den dunkleren Tonwerten zurückzuführen. Wenn Sie also ein Schwarz-Weiß-Bild gezielt gestalten, können und sollten Sie die folgenden Aspekte berücksichtigen:

Welches Schwarz-weiss?
  1. Je mehr Grauabstufungen im Bild vorhanden sind, desto detaillierter, feiner und aufgelöster wirkt es.
  2. Wenige Tonwertabstufungen bis hin zu reinem Schwarz-Weiß verleihen der Aufnahme eine plakative Wirkung, die ihr Extrem im Scherenschnitt findet. Der Aufmerksamkeitswert solcher Aufnahmen ist besonders hoch, erschöpft sich jedoch ebenso schnell, da dem Betrachter keine über die Konturen hinausgehenden Bildinformationen geboten werden.
  3. Je mehr dunkle Tonwerte im Bild vorhanden sind, desto dunkler, düsterer und schwerer wird nun auch der Inhalt wahrgenommen und interpretiert.
  4. Hellere Tonwerte geben einer Aufnahme hingegen eine leichtere, freundlichere und positivere Wirkung.
  5. Helle Bildbereiche ziehen den Blick des Betrachters grundsätzlich stärker an als dunkle.
  6. Rein weiße und rein schwarze Bereiche im Bild, die keine Zeichnung mehr aufweisen, werden bei Schwarz- Weiß-Aufnahmen nicht nur eher toleriert als bei Farbaufnahmen, sondern sind sogar erwünscht, um die ganze Bandbreite der Helligkeitsskala von Schwarz bis Weiß abzubilden.
  7. Schwarz-Weiß-Bearbeitung ist zu einem großen Teil Geschmacksache: Je nachdem, ob Sie eine düstere, hellere, härtere oder weichere Bildästhetik bevorzugen, werden Sie Ihr Bild auch in diese Richtung bearbeiten. Achten Sie nur darauf, die Bearbeitung passend zum Motiv zu wählen und nicht zum reinen Selbstzweck werden zu lassen. Das heißt, das Bild eines kleinen Mädchens verlangt nach einem sanfteren Schwarz-Weiß als das Reportagefoto einer Industrieruine, die weitaus härtere Kontraste vertragen wird.

Heutzutage fotografieren wir in einerZeit, da beinahe alles möglich zusein scheint und die Schwarz-Weiß-Fotografie wird manchmal zu einer ArtStatement, sich auf die traditionelleFotografie zurückzubesinnen. Es kannein Ansporn sein, ursprünglicher, leiserund detailreicher zu arbeiten, stattsich einer bunten und vordergründigemotionalen Farbigkeit anzuschließen.Es ist deshalb einfach lohnend,sich einmal an schwarz-weißen odermonochromen Bildern zu versuchen,wofür Ihnen jedes Bildbearbeitungsprogramm vielfältige Möglichkeiten bietet.