Egal, ob Sie bei einem großen oder kleinen Sportevent fotografieren – immer geht es um genau den richtigen Moment. Dieser eine Bruchteil einer Sekunde, in dem sich die ganze Dynamik der Bewegung, die Dramatik des Wettkampfes und die Kraft der extremen körperlichen Anstrengung in einem einzelnen Bild zusammenballen. In einem Foto, das dem Betrachter den Sportler nahebringt und das gleichzeitig stellvertretend für die ganze Sportart steht. Und natürlich gilt auch hier: Je mehr Sie über Ihr Motiv, über die jeweilige Sportart wissen, desto eher werden Sie zur richtigen Zeit mit der richtigen Ausrüstung am richtigen Ort stehen – und das perfekte Sportfoto machen können.

Sportfotografie

Gibt es die eine Sportfotografie?

Wenn die Rede von Sportfotografie ist, denken die meisten vermutlich sofort an Reporter mit großen, langen Objektiven an den Kameras, die in einem Sportstadion hinter der Werbebanderole stehen und versuchen, den Moment zu erwischen, in dem das Tor fällt. Natürlich gehört das auch zum großen Genre der Sportfotografie, aber es bildet nur einen kleinen Teil der Motive und der Möglichkeiten ab.Der Sport ist eine zumeist menschliche Betätigung, sieht man einmal von Windhundrennen, Hahnenkampf und ähnlichen Tierwettkämpfen ab. Dementsprechend könnte man Sportbilder auch als eine besondere Unterart der Porträtfotografie ansehen. Der kleine Golfer auf dem großen Golfplatz gehört ebenso in diese Kategorie wie der Reiter samt Pferd oder das verzerrte Gesicht des Basketballers beim Dunking. Meist treten bei solchen Bildern die individuellen Besonderheiten der Sportler hinter ihrer Funktion zurück, und es geht vor allem um die Bewegung, die stellvertretend die ganze Sportart in dem einen Moment einfängt. Aber natürlich gibt es auch tatsächlich das Sportlerporträt – gestellt, inszeniert, vor oder nach dem Wettkampf oder zu Hause als Teil einer Homestory. In dem Maße, wie Sportereignisse Teil der Medienberichterstattung sind, könnten Sportbilder auch als reine Reportagefotos angesehen werden.Oft sind es aber auch sehr kleine Ausschnitte, die viel über eine ganze Sportart aussagen. Wenn sich beispielsweise die mit Kalk bestäubte Hand sich kräftig um den Barrenholm klammert, bedient sich die Sportfotografie also bei der Detailfotografie. Auch die Sportgeräte selbst können ganze Geschichten erzählen, wenn beispielsweise ein abgegriffener und zerschrammter Hockeyschläger weggeworfen auf dem Spielfeld liegt. Und nicht zuletzt ist auch die Architektur großer Sportstätten und Stadien ein Teilaspekt des Sportes und seiner Bilder.Sie sehen also, die eine Sportfotografie gibt es nicht und kann es auch nicht geben. Das große Genre der Sportbilder ist stilistisch ein Querschnitt durch alle anderen Genres und genauso vielfältig wie es die vielen hundert Sportarten sind. Das einzige, was sie eint, ist, dass sich das Motiv immer mit einer bestimmten Sportart in Verbindung bringen lässt. Dennoch gibt es einige Besonderheiten, die vielen Aufnahmesituationen dieses Genres gemein sind und die Sie als Fotograf berücksichtigen sollten.

Mit Teleobjektiven die Entfernung überbrücken

Eine der zentralen Schwierigkeiten bei der Sportfotografie besteht darin, dass der Fotograf immer recht weit entfernt vom eigentlichen Geschehen agieren muss. Denn jede Sportart braucht einen klar definierten Raum, sei es das Spielfeld, den Parcours, die Piste oder den Sportplatz. Innerhalb dieses Raumes darf sich niemand aufhalten, der nicht zum Sport selbst gehört, zum einen, um den Ablauf des Spiels und zum anderen, um den Sportler nicht in seiner Konzentration zu stören. Natürlich gibt es einige wenige Sportarten wie Minigolf oder Schach, bei denen dieser Raum recht klein ausfällt. Aber in der Regel stehen Sie als Fotograf weit weg vom Sportler. Deswegen spielen in der Sportfotografie auch die Teleobjektive eine ganz zentrale Rolle.

Mit Teleobjektiven die Entfernung überbrücken

Der enge Bildwinkel der Telebrennweiten überbrückt optisch die Entfernung und bringt Sie als Fotografen, aber auch den Betrachter Ihrer Bilder ganz nah an das Geschehen heran. Dabei gibt es keine klassische Sportbrennweite, denn es gibt drei Faktoren, die einen Einfluss auf die jeweils für Ihre Situation perfekte Brennweite haben.Der erste Faktor ist natürlich die Größe des Motivs beziehungsweise der von Ihnen gewünschte Bildausschnitt. Wenn Sie den Springer samt Turm und etwas Wasser auf das Bild bannen wollen, Hockey kann noch das Normalobjektiv mit 50mm das Richtige sein. Um diesen jedoch formatfüllend abzubilden, dürften – je nach Standort – schon 300mm nötig sein und für ein Close-up des konzentrierten Gesichts benötigen Sie vermutlich ein 500mm-Objektiv.

Der zweite Faktor ist ebenso selbstverständlich die Entfernung zwischen Ihnen und Ihrem Motiv. Ein Handball- oder Basketballfeld lässt Sie deutlich näher an die Akteure heran als ein Fußball- oder Baseballfeld. Und im Sportstadion ist es ein extremer Unterschied, ob Sie von direkt hinter der Aschenbahn oder lediglich von der Tribüne aus fotografieren dürfen. Um den gleichen Bildausschnitt zu erzielen, dürfte auch hier der Unterschied gut 200 Millimeter in der dafür jeweils benötigten Brennweite ausmachen.

Da jedoch eigentlich nicht die Brennweite, sondern vielmehr der jeweilige Bildwinkel Ihres Objektivs relevant ist, kommt auch noch die Sensorgröße als dritter Faktor mit ins Spiel. Denn diese bestimmt – zusammen mit der Brennweite – den jeweiligen Bildwinkel eines Objektivs. Je größer Ihr Sensor ist, desto länger muss die Brennweite sein, um auf denselben engen Bildwinkel zu kommen. Für die Sportfotografie ist eine Vollformatkamera insofern tatsächlich von Nachteil. Hier müssen Sie – je nach Sportart – auf Objektive mit einem Brennweitenbereich von 200-400 oder sogar 300-800 zurückgreifen, um nah genug an die Sportler heranzukommen.

Mit einer APS-C-Kamera erreichen Sie – bei gleicher Brennweite – einen um den Faktor 1,5 engeren Bildwinkel, bei Kamerasensoren im Four-Third-Format ist der Winkel sogar doppelt so eng. Dementsprechend reichen im APS-C-Format meist bereits Objektive mit 70-300mm aus, im Four-Third-Format sind es nur noch 90-250mm. Allerdings gehen diese starken Brennweiten – jedenfalls im Voll- und APS-C-Format – mit einer vergleichsweise geringen Lichtstärke einher. Anfangsblenden von 4,5 und 5,6 sind bei diesen Objektiven keine Seltenheit.

Das Bild ruhig einfangen

Das Bild ruhig einfangen

Doch trotz dieser geringen Lichtstärke sind Teleobjektive ganz sicher weder klein, noch leicht. Im Gegenteil, Längen von 20 bis 40 Zentimetern sind keine Seltenheit bei diesen Objektiven – und das bei der kleinstmöglichen Brennweite. Noch längere Brennweiten oder vollständig ausgezogene Telezooms erreichen sogar eine Länge von über einem halben Meter. Das Metall für die Ummantelung sowie die in der Regel recht großen Linsen machen – gerade die höherqualitativen und längeren – Telebrennweiten zu echten Schwergewichten. Zwei bis sechs Kilo können solche Telezooms auf die Waage bringen, was deutlich mehr ist, als selbst der stärkste Fotograf längere Zeit ruhig aus der Hand fotografieren kann. übrigens haben auch hier die Objektive, die speziell für die kleinen Sensoren des Four-Third- Formats konstruiert sind, die Nase vorn. Mit Längen von 15 bis 30 Zentimetern und einem Gewicht von 600 Gramm bis rund drei Kilo für die lichtstärkeren Varianten sind sie sehr viel kompakter und leichter, also einfacher zu handhaben.

Selbstverständlich hilft es für das einzelne Bild aus der Hand eine Menge, dass solche Telezooms mittlerweile zumeist mit einem Verwacklungsschutz ausgerüstet sind, der Ihnen drei bis vier Verschlusszeitenstufen mehr Sicherheit bietet. Wenn Sie wie bei der Sportfotografie jedoch längere Zeit die Kamera auf Ihr Motiv richten und auf genau den richtigen Moment warten, werden Sie schnell feststellen, dass Sie solche Objektive nicht ohne ein Stativ benutzen können. Da sich bei der Länge und dem Gewicht der Schwerpunkt von der Kamera zum Objektiv verschiebt, verfügen solche Objektive über einen eigenen Anschluss für das Stativ. Das Objektiv lässt sich in dieser Stativschelle vom Hoch- ins Querformat drehen und arretieren.

Je nachdem, wie lange Sie auf Ihr Motiv warten und wie oft Sie den Standort wechseln müssen, werden Sie sich für ein Einbein- oder Dreibeinstativ entscheiden. Mit einem stabilen Einbeinstativ sind Sie sehr viel schneller und beweglicher, was gerade beim Sport oft den Unterschied zwischen den Moment noch erwischt und zu spät bedeutet. Achten Sie aber auf jeden Fall darauf, dass es so hoch ausziehbar ist, dass Sie auch bei geradem Rücken noch durch den Sucher Ihrer Kamera sehen können. Das Dreibeinstativ kann selbstständig stehen und ist deswegen für längeres Warten ideal. Damit Sie das Objektiv auf dem Stativ dennoch schnell bewegen können, bieten sich Kardanköpfe – liebevoll auch Affenschaukel genannt – an, bei denen die Objektive hängend, aber sehr stabil gelagert werden. Das hat im Gegensatz zum Kugelkopf den Vorteil, dass nicht gleich das ganze Gewicht des Kamera-Objektiv-Gespanns nach unten zieht, wenn Sie die Arretierung lösen, was eine genaue Ausrichtung des Objektivs sehr viel einfacher macht.

Sportbilder gestalten

Gleich aus drei Gründen sollten Sie in der Sportfotografie unbedingt auf ein Telezoom zurückgreifen, um den Bildausschnitt variieren zu können. Zum einen bekommen Fotografen bei den meisten größeren Sportveranstaltungen einen Standort zugewiesen und dürfen diesen nicht einfach wechseln. Doch selbst wenn dies möglich ist, müssten Sie recht große Entfernungen zurücklegen, um im Bild einen sichtbaren Effekt zu erzielen. Und damit wären Sie deutlich zu langsam, um mit den schnellen Bewegungen und Entwicklungen der jeweiligen Sportart Schritt halten zu können. Mit einem Zoomobjektiv erhalten Sie also sehr schnell sehr unterschiedliche Bilder mit verschiedenen Aussagen, ohne Ihren Standort ändern zu müssen. Lediglich wenn Sie immer recht ähnliche Bilder aus einer gleichen Entfernung machen – beispielsweise im Reportagebereich – und gleichzeitig höchste Qualität bei wenig Licht benötigen, sollten Sie eine Festbrennweite in Erwägung ziehen.

Sportbilder gestalten

Durch den sehr engen Bildwinkel erhalten Sie zum einen eine vergleichsweise flächige Abbildung Ihres Motivs. Achten Sie darauf, dass im Hintergrund noch andere Bildelemente erkennbar bleiben, wenn Sie statt der zweidimensionalen eine etwas realistischere Bildwirkung erzielen wollen.

Zum anderen ist die Schärfentiefe trotz der weiten Entfernung zum Motiv bei diesen Bildwinkeln extrem gering ausgeprägt. Damit heben Sie das jeweils fokussierte Bildelement sehr deutlich hervor, der Hintergrund verschwimmt schon nach wenigen Metern mehr oder weniger vollständig in der Unschärfe. Dies schränkt nicht nur Ihre Gestaltungsmöglichkeiten deutlich ein, sondern erhöht auch die Anforderungen an den Autofokus Ihrer Kamera. Ein stärkeres Abblenden ist nur bei sehr guten Lichtverhältnissen oder hohen ISO-Werten möglich, wird jedoch nur selten dazu führen, dass Sie ein durchgängig scharfes Bild erhalten.

Auch bei der Wahl der Verschlusszeit sind Sie in der Sportfotografie deutlich stärker eingeschränkt als in anderen Genres. Da Sport ja in der Regel mit recht schnellen Bewegungen einhergeht, benötigen Sie vor allem die kurzen Verschlusszeiten, um Ihr Motiv noch erkennbar abzubilden. Selbst wenn Sie ein wenig Bewegungsunschärfe mi tins Bild nehmen wollen, um die Dynamik des Sportlers zu unterstreichen, benötigen Sie dazu oft noch eine 1/250 oder 1/500 Sekunde. Um die Bewegung jedoch vollständig scharf einzufrieren, sind hingegen meist 1/1.000 Sekunde oder noch kürzer erforderlich.

Anforderungen an die Kamera

Mit diesen Vorgaben – geringe Lichtstärke, Abblenden und sehr kurze Verschlusszeiten – geraten Sie als Fotograf sehr schnell an die Grenzen Ihrer technischen Ausrüstung, insbesondere, wenn die Lichtsituation nicht außergewöhnlich gut ist. Schon ein etwas stärker bewölkter Tag, ganz sicher aber Dämmerung oder Stadionbeleuchtung lassen sich dann nur noch mit sehr hohen ISO-Werten überhaupt richtig belichten. Damit steigen die Anforderungen an das Rauschverhalten Ihrer Kamera enorm. Dass sie ISO 3.200 ohne nennenswertes Rauschen bewältigt, ist in der Sportfotografie da beinahe schon Standard, aber auch bei ISO 6.400 sollte die Bildqualität noch akzeptabel sein, damit Sie genügend Reserven haben. Zumal Sie bei Sportaufnahmen eigentlich nie einen Blitz einsetzen dürfen, um den Sportler nicht in seiner Konzentration beziehungsweise das Spiel zu stören.

Eine weitere, für Sportbilder extrem wichtige Funktion Ihrer Kamera ist der Autofokus. Selten sind Sie schnell genug, um eine Bewegung des Sportlers mit der Hand exakt zu fokussieren. Lediglich, wenn Sie bereits vorher genau wissen, wo ein Sportler auftauchen wird, können Sie von Hand vorfokussieren und auf ihn warten. Das kann beim Laufen oder Schwimmen ebenso der Fall sein wie beim Pferdespringen oder Autorennen.

Anforderungen an die Kamera

Sofern die Bewegungen jedoch nicht in einem exakt vorgegeben Parcours erfolgen, ist der Autofokus Ihrer Kamera meist schneller und genauer als Ihre Finger. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass der Autofokus auch schnell und genau genug für Ihr Motiv ist, denn das ist nur bei den sehr hochwertigen und aktuellen Kameramodellen der Fall. Durch die geringe Schärfentiefe haben Sie kaum Puffer für kleine Ungenauigkeiten des AF-Moduls und durch die langen Fokussierwege der Objektive kann eine Fehlfokussierung schnell dazu führen, dass Ihr Motiv bereits weg ist, bevor der Fokus sitzt. Sie benötigen also eine Kamera, mit mehreren und sehr leistungsfähigen AF-Verfolgungs-Modi. Diese sind in der Lage, ein Gesicht oder ein Objekt anhand des Umrisses zu identifizieren und es auf dem Bild zu verfolgen. Dabei wird anhand der Bewegungen vorausberechnet, wann Ihr Motiv wo sein wird und der Fokus wird kontinuierlich nachgeführt. Ideal ist es, wenn Sie der Kamera über den gewählten Modus noch zusätzliche Informationen über die Art der Bewegung, also über Regelmäßigkeit, Richtung und Schnelligkeit mitgeben können.

Da selbst bei einem sehr schnellen Autofokus nicht immer genau der richtige Moment erwischt wird, bietet sich bei den schnellen Sportbewegungen an, noch ein weiteres Detail Ihrer Kamera zu nutzen. Mit der Serienbildschaltung können Sie in extrem kurzen Abständen mehrere Bilder hintereinander machen, indem Sie einfach den Auslöser gedrückt halten. Bei zwei bis vier Bildern pro Sekunde können Sie Glück haben und genau den richtigen Moment erwischen. Dieser kann jedoch auch ebenso gut zwischen den jeweiligen Bildern liegen. Für die Sportfotografie sind deswegen noch schnellere Bildraten von acht bis zwölf Bildern pro Sekunde durchaus sinnvoll. Anschließend haben Sie zwar die Arbeit, das beste Bild auszuwählen, den besten Moment jedoch ziemlich sicher eingefangen.

Die tatsächliche Anzahl von Bildern pro Sekunde hängt übrigens sehr stark vom gewählten Dateiformat ab. Einige Kameras speichern im vollen RAW acht bis zehn Bilder pro Sekunde und schaffen im JPG-Modus zwölf bis vierzehn. Aber auch die übertragungsgeschwindigkeit Ihrer Speicherkarte ist ein nicht zu unterschätzender Flaschenhals. Hier lohnt sich die Investition in die neueste und schnellste Generation ziemlich sicher. Denn nichts ist ärgerlicher als wenn Sie das perfekte Motiv durch den Sucher Ihrer Kamera sehen – aber nicht auslösen können, weil Ihre Kamera noch mit dem Speichern der vorherigen Bilder beschäftigt ist, was durchaus schon einmal quälend lange zehn bis zwanzig Sekunden dauern kann.

Die tatsächliche Anzahl von Bildern pro Sekunde hängt übrigens sehr stark vom gewählten Dateiformat ab. Einige Kameras speichern im vollen RAW acht bis zehn Bilder pro Sekunde und schaffen im JPG-Modus zwölf bis vierzehn. Aber auch die übertragungsgeschwindigkeit Ihrer Speicherkarte ist ein nicht zu unterschätzender Flaschenhals. Hier lohnt sich die Investition in die neueste und schnellste Generation ziemlich sicher. Denn nichts ist ärgerlicher als wenn Sie das perfekte Motiv durch den Sucher Ihrer Kamera sehen – aber nicht auslösen können, weil Ihre Kamera noch mit dem Speichern der vorherigen Bilder beschäftigt ist, was durchaus schon einmal quälend lange zehn bis zwanzig Sekunden dauern kann.